– Keine Mittel für Tierheime im Agrarhaushalt 2025 trotz Koalitionsversprechen
– 1,5 Mrd. Euro für Umbau der Tierhaltung fehlen im Haushalt 2025
– Tierschutzbund fordert Regierung zur Mittelbereitstellung spätestens im Haushalt 2026 auf
Tierschutz im Agrarhaushalt 2025: Fehlende Mittel und gebrochene Versprechen
Der Deutsche Tierschutzbund verurteilt die Entscheidung des Bundestages zum Agrarhaushalt 2025 als deutliches Versagen in der tierpolitischen Verantwortung. Zentrale Forderungen, die im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD festgeschrieben wurden, bleiben unerfüllt: Die dringend benötigte finanzielle Unterstützung für Tierheime und der Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung fehlen vollständig. Diese Versäumnisse haben nicht nur unmittelbare Folgen für den Tierschutz, sondern zeigen auch eine gesellschaftspolitische Brisanz, die sich angesichts der Belastungen der Einrichtungen und der Tierbestände kaum leugnen lässt.
Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, bringt es auf den Punkt: „Die Bundesregierung hat versprochen, die Tierheime zu unterstützen – gestern hat sie dieses Versprechen gebrochen.“ Angesichts der Situation in den Tierheimen, die „beschlagnahmte, gefundene und nicht mehr gewollte Tiere aufnehmen und das Staatsziel Tierschutz mit Leben füllen“, sei es unverständlich, dass die Politik weiterhin wegsehe und Verantwortung ignoriere. Seit Jahren arbeiten diese Einrichtungen an der Belastungsgrenze, während im Haushaltsplan 2025 keinerlei Mittel für ihre Investitionen vorgesehen sind. Obwohl im Koalitionsvertrag eindeutig formuliert ist: „Wir unterstützen Tierheime bei Investitionen." und bereits rund 80 Millionen Euro für die Legislaturperiode geplant waren, wurden diese Gelder gestrichen. Selbst Initiativen von Bündnis 90/Die Grünen, im Haushaltsausschuss dringend benötigte Finanzierungen bereitzustellen, scheiterten. Schröder konstatiert: „Trotz Versprechen im Koalitionsvertrag sind die Regierungsparteien offensichtlich nicht gewillt, tatsächlich zu helfen. Wer so mit Tieren und denjenigen umgeht, die Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe übernehmen, darf sich nicht wundern, wenn das Vertrauen in die Politik weiter schwindet.“
Ebenso dramatisch ist die Situation beim Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Die zuvor von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) zugesagten 1,5 Milliarden Euro zur Förderung des Tierwohls fehlen komplett im neuen Agrarhaushalt. Damit wird ein längst überfälliger Transformationsprozess blockiert, für den die sogenannte "Borchert-Kommission" einen jährlichen Finanzbedarf von bis zu 4,3 Milliarden Euro berechnet hat. Darüber hinaus soll das Bundesprogramm für den Umbau der Tierhaltung früher als geplant enden. Schröder kommentiert dies scharf: „Rainers Entscheidungen werfen den Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung um Jahre zurück. Seine aktuelle Politik lässt Millionen Tiere im Stich und die Landwirtinnen und Landwirte im Regen stehen – ohne jeglichen Plan, wo die Reise hingehen soll. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft sieht anders aus.“
Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher eindringlich, dass die Bundesregierung und Agrarminister Rainer ihre Zusagen einhalten und die finanziellen Mittel spätestens im Haushalt 2026 bereitstellen, um sowohl die Tierheime als auch die dringend nötige Tierhaltungsreform wirksam zu unterstützen.
Warum die Debatte um den Agrarhaushalt und Tierschutz uns alle angeht
Die aktuellen Auseinandersetzungen um den Agrarhaushalt 2025 und die Finanzierung des Tierschutzes sind nicht nur Themen für Politik oder Verbände – sie berühren die gesamte Gesellschaft. Hinter den Schlagzeilen steckt eine komplexe Problematik, die Tierheime, landwirtschaftliche Betriebe und damit das Bild Deutschlands als Tierschutzland gleichermaßen betrifft. Deutliche Finanzierungslücken bedrohen nicht nur die Versorgung und Unterbringung von Tieren in schwierigen Lebenslagen, sondern verzögern auch notwendige Reformen in der Tierhaltung, die langfristig auf bessere Bedingungen setzen.
Die Situation der Tierheime steht beispielhaft für diese Herausforderungen: Sie sind „systemrelevant und seit Jahren am Limit“, wie der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder betont. Trotz klarer Zusagen im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD erhalten sie aktuell keine zusätzlichen Mittel. Das führt zu einer Doppelbelastung aus steigenden Tierzahlen und fehlenden Ressourcen, die die tiergerechte Betreuung erschweren. Gleichzeitig wird der Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung ausgebremst, weil die vom Bundeslandwirtschaftsminister zugesagten 1,5 Milliarden Euro im Haushalt fehlen. Die „Borchert-Kommission“ hatte ursprünglich einen jährlichen Bedarf von bis zu 4,3 Milliarden Euro errechnet, um eine artgerechtere Haltung umzusetzen. Ohne ausreichend staatliche Unterstützung droht der Wegfall dringend notwendiger Reformschritte – mit weitreichenden Folgen für Tiere, Landwirtinnen und Landwirte.
Diese Finanzierungslücken führen zu einer Reihe von Problemen: Sie schwächen das Vertrauen in politische Zusagen, da wiederholt Versprechen gebrochen werden. Das kann Politikverdrossenheit verstärken, vor allem bei denen, die sich aktiv für den Tierschutz einsetzen oder in der Landwirtschaft Verantwortung tragen. Darüber hinaus steht Deutschlands Anspruch als Tierschutzland auf dem Spiel. Internationale Vergleiche zeigen, dass andere Länder bereits höhere Unterstützung bereitstellen oder ambitionierte Programme starten, um Tierwohl zu fördern und gleichzeitig landwirtschaftliche Betriebe bei der Umstellung zu begleiten. Deutschland gerät hier zunehmend ins Hintertreffen.
Die Herausforderungen im Überblick:
- Finanzierungslücken bei Tierheimen führen zu Überlastung und Qualitätsverlust
- Fehlende Mittel für den Umbau der Tierhaltung verzögern dringend nötige Reformen
- Vertrauensverlust in politische Versprechen schwächt gesellschaftlichen Zusammenhalt
- Imageverlust für Deutschland als Vorreiter im Tierschutz
- Internationale Konkurrenz setzt Impulse für fairere und nachhaltige Lösungen
Ein Strategiewechsel könnte diese Blockaden überwinden. Mehr staatliches Engagement und stabile Finanzierung würden nicht nur Tierheimen und Landwirtinnen neue Perspektiven eröffnen, sondern auch der Gesellschaft zeigen, dass Verantwortung ernst genommen wird. Risiken bleiben jedoch, etwa wenn Fördermittel nicht zielgerichtet verwendet oder ausreichende Kontrollen fehlen. Gleichzeitig liegt eine Chance darin, Deutschland als Modell für ein modernes, nachhaltiges und tiergerechtes Agrarsystem zu positionieren – ein Gewinn für Umwelt, Tierwohl und landwirtschaftliche Zukunft gleichermaßen.
Der aktuelle Stillstand offenbart, wie eng verwoben Tierschutz, Landwirtschaft und gesellschaftliche Erwartungen sind. Nur wenn politische Entscheidungen diesen Zusammenhängen gerecht werden, kann eine nachhaltige und zukunftsfähige Lösung entstehen, die über einzelne Akteure hinaus Wirkung zeigt.
Alle Inhalte dieses Beitrags beruhen auf einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes.





