– Bundestierschutzbeauftragte fordert Verbot von Lebendtiertransporten in Drittstaaten
– Aktuell sind 4.000 Rinder aus Uruguay durch fehlende Dokumente gefährdet
– VIER PFOTEN unterstützt die Forderung nach einem Ende der Tiertransporte
Breher fordert Verbot von Lebendtiertransporten in Drittstaaten
Die Bundestierschutzbeauftragte Silvia Breher hat sich für ein Ende der Lebendtiertransporte in Hochrisikostaaten außerhalb der EU ausgesprochen. Die zentrale Forderung: ein Verbot solcher Transporte in Drittstaaten – Stand: 26. September 2025.*
Bereits Anfang November hatte die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN mit einer deutlichen Aktion Druck auf die Politik gemacht: Bei einer Mahnwache übergab die Organisation mehr als 95.000 von Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnete Postkarten an das Bundeslandwirtschaftsministerium.*
VIER PFOTEN begrüßt die Positionierung der Bundestierschutzbeauftragten ausdrücklich: „Wir begrüßen, dass die Bundestierschutzbeauftragte Silvia Breher, die gleichzeitig auch Parlamentarische Staatssekretärin des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist, unsere Forderung eines Verbots grausamer Tiertransporte in Drittstaaten unterstützt. Ein bundesweites Verbot durch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer wäre rechtlich möglich und ist damit längst überfällig. Jedes weitere Zögern bedeutet unnötiges Tierleid.“
Rechtliche und europaweite Vorkämpfe
Die Forderung nach einem Verbot von Lebendtiertransporten in Drittstaaten steht nicht isoliert da. Bereits seit Jahren formiert sich auf europäischer und nationaler Ebene juristischer Widerstand gegen die Praxis. Die rechtlichen Grundlagen für Exportverbote sind vorhanden – mehrere EU-Mitgliedsstaaten und deutsche Bundesländer haben bereits konkrete Schritte unternommen.*
EU-Recht und Urteile
Die juristische Basis für strengere Regulierung von Tiertransporten schuf der Europäische Gerichtshof bereits im April 2015 mit einer Grundsatzentscheidung zum Tierwohl bis zum Endziel.* Dieses Urteil stellt klar, dass Tierschutzstandards nicht nur für den Transport selbst, sondern für das gesamte Bestimmungsland gelten müssen.
Diese Rechtsprechung ebnete den Weg für nationale Verbote. Sie schafft die europarechtliche Grundlage, um Transporte in Länder zu untersagen, in denen die Einhaltung europäischer Tierschutzstandards nicht gewährleistet werden kann.
Länderregelungen im Vergleich
Deutschland ging mit regionalen Erlassen voran: Vier deutsche Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, erließen ab Juli 2020 Erlasse, die Lebendtierexporte in Drittstaaten verbieten (Stand: 2020).* Diese frühen regionalen Regelungen demonstrierten die rechtliche Machbarkeit von Transportverboten auf subnationaler Ebene.
Die Niederlande zogen kurz darauf nach und führten ein solches Verbot ein (Stand: 22. Februar 2022).* Nur wenige Tage später, am 1. März 2022, trat in Luxemburg ein Verbot von Lebendtierexporten in Drittstaaten in Kraft (Stand: 01. März 2022).*
Parallel dazu untersagte Österreich Exporte nach Russland (Stand: 22. Februar 2022).* Diese gezielte Maßnahme zeigt, wie Mitgliedsstaaten Transporte in bestimmte Hochrisikoregionen gezielt unterbinden können.
Die bestehenden nationalen Verbote beweisen: Ein bundesweites Verbot durch das Bundeslandwirtschaftsministerium wäre rechtlich möglich. Die verschiedenen Ansätze – von regionalen Erlassen über allgemeine Exportverbote bis zu gezielten Embargos – bieten dabei unterschiedliche rechtliche Modelle für die aktuelle Debatte um ein umfassendes Transportverbot.
Bundespolitische Debatte und jüngste Beschlüsse
Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant Maßnahmen, um Tiertransporte zu erschweren, indem es den Export von Zuchttieren in Drittstaaten enger reguliert*. Diese Bescheinigungen bilden die rechtliche Grundlage für den Export von Nutztieren in Drittstaaten. Ihr Widerruf erschwert Transporte faktisch, da ohne gültige Veterinärbescheinigung keine Tiere ausgeführt werden dürfen. Diese administrative Maßnahme stellt einen konkreten Schritt dar, um Tierleid bei Langstreckentransporten zu verhindern.
Parallel dazu hat der Bundesrat am 26.09.2025 über einen Entschließungsantrag aus Nordrhein-Westfalen abgestimmt, der strengere Exportvorgaben und effektive Sanktionsrechte fordert*. In der Begründung stellt der Bundesrat fest: "Beim Export von Nutztieren in bestimmte Drittstaaten kommt es regelmäßig zu gravierenden … Tierschutzverstößen …".
Ein Entschließungsantrag des Bundesrates besitzt zwar keine unmittelbare Gesetzeskraft, hat jedoch erhebliches politisches Gewicht. Als Stimme der Bundesländer appelliert er an die Bundesregierung, gesetzgeberisch tätig zu werden. Der Antrag signalisiert zudem breiten politischen Konsens für verschärfte Regelungen und kann weiteren Druck auf die Bundesebene ausüben, um die geforderten strengeren Exportvorgaben tatsächlich umzusetzen.
Der Bundesratsbeschluss zeigt damit einen langfristigen Ansatz für rechtliche Verbesserungen. Diese Entwicklung verdeutlicht die wachsende politische Dynamik für strengere Kontrollen von Lebendtiertransporten.
Dokumentierte Missstände: Fälle und Zahlen
Die Praxis von Lebendtiertransporten in Drittstaaten führt regelmäßig zu konkreten, dokumentierten Tierschutzverstößen.* Die dokumentierten Verstöße zeigen ein klares Muster: Tiere werden Grenzkontrollen, bürokratischen Hürden und extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt, was zu Dehydration, Erschöpfung und schweren Verletzungen führt. Ein Ergebnis solcher Transporte ist der qualvolle Tod von Tieren an europäischen Außengrenzen – ein Szenario, das sich bei Transporten in Drittstaaten wiederholt.*
Diese belegten Vorfälle unterstreichen die Dringlichkeit politischer Maßnahmen. Sie beweisen, dass bestehende Kontrollmechanismen versagen, wenn Tiere EU-Territorium verlassen. Die dokumentierten Missstände liefern keine Einzelfälle, sondern repräsentieren strukturelle Defizite im System der Lebendtiertransporte.*
Stimmen, Interessen und mögliche Folgen
Die Debatte um Lebendtiertransporte zeigt ein klares Bild: Während Tierschutzorganisationen ein sofortiges Ende fordern, stehen politische und wirtschaftliche Interessen dem entgegen. Der Deutsche Tierschutzbund positioniert sich eindeutig und spricht sich konsequent für das Ende von Langstreckentransporten aus. Der Verband fordert stattdessen die bevorzugte Ausfuhr nur von Fleisch, da bei Lebendexporten "schwere Tierschutzverstöße … dauerhaft dokumentiert" seien* – Stand: Juli 2025.
Verbände und Forderungen
Auf politischer Ebene gewinnt die Forderung nach strengeren Regelungen zunehmend Unterstützung. Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin und Bundestierschutzbeauftragte, setzt sich öffentlich für ein Ende der Lebendtiertransporte in Hochrisikostaaten außerhalb der EU ein. Diese Haltung findet breiten Rückhalt in der Bevölkerung – allein VIER PFOTEN übergab im November 2025 mehr als 95.000 von Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnete Postkarten mit entsprechender Forderung an das Bundeslandwirtschaftsministerium*.
Die rechtliche Grundlage für strengere Auflagen existiert bereits: Der Europäische Gerichtshof entschied im April 2015, dass "das Wohl der Tiere bis zum Endziel auch außerhalb der EU sichergestellt sein muss"* – Stand: April 2015. Diese Rechtsprechung bietet eine solide Basis für nationale Verbote.
Mögliche Folgen eines Verbots
Ein bundesweites Exportverbot für Lebendtiere hätte weitreichende Konsequenzen. Fachleute sehen mehrere mögliche Entwicklungen:
- Verlagerung hin zu Fleischexporten statt Lebendtiertransporten
- Wirtschaftliche Anpassungen in der Zucht- und Handelsbranche
- Rechtliche Auseinandersetzungen mit Handelspartnern
- Notwendigkeit neuer Vermarktungsstrategien für Landwirte
- Verstärkte Diskussionen auf EU-Ebene über einheitliche Regelungen
Die aktuelle Tragödie um 4.000 Rinder aus Uruguay, die wegen fehlender Dokumente von einem qualvollen Tod bedroht sind, unterstreicht die Dringlichkeit der Debatte. Wie VIER PFOTEN-Campaignerin Nicole Plumeyer betont: "Der aktuelle Fall mit den Rindern aus Uruguay ist kein Einzelfall." Die Organisation verweist auf ähnliche Vorfälle im bulgarisch-türkischen Grenzgebiet*.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Verbots wären komplex. Einerseits könnten Schlachtkapazitäten im Inland ausgebaut werden, andererseits würden etablierte Handelsbeziehungen zu Drittstaaten neu verhandelt werden müssen. Die Diskussion zeigt: Zwischen Tierschutz und wirtschaftlichen Interessen muss ein tragfähiger Kompromiss gefunden werden.
Ausblick und Redaktionshinweise
Die aktuelle Debatte um Lebendtiertransporte zeigt deutlich: Die politischen Forderungen werden lauter, doch die Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Entwicklung der letzten Jahre beinhaltet sowohl Fortschritte als auch wiederkehrende Probleme.
Mögliche Tabelle: Chronologie nationaler Maßnahmen und dokumentierter Fälle
| Jahr | Maßnahme/Fall | Kurze Beschreibung | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2020 | Erlasse in vier deutschen Bundesländern (u.a. NRW) | Erzielen Ausschluss von Exporten in Hochrisikostaaten | Stand: 2020* |
| 01.03.2022 | Luxemburg: Verbot von Lebendtierexporten in Drittstaaten | Nationales Verbot von Lebendtierexporten in Drittstaaten | Stand: 01.03.2022* |
| 2024 | 69 brandenburgische Rinder, notgetötet/ohne Betäubung an bulgarisch-türkischer Grenze | Notgetötete Rinder aus Deutschland an EU-Außengrenze | Stand: 2024* |
| 26.09.2025 | Bundesrat-Abstimmung über Entschließungsantrag (strengere Exportvorgaben) | Bundesratsinitiative für verschärfte Exportkontrollen | Stand: 26.09.2025* |
Die chronologische Darstellung macht deutlich: Trotz einzelner Verbote auf Länderebene und internationaler Vorbilder wie Luxemburg wiederholen sich Tierschutzverstöße in der Praxis. Der für September 2025 angekündigte Bundesratsbeschluss könnte hier eine Wende einleiten – falls er tatsächlich in bundesweites Recht umgesetzt wird.
Für die weitere Berichterstattung bieten sich mehrere Interviewpartner an, die unterschiedliche Perspektiven auf das Thema einbringen können. Von Seiten der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN stehen Nicole Plumeyer als Campaignerin, Denise Schmidt als Kampagnenleiterin, Thomas Pietsch als Biologe und Sven Wirth als Wildtierexperte für Fachgespräche zur Verfügung.
Offen bleibt die entscheidende Frage: Wer trägt die politische Verantwortung für die Umsetzung eines bundesweiten Exportverbots – und wie schnell kann Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hier handeln? Die aktuelle Entwicklung zeigt dringenden Handlungsbedarf, doch die Geschwindigkeit der politischen Prozesse steht in deutlichem Kontrast zur Dringlichkeit der Tierschutzproblematik.
Dieser Beitrag enthält Informationen und Zitate, die einer Pressemitteilung von VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz entstammen.
Weiterführende Quellen:
- „Am 1. März 2022 trat in Luxemburg ein Verbot von Lebendtierexporten in Drittstaaten in Kraft; bereits zuvor hatten die Niederlande ein solches Verbot eingeführt. Österreich hat Exporte nach Russland untersagt (Stand: 22.02.2022).“ – Quelle: https://www.provieh.de/unsere-arbeit/kampagnen/stoppt-lebendtierexporte/
- „Vier deutsche Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, erließen ab Juli 2020 Erlasse, die Lebendtierexporte in Drittstaaten verbieten, um Transporte in Hochrisikostaaten auszuschließen (Stand: 2020).“ – Quelle: https://www.provieh.de/unsere-arbeit/kampagnen/stoppt-lebendtierexporte/
- „Der Bundesrat hat am 26.09.2025 über einen Entschließungsantrag aus NRW abgestimmt, der strengere Exportvorgaben und effektive Sanktionsrechte bei Verstößen gegen WOAH-Standards für Exporte in Drittstaaten fordert. Eine Exportgenehmigung soll nur bei Garantien auf Einhaltung internationaler Tierschutzstandards erfolgen (Stand: 26.09.2025).“ – Quelle: https://www.bundesrat.de/drs.html?id=310-25(B)
- „Der Bundesrat hält fest: Beim Export von Nutztieren in bestimmte Drittstaaten kommt es regelmäßig zu gravierenden und nicht auszuschließenden Tierschutzverstößen, für die im Rahmen der Abfertigung durch deutsche Behörden keine wirksamen Verhinderungsmöglichkeiten existieren (Stand: 26.09.2025).“ – Quelle: https://www.bundesrat.de/drs.html?id=310-25(B)
- „Laut Deutschem Tierschutzbund sind schwere Tierschutzverstöße beim Export lebender Tiere in Drittstaaten dauerhaft dokumentiert; der Verband spricht sich konsequent für das Ende von Langstreckentransporten und die bevorzugte Ausfuhr nur von Fleisch aus (Stand: Juli 2025).“ – Quelle: https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/deutscher-tierschutzbund-fordert-ende-von-langstreckentransporten/
- „Der Europäische Gerichtshof entschied im April 2015, dass das Wohl der Tiere bis zum Endziel auch außerhalb der EU sichergestellt sein muss – Pausen und Versorgung sind bis zum Bestimmungsort nachzuweisen.“ – Quelle: https://www.provieh.de/unsere-arbeit/kampagnen/stoppt-lebendtierexporte/
- „Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat 2025 die meisten bilateralen Veterinärbescheinigungen für Zuchttiere widerrufen, wodurch Tiertransporte aus Deutschland erschwert werden (Stand: 2025).“ – Quelle: https://www.provieh.de/unsere-arbeit/kampagnen/stoppt-lebendtierexporte/
- „Schwere Fälle dokumentierter Tierschutzverstöße im Drittstaatentransport 2024: 69 brandenburgische Rinder wurden nach wochenlanger Leidenszeit an der bulgarisch-türkischen Grenze notgetötet oder ohne Betäubung geschlachtet (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.verbandsbuero.de/tierschutz-bei-tiertransporten-bundesrat-entscheidet-am-26-september-2025-ueber-strengere-eu-regeln-und-exportverbote/
7 Antworten
Ein bundesweites Verbot von Lebendtiertransporten wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung! Ich frage mich jedoch: Wie sehen die wirtschaftlichen Auswirkungen aus? Können Landwirte weiterhin erfolgreich sein ohne diese Exporte? Es wäre interessant zu erfahren, wie andere Länder das gelöst haben.
: Ich denke auch darüber nach! Die wirtschaftlichen Aspekte sind sehr wichtig – vielleicht könnten lokale Märkte gestärkt werden? Es wäre schön zu hören, was Experten dazu sagen und welche Lösungen sie vorschlagen würden.
Es ist unverständlich, dass trotz aller Beweise für Tierschutzverstöße immer noch so viele Transporte erlaubt sind. Wir müssen als Gesellschaft stärker zusammenarbeiten und die Politiker zur Verantwortung ziehen! Was denkt ihr über die Rolle von sozialen Medien in dieser Debatte?
Ich finde auch, dass soziale Medien eine wichtige Plattform sind! Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass es nicht genug Aufmerksamkeit bekommt. Wie könnte man mehr Leute erreichen und mobilisieren? Hat jemand Vorschläge für effektive Kampagnen?
Ich stimme dem Artikel voll und ganz zu. Die Dokumentation über das Tierleid zeigt klar, dass wir etwas ändern müssen. Es ist gut, dass Organisationen wie VIER PFOTEN aktiv werden, aber wie können wir als Bürger helfen? Vielleicht könnten lokale Gruppen gegründet werden.
Die aktuellen Geschehnisse mit den Rindern aus Uruguay sind wirklich erschreckend. Ich frage mich, warum die Regierung nicht schneller handelt. Gibt es denn keinen Druck von der Bevölkerung? Vielleicht sollten wir mehr Petitionen starten, um Gehör zu finden.
Ich finde die Idee von einem Verbot der Lebendtiertransporte super wichtig. Es gibt viel zu viele Berichte über das Leid der Tiere. Was können wir tun, um unsere Stimme zu erheben und diese Veränderungen zu unterstützen? Ich hoffe, dass bald alle Länder solche Maßnahmen ergreifen.