– World Brain Day (22. Juli 2025) fokussiert Prävention von Parkinson, Demenz und Schlaganfall
– Ultrahochverarbeitete Lebensmittel fördern Schlaganfälle, erhöhen Demenz-, Parkinson- und Depressionsrisiko
– Rund 39 % der Energieaufnahme in Deutschland stammen aus ultrahochverarbeiteten Produkten
World Brain Day 2025: Risiken ultrahochverarbeiteter Lebensmittel für die Hirngesundheit
Am 22. Juli 2025 findet der internationale World Brain Day statt. In diesem Jahr rücken die Prävention neurologischer Erkrankungen wie Parkinson, Demenz und Schlaganfall in den Mittelpunkt. Diese Krankheiten betreffen weltweit Millionen Menschen und belasten nicht nur Betroffene, sondern auch das Gesundheitssystem enorm. Besonders eindrücklich ist die Zahl, dass 45 Prozent aller Demenzfälle und fast 90 Prozent aller Schlaganfälle vermeidbar wären, wenn Risikofaktoren konsequent vermieden würden.
Eine zentrale Rolle spielen dabei Lebensgewohnheiten – vor allem die Ernährung. Deutschland liegt mit fast 39 Prozent der gesamten Energieaufnahme aus ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF) weit oben im europäischen Vergleich. Diese Produkte, zu denen Fertigpizza, Mikrowellengerichte und Fast Food zählen, zeichnen sich durch eine hohe Energiedichte sowie einen niedrigen Gehalt an wertvollen Nährstoffen aus. Gleichzeitig enthalten sie oft viele künstliche Zusatzstoffe, gesättigte Fette, Zucker und Salz.
Der Markt für solche Fertiggerichte boomt: Schon 2025 werden in Deutschland voraussichtlich 6,58 Milliarden Euro allein mit Fertiggerichten umgesetzt, bei einem erwarteten jährlichen Umsatzwachstum von über 5 Prozent. Ein Beispiel verdeutlicht die problematische Zusammensetzung: Eine 400-Gramm-Salamipizza enthält 857 Kalorien, 28 Gramm Fett, 14 Gramm Zucker und 5,8 Gramm Salz, was fast den gesamten empfohlenen Tagesbedarf an Salz abdeckt (97 Prozent). Die vegane Variante bringt zwar weniger Salz, dafür jedoch deutlich mehr Fett mit sich.
Die gesundheitlichen Folgen eines hohen Konsums ultrahochverarbeiteter Lebensmittel sind gravierend. Studien zeigen, dass ein solcher Lebensstil mit einem 44 Prozent höheren Demenzrisiko verbunden ist. Besonders alarmierend: Personen, die über einen Zeitraum von zwölf Jahren im Durchschnitt mehr als zehn Portionen dieser Produkte täglich verzehrten, hatten ein 2,7-fach erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Eine aktuelle prospektive Studie ergab zudem, dass eine Erhöhung des UPF-Konsums um 10 Prozent mit einer 25-prozentigen Steigerung des Demenzrisikos sowie einer 14-prozentigen Zunahme des Alzheimer-Risikos einhergeht.
Auch das Parkinson-Risiko steht in Verbindung mit dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel: Die Parkinson-spezifische Sterblichkeit war bei hohem UPF-Konsum um 23 Prozent höher. Neben den neurologischen Erkrankungen deuten Untersuchungen zudem auf eine gesteigerte Anfälligkeit für psychische Störungen hin.
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Hirnstiftung fordern deshalb nicht nur mehr Aufmerksamkeit für diese Zusammenhänge, sondern auch Maßnahmen wie eine verpflichtende Nährstoff-Ampel auf Verpackungen. Prof. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN, betont: „Es wäre wünschenswert, wenn diese Nährstoff-Ampel auf allen Verpackungen verpflichtend wäre.“ Denn Ernährung ist ein entscheidender Baustein für die Hirngesundheit – eine bewusste Wahl kann Risiken deutlich senken.
Nutzen Sie den World Brain Day am 22. Juli 2025, um sich über die Risiken ultrahochverarbeiteter Lebensmittel zu informieren und Ihre Ernährung gezielt hirngesund zu gestalten.
Warum ultrahochverarbeitete Lebensmittel unser Gehirn gefährden – und was das für Gesellschaft und Politik bedeutet
Der Trend zum schnellen Essen hat Deutschland längst erfasst: Fast Food, Fertiggerichte und Snacks nehmen im Alltag vieler Menschen einen festen Platz ein. Ultrahochverarbeitete Lebensmittel (UPF), also industriell stark bearbeitete Produkte mit vielen Zusatzstoffen, Zucker, gesättigten Fettsäuren und wenig Nährstoffen, machen inzwischen fast 39 Prozent der durchschnittlichen Energiezufuhr in Deutschland aus. Einerseits bieten sie Bequemlichkeit und Zeitersparnis, andererseits birgt dieser hohe Konsum gravierende Risiken – insbesondere für das Gehirn. Neue Studien zeigen, dass UPF das Risiko für Demenz, Parkinson und Schlaganfälle deutlich erhöhen können. Wie sich diese Entwicklung erklärt, welche gesellschaftlichen Dynamiken dahinterstecken und welche Herausforderungen Politik und Konsument:innen dabei begegnen, verdient einen genaueren Blick.
Der steigende Konsum ultrahochverarbeiteter Produkte hat mehrere treibende Ursachen. Veränderte Lebensstile, zunehmende Zeitknappheit und der hohe Stellenwert von Bequemlichkeit im Alltag fördern die Nachfrage nach schnellen, einfach verfügbaren Mahlzeiten. Zudem setzen Hersteller auf aggressive Werbung, die oft gesunde Aspekte hervorhebt, obwohl die Produkte wegen ihres hohen Zucker-, Salz- und Fettanteils gesundheitlich problematisch sind. So suggerieren etwa manche Fertigpizzen durch einzelne Nährwertangaben ein ausgewogenes Bild, obwohl sie die empfohlenen Tageswerte schnell überschreiten – ein Beispiel für irreführende Marketingstrategien. Gleichzeitig bleibt das öffentliche Bewusstsein für die gesundheitlichen Gefahren des häufigen Verzehrs vieler ultrahochverarbeiteter Lebensmittel begrenzt.
Wie beeinflussen Essgewohnheiten unsere Gesellschaft?
Die Verschiebung hin zu einem hohen Anteil ultrahochverarbeiteter Lebensmittel hat gesellschaftliche Konsequenzen weit über die individuellen Gesundheitsrisiken hinaus. Gleichzeitig mit der Zunahme von Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wächst die Zahl neurodegenerativer Erkrankungen wie Demenz und Parkinson. Epidemiologische Analysen deuten darauf hin, dass bis zu 45 Prozent aller Demenzfälle und fast 90 Prozent aller Schlaganfälle prinzipiell vermeidbar sind – etwa durch eine gesündere Ernährung. Neue Studien bestätigen nun, dass der Zusammenhang zwischen UPF-Konsum und neurologischen Erkrankungen nicht nur indirekt über Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes besteht, sondern auch auf andere Mechanismen zurückzuführen ist. Änderungen im Darmmikrobiom etwa, ausgelöst durch die schlechte Nährstoffzusammensetzung UPF-lastiger Kost, können über die Darm-Hirn-Achse krankhafte Prozesse im Gehirn fördern. Hinzu kommen mögliche direkte Schäden durch Zusatzstoffe wie Glutamat, Nitrate oder Mikroplastik, wenngleich hier die Beweislage für kausale Zusammenhänge noch unzureichend ist.
Der gesellschaftliche Trend zu mehr Bequemlichkeit in der Ernährung verschärft also nicht nur bestehende Gesundheitsprobleme, sondern wirkt auch auf die Kosten und Belastungen der Gesundheitsversorgung. Mit einem geschätzten Jahresumsatz von über 6,5 Milliarden Euro für Fertiggerichte allein in Deutschland wächst zudem ein Wirtschaftszweig rasant, der eigene Interessen in Nährwertkennzeichnung und Werbung stark geltend macht. Gegenläufige Ansätze, wie eine verpflichtende, leicht verständliche Kennzeichnung durch den Nutri-Score, sind bislang noch nicht flächendeckend umgesetzt. Politisch stellt sich die Frage, wie viel Regulierung bei der Lebensmittelindustrie notwendig ist, um Konsument:innen besser zu schützen, ohne ihnen die freie Wahl zu nehmen.
Neue Ansätze für Prävention und Aufklärung
Gesundheitspolitisch sind daher umfassendere Strategien gefragt, die sowohl auf gesetzgeberischer Ebene als auch im Bereich der Verbraucherinformation ansetzen. Zu den diskutierten Reformoptionen gehören:
- Verpflichtende Nährwertkennzeichnungen wie der Nutri-Score auf allen ultrahochverarbeiteten Produkten, um Verbraucher:innen eine schnelle und klare Orientierung zu ermöglichen
- Einschränkungen von Werbung, vor allem für Kinder und Jugendliche, um die Attraktivität ungesunder Produkte zu reduzieren
- Förderung von Aufklärungskampagnen, die den Zusammenhang zwischen Ernährung und Hirngesundheit transparent machen
- Unterstützung nachhaltiger Ernährungsformen durch Anreize für frische, ballaststoffreiche und wenig verarbeitete Lebensmittel
Für Konsument:innen selbst ergibt sich die Möglichkeit, das Risiko für neurologische Erkrankungen durch bewusste Ernährung zu senken. Schon der Ersatz von nur 10 Gramm ultrahochverarbeiteter Lebensmittel pro Tag durch frische Alternativen reduziert messbar das Risiko, wie Studien zeigen. Die Herausforderung liegt darin, den gesellschaftlichen Trend zu häufigem Konsum von UPF aufzubrechen und mehr Wissen über die Folgen der Ernährung auf die Gehirngesundheit zu verbreiten.
Die Debatte um ultrahochverarbeitete Lebensmittel ist damit ein Beispiel dafür, wie Ernährung mehr ist als nur Kalorienzufuhr. Sie steht exemplarisch für die Schnittstelle von individuellen Entscheidungen, wirtschaftlichen Interessen und gesundheitspolitischer Verantwortung – mit direkten Folgen für die Zukunft der öffentlichen Gesundheit.
Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf einer gemeinsamen Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Hirnstiftung.