– Acht Organisationen protestieren am 25. August 2025 vor der SPD-Zentrale Berlin für Unabhängigkeit
– Anlass ist der Vorschlag von Silvia Breher als neue Bundestierschutzbeauftragte
– Forderung: Unabhängige und fachlich kompetente Besetzung statt Klüngel und Agrarlobbyeinfluss
Bündnisprotest vor SPD-Parteizentrale gegen Breher als Bundestierschutzbeauftragte
Am 25. August 2025 haben acht Tierschutzorganisationen unter dem Motto „Kompetenz statt Klüngel“ vor der SPD-Parteizentrale in Berlin gegen die geplante Ernennung von Silvia Breher zur Bundestierschutzbeauftragten protestiert. Die Demonstration fand von 12.00 bis 14.00 Uhr am Willy-Brandt-Haus, Wilhelmstraße 140, 10963 Berlin, statt. Anlass der Protestaktion ist die von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer vorgeschlagene Besetzung des Amts mit Breher, die von den Veranstaltern als problematisch angesehen wird.
Das Bündnis forderte eine unabhängige und fachlich kompetente Besetzung der wichtigen Position und warnte vor einer Verwässerung der Aufgaben des Bundestierschutzbeauftragten durch politische Verflechtungen. Nicole Plumeyer, Kampagnenverantwortliche bei VIER PFOTEN, erklärte: „Wir protestieren heute vor der SPD-Parteizentrale für eine unabhängige Bundestierschutzbeauftragte und kämpfen bis zuletzt für den Erhalt einer kompetenten Stimme für die Tiere, denn die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Amtes stehen auf dem Spiel.“
Das Bündnis kritisierte insbesondere die enge Verbindung Silvia Brehers zur Agrarlobby und deren Wahlkreis Cloppenburg-Vechta, der als Zentrum der industriellen Tierhaltung gilt. Die gleichzeitige Rolle Brehers als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium erwecke zudem den Eindruck einer mangelnden Unabhängigkeit. Nach Auffassung der Tierschutzorganisationen sollten komplexe tierschutzfachliche Fragestellungen nur von Personen mit hoher fachlicher Expertise, idealerweise Tierärzt:innen, bewertet werden.
Die Protestaktion vor der SPD-Parteizentrale sollte ein deutliches Signal an die Partei senden, sich für eine transparente und fachlich fundierte Wahl des Bundestierschutzbeauftragten einzusetzen und so die Interessen der Tiere und die Glaubwürdigkeit des Amtes zu schützen.
Tierschutz im Spannungsfeld politischer Interessen
Die Besetzung der Bundestierschutzbeauftragten ist längst nicht nur eine fachliche Frage, sondern spiegelt einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Konflikt wider: Wie unabhängig kann und darf Tierschutzpolitik sein, wenn wirtschaftliche Interessen mächtiger Branchen auf dem Spiel stehen? Dieses Spannungsfeld macht die Diskussion über die künftige Leitung dieses Amtes besonders relevant und brisant.
Tierschutz hat sich in Deutschland und vielen anderen Ländern zu einem bedeutenden gesellschaftlichen Anliegen entwickelt. Für viele Menschen ist das ethische Verhältnis zum Tier ein wichtiges Wertethema, das nicht allein regionaler Landwirtschaftspolitik untergeordnet sein darf. Die Bundestierschutzbeauftragte steht dabei symbolisch und real für die Verbindung von ethischer Verantwortung und politischer Gestaltungskraft. Ihre Stimme verkörpert die Interessen jener, die nicht selbst sprechen können – die Tiere. Genau deshalb ist die Unabhängigkeit des Amtes entscheidend. Nur wenn die Beauftragte nicht zugleich politische Parteipositionen oder wirtschaftliche Interessen vertritt, kann sie mit glaubwürdiger Autorität agieren und wichtige Missstände aufdecken.
Die Nähe zur Agrarlobby sorgt in der öffentlichen Debatte seit langem für Skepsis. Branchenverbände, die mit hohen wirtschaftlichen Umsatzvolumina in der industriellen Tierhaltung agieren, verfolgen oft Zielsetzungen, die mit tierschutzrechtlichen Mindestanforderungen in Konflikt geraten. Hier prallen ökonomische Interessen auf ethische und gesellschaftliche Erwartungen. Die Sorge in zivilgesellschaftlichen Gruppen ist, dass eine Beauftragte, die politisch oder wirtschaftlich eingebunden ist, die Rolle einer Art „Fürsprecherin“ der Agrarindustrie übernehmen könnte statt als unabhängige Wächterin der Tierschutzstandards zu agieren. Diese Besorgnis trifft einen Nerv, weil das Vertrauen in politische Institutionen durch solche Verquickungen leicht erschüttert wird.
International ist die Frage der Unabhängigkeit von Tierversorgungs- und Tierschutzämtern ebenfalls ein Thema – Länder mit wirksamen und anerkannten Tierschutzstrukturen setzen auf klare Trennung von politischen Einflüssen und Fachkompetenz. Deutschland steht mit seiner Entscheidung zur Bundestierschutzbeauftragten in diesem Kontext unter Beobachtung. Die Wahl zwischen einer fachlich qualifizierten, unabhängigen Person und einer politischen Amtsinhaberin, die eng an ministerielle Vorgaben gebunden ist, wird damit auch zum Indikator für den Wert, den eine Gesellschaft dem Tierschutz beimisst.
Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Brisanz wird die bevorstehende Kabinettsentscheidung zur Bestätigung der Bundestierschutzbeauftragten mit Spannung erwartet. Es steht nicht nur die Besetzung einer Position auf dem Spiel, sondern die Glaubwürdigkeit und Wirkungskraft des gesamten Tierschutzes in Deutschland. Diese Entscheidung könnte den Kurs für eine tierschutzpolitisch unabhängige und glaubwürdige Zukunft markieren – oder das Gegenteil bewirken.
Informationen und Zitate dieses Beitrags basieren auf einer Pressemitteilung von VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz.
8 Antworten
„Unabhängigkeit“ klingt gut auf dem Papier, aber wie sieht’s in der Realität aus? Ich habe das Gefühl, dass viele Politiker nur reden und nichts tun. Was denken andere darüber?
„Unabhängigkeit“ ist wichtig! Aber wie können wir sicherstellen, dass unsere Stimmen auch tatsächlich Gehör finden? Gibt es Petitionen oder Initiativen, denen wir uns anschließen können?
„Kompetenz statt Klüngel“ ist ein starkes Motto! Die Verbindung zur Agrarlobby gefährdet den Tierschutz enorm. Ich hoffe sehr, dass sich hier bald etwas ändern wird und echte Experten an die Macht kommen.
Toller Beitrag! Es ist erschreckend zu sehen, wie oft wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Wäre es nicht sinnvoller, eine unabhängige Kommission zu gründen? So könnten wir Tierschutzkompetenz garantieren.
Ja genau! Eine Kommission könnte viel transparenter arbeiten und sicherstellen, dass alle Perspektiven berücksichtigt werden. Haben Sie Vorschläge für geeignete Personen in so einer Kommission?
Ich habe den Artikel gelesen und fand die Argumente klar. Es ist bedenklich, wenn politische Interessen über das Wohl der Tiere gestellt werden. Sollte nicht jeder Wahlkreis einen Vertreter haben, der sich ausschließlich um Tierschutz kümmert?
Ich finde die Proteste sehr wichtig, denn Tierschutz sollte wirklich unabhängig sein. Wenn Breher so nah zur Agrarlobby ist, wie kann sie dann für die Tiere sprechen? Gibt es denn keine anderen Kandidaten mit mehr Fachwissen?
Das stimmt, Kristina! Ich frage mich auch, ob wir genug Druck auf die Politiker ausüben können. Wie können wir sicherstellen, dass die Stimmen der Tiere gehört werden?