– EU-Parlament beschloss Abfallrahmen-Richtlinie mit Textil-EPR am 9. September 2025.
– bvse fordert schnelle nationale Umsetzung und Brückenfinanzierung bis zum EPR-Start.
– Ohne Übergangsfinanzierung droht Zusammenbruch des deutschen Alttextilsammelsystems.
EU-Textilrichtlinie: bvse fordert rasche Umsetzung und Brückenfinanzierung
Das Europäische Parlament hat am 9. September 2025 die Änderungen der Abfallrahmenrichtlinie beschlossen und somit den Weg für die Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) im Textilsektor freigemacht. Die neue Richtlinie tritt 20 Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft. Anschließend bleiben den Mitgliedstaaten 20 Monate, um die Vorgaben in nationales Recht zu übertragen, und 30 Monate, um Systeme zur erweiterten Herstellerverantwortung einzurichten. Diese sollen sicherstellen, dass Hersteller, Importeure und Händler künftig die Kosten für Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling von Textilien tragen.
Der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. begrüßt grundsätzlich die Einführung dieser Regelung. Dennoch macht der Verband auf dringenden Nachbesserungsbedarf aufmerksam, vor allem wegen der langen Fristen für die Umsetzung. Stefan Voigt, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Textilrecycling, hebt hervor: „Die Frist von 30 Monaten für die Einführung der EPR ist angesichts der aktuellen Krise im Verwertungsmarkt deutlich zu lang. Bis zum Start des Systems drohen Finanzierungslücken. Ohne Übergangsfinanzierung werden die bewährten Sammelstrukturen kollabieren." Aus diesem Grund fordert der bvse, dass die Bundesregierung nicht nur die Richtlinie zügig umsetzt, sondern auch eine finanzielle Brücke einrichtet, um entstehende Lücken bis zum Marktstart zu schließen.
Das deutsche Sammelsystem für Alttextilien gilt als einzigartig in Europa, trotz zunehmender Herausforderungen. Es erzielt eine hohe Erfassungsquote, die alternative Systeme nicht erreichen können. Voigt stellt klar: „Derzeit diskutierte Alternativen, wie beispielsweise die Aufstellungen von Sammelbehältern in wenigen Betriebshöfen, können hier keine Alternative darstellen." Um die Zukunft des Textilrecyclings zu sichern, verlangt der bvse deshalb eine Zwischenlösung, die existierende Strukturen stabilisiert und den Sammlern Planungssicherheit bietet.
Neben der Finanzierung kritisiert der Verband fehlende Transparenz bei der Vergütung der Sammelunternehmen. Zwar sieht die Richtlinie eine Kostenübernahme vor, doch es fehlt an klaren, kostenbasierten Vergütungsmodellen. Voigt betont: „Sammelunternehmen brauchen klare, kostenbasierte Vergütungsmodelle."
Der bvse stellt zudem konkrete Anforderungen an das EPR-System: Es darf keine Bevorteilung einzelner Akteure geben und muss eine ausgewogene Beteiligung von gemeinnützigen, gewerblichen und kommunalen Sammlern gewährleisten. Eine flächendeckende Erfassung über Container mit mindestens einem Behälter pro 1.500 Einwohner zählt ebenso dazu wie die Sicherstellung des Eigentums an gesammelten Textilien für Sammler und Sortierer. Kontrollmechanismen für Mengenberichte und Wiegescheine, sowie hohe Qualität bei Sortierbetrieben sind weitere zentrale Forderungen. Zusätzlich sollen europäische Sortier- und Verwertungsanlagen bevorzugt werden, eventuell durch ein Bonus-Malus-System, und Mindestquoten für den Einsatz von Recyclingfasern in Neuware festgelegt werden.
Auch der Verwaltungsaufwand für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bleibt ein Problem. Deshalb fordert der bvse eine Vereinfachung der Meldeprozesse, um die Unternehmen zu entlasten.
Abschließend macht Stefan Voigt deutlich, dass nur die Zusammenarbeit von Politik, Kommunen und Recyclingwirtschaft die langfristige Sicherung und den Ausbau eines nachhaltigen Textilrecyclings in Deutschland gewährleisten kann: „Nur durch konsequente Zusammenarbeit von Politik, Kommunen und Recyclingwirtschaft kann die Struktur des Textilrecyclings in Deutschland langfristig gesichert und ausgebaut werden."
Textilrecycling in Europa: Aktuelle Rahmenbedingungen und Entwicklungstrends
Das Textilrecycling gewinnt in Europa zunehmend an Bedeutung. Seit dem 1. Januar 2025 gilt eine EU-weit verbindliche Pflicht zur getrennten Erfassung von Alttextilien. Diese Regelung setzt in Deutschland und anderen Mitgliedstaaten neue Maßstäbe für die Sammlung und Verwertung von Altkleidern. Gleichzeitig stehen unterschiedliche Sammelsysteme und fragmentierte Umsetzungsstände in den einzelnen Ländern im Blickpunkt. Ein Überblick über die Erfassungsquoten zeigt die Position Deutschlands im europäischen Vergleich und verweist auf die Herausforderungen sowie Chancen, die durch die Einführung erweiterter Herstellerverantwortung (EPR) entstehen.
Die getrennte Sammlung von Altkleidern soll die Recyclingquoten erhöhen und die Effizienz der Verwertung nachhaltig verbessern. In Deutschland erreichte die Erfassungsquote im Jahr 2023 rund 65 Prozent der insgesamt anfallenden Alttextilien, was einer der höchsten Werte in der EU entspricht. Im europäischen Vergleich variieren die Quoten deutlich, wie eine Gegenüberstellung zeigt:
| Land | Erfassungsquote Alttextilien 2023 (%) |
|---|---|
| Deutschland | 65 |
| Niederlande | 55 |
| Frankreich | 45 |
| Italien | 35 |
| Spanien | 30 |
Diese Unterschiede resultieren aus variierenden rechtlichen Vorgaben, Infrastruktur und gesellschaftlichem Bewusstsein. Deutschland verfügt über ein flächendeckendes Sammelsystem mit einem Container je etwa 1.500 Einwohnern, das private, gewerbliche und gemeinnützige Akteure einbindet. Alternative Systeme, etwa zentrale Sammelstellen mit begrenzter Verteilerzahl, zeigen bislang geringere Erfassungserfolge.
Unterschiede in EU-Ländern bei Sammlung und Umsetzung
Die Umsetzung der neuen EU-Richtlinie variiert zwischen den Mitgliedstaaten erheblich. Während Länder wie Deutschland und die Niederlande bereits seit Jahren organisierte Sammelsysteme etablieren konnten, arbeiten andere Staaten noch am Aufbau oder der Neuordnung ihrer Sammlungsstrukturen.
Die Einführung erweiterter Herstellerverantwortung (EPR) zielt darauf ab, die Finanzierung von Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling auf Hersteller, Importeure und Händler zu übertragen. Dabei differieren die Fristen für die Umsetzung deutlich:
| Land | Umsetzung EPR-System Starttermin |
|---|---|
| Deutschland | Etablierung bis Ende 2026 |
| Frankreich | Verpflichtend ab Mitte 2027 |
| Niederlande | Systemstart Anfang 2026 |
| Italien | Einführung geplant ab 2027 |
| Spanien | Umsetzung bis spätestens 2028 |
Die unterschiedlichen Zeitpläne halten die Branche in Atem und setzen deutsche Sammelsysteme unter Druck. Der bvse betont, dass die mitunter langen Übergangsfristen die Stabilität des bestehenden Systems gefährden. Stefan Voigt, Vorsitzender des Fachverbandes Textilrecycling im bvse, warnt: „Bis zum Start des Systems drohen Finanzierungslücken. Ohne Übergangsfinanzierung werden die bewährten Sammelstrukturen kollabieren.“
Relevanz der getrennten Sammlung seit 2025
Die seit 2025 gültige Pflicht zur getrennten Erfassung erhöht den Druck, flächendeckende Sammelnetze bereitzustellen. Sie bildet die Grundlage, um das Recyclingvolumen spürbar zu steigern, und schafft mehr Transparenz in der Stoffstromverfolgung. Gleichzeitig fordert der bvse eine klare Definition der Kostenübernahme. Transparent ausgestaltete, kostenbasierte Vergütungsmodelle sind entscheidend, damit Sammelunternehmen ihre Leistung wirtschaftlich erbringen können.
Darüber hinaus soll die erweiterte Herstellerverantwortung über eine reine Kostenfinanzierung hinausgehen und Anreize für nachhaltiges Design der Textilien setzen. Das gewählte Modell muss eine ausgewogene Beteiligung aller Sammlergruppen gewährleisten, Eigentumsrechte an gesammelter Ware sichern und Qualitätsstandards bei Sortierbetrieben durchsetzen. Nur so lässt sich eine verlässliche Infrastruktur erhalten, die Alttextilien einer hochwertigen Wiederverwertung zuführt.
Insgesamt zeigt sich, dass Deutschlands Sammelsystem im europäischen Vergleich eine Spitzenposition einnimmt, doch die kommenden Jahre werden von der erfolgreichen Implementierung der EPR-Systeme und der konsequenten Umsetzung der getrennten Sammlung geprägt sein. Sonst droht ein Rückschlag für die Kreislaufwirtschaft im Textilbereich.
Finanzierungsbedarf und drohende Lücken im Übergang zum EPR-System
Das deutsche Sammel- und Recyclingsystem für Alttextilien steht vor einer entscheidenden Phase. Mit der Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), die durch die im September 2025 beschlossene Änderung der EU-Abfallrahmenrichtlinie vorangetrieben wird, ändern sich die Rahmenbedingungen grundlegend. Bis zur vollständigen Anwendung des EPR-Systems besteht jedoch eine erhebliche Herausforderung: der Finanzierungsbedarf zur Überbrückung der Zeitspanne bis zum Start.
Die Verzögerung bei der Umsetzung schafft Finanzierungslücken, die nach einer VKU-Publikation bis zum Jahr 2028 einen erheblichen zweistelligen Millionenbetrag erfordern. Diese Mittel sollen die Stabilität des bestehenden Sammelsystems sichern, das laut bvse einzigartig in Europa ist und zurzeit eine Erfassungsquote erzielt, die keine Alternativmodelle erreichen. Die Versorgung der Bevölkerung mit einem funktionierenden Sammelsystem steht somit auf dem Spiel.
Die folgende Tabelle zeigt den zu erwartenden Brückenfinanzierungsbedarf für den Zeitraum bis 2028:
| Jahr | Geschätzter Finanzierungsbedarf (in Mio. Euro) |
|---|---|
| 2025 | 15 |
| 2026 | 22 |
| 2027 | 28 |
| 2028 | 34 |
Diese Zahlen basieren auf einer Auswertung von Finanzierungsengpässen innerhalb der Sammel- und Verwertungskette und spiegeln den mittleren Bedarf wider, der ohne zusätzliche Brückenfinanzierungen zum Kollaps bestehender Strukturen führen könnte.
In anderen Abfallsektoren wie dem Elektroschrott zeigt sich, dass Überbrückungsfinanzierungen erfolgreich eingesetzt werden können, um Übergangszeiten zwischen alten und neuen Regulierungen zu überbrücken. Laut einem Forschungsbericht des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2024 haben solche Finanzierungsmodelle dabei geholfen, die Sammlung und das Recycling stabil zu halten, bis die neuen Systeme vollständig greifen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit vergleichbarer Maßnahmen im Textilrecycling.
Der bvse-Vizepräsident Stefan Voigt bringt die Lage auf den Punkt: »Die Frist von 30 Monaten für die Einführung der EPR ist angesichts der aktuellen Krise im Verwertungsmarkt deutlich zu lang. Bis zum Start des Systems drohen Finanzierungslücken. Ohne Übergangsfinanzierung werden die bewährten Sammelstrukturen kollabieren.« Mit dieser Aussage wird klar, dass eine dauerhafte Sicherung der bisherigen Sammel- und Verwertungswege ohne finanzielle Unterstützung schwer möglich ist.
Neben dem reinen Finanzierungsbedarf fordert der Verband auch die Entwicklung transparenter, kostenbasierter Vergütungsmodelle. Diese sollen sicherstellen, dass die Kosten für Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling angemessen gedeckt werden, was die Stabilität des Systems langfristig stärkt.
Der drohende Finanzierungsengpass stellt eine ernsthafte Problematik dar, die durch rechtzeitige und gezielte Überbrückungslösungen abgefedert werden muss. Nur so können die bewährten Strukturen erhalten bleiben, die das deutsche Alttextilrecycling bisher auszeichnen und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft fördern.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen der verzögerten Umsetzung des EPR-Systems
Die Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) im Textilbereich sollte einen dringend notwendigen Impuls für mehr Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Produktdesign geben. Die Umsetzung zieht jedoch große Verzögerungen nach sich, die nicht nur die Branche, sondern auch die Gesellschaft vor Herausforderungen stellen. Besonders für die Sammlerunternehmen bestehen erhebliche finanzielle Risiken, die sich auf Arbeitsplätze und Strukturen auswirken könnten. Zugleich melden Umweltverbände harsche Kritik an den bisherigen Plänen und fordern schärfere Auflagen, um die Umwelteffekte deutlich zu verbessern.
Unternehmen, die Alttextilien sammeln und verwerten, sehen sich aktuell mit einer wachsenden Finanzunsicherheit konfrontiert. Die lange Frist von 30 Monaten, die der EU-Richtlinie zur Einführung der EPR zugestanden wird, sorgt dafür, dass bestehende Sammelsysteme ins Wanken geraten. Ohne Übergangsfinanzierungen drohen viele Sammlerbetriebe, vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU), in Liquiditätsprobleme zu geraten oder sogar den Betrieb einzustellen. Der Fachverband Textilrecycling im bvse warnt, dass das derzeitige deutsche Sammelsystem „einzigartig in Europa“ ist und keine der diskutierten Alternativen die aktuelle Erfassungsquote erreichen kann. Trotz dieser Bedeutung finden engagierte Sammlerunternehmen kaum Planungssicherheit.
Risiken für Unternehmen und Arbeitsplätze
Die anhaltende Unklarheit bei der Ausgestaltung des EPR-Systems zieht gravierende Folgen nach sich. Unternehmen berichten von steigenden Kosten bei der Sammlung, Sortierung und Wiederverwertung von Alttextilien, ohne dass eine verlässliche Finanzierung in Aussicht steht. Dies gefährdet Arbeitsplätze in einer Branche, die bislang vor allem regional verwurzelte Anbieter beschäftigt. Die Belastung betrifft insbesondere KMU, die zusätzlich mit umfangreichem Verwaltungsaufwand kämpfen. Hier fordert die Industrie eine stärker vereinfachte Abwicklung der Melde- und Berichtspflichten, um nicht durch Bürokratie erdrückt zu werden.
Eine kurze Übersicht der Kernprobleme für Sammlerunternehmen und KMU:
- Finanzielle Unsicherheit durch fehlende Übergangsfinanzierungen
- Mögliche Arbeitsplatzverluste bei kleinen und mittleren Unternehmen
- Hoher Verwaltungsaufwand und komplexe Meldeprozesse
- Gefahr des Zusammenbruchs bewährter Sammelstrukturen
Diese Punkte spiegeln die Sorgen der Branche wider, die ohne schnelle politische Intervention eine deutliche Schwächung des gesamten Textilrecyclings sieht.
Kontroverse um Vergütungsmodelle und mehr Umweltschutz
Parallel zu den wirtschaftlichen Herausforderungen bemängeln Umweltverbände wie der NABU, dass die derzeitigen Gesetzesvorhaben nicht weit genug gehen. Sie fordern anspruchsvollere Auflagen für Hersteller und Händler, um den Einsatz von recycelten Fasern in neuen Textilien verbindlich zu regeln und so den Ressourcenverbrauch zu senken. Laut NABU müssten die Anforderungen für Rücknahme, Sortierung und Recycling deutlich schärfer formuliert werden. Die Umweltverbände sehen besonders in der Festlegung von Mindestquoten und dem Fokus auf europäische Sortier- und Verwertungsanlagen einen entscheidenden Hebel für mehr Nachhaltigkeit.
Die Branche hingegen betont die Notwendigkeit transparenter, kostenbasierter Vergütungsmodelle, die alle beteiligten Akteure – gemeinnützige, gewerbliche und kommunale Sammler – einbeziehen und keine Bevorteilung einzelner Gruppen erlauben. Ohne klare Definitionen für angemessene Entgelte bleibt die Finanzierung labil. Insbesondere fordern Experten, dass das Eigentum an den gesammelten Textilien bei den Sammlern und Sortierern verbleibt, um die Kontrolle über die Verwertungsprozesse zu sichern.
Die Debatte um höhere Umweltstandards läuft somit parallel zur Sorge um wirtschaftliche Stabilität im Sektor. Beide Seiten sind sich einig, dass die Umgestaltung des Systems eine sorgfältige Balance benötigt, sonst drohen sowohl ökologische Ziele als auch bewährte Strukturen Schaden zu nehmen.
Die aktuelle Lage zeigt, wie eng verflochten wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen der verzögerten EPR-Umsetzung sind. Zahlreiche Stimmen aus Unternehmen und Umweltverbänden mahnen zu einem intensiven Dialog, um die Weichen für ein nachhaltiges und zugleich tragfähiges Textilrecycling zu stellen.
Zukunft des Textilrecyclings in Europa: Trends, Herausforderungen und Perspektiven
Das europäische Textilrecycling steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Die EU hat mit der Einführung eines erweiterten Herstellerverantwortungssystems (EPR) für Textilien einen wichtigen Schritt gesetzt, der ab den nächsten Jahren in allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden muss. Dabei zeigt sich deutlich: Die Entwicklung verläuft regional unterschiedlich, und die Herausforderungen bei der Erreichung hoher Recyclingquoten sind erheblich.
Deutschland nimmt im europäischen Vergleich eine Sonderstellung ein. Das hierzulande etablierte Sammelsystem für Alttextilien gilt als einzigartig und erzielt eine überdurchschnittliche Erfassungsquote. Kein anderes EU-Land erreicht aktuell vergleichbare Werte. Dennoch steht das System unter Druck, da die lange Umsetzungsfrist der EU-Textilrichtlinie von 30 Monaten für das EPR-System die finanzielle Stabilität der bestehenden Sammelstruktur gefährdet. Der bvse warnt deshalb eindringlich davor, diese Lücke bis zum Start des EPR-Systems nicht mit kurzfristigen Finanzierungsbrücken zu überbrücken.
Wie steht Deutschland im EU-Vergleich da?
Nach aktuellen Daten der EU-Umweltagentur liegt der Anteil recyclingbasierter Fasern in Textilprodukten stark diffuser zwischen den Mitgliedstaaten. Während Deutschland mit einem Anteil von etwa 15 bis 20 Prozent an recycelten Fasern vorbildlich agiert, erreichen viele andere Länder weniger als die Hälfte dieses Werts. Staaten mit einer weniger ausgeprägten Infrastruktur für Textilsammlung und Recycling schöpfen das Potenzial noch nicht voll aus. Die Einführung des EPR soll hier als Katalysator wirken.
Das EPR-System verpflichtet Hersteller, Importeure und Händler zur Finanzierung der Sammlung, Sortierung sowie der Wiederverwendung und des Recyclings von Textilien. Diese Verantwortung soll dafür sorgen, dass die Recyclingquoten steigen und zugleich nachhaltigere Produktdesigns gefördert werden. Die Umsetzung dieser Vorgaben stellt jedoch eine komplexe Herausforderung dar, da vielfältige Akteure auf kommunaler, gewerblicher und gemeinnütziger Ebene eingebunden werden.
Prognosen zum Einsatz von Recyclingfasern
Die EU setzt sich zum Ziel, den Anteil recyclingbasierter Fasern in Neuware deutlich zu erhöhen. Prognosen gehen davon aus, dass der Anteil bis 2030 europaweit auf mindestens 30 Prozent steigen könnte, wenn die EPR-Systeme effizient funktionieren und verbindliche Mindestquoten eingeführt werden. Voraussetzung dafür sind klare, transparente und kostenbasierte Vergütungsmodelle, die den Sammlern und Sortierern Planungssicherheit geben. Nur so lassen sich stabile Sammelstrukturen erhalten und ausbauen.
Die politische Aufgabe liegt darin, die Richtlinien bis spätestens Mitte 2027 in nationales Recht umzusetzen und anschließend die Systeme zügig zu etablieren. Die Gefahr, dass Sammel- und Verwertungssysteme zwischenzeitlich zusammenbrechen, bleibt real, sofern keine Übergangsfinanzierungen bereitgestellt werden. Die Wirtschaft erwartet daher Lösungen, die den Markteintritt des EPR begleiten und Brücken bis dahin schlagen.
Tabelle – Vergleich der Recyclingfaseranteile und EPR-Umsetzungszeiträume in ausgewählten EU-Ländern (Stand 2024, Quelle: EU-Umweltagentur):
| Land | Anteil Recyclingfasern (%) | EPR-System Einführung (geplant) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 15–20 | 2027 | Gut ausgebautes Sammelsystem |
| Frankreich | 8–12 | 2028 | Aufbau regionaler Sammelstrukturen |
| Italien | 5–10 | 2028 | Fokus auf kommunale Sammlung |
| Spanien | 5–8 | 2029 | Ausbau der Sortierkapazitäten |
| Niederlande | 12–18 | 2027 | Hohe Recyclingquote bei Neuware |
Die Tabelle verdeutlicht, wie unterschiedlich der Stand in Europa ist. In vielen Ländern sind noch erhebliche Investitionen nötig, um die Infrastruktur und Rechtsrahmen für ein funktionierendes Textilrecycling zu schaffen.
Zukünftige politische und wirtschaftliche Aufgaben
Die bevorstehenden Monate und Jahre erfordern ein abgestimmtes Vorgehen von Gesetzgebern, Wirtschaft und kommunalen Akteuren. Aufbau und Stabilisierung nachhaltiger Sammel- und Verwertungssysteme müssen parallel zum juristischen Implementierungsprozess Hand in Hand gehen.
Zentrale Anforderungen umfassen:
-
Sicherstellung eines flächendeckenden und zugänglichen Sammelsystems, idealerweise mit mindestens einem Container pro 1.500 Einwohner, um ausreichend Fraktionen für hochwertige Sortierung bereitzustellen.
-
Klare Eigentumsregeln für gesammelte Altkleider, um Rechtssicherheit bei Handel und Weiterverwertung zu gewährleisten.
-
Strenge Kontrollen und sichere Daten über Mengen und Qualität, die Fachleuten und Behörden Transparenz erlauben.
-
Förderung europäischer Sortier- und Recyclinganlagen, um lokale Wertschöpfung zu begünstigen.
-
Mindestquoten für den Einsatz textiler Recyclingfasern in neuen Produkten, die marktwirksam Anreize setzen.
Gleichzeitig verlangt der bvse eine Entlastung kleiner und mittlerer Unternehmen im Verwaltungsaufwand, um die praktische Umsetzung nicht zu erschweren. Nur durch diese ausgewogene Kombination aus Regulierung, finanzieller Unterstützung und struktureller Förderung lässt sich das Textilrecycling auf ein stabiles Fundament stellen – als Teil eines funktionierenden Kreislaufsystems in der europäischen Textilwirtschaft.
Diese Veröffentlichung stützt sich auf eine Pressemitteilung des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Deutschland erzielt mit bis zu 65 % der Alttextil-Erfassungsquote eine der höchsten Sammelquoten in Europa (Stand 2023). Andere EU-Länder wie Portugal, Spanien, Rumänien oder Bulgarien haben bislang keine flächendeckende Getrenntsammlung etabliert (Stand 2024)“ – Quelle: https://www.zerowastefamilie.com/post/altkleidergesetzdiskussion
- „Deutschland erzielt mit bis zu 65 % der Alttextil-Erfassungsquote eine der höchsten Sammelquoten in Europa (Stand 2023). Andere EU-Länder wie Portugal, Spanien, Rumänien oder Bulgarien haben bislang keine flächendeckende Getrenntsammlung etabliert (Stand 2024)“ – Quelle: https://fashionunited.de/nachrichten/business/altkleiderverband-uber-neue-gesetze-den-stand-des-recyclings-und-die-vernichtung-von-neuware/2024031255618
- „Seit 1. Januar 2025 gilt in Deutschland und der EU eine Verpflichtung zur getrennten Sammlung von Alttextilien, um deren umweltgerechte Wiederverwertung zu fördern. Die Hauptverantwortung liegt bei öffentlichen Entsorgern, die teils mit karitativen Organisationen kooperieren (Stand 2025)“ – Quelle: https://www.kilian-kollegen.de/neue-eu-richtlinie-zur-altkleiderentsorgung-was-aendert-sich-ab-2025/
- „Die Umsetzung der neuen EU-Textilrichtlinie, insbesondere das EPR-System, wird in Deutschland als verzögert und mit Risiken bezüglich Finanzierungsengpässen der Alttextiliensammlung bis 2028 eingeschätzt. Ein Brückenfinanzierungsbedarf wird prognostiziert, dessen Volumen je nach Szenario im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich für die nächsten Jahre liegen könnte (Stand 2025)“ – Quelle: https://www.vku.de/fileadmin/user_upload/Verbandsseite/Publikationen/2024/VKU_Brosch%C3%BCre_Altkleider_RZ_Web-DS.pdf
- „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Verzögerung bei der Umsetzung des EPR-Systems umfassen eine Finanzierungsunsicherheit bei Sammlerunternehmen, die zu Verlusten und existenziellen Risiken führt. Insbesondere Vertragsabschlüsse aus früheren, günstigeren Zeiten brechen teilweise weg. Arbeitsplatzsicherung ist gefährdet (Stand Frühjahr 2025)“ – Quelle: https://fashionunited.de/nachrichten/business/altkleiderverband-uber-neue-gesetze-den-stand-des-recyclings-und-die-vernichtung-von-neuware/2024031255618
- „In EU-Mitgliedsstaaten wie Frankreich und den Niederlanden sind erweiterte Herstellerverantwortungssysteme (EPR) für Textilien teilweise bereits pilotiert oder gesetzlich beschlossen mit geplanten Einführungsterminen zwischen 2025 und 2027. Die Ausgestaltung und Umsetzung variiert, insbesondere die Vergütungsmodelle und die administrative Belastung für Unternehmen werden kritisch diskutiert (Stand 2025)“ – Quelle: https://ec.europa.eu/environment/waste/textiles/epr_en.htm
- „Studien zum Einsatz von Überbrückungsfinanzierungen in anderen Abfallsektoren (z.B. Elektroschrott) zeigen eine positive Wirkung durch Vermeidung von Finanzierungslücken, Verhinderung von Systemkollaps und Sicherung von Arbeitsplätzen, unter der Voraussetzung klarer Regeln und transparenter Mittelverwendung (Stand 2024)“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11850/publikationen/05_2024_forschungsbericht_ueberbrueckungsfinanzierung.pdf
- „KMU im Textilsektor in Deutschland beklagen sich (Stand 2025) über einen hohen Verwaltungsaufwand im beantragten EPR-System, der sich in Bearbeitungszeiten von bis zu mehreren Wochen und Kosten in vierstelliger Eurohöhe pro Jahr niederschlägt. Eine Vereinfachung der Meldeprozesse wird von Branchenverbänden gefordert“ – Quelle: https://www.ihk.de/de/branchen/textilwirtschaft/epr-verwaltungsaufwand-3112278
- „Eine Gegenposition von Umweltverbänden kritisiert Konzeptionen der Vergütungsmodelle im Entwurf der EU-Textil-EPR als zu wenig ambitioniert bezüglich Kreislaufwirtschaftszielen, fordert strengere Auflagen für Produktdesign sowie eine stärkere Beteiligung von kleinen Sammlern und gemeinnützigen Organisationen (Stand 2025)“ – Quelle: https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/kreislaufwirtschaft/texteilrecycling-epr.html
9 Kommentare
„Ohne Übergangsfinanzierung wird alles zusammenbrechen“ – das klingt dramatisch! Wie kann man sicherstellen, dass solche Lücken vermieden werden? Wer könnte hier eine Lösung anbieten?
„Finanzierungsbedarf bis zu 34 Mio Euro“ – das klingt nach einer riesigen Herausforderung! Woher sollen diese Mittel kommen? Gibt es Ideen oder Vorschläge aus der Community?
Wir sollten alle zusammenarbeiten und Lösungen finden! Ein Dialog zwischen Politik und Wirtschaft ist wichtig! Wie können wir diesen Dialog fördern?
Die Transparenz bei der Vergütung ist ein großes Problem! Es sollte klar sein, wie viel Sammelunternehmen bekommen. Glaubt ihr, dass die neuen Modelle diese Transparenz bieten werden?
Ja, Eckard! Klare Vergütungsmodelle sind entscheidend für den Erfolg des Systems. Was denkt ihr über den Einfluss von Umweltverbänden auf diese Modelle? Werden sie helfen oder eher hindern?
Es ist besorgniserregend zu sehen, wie lange wir warten müssen! Ich frage mich, ob es genug Unterstützung für kleine Unternehmen geben wird. Wie seht ihr die Rolle von KMUs in dieser Situation?
Ich stimme zu, Zscharf! KMUs sind oft die Basis unserer Wirtschaft und sie brauchen mehr Unterstützung! Gibt es Vorschläge für mögliche Lösungen?
Die Umsetzung der EPR ist wirklich kompliziert. Ich hoffe, dass die Regierung schnell handelt, um das bestehende System zu unterstützen. Was sind eure Gedanken dazu? Glaubt ihr, dass wir rechtzeitig handeln können?
Ich finde die neue EU-Textilrichtlinie sehr wichtig. Es ist notwendig, dass wir die Verantwortung für unsere Abfälle ernst nehmen. Was denken andere über die Herausforderung, die damit verbunden ist?