– Deutscher Musikrat fordert Gesetz gegen Ticket-Spekulation und Betrug
– Gewerbliche Wiederverkäufer sollen maximal 25% Aufschlag erheben dürfen
– Koalitionsvertrag sieht stärkere Regulierung des Ticketzweitmarkts vor
Ticketzweitmarkt: Druck für strengere Regeln
Der Deutsche Musikrat hat einen Offenen Brief der Livebranche an die Bundesregierung, insbesondere an das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, mitunterzeichnet und fordert eine schnelle gesetzliche Regulierung des Ticketzweitmarkts. Anlass ist laut Verband die wachsende Kritik daran, dass Konzerttickets auf dem Zweitmarkt zunehmend zum Spekulationsobjekt werden – mit Folgen für Publikum, Künstler:innen, Veranstalter:innen, Konzertagenturen und die Musikwirtschaft.
Lesenswert ist außerdem Neuer Pakt für den Rechtsstaat: Bund und Länder verhandeln über Millionen für Justiz und Digitalisierung.
Initiiert wurde der Brief von PRO MUSIK und dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft. Im Kern steht die Frage, wie weit der Staat in einen Markt eingreifen soll, in dem sich Verbraucherschutz, Kulturwirtschaft und Plattformregulierung überschneiden. Die Branche drängt auf verbindliche Regeln gegen überhöhte Wiederverkaufspreise, gefälschte Tickets sowie technische und organisatorische Tricks beim Weiterverkauf.
Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats, formuliert die Forderung so: „Der Deutsche Musikrat fordert die Bundesregierung auf, zügig einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Spekulation mit Konzerttickets von gewerblichen Wiederverkäufern auf Kosten des Publikums, der Musiker:innen und der Veranstaltungswirtschaft unterbindet. Auch für den betrügerischen Handel mit gefälschten Tickets bedarf es dringend eines gesetzlichen Rahmens. Die Maßnahmen sind so klar wie überfällig: Dazu gehören das Veranstalterrecht auf Weiterverkaufskontrolle, eine Obergrenze von 25 % Aufschlag bei gewerblichen Weiterverkäufen, das Verbot von Leerverkäufen, Bot-Verbot und Verbot falscher Identitäten, vollständige Transparenzpflichten und ein aktives Melde-, Abhilfe- und Haftungssystem von Plattformen. Wir müssen Künstler:innen und die Musikwirtschaftsbranche endlich besser vor Wucher und Betrug schützen!“
Warum der Ticketzweitmarkt politisch brisant ist
Der Vorstoß der Livebranche betrifft nicht nur die Bedingungen für Konzerte und Tourneen. Er spiegelt sich auch in der Alltagserfahrung von Fans, die bei stark nachgefragten Veranstaltungen oft mit steigenden Preisen, intransparenten Verkaufswegen und dem Risiko gefälschter Tickets konfrontiert sind. Laut dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft lag der weltweite Ticket-Wiederverkaufsmarkt 2024 bei rund 13 Milliarden Euro jährlich. Für denselben Zeitraum verweist der Verband auf dokumentierte Preisaufschläge von 250 Prozent und mehr; zudem berichtet demnach etwa ein Drittel der Fans von Kontakt mit Ticketbetrug.
Ganz ohne Regeln ist der Markt bereits heute nicht. Seit dem 28.05.2022 gelten nach Angaben der Verbraucherzentrale Bayern neue Informationspflichten für Onlinemarktplätze. Dazu gehört unter anderem die Angabe des Originalpreises des Veranstalters, um mehr Transparenz auf dem Ticketzweitmarkt zu schaffen. Die aktuellen Forderungen der Branche gehen jedoch deutlich weiter: Sie zielen nicht nur auf bessere Information, sondern auf konkrete Eingriffe in Preisgestaltung, Verkaufspraktiken und die Verantwortung der Plattformen.
Welche Regeln gefordert werden – und woran sie anknüpfen
Die Vorschläge aus dem Offenen Brief lassen sich in vier Bereiche ordnen. Erstens geht es um Preisregeln. Eine Obergrenze von 25 Prozent Aufschlag bei gewerblichen Weiterverkäufen soll verhindern, dass knappe Tickets mit hohen Margen weiterverkauft werden. Dass diese Schwelle in der Debatte bereits eine Rolle spielt, zeigt auch die Rechtsprechung: Laut einem Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion urteilte das Landgericht Hannover am 21.01.2019, dass eine Deckelung des Weiterverkaufspreises eines personalisierten Tickets mit einem Aufschlag über 25 Prozent des Ursprungspreises wettbewerbswidrig ist. Das Urteil schafft keine allgemeine gesetzliche Regel, zeigt aber, dass die 25-Prozent-Marke seit Längerem als Bezugspunkt dient.
Zweitens richten sich die Forderungen gegen technische und organisatorische Manipulationen. Dazu zählen das Verbot von Leerverkäufen, ein Bot-Verbot sowie das Verbot falscher Identitäten. Gemeint sind Praktiken, bei denen Tickets angeboten werden, ohne tatsächlich vorzuliegen, oder bei denen automatisierte Systeme und verschleierte Verkäuferangaben den Markt verzerren.
Drittens fordert die Branche mehr Pflichten für Plattformen. Vollständige Transparenzpflichten reichen aus ihrer Sicht nicht aus, wenn Marktplätze problematische Angebote zwar listen, aber nicht wirksam begrenzen. Deshalb verlangt der Deutsche Musikrat ein aktives Melde-, Abhilfe- und Haftungssystem.
Viertens soll das Veranstalterrecht auf Weiterverkaufskontrolle gestärkt werden. Veranstalter:innen sollen besser in die Lage versetzt werden, Einfluss darauf zu nehmen, unter welchen Bedingungen Tickets weiterverkauft werden.
Rückenwind aus der Politik – aber noch kein Gesetz
Für diese Forderungen gibt es politischen Rückenwind. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die 21. Legislaturperiode heißt es: „Die Bundesregierung will den Ticketzweitmarkt für Sport- und Kulturveranstaltungen stärker regulieren, um Verbraucherinnen und Verbraucher vor überhöhten Preisen, Intransparenz und betrügerischen Verkaufspraktiken zu schützen und Veranstalter besser in die Lage zu versetzen, sich gegen unlauteres Verhalten von Ticketspekulanten zur Wehr zu setzen.“
Das Thema ist damit auf Bundesebene politisch gesetzt. Der nächste Schritt wäre ein konkreter Gesetzentwurf – genau darauf erhöht die Livebranche nun den Druck. Dass sich der Deutsche Musikrat beteiligt, unterstreicht das Gewicht der Forderung: Der Verband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von 16,9 Millionen musizierenden Menschen in Deutschland und repräsentiert über 100 Organisationen und Dachverbände, einschließlich der 16 Landesmusikräte.
Ob und wann daraus ein Gesetz wird, ist offen. Klar ist jedoch: Die Debatte um den Ticketzweitmarkt hat sich von einer Branchenfrage zu einem verbraucherpolitischen Thema entwickelt – mit Fragen zu fairen Preisen, verlässlichen Ticketkäufen und den Regeln für digitale Plattformen.
So schützen Sie sich beim Ticketkauf schon heute
Solange strengere Regeln noch auf sich warten lassen, hilft vor allem ein kühler Blick vor dem Bezahlen. Wer Tickets auf Plattformen oder in Kleinanzeigen entdeckt, sollte immer erst prüfen, ob der Originalpreis genannt wird, ob der Sitzplatz oder Bereich klar beschrieben ist und ob Name, Datum und Veranstaltungsort exakt stimmen. Fehlen solche Angaben oder baut ein Angebot spürbar Zeitdruck auf, ist Vorsicht meist die bessere Entscheidung.
Auch der Preis selbst verrät viel. Liegt er deutlich über dem normalen Verkaufswert, zahlen Käuferinnen und Käufer oft nicht nur drauf, sondern tragen zusätzlich das Risiko von ungültigen oder mehrfach verkauften Tickets. Sinnvoll ist deshalb, zuerst die offiziellen Verkaufsstellen des Veranstalters zu vergleichen und Zahlungsarten zu wählen, die im Streitfall nachvollziehbar sind. Screenshots vom Angebot, Zahlungsbelege und E-Mails sollte man nicht nebenbei löschen, sondern bis nach dem Event aufbewahren.
Wer öfter Veranstaltungen besucht, fährt außerdem gut mit etwas digitaler Ordnung: Bestellbestätigungen, Kundenkonten und sichere Passwörter sparen im Zweifel Nerven. Für genau solche kleinen Alltagshelfer rund um Sicherheit, Verwaltung und digitale Übersicht kann ein Blick in unsere Digitalisierung & Vereinssoftware sinnvoll sein – nicht nur für Gruppen oder Organisierte, sondern auch für alle, die Tickets, Buchungen und persönliche Daten verlässlich im Griff behalten möchten.
Warum das Thema wichtig bleibt
Der Ticketzweitmarkt berührt mehr als einzelne Konzerte: Wenn Tickets durch Spekulation, intransparente Verkaufswege und Betrug zum Spekulationsobjekt werden, leidet nicht nur die Musikwirtschaft. Betroffen sind auch Fans, die bei hoher Nachfrage steigende Preise und Risiken gefälschter Tickets erleben. Laut Beitrag berichten zudem etwa ein Drittel der Fans von Kontakt mit Ticketbetrug.
Für die Gesellschaft heißt das: Kulturzugang soll verlässlich bleiben, und digitale Marktplätze müssen stärker Verantwortung übernehmen. Politik und Verwaltung werden damit in der Pflicht gesehen, Regeln zu schaffen, die Preiswucher begrenzen, Manipulationen wie Leerverkäufe und Bot-Aktivitäten erschweren und Plattformen zur wirksameren Kontrolle und Abhilfe verpflichten.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Gibt es bereits Regeln für Ticket-Onlinemarktplätze?
Ja. Seit dem 28.05.2022 gibt es laut Verbraucherzentrale Bayern neue Informationspflichten, unter anderem zum Originalpreis. Die Branche fordert aber weitergehende Eingriffe.
Warum wird besonders eine Obergrenze von 25 % genannt?
Die 25-Prozent-Marke dient im Beitrag als Bezugspunkt, weil sie in der Debatte und laut dem genannten Urteil eine Rolle spielt.
Welche Betrugsformen sollen nach Ansicht der Branche stärker verhindert werden?
Genannt werden etwa gefälschte Tickets, Leerverkäufe, Bot-Verhalten und falsche Identitäten.
Woran sollen Plattformen nach den Forderungen konkret gemessen werden?
Gefordert wird ein aktives Melde-, Abhilfe- und Haftungssystem statt nur Transparenzpflichten. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.
Die Grundlagen und Zitate dieses Beitrags entstammen einer Pressemitteilung des Deutschen Musikrats.
Weiterführende Quellen:
- „Der weltweite Ticket-Wiederverkaufsmarkt wird auf rund 13 Milliarden Euro jährlich geschätzt; Preisaufschläge von 250 Prozent und mehr sind dokumentiert; rund ein Drittel der Fans berichtet von Kontakt mit Ticketbetrug (Stand: 2024).“ – Quelle: https://bdkv.de/pressemitteilung/ausverkauft-und-ploetzlich-teuer-klare-regeln-fuer-den-ticketzweitmarkt/
- „Seit dem 28.05.2022 gelten neue Informationspflichten für Onlinemarktplätze, die unter anderem die Angabe des Originalpreises des Veranstalters vorschreiben, um für mehr Transparenz auf dem Ticketzweitmarkt zu sorgen (Stand: 28.05.2022).“ – Quelle: https://www.vis.bayern.de/recht/kaufen_ausserhalb_laden/ticketzweitmarkt.htm
- „Das Landgericht Hannover urteilte am 21.01.2019, dass eine Deckelung des Weiterverkaufspreises eines personalisierten Tickets mit einem Aufschlag über 25 Prozent des Ursprungspreises wettbewerbswidrig ist (Urteil: 21.01.2019).“ – Quelle: https://www.spdfraktion.de/system/files/documents/position-regulierung-ticketzweitmarkt.pdf
10 Kommentare
Der Beitrag zeigt klar warum Ticketbetrug und spekulation problem sind, empathisch gedacht für fans und künstlerinnen, aber sprach manchmal zu allgemein, konkrete regelvorschläge fehlen mir noch, zB wie identitätsprüfung datenschutzkonform geht, oder wie platforms haftbar gemacht werden können, link zu weiterem lesestoff /recht/verbraucherschutz wäre super
Ich stimme zu, gute zusammenfassung aber praxis fehlt, mehr infos zu beweisführung bei betrug wären nützlich (screenshots, zahlungsbelege), und tipps welche zahlungsarten sicherer sind, auch frage an community: wer hat erfahrung mit rückerstattung nach ungültigem ticket, schreibt eure erfahrungen oder verlink zu hilfe seiten /ratgeber/ticketkauf
Kurz und knapp, lob an die autoren, der text erklärt übersichtlich Probleme vom Ticketzweitmarkt, die 25 % marke ist erwähnenswert, trotzdem bleibt offen wie kleine veranstalter das kontrolleiren sollen, lohnt sich ne gemeinschaftssoftware oder vereinslösung, schau /digitalisierung/vereinssoftware für praxis tipps, was meinen andere dazu
Interessant gelesen, die branche will stärkere regeln, Bot-Verbot, Leerverkäufe verbieten, transparenz und haftung bei Plattformen, alles gut, aber ich frage mich ob das zuviel staatseingriff ist oder nötig für verbraucherschutz, gibt es modelle aus anderen ländern? Suche vergleich, zb UK oder frankreich, jemand link /politik/international
Guter punkt, kenne paar fälle aus andern ländern, die aufsicht ist unterschiedlich, manchmal hilft technischen lösungen wie personalisierte tickets, aber das bringt auch datenschutz-probleme, wie abwägen? Der artikel hilft startpunkt, aber wünsch mehr fakten und fallbeispiele, vielleicht extra post /politik/fallstudien
Neutral gesagt, der Beitrag fasst gut zusammen was falsch läuft, Transparenzpflichten sind wichtig, aber 25% als deckel ist vielleicht nicht immer praktikabel, die preise schwanken je nach event, kann man das fair machen ohne schwarzen markt zu förder? Link zu mehr daten wäre toll /presse/deutscher-musikrat
Danke für den text, mir fehlt aber konkrete umsetzung: Bot-Verbot und falsche Identitäten zu verbieten klingt gut, aba wie überwacht man das technisch, und wer haftet wenn platformen trotz meldung nix tun? Die idee mit Melde-abhilfe haftungssystem klingt logisch, mehr details auf /digitalisierung/vereinssoftware würd helfen
Ich find wichtig das auch fans geschützt werden, ein drittel berichten von Betrug steht da, das ist viel. Gibt tipps im Beitrag zum sicheren kauf, aber viele sind verwirrt, kann die Politik schnell genug sein? Wer hat tipps gegen betrug ausser offizielle verkaufsstellen, siehe /ratgeber/ticketkauf
Der texte trifft ins mark, Ticketzweitmarkt ist echt ein problem, die Preise sind zu hoch und die Plattformen macht manchmal nichts; ich find gut das 25% Aufschlag genannt wird, aber wie soll das kontrolliert werden in praxis? Mehr Info auf /politik/ticketzweitmarkt hilft glaub ich, aber wer zahlt die kontrolle
Stimmt, ich sehe das ähnlich, die Leerverkäufe und Bot sachen verunsichert, man liest viel über Ticketbetrug und trotzdem passiert wenig, Veranstalterrecht soll stärkt werden sagt der Text, wo steht mehr darüber auf der Seite? zB /recht/verbraucherschutz oder /ratgeber/ticketkauf könnten nützlich sein, wer hat erfahrung mit rückforderungen