– Die Verkehrswende ist entscheidend für das Erreichen der deutschen Klimaziele.
– Eine starke THG-Quote bis 2045 gibt Planungs- und Investitionssicherheit.
– Erneuerbare Kraftstoffe und Ladeinfrastruktur müssen beschleunigt ausgebaut werden.
Vertagung des Kabinettsbeschlusses gefährdet Klimaziele im Verkehr
Die Bundesregierung hat einen wichtigen Beschluss zur Verkehrswende verschoben: Die geplante Neuregelung der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) im Rahmen der BlmschG-Novelle wurde im Kabinett vertagt.*
Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) betont in Berlin am 11. November 2025: „Die Verkehrswende entscheidet, ob Deutschland seine Klimaziele erreicht.“*
Der BEE kritisiert die Verzögerung scharf und unterstreicht die Dringlichkeit eines integrierten Ansatzes, der alle erneuerbaren Optionen zusammen denkt. „Die Verkehrswende gelingt, wenn es einen klaren Rahmen gibt. Deshalb braucht es eine starke THG-Quote, die ambitioniert angehoben und bis 2045 fortgeführt wird. Sie gibt den Marktteilnehmern die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit“, erklärt Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des BEE.
Für einen erfolgreichen Umbau des Verkehrssektors fordert der Verband zusätzliche Maßnahmen wie gezielte Kaufanreize für Elektrofahrzeuge, steuerliche Vorteile, soziale Leasingmodelle nach französischem Vorbild und ein Bonus-Malus-System, das erneuerbare Antriebe gleichwertig berücksichtigt.* Erneuerbare Kraftstoffe sollten zudem steuerlich nach ihrer tatsächlichen THG-Minderung behandelt werden, nicht pauschal nach Volumen oder Energiegehalt.* Eine Weiterentwicklung der LKW-Maut könnte Fahrzeuge mit nachweislich nachhaltigen Kraftstoffen durch Rückerstattung der CO₂-Komponente entlasten.*
„Ob Strom oder nachhaltige Bio- und synthetische Kraftstoffe – erst das Zusammenspiel erneuerbarer Lösungen macht klimaneutrale Mobilität krisenfest, bezahlbar und alltagstauglich. Davon profitieren Industrie, ländliche Räume und Verbraucherinnen und Verbraucher gleichermaßen“, so Heinen-Esser weiter.
Der BEE appelliert an die Bundesregierung, den bevorstehenden Kabinettsbeschluss zur THG-Quote als Startpunkt für eine konsequent erneuerbare Verkehrswende zu nutzen – hin zu einem resilienten, klimaneutralen und wirtschaftlich starken Mobilitätssystem bis 2045.*
THG-Quote und Emissionen: Wo steht die Verkehrswende?
Die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) entwickelt sich schrittweise nach oben – doch die Geschwindigkeit reicht bei Weitem nicht aus, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Aktuell liegt die THG-Quote bei 10,6 Prozent (Stand: 2025), nachdem sie im Vorjahr noch 9,35 Prozent (Stand: 2024) betrug. Bis 2030 soll dieser Wert auf 25 Prozent ansteigen (Zieljahr 2030)*.
THG-Quote: aktueller Stand und Zielwert
Die Entwicklung der THG-Quote zeigt eine klare Richtung, doch die Diskrepanz zwischen Ist-Zustand und Zielmarke bleibt erheblich. Innerhalb eines Jahres stieg die Quote um gut einen Prozentpunkt.
Die THG-Quote verpflichtet Mineralölunternehmen, den Treibhausgasausstoß ihrer Kraftstoffe zu senken, und gilt als wichtiger Hebel für mehr Klimaschutz im Verkehr.
| Jahr | THG-Quote | Einheit | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2024 | 9,35 % | Prozent | ADAC, Stand: 2024* |
| 2025 | 10,6 % | Prozent | ADAC, Stand: 2025* |
| 2030 | 25 % | Prozent | ADAC, Zieljahr: 2030* |
CO₂-Emissionen im Verkehrssektor: kurz- bis mittelfristige Entwicklung
Parallel zur THG-Quote entwickeln sich auch die direkten CO₂-Emissionen im Verkehr nur langsam rückläufig. Nach Angaben des Umweltbundesamtes lagen die Emissionen bei rund 105 Millionen Tonnen CO₂ im Jahr 2023 (Stand: 2024). Für 2024 werden rund 105 Millionen Tonnen CO₂ verzeichnet (Stand: 2024).
Die Verkehrswende steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits muss die THG-Quote deutlich schneller steigen, andererseits gilt es, die direkten Emissionen durch eine konsequente Umstellung auf erneuerbare Antriebe und Kraftstoffe zu senken. Beide Entwicklungen sind eng miteinander verknüpft und entscheiden maßgeblich darüber, ob Deutschland seine Klimaziele im Verkehrssektor erreichen kann.
Ladeinfrastruktur und Förderpolitik im europäischen Vergleich
Eine zuverlässige Ladeinfrastruktur bildet das Rückgrat für die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität. Je mehr Ladepunkte verfügbar sind, desto selbstverständlicher wird das elektrische Fahren für Privatpersonen und Gewerbetreibende. Ende 2024 standen in Deutschland rund 130.000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung*.
Ladepunkte: Verfügbarkeit und Verteilung
Die Verteilung der Ladestationen bleibt eine Herausforderung – sowohl in urbanen Zentren als auch im ländlichen Raum. Eine flächendeckende Versorgung gilt als entscheidend für die Nutzerakzeptanz und den weiteren Markthochlauf der Elektromobilität.
Kaufprämien: internationaler Vergleich
Ein Blick auf die aktuellen staatlichen Prämien zeigt deutliche Unterschiede:
- Frankreich: bis zu 7.000 Euro (Stand: 2025)*
- Deutschland: bis zu 4.500 Euro (Stand: 2025)*
Diese Differenz verdeutlicht unterschiedliche politische Schwerpunkte bei der Förderung der Elektromobilität. Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) betont, dass erst das Zusammenspiel aus Infrastrukturausbau, finanziellen Anreizen und verlässlichen regulatorischen Rahmenbedingungen klimaneutrale Mobilität für alle bezahlbar und alltagstauglich macht.
Wirtschaftliche Chancen und gesellschaftliche Herausforderungen
Eine ambitionierte THG-Quote entfaltet ihre Wirkung nicht im luftleeren Raum – sie löst komplexe wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse aus, die unterschiedliche Interessen berühren. Während die Industrie vor allem Planungssicherheit für langfristige Investitionen benötigt, stehen Kommunen und Verbraucher vor der Frage, wie sich die Verkehrswende im Alltag praktisch umsetzen lässt.
Wirtschaftliche Effekte und Investitionssicherheit
Für die Wirtschaft bedeutet die THG-Quote vor allem eines: berechenbare Rahmenbedingungen*. Unternehmen können nur dann in nachhaltige Technologien investieren, wenn sie darauf vertrauen können, dass die politischen Vorgaben Bestand haben. Die Forderung nach einer Quote, die ambitioniert angehoben und bis 2045 fortgeführt wird, zielt genau auf diese Verlässlichkeit ab*. Sie ermöglicht es Automobilherstellern, ihre Produktionslinien umzustellen, Energieversorgern, in Ladeinfrastruktur zu investieren, und Startups, innovative Mobilitätslösungen zu entwickeln.
Allerdings zeigen sich hier erste Konfliktlinien: Die steuerliche Begünstigung erneuerbarer Kraftstoffe nach ihrer tatsächlichen THG-Minderung könnte traditionelle Mineralölkonzerne vor größere Anpassungsherausforderungen stellen als Unternehmen, die bereits voll auf Elektromobilität setzen. Ebenso wirft die geplante Weiterentwicklung der LKW-Maut Verteilungsfragen auf – welche Unternehmen profitieren von Rückerstattungen, welche tragen die Hauptlast?
Regionale Gerechtigkeit und Alltagstauglichkeit
Die vielleicht größte Herausforderung liegt in der unterschiedlichen Betroffenheit von urbanen und ländlichen Räumen. Während Großstädte vergleichsweise einfach ein dichtes Netz an Ladestationen aufbauen können, stehen ländliche Gemeinden vor der Frage, wie sie mit begrenzten Haushaltsmitteln eine flächendeckende Infrastruktur für alle erneuerbaren Antriebsarten finanzieren sollen.
Hier kommt dem Masterplan Ladeinfrastruktur besondere Bedeutung zu. Die Forderung nach mehr Preistransparenz auch an privaten Ladepunkten und die Einführung dynamischer Stromtarife könnte gerade in strukturschwachen Regionen helfen, Investitionshürden zu überwinden. Allerdings droht ohne gezielte Förderung eine Zweiklassengesellschaft: wohlhabende Gemeinden mit moderner Ladeinfrastruktur und abgehängte Regionen mit veralteter Tankstellenversorgung.
Soziale Leasingmodelle nach französischem Vorbild und gezielte Kaufanreize könnten hier gegensteuern, doch ihre Wirkung entfalten sie nur im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen. Letztlich entscheidet sich der Erfolg der Verkehrswende daran, ob sie für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar und praktikabel bleibt – ob im städtischen Berufsverkehr oder auf dem Land, wo weite Strecken zur Tagesordnung gehören.
Ausblick: Was jetzt politisch ansteht
Nach der Vertagung des Kabinettsbeschlusses zur Neuregelung der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) steht die Bundesregierung vor konkreten Weichenstellungen. Die Technologien für erneuerbare Mobilität sind bereit, die Transformation hat begonnen. Drei politische Handlungspunkte bestimmen die unmittelbare Agenda:
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Der Kabinettsbeschluss zur THG-Quote muss zeitnah nachgeholt werden. Klare Vorgaben für eine starke Treibhausgasminderungsquote, die ambitioniert angehoben und bis 2045 fortgeführt wird, schaffen die nötige Planungssicherheit für Investoren und Industrie.
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Flankierende Maßnahmen beschleunigen den Ausbau der Lade- und Tankinfrastruktur. Besonders private Ladepunkte und bidirektionales Laden benötigen verlässliche Rahmenbedingungen.
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Steuerliche Vorteile für Elektrofahrzeuge, Förderung erneuerbarer Kraftstoffe sowie faire Bedingungen und soziale Kaufanreize machen klimafreundliche Mobilität breitenwirksam. Klare Regeln für LKW-Maut-Anpassungen gehören ebenfalls dazu.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet dies: Die kommenden Monate entscheiden darüber, ob klimaneutrale Mobilität bezahlbar und alltagstauglich wird. Ein kohärenter Politikrahmen könnte die Verkehrswende für alle spürbar voranbringen.
Die vorliegenden Informationen stammen aus einer Pressemitteilung des Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. und bilden die Grundlage dieses Beitrags.
Weiterführende Quellen:
- „Die THG-Quote im deutschen Verkehrssektor steigt 2025 auf 10,6 % (Vorjahr: 9,35 %), während für 2030 ein Zielwert von 25 % vorgesehen ist.“ – Quelle: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/thg-quote/
- „Die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor Deutschlands lagen 2024 bei rund 105 Mio. t CO₂, nach 107 Mio. t im Vorjahr.“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr/klimaschutz-im-verkehr
- „Deutschland verfügte Ende 2024 über rund 130.000 öffentliche Ladepunkte für Elektrofahrzeuge.“ – Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/ErneuerbareEnergien/Ladeinfrastruktur/Ladeinfrastruktur_node.html
- „Die Anzahl der Elektrofahrzeuge in Deutschland lag 2024 bei etwa 1,8 Millionen, was einem Anteil von rund 3,5 % am Gesamtbestand entspricht.“ – Quelle: https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/Bestand_node.html
- „In Frankreich beträgt die staatliche Kaufprämie für Elektrofahrzeuge 2025 bis zu 7.000 EUR, in Deutschland liegt die Förderung bei bis zu 4.500 EUR.“ – Quelle: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Wirtschaft/2025/elektromobilitaet-foerderung.html
7 Antworten
Ich bin echt enttäuscht von der Verzögerung des Kabinettsbeschlusses zur THG-Quote. Es fühlt sich an, als ob unsere Regierung nicht genug Priorität auf den Klimaschutz legt. Was denkt ihr darüber? Welche Konsequenzen könnte das haben?
Das sehe ich genauso! Die Bürger müssen viel aktiver werden und ihre Stimmen laut erheben. Wir müssen klar machen, wie wichtig diese Entscheidungen für unsere Zukunft sind.
Ich finde es wichtig, dass auch soziale Aspekte in der Diskussion um die Verkehrswende berücksichtigt werden. Wie können wir sicherstellen, dass alle Bevölkerungsschichten von den Maßnahmen profitieren? Das Thema sollte unbedingt intensiver behandelt werden!
Die Tatsache, dass die THG-Quote nur langsam steigt, ist wirklich besorgniserregend. Wir brauchen dringend eine Strategie, um diesen Prozess zu beschleunigen! Hat jemand Ideen oder kennt Beispiele aus anderen Ländern?
Ich finde es besorgniserregend, dass der Kabinettsbeschluss zur THG-Quote verschoben wurde. Wie können wir sicherstellen, dass Deutschland seine Klimaziele erreicht, wenn die notwendigen Maßnahmen nicht ergriffen werden? Hat jemand von euch Vorschläge, wie wir Druck auf die Regierung ausüben können?
Ich stimme zu! Es ist frustrierend zu sehen, dass so wichtige Entscheidungen immer wieder vertagt werden. Vielleicht sollten wir mehr in die Öffentlichkeit gehen und das Thema stärker diskutieren.
Gute Punkte! Ich denke auch, dass wir mehr über die Bedeutung der Ladeinfrastruktur sprechen sollten. Wenn das nicht ausgebaut wird, bringt die beste THG-Quote nichts.