– Viele Hunde und Katzen werden zur Ferienzeit ausgesetzt, was herzlos und strafbar ist.
– Empfiehlt Alternativen wie Tiersitter:innen, Tierpensionen und fordert Kennzeichnungs- sowie Registrierungspflicht.
– Reisen mit Heimtieren erfordert aktuellen Heimtierausweis, Mikrochip und frühzeitige Gewöhnung.
Wenn Ferien zur Gefahr für Haustiere werden: Ausgesetzte Tiere und wie verantwortungsvolle Betreuung gelingt
Zur Ferienzeit häufen sich immer wieder Berichte von zurückgelassenen Haus- und Kleintieren am Straßenrand, an Raststätten oder in abgelegenen Gegenden. Ein Hund, eine Katze oder ein Kaninchen in einer Box, verängstigt und verlassen, wird oft zur traurigen Realität, wenn Halter:innen ihre Tiere nicht artgerecht versorgt wissen oder überfordert sind. Das Aussetzen von Heimtieren ist nicht nur eine brutale und herzlose Handlung, sondern häufig auch strafrechtlich relevant. Die globale Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN verurteilt dieses Verhalten scharf und weist zugleich auf praktikable Alternativen zur tiergerechten Betreuung während der Urlaubszeit hin.
„Die Entscheidung für ein Heimtier sollte ein ganzes Tierleben lang Bestand haben. Sobald es jedoch unbequem wird, weil etwa ein Urlaub ansteht, sind einige leider mit der Fürsorge für ein Tier überfordert.“ Mit diesen Worten macht Dr. Sabrina Karl, Heimtier-Expertin bei VIER PFOTEN, auf die emotionale und rechtliche Tragweite aufmerksam. Hunde und Katzen empfinden Schmerzen und Ängste und können durch Trennung von ihren Halter:innen oder gar durch achtloses Zurücklassen schwere Traumata erleiden. Das Tierheim ist keine Option für Aussetzen: „Das Aussetzen eines Tieres ist zudem gesetzlich verboten. Es ist mindestens eine Ordnungswidrigkeit – erleidet das Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden, ist das Aussetzen sogar eine Straftat.“ Dabei reicht das geltende Recht allein nicht aus, um das Problem vollständig zu verhindern. Nur eine flächendeckende Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht könnte die Herkunft jedes Tieres nachvollziehbar machen und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen.
Wer ein scheinbar ausgesetztes Tier antrifft, darf es nicht einfach mitnehmen oder unbeachtet lassen. „Man kann dem Tier Wasser anbieten, es beruhigen und sollte mit ihm eine Weile warten, ob jemand zurückkommt. Ist das Heimtier zweifellos allein, muss man den Fund bei der Polizei melden.“ So erhält das Tier die notwendige Hilfe, ohne sich in einer neuen, möglicherweise gefährlichen Situation wiederzufinden. Die Stiftung rät ausdrücklich, besonnen zu handeln und nicht vorschnell Verantwortung zu übernehmen.
Nicht alle Tiere sind jedoch während der Ferienzeit einer Gefährdung ausgesetzt. Viele Hunde, Katzen und Kleintiere können mitgenommen werden, sofern sie daran Freude haben und die Urlaubsunterkunft die Mitnahme erlaubt. Hierbei sind wichtige Vorbereitungen notwendig: Neben einem aktuellen Heimtierausweis und den nötigen Impfungen ist ein Mikrochip zur Registrierung unabdingbar. Unabhängig davon, ob der Transport im Auto, der Bahn oder per Fähre erfolgt, sollte das Tier frühzeitig an alle Reisebedingungen gewöhnt werden. „Der Reisekoffer des Hundes sollte neben notwendigen Dokumenten, einem Erste-Hilfe-Set, einem Brustgeschirr oder Halsband, mit dem Namen der Halterin oder des Halters versehen, alles beinhalten, was der Hund benötigt, um sich wohlzufühlen: Beispielsweise sein gewöhnliches Futter, Leckerlis, ein Lieblingsspielzeug oder seine Lieblingsdecke.“
Für Katzen stellen sich besonders hohe Anforderungen: Die Urlaubszeit kann für sie sehr stressig sein, und es ist absoluter Tabu, eine Katze alleine und unbeaufsichtigt zu Hause zu lassen, auch wenn Futter, Wasser und Katzentoiletten bereitstehen. „Am besten bittet man eine Vertrauensperson, sich um die Katzen in ihrer vertrauten Umgebung zu kümmern. Die beste Wahl ist jemand, der sie gut kennt oder selbst Katzen hat.“ Diese Person sollte mindestens zweimal täglich vorbeischauen, um Katzen zu füttern, die Katzentoiletten zu reinigen und mit ihnen zu spielen. So wird sichergestellt, dass die Tiere nicht vernachlässigt werden und ihre Routine gewahrt bleibt.
Ist die Mitnahme nicht möglich und keine Betreuung im eigenen Zuhause organisiert, bieten Hunde- und Katzenpensionen eine weitere Alternative. Hier ist die Qualität der Einrichtungen entscheidend: Vor einer Buchung sollten Tierhalter:innen die Pension persönlich besichtigen und auf die Bedürfnisse ihres Tieres abstimmen. Manche Hunde freuen sich auf Sozialkontakte, bei Katzen hingegen dominiert meist das Bedürfnis nach vertrauter Umgebung. „Gewöhnen Sie Ihren Hund frühzeitig an das Zusammenleben mit anderen Menschen und an eine andere Umgebung. Besuchen Sie die Hundepension mit Ihrem Hund außerdem bereits vor dem eigentlichen Urlaub. In einer guten Tierpension stellt das Personal den Halter:innen außerdem Fragen zum Charakter des Tieres, über Sozialverträglichkeit, Ernährungsbedürfnisse, Impfungen und tierärztliche Details. Seien Sie fair und legen Sie auch unliebsame Eigenschaften, Angewohnheiten oder Ängste Ihres Hundes offen dar. So wird gesichert, dass die Betreuungsperson das Tier nicht aus Unwissenheit in beängstigende Situationen bringt.“ Für den Abschied gilt: Er sollte kurz und positiv sein, denn „für Ihren Hund muss es sich gut und normal anfühlen, wenn Sie gehen und ihn in seinem Urlaubsdomizil zurücklassen. Ihre Traurigkeit kann sich auf Ihren Hund übertragen.“
Das Vermeiden von ausgesetzten Tieren erfordert Verantwortungsbewusstsein und frühzeitige Planung. Die Stiftung VIER PFOTEN sensibilisiert dafür, dass Urlaub keine Entschuldigung für Verletzung der Fürsorgepflicht sein darf – zum Wohl der Tiere und im Sinne eines respektvollen Zusammenlebens.
Urlaubszeit und Tierwohl – eine gesellschaftliche Verantwortung
Viele Haustierhalter:innen stehen vor der Herausforderung, während der Ferienzeit die bestmögliche Betreuung für ihre Tiere zu gewährleisten. Doch der Urlaub bringt nicht nur Entspannung für Menschen, sondern kann für Tiere zum Risiko werden, wenn Besitzer:innen überfordert sind oder keine geeigneten Betreuungsangebote finden. Besonders in der Urlaubszeit steigen deshalb leider auch die Fälle von Tieraussetzungen. Dieses Verhalten ist nicht nur moralisch verwerflich, sondern hat weitreichende gesellschaftliche Folgen und wirft zentrale Fragen zur Verantwortung von Tierhalter:innen und der Rolle des Tierschutzes auf.
In der Ferienzeit ist der Alltag oft von Unsicherheit und Zeitdruck geprägt – manche Tierhalter:innen unterschätzen die Anforderungen an eine verantwortungsvolle Tierbetreuung oder sehen sich finanziell und organisatorisch überfordert. Das führt häufig dazu, dass Tiere einfach ausgesetzt werden. Dabei handelt es sich nicht nur um eine gesetzlich verbotene Handlung, sondern vor allem um eine tiefe Verletzung des Tierwohls. Ausgesetzte Hunde, Katzen oder Kleintiere sind häufig verängstigt, leiden Hunger oder Verletzungen und können nicht ohne weiteres ihre Halter:innen wiederfinden.
Ein weiterer Faktor, warum die Zahl ausgesetzter Tiere in Urlaubszeiten ansteigt, liegt in der unzureichenden Information und Vorbereitung. Viele Tierhalter:innen wissen nicht ausreichend über Alternativen wie Tiersitter:innen oder Tierpensionen Bescheid oder unterschätzen deren Bedeutung für das Wohlbefinden der Tiere. Parallel dazu mangelt es in Deutschland bisher an einer umfassenden Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht, welche die Rückverfolgung von Tierhalter:innen ermöglicht und damit sanktionierende Maßnahmen erleichtert.
Ein Blick auf die internationale Landschaft zeigt, dass Länder mit strengerer Gesetzgebung und verpflichtender Registrierung niedrigere Raten von Tieraussetzungen verzeichnen. Dort sind die Tierhalter:innen stärker an ihre Verantwortung gebunden, und Behörden können schneller einschreiten. Auch die gesellschaftliche Sensibilität und der Ausbau von präventiven Informationsangeboten spielen eine wichtige Rolle. Dennoch bleibt die Balance zwischen staatlicher Regulierung und individueller Verantwortungsbereitschaft eine Herausforderung.
Um die Situation zu verbessern, bedarf es einer Kombination aus Aufklärung, Prävention und verbindlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Mehr Transparenz durch verpflichtende Kennzeichnungen sowie bundesweite Informationskampagnen können das Bewusstsein für verantwortungsvolle Tierhaltung stärken. Zudem ist der Ausbau und die Förderung von Betreuungsangeboten wie Tiersitter:innen und vertrauenswürdigen Tierheimen erforderlich, um eine passende Alternative zum Aussetzen zu bieten. Schließlich muss die Gesellschaft insgesamt wachgerüttelt werden, um das Tierwohl als Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen.
Wichtige Handlungsansätze für Politik und Gesellschaft sind:
- Einführung einer bundesweiten Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen
- Stärkung von präventiver Aufklärung zu verantwortungsvoller Tierhaltung vor und während der Urlaubszeit
- Förderung und Ausbau von Tierpensionen, Tiersitter:innen und anderen Betreuungsmodellen
- Schaffung verbindlicher Qualitätsstandards für Betreuungseinrichtungen
- Verstärkung von Kontrollen und Sanktionen bei Tieraussetzungen
Der gesellschaftliche Umgang mit Haustieren steht im Wandel. Es zeichnet sich ab, dass die Verantwortung für das Tierwohl zunehmend als Teil der sozialen Verantwortung anerkannt wird. Zugleich wächst das Bewusstsein, dass mediale Aufmerksamkeit und gesetzliche Verbesserungen Hand in Hand gehen müssen, um Tieren dauerhaft Schutz zu bieten. Die Urlaubszeit bleibt dabei ein kritischer Moment, der zeigt, wie eng Tierwohl und menschliche Fürsorge verbunden sind – und wie wichtig es ist, dieses Verhältnis nachhaltig zu gestalten.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung von VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz.