– Eine Petition mit über 40.000 Unterschriften führte zu einer Bundestagsanhörung gegen Affenversuche.
– Die Organisationen fordern ein Verbot von Affenversuchen und mehr Förderung für tierversuchsfreie Forschung.
– Internationale Beispiele zeigen einen Trend weg von Tierversuchen, während Deutschland eine Strategie fehlt.
Bundestagsanhörung: Mehr als 40.000 Bürgerinnen und Bürger fordern das Ende von Affenversuchen
Am 1. Dezember fand im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages ein Thema große Beachtung, das mehr als 40.000 Bürgerinnen und Bürger bewegt: die Forderung nach einem Ende von Tierversuchen an Affen*. Diese öffentliche Anhörung stand im Zusammenhang mit einer Petition, die von den Organisationen Ärzte gegen Tierversuche und PETA Deutschland unterstützt wird*. Die hohe Unterstützung macht deutlich, dass ein wissenschaftspolitischer Kurswechsel von einer breiten Öffentlichkeit erwartet wird.
Was die Petition fordert
Die Petition „Tierversuche an Affen stoppen“ formuliert konkrete politische Handlungsaufträge. Sie verlangt ein nationales und europäisches Engagement für ein Verbot dieser Versuche. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Ausrichtung des Gefährdungsstatus der verwendeten Affenarten an der Roten Liste der Weltnaturschutzunion. Zudem fordert sie ein ausnahmsloses Verbot von Versuchen an Menschenaffen sowie eine jährliche Erhöhung der Fördermittel für tierversuchsfreie Forschung.
Originalzitate aus der Anhörung
In der Anhörung begründeten die Vertreter der Petition ihre Forderungen wissenschaftlich und ethisch. Dr. Melanie Seiler, Primatologin und Geschäftsführerin Öffentlichkeitsarbeit von Ärzte gegen Tierversuche, brachte die Kritik an der aktuellen Forschungspraxis auf den Punkt: „Tierversuche, auch an Affen, liefern keine verlässlichen Daten für den Menschen. Humanbasierte Verfahren wie Organ-on-a-Chip, 3D-Organoide und KI-Modelle liefern hingegen präzisere Ergebnisse, die Erkrankten wirklich helfen können – schneller, kostengünstiger und ethisch korrekt.“
Die Veranstaltung am 1. Dezember und die darauf folgende Pressemitteilung vom 2. Dezember markieren einen wichtigen Schritt im Umgang mit dem Thema*.
Hintergrund: Warum Affenversuche in der Kritik stehen
Die Forderung nach einem Ende der Affenversuche stützt sich auf zwei zentrale Argumentationslinien: wissenschaftliche Zweifel und ethische Bedenken. Die Kritiker, darunter die Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT), sehen in der Übertragbarkeit von Ergebnissen vom Affen auf den Menschen ein grundlegendes Problem. Sie argumentieren, dass die biologischen Unterschiede zwischen den Arten zu unzuverlässigen Daten führen, die für die menschliche Medizin wenig Aussagekraft besitzen. Stattdessen verweisen sie auf moderne, humanbasierte Verfahren wie Organ-on-a-Chip-Systeme, 3D-Organoide und KI-Modelle, die präzisere und direkt auf den Menschen übertragbare Ergebnisse liefern sollen.
Ethisch wird die Praxis vor allem mit dem hohen Leidenspotenzial und der komplexen kognitiven und emotionalen Fähigkeiten von Primaten infrage gestellt. Zudem weisen die Organisationen auf den Artenschutz hin. So gelten häufig verwendete Arten wie der Langschwanzmakake inzwischen als stark gefährdet – ein Faktor, der die ethische Debatte um die Entnahme von Tieren aus der Wildnis oder deren Zucht für Versuchszwecke zusätzlich anheizt.
Internationale Vergleichssignale
Während in Deutschland die politische Debatte neu entfacht ist, verweisen die Kritiker auf Entwicklungen im Ausland, die aus ihrer Sicht einen klaren Trend abbilden. Die Ärzte gegen Tierversuche stellen dabei konkrete politische Schritte anderer Nationen heraus.
ÄgT betont zudem, dass andere Länder Deutschland bereits überholen: Die USA schaffen neue Strukturen für humanrelevante Forschung, die Niederlande beenden ab 2030 die staatliche Finanzierung von Affenversuchen und Großbritannien hat eine nationale Rückbaustrategie von Tierversuchen vorgestellt. (Stand: PM 02.12.2025)*
Diese Aussage umreißt drei unterschiedliche politische Ansätze: In den USA geht es demnach um eine Neuausrichtung der Forschungsförderung hin zu mehr Humanrelevanz. Die Niederlande setzen mit einem geplanten Finanzierungsstopp für staatlich geförderte Affenversuche ab dem Jahr 2030 auf ein finanzielles Signal. Großbritannien wiederum verfolgt mit einer nationalen Rückbaustrategie einen systematischen Plan zur Reduktion von Tierversuchen insgesamt. Für die Petenten sind diese Beispiele Indizien dafür, dass Deutschland bei der Entwicklung einer verbindlichen, zukunftsorientierten Strategie Nachholbedarf hat. Detaillierte Zahlen und Trends zu Tierversuchen in Deutschland und international werden im Kapitel „Statistiken, Fakten & weitere Quellen“ aufgegriffen.
Zahlen und Fakten zu Tierversuchen an Affen
Die Debatte um Tierversuche an nicht-menschlichen Primaten stützt sich auf konkrete Daten und Fakten. Die verfügbaren Statistiken bieten Einblick in die Entwicklung der Einsatzmengen und die Strukturen der Forschung. Alle hier genannten Werte stammen aus öffentlich zugänglichen Recherchen von Tierschutzorganisationen.*
Entwicklung der Einsatzmengen
Die jährliche Zahl der in deutschen Laboren eingesetzten Affen schwankte in den letzten Jahren. Nach Angaben von PETA wurden im Jahr 2021 insgesamt 1.915 Affen in Tierversuchen verwendet (Stand: 2021). Im Folgejahr 2022 stieg diese Zahl auf 2.267 Tiere an (Stand: 2022). Für das Jahr 2023 gibt die Organisation Ärzte gegen Tierversuche eine Zahl von 1.733 eingesetzten nicht-menschlichen Primaten an (Stand: 2023)*.
| Jahr | Anzahl eingesetzter Affen | Einheit / Bemerkung | Quelle / Stand |
|---|---|---|---|
| 2021 | 1.915 | Affen in Tierversuchen | PETA (Stand: 2021)* |
| 2022 | 2.267 | Affen in Tierversuchen | PETA (Stand: 2022)* |
| 2023 | 1.733 | nicht-menschliche Primaten in Tierversuchen | Ärzte gegen Tierversuche (Stand: 2023)* |
Einrichtungen, Arten und Transparenz
Eine Recherche aus dem Jahr 2025 nennt 14 Einrichtungen in 8 Bundesländern, in denen jährlich zwischen 1.700 und 3.500 Affen für Experimente eingesetzt werden (Stand: 2025)*. NGO-Schätzungen deuten auf eine höhere Dunkelziffer hin, die mit kontinuierlichen Versuchen und begrenzter Transparenz zusammenhängen könnte.
Zu den am häufigsten eingesetzten Affenarten in Deutschland zählen laut dieser Recherche Javaneraffen (Langschwanzmakaken), gefolgt von Rhesusaffen, Weißbüscheläffchen, Totenkopfäffchen, Grünen Meerkatzen und Pavianen (Stand: 2025)*.
Gesellschaftliche Relevanz: Artenschutz als treibende Kraft
Die breite Unterstützung für die Petition gegen Affenversuche speist sich nicht allein aus ethischen oder wissenschaftlichen Bedenken. Ein weiterer, gewichtiger Faktor tritt in der öffentlichen Debatte immer deutlicher hervor: der Artenschutz. Die Diskussion um Tierversuche verlässt damit den engen Rahmen der Forschungspolitik und berührt ein gesellschaftliches Anliegen, das viele Menschen unmittelbar bewegt – den Erhalt der biologischen Vielfalt.
Warum Artenschutz ins Spiel kommt
Die Forderung nach einem Ende der Affenversuche verknüpft sich zunehmend mit dem Schutz bedrohter Arten. Kritiker weisen darauf hin, dass der Einsatz bestimmter Arten in Laborexperimenten mit den globalen Bemühungen zum Schutz gefährdeter Tiere in Konflikt stehen könnte.* Diese Praxis steht somit in einem Spannungsverhältnis zu internationalen Artenschutzzielen und wirft die Frage auf, ob der wissenschaftliche Nutzen den potenziellen Verlust an Biodiversität rechtfertigt.*
Die zentrale Aussage der Petenten betont, dass der Schutz bedrohter Affenarten stärker berücksichtigt werden sollte. Es geht nicht mehr nur um das Leiden einzelner Tiere im Labor, sondern um den Erhalt ganzer Populationen in der Wildnis. Die Nachfrage der Forschung nach bestimmten Primatenarten steht damit im Widerspruch zum Ziel des Erhalts biologischer Vielfalt.*
Öffentliche Resonanz und Debatten
Die Überschneidung von Tierethik und Artenschutz erklärt einen Teil der enormen öffentlichen Resonanz. Für viele Unterzeichnende ist der Gedanke, dass für Experimente Arten verwendet werden, die in ihren natürlichen Lebensräumen ums Überleben kämpfen, nicht nachvollziehbar. Diese Haltung findet sich auch in den Forderungen der Petition wieder, die eine Ausrichtung des Gefährdungsstatus an der Roten Liste und ein ausnahmsloses Verbot von Versuchen an Menschenaffen verlangt.*
Die Debatte gewinnt so an Komplexität und Reichweite. Sie verbindet Bürger, die sich für Tierschutz engagieren, mit jenen, die den Erhalt der Natur und biologischer Vielfalt als globale Aufgabe begreifen. Die über 40.000 Unterschriften sind somit auch ein Signal für ein gewachsenes Umweltbewusstsein, das die Folgen menschlichen Handelns auf das gesamte Ökosystem mitdenkt. Die politische Auseinandersetzung im Petitionsausschuss des Bundestages spiegelt diese erweiterte Perspektive wider und zeigt, dass die Frage nach der Zukunft der Primatenforschung ohne den Aspekt des Artenschutzes nicht mehr zu beantworten ist.
Wie geht es nach der Anhörung weiter?
Die öffentliche Anhörung im Bundestag ist abgeschlossen, doch der politische Prozess läuft weiter. Der Petitionsausschuss tritt nun in die Beratungsphase ein. „Der Petitionsausschuss wird die eingebrachten Inhalte nun beraten; ein Ergebnis liegt noch nicht vor.“ (Stand: PM 02.12.2025). In dieser Phase werten die Abgeordneten die Stellungnahmen der Petenten und der geladenen Ministerien aus, diskutieren die Forderungen und erarbeiten eine Empfehlung an das Plenum des Bundestages. Solche parlamentarischen Beratungen können, abhängig von der Komplexität des Themas und der Tagesordnung, mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.
Verfahren im Petitionsausschuss
Die nun anstehenden Beratungen folgen einem festgelegten parlamentarischen Verfahren. Der Ausschuss kann die Petition für erledigt erklären, sie an die Bundesregierung zur Stellungnahme überweisen oder eine eigene Beschlussempfehlung an das Parlament formulieren. Eine direkte Abstimmung über ein Gesetz ist durch eine Petition allein nicht möglich; sie dient vielmehr als starkes politisches Signal, das in weitere Gesetzesinitiativen oder Regierungsaufträge münden kann. Die intensive Fragerunde während der Anhörung deutet auf ein substantielles Interesse der Abgeordneten hin, das die Grundlage für die kommenden Debatten bildet.
Erwartungen der Petenten
Die Initiatoren der Petition blicken mit klaren Erwartungen in die nächste Phase. Für Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) war die Anhörung ein wichtiger Meilenstein, getragen von über 40.000 Unterschriften. Ihr strategisches Ziel formulieren sie eindeutig: „ÄgT dankt allen Unterzeichnenden und kündigt an, sich weiter mit Nachdruck für eine moderne, wissenschaftlich zukunftsfähige und ethisch vertretbare Forschungspolitik einzusetzen.“ (Stand: PM 02.12.2025). Der weitere Einsatz zielt darauf ab, dieses Anliegen auf der politischen Agenda zu halten.
Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung von Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Bis 20.10.2025 wurden über 40.000 Unterschriften für die Bundestagspetition ‚Tierversuche an Affen stoppen‘ gesammelt – Überschreitung der erforderlichen 30.000“ – Quelle: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/helfen/aktiv-werden/kampagnen/bundestagspetition-tierversuche-an-affen-stoppen
- „Öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestags zum Thema ‚Tierversuche an Affen‘ findet am 01. Dezember 2025 statt“ – Quelle: https://www.tierversuche-verstehen.de/tierversuche-mit-affen-kommission-reagiert-auf-bundestagspetition/
- „Im Jahr 2023 wurden in Deutschland laut offizieller Statistik 1.733 nicht-menschliche Primaten für Tierversuche eingesetzt – Tiefstand der letzten zehn Jahre“ – Quelle: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/wissen/tierversuche/in-deutschland/wo-werden-tierversuche-an-affen-gemacht
- „14 Einrichtungen in 8 Bundesländern wurden identifiziert (Stand: 2025), in denen jährlich zwischen 1.700 und 3.500 Affen für Experimente eingesetzt werden; NGO-Schätzungen deuten auf höhere Dunkelziffern hin durch kontinuierliche Versuche und fehlende Transparenz“ – Quelle: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/news/neue-recherche-deckt-ausmass-der-tierversuche-an-affen-in-deutschland-auf
- „Häufigste eingesetzte Affenart sind Javaneraffen (Langschwanzmakaken), gefolgt von Rhesusaffen, Weißbüscheläffchen, Totenkopfäffchen, Grüne Meerkatzen und Pavianen (Stand: 2025)“ – Quelle: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/news/neue-recherche-deckt-ausmass-der-tierversuche-an-affen-in-deutschland-auf
- „Im Jahr 2021 wurden 1.915 Affen in Tierversuchen eingesetzt, im Jahr 2022 stieg die Zahl auf 2.267 Tiere (+18 Prozent)“ – Quelle: https://www.peta.de/themen/tierversuche-deutschland/
8 Antworten
Ich habe die Petition unterschrieben und finde es wichtig, dass viele Menschen darüber sprechen! Aber wie stehen wir im Vergleich zu anderen Ländern? Gibt es Statistiken dazu?
‚Naja, die Statistiken zeigen einen Trend weg von Tierversuchen in anderen Ländern. Das sollte uns motivieren! Wo können wir noch Informationen finden?‘
‚Gute Frage, Katja! Man könnte auch mehr Aufklärung in Schulen machen über Tierethik und Artenschutz.‘
Die Zahlen sind erschreckend! Warum gibt es in Deutschland keinen klaren Plan gegen Tierversuche? Ich habe gelesen, dass andere Länder schon weiter sind. Was können wir tun, um das zu ändern?
Genau! Deutschland sollte sich ein Beispiel an den USA oder Großbritannien nehmen. Wir brauchen dringend eine Diskussion über neue Forschungsansätze.
Ich finde es toll, dass so viele Leute sich für die Petition einsetzen. Es ist wichtig, dass wir endlich aufhören, Affen in Versuchen zu missbrauchen. Welche Alternativen könnten wir nutzen? Ich denke, der Artenschutz spielt auch eine große Rolle.
Das ist ein guter Punkt, Magdalena! Es gibt ja schon vielversprechende Methoden wie Organ-on-a-Chip. Wie können wir mehr Druck auf die Politik ausüben?
Ich stimme euch zu! Der Einsatz von Tieren in der Forschung ist veraltet. Es ist an der Zeit für Veränderung!