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Termingarantie für Facharzttermine: VdK fordert Ende der Ungleichbehandlung zwischen Kassen- und Privatpatienten

Der Sozialverband VdK fordert eine gesetzliche Termingarantie, um die Ungleichbehandlung zwischen gesetzlich und privat Versicherten zu beenden. Der Verband verlangt, dass alle Patientinnen und Patienten binnen vier Wochen einen Facharzttermin erhalten. *„Das ist ungerecht und gefährdet ihre Gesundheit“*, so die VdK-Präsidentin. Zudem schlägt der Verband Jahresrezepte für chronisch Kranke vor, um Bürokratie abzubauen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • VdK fordert gesetzliche Termingarantie für Facharzttermine innerhalb von vier Wochen für alle Patienten.
  • Privatversicherte erhalten deutlich schneller Termine als gesetzlich Versicherte, was als ungerecht kritisiert wird.
  • Jahresrezepte für stabil eingestellte chronisch Kranke sollen Bürokratie abbauen und Ressourcen entlasten.
  • Jeder vierte gesetzlich Versicherte wartet länger als einen Monat auf einen Facharzttermin.
  • Terminservicestellen vermitteln im Schnitt Facharzttermine binnen 12 Tagen, erreichen aber nicht alle Patienten zufriedenstellend.

– Der VdK fordert eine Termingarantie für Facharztbesuche innerhalb von vier Wochen.
– Privatversicherte erhalten deutlich schneller Termine als gesetzlich Versicherte.
– Jahresrezepte für chronisch Kranke sollen Bürokratie abbauen und Ressourcen entlasten.

VdK fordert Termingarantie gegen Ungleichbehandlung

Der Sozialverband VdK Deutschland setzt sich für eine grundlegende Reform der Facharztterminvergabe ein. Anlass ist der Vorstoß des niedersächsischen Gesundheitsministers Andreas Philippi. Die zentrale Forderung: eine gesetzliche Termingarantie, die sicherstellt, dass alle Patientinnen und Patienten binnen vier Wochen einen Facharzttermin erhalten. Sollte dies nicht möglich sein, müsste stattdessen ein Termin in einer Klinik vermittelt werden.

Hintergrund ist eine als strukturell empfundene Benachteiligung. Während privat Versicherte oft kurzfristig Termine bekommen, wartet ein signifikanter Anteil der gesetzlich Versicherten deutlich länger*. Diese Ungleichbehandlung sei nicht nur ungerecht, sondern gefährde auch die Gesundheit, so der Verband. Der VdK, mit über 2,3 Millionen Mitgliedern die größte sozialpolitische Interessenvertretung Deutschlands (Stand: 05.01.2026, Pressemitteilung)*, unterstützt daher den politischen Vorstoß zur Verbesserung der Patientensteuerung.

VdK-Präsidentin Verena Bentele erklärt dazu: „Eine Termingarantie, die sicherstellt, dass Patientinnen und Patienten innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin erhalten oder alternativ einen Krankenhaustermin vermittelt bekommen, ist ein richtiger und überfälliger Schritt. Sie trägt dazu bei, Ungleichbehandlungen zwischen gesetzlich und privat Versicherten zu reduzieren und stärkt die Patientenrechte.“

Parallel zur Termingarantie begrüßt der VdK den Vorschlag, stabil eingestellten chronisch Kranken Jahresrezepte auszustellen. Dies könnte quartalsweise Arztbesuche überflüssig machen, Bürokratie abbauen und entlastete Ressourcen dorthin lenken, wo sie am dringendsten benötigt werden. „Auch die Idee, stabil eingestellten chronisch kranken Menschen Jahresrezepte zu ermöglichen, ist sinnvoll“, so Bentele weiter (Pressemitteilung — Stand: 05.01.2026).*

Wie Facharzttermine in Deutschland organisiert sind

Das deutsche Gesundheitssystem kennt verschiedene Wege, um einen Termin beim Facharzt zu erhalten. Der klassische Weg führt über den Hausarzt, der bei Bedarf eine Überweisung ausstellt. Mit diesem Dokument können sich gesetzlich Versicherte dann direkt an eine Facharztpraxis wenden. Viele Praxen bieten zudem eine freie Terminvergabe für Selbstzahler oder privat Versicherte an, oft über Online-Portale oder telefonisch. Eine zentrale Anlaufstelle für gesetzlich Versicherte ist die Terminservicestelle unter der bundesweiten Rufnummer 116117. Sie vermittelt innerhalb bestimmter Fristen Termine bei Fachärzten, wenn der Hausarzt eine Dringlichkeit bescheinigt hat.

Wie werden Facharzttermine vermittelt?

Die Vermittlung folgt im Kern einem dreistufigen Prozess. Zuerst klärt der Haus- oder Allgemeinmediziner den Behandlungsbedarf. Bei nicht dringlichen Anliegen sucht der Patient selbst einen Facharzt mit Kassenzulassung. Bei als dringlich eingestuften Fällen kann der Hausarzt eine Überweisung mit Dringlichkeitscode ausstellen. Mit diesem Code wendet man sich an die Terminservicestelle (116117), die verpflichtet ist, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu organisieren. Gelingt dies nicht, muss sie einen Termin in einer geeigneten Krankenhausambulanz vermitteln.

Warum warten manche GKV-Versicherte länger?

Die unterschiedlichen Wartezeiten für gesetzlich und privat Versicherte haben strukturelle Gründe. Ein wesentlicher Faktor ist das unterschiedliche Abrechnungssystem. Privatärztliche Leistungen werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet, die häufig höhere Vergütungen vorsieht als der einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) der gesetzlichen Krankenversicherung. Das kann für Praxen ein finanzielles Anreizsystem schaffen. Zudem sind Arztpraxen in ihrer Terminvergabefreiheit nicht verpflichtet, gesetzlich und privat Versicherte gleich zu behandeln.

Jeder vierte gesetzlich Versicherte wartete länger als einen Monat auf einen Facharzttermin* (repräsentative Umfrage des GKV-Spitzenverbands, Stand 2025). Der Sozialverband VdK kritisiert diese Ungleichbehandlung als ungerecht und gesundheitsgefährdend und fordert verbindliche Lösungen wie eine effektive Termingarantie für alle.

Fakten zur Facharztversorgung: Zahlen und Wartezeiten im Vergleich

Die Debatte um Wartezeiten bei Fachärzten wird durch konkrete Daten befeuert. Sie zeigen eine Entwicklung von den offiziellen Vermittlungszielen zur gelebten Alltagserfahrung der Versicherten. Die Terminservicestellen unter der Rufnummer 116 117 erzielten in der Evaluation 2023 einen beachtlichen Wert: Facharzttermine wurden im Schnitt binnen 12 Tagen vermittelt *. Dieser Systemwert bildet jedoch nicht zwangsläufig die subjektive Zufriedenheit der Patienten ab.

Aktuelle Umfragen aus dem Jahr 2025 zeichnen ein differenzierteres Bild der Versorgungssituation. Laut einer repräsentativen Befragung des GKV-Spitzenverbands unter etwa 3.500 Versicherten wartete jeder vierte gesetzlich Versicherte länger als einen Monat auf einen Facharzttermin *. Eine weitere Erhebung im Auftrag des GKV-Spitzenverbands bestätigt diese Wahrnehmung: Rund ein Drittel der gesetzlich Versicherten bewertet die Wartezeiten auf Facharzttermine als „zu lang“ oder „viel zu lang“ *. Die Unzufriedenheit ist messbar: Annähernd 30 Prozent der gesetzlich Versicherten sind mit den Wartezeiten unzufrieden (Stand: Ende Februar bis Ende März 2025) *.

Diese Kernzahlen fassen die aktuelle Datenlage kompakt zusammen:

  • Vermittlungszeit der Terminservicestellen (116 117): Im Schnitt 12 Tage (Stand: Evaluation 2023) *.
  • Lange Wartezeiten in der Praxis: Jeder vierte gesetzlich Versicherte wartete länger als einen Monat (Stand: 2025, repräsentative Umfrage des GKV-Spitzenverbands) *.
  • Subjektive Bewertung: Rund ein Drittel der gesetzlich Versicherten hält Wartezeiten für „zu lang“ oder „viel zu lang“ (Stand: 2025, Umfrage im Auftrag des GKV-Spitzenverbands) *.
  • Gesamtzufriedenheit: Annähernd 30 Prozent der gesetzlich Versicherten sind mit den Wartezeiten unzufrieden (Stand: Ende Februar bis Ende März 2025) *.

    Warten mit Folgen – und Wege aus der Krise

Lange Wartezeiten auf Facharzttermine sind mehr als ein Ärgernis. Sie bergen konkrete Gesundheitsrisiken, verschärfen soziale Ungleichheit und belasten chronisch Kranke besonders. Der Vorstoß für eine verbindliche Termingarantie zielt darauf, diese Probleme strukturell anzugehen. Eine solche Garantie könnte die Versorgung beschleunigen und Ungleichheiten zwischen gesetzlich und privat Versicherten verringern. Zugleich wirft sie praktische Fragen auf: Wer kontrolliert die Einhaltung? Sind die notwendigen Kapazitäten in Praxen und Krankenhäusern überhaupt vorhanden? Und wie lassen sich Patienten priorisieren, ohne dass erneut eine Zweiklassengesellschaft entsteht?

Parallel zur Terminfrage steht die Entlastung der Versorgung durch Entbürokratisierung im Raum. Die Idee von Jahresrezepten für stabil eingestellte chronisch Kranke könnte regelmäßige Praxisbesuche reduzieren und so Ressourcen freisetzen. Für eine umfassende Bewertung dieser Vorschläge und ihrer Machbarkeit sind jedoch unterschiedliche Perspektiven unverzichtbar. Folgende Expertinnen und Experten könnten entscheidende Einblicke liefern:

  • GKV-Spitzenverband: Machbarkeit und Kostenaspekte
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: Kapazitäten und Terminsteuerung
  • Hausärzte- oder Facharztverbände: Praxisorganisation und Priorisierung
  • Patientenvertreter/Selbsthilfegruppen: Alltagserfahrungen und Bedarf an Jahresrezepten
  • Niedersächsischer Gesundheitsminister Andreas Philippi: konkrete Gesetzesvorhaben

Die politische Debatte um eine Termingarantie und Jahresrezepte steht noch am Anfang. Nächste Schritte werden eine gründliche Evaluation der Umsetzungsmöglichkeiten, die Klärung von Finanzierungsfragen und möglicherweise die Einrichtung von Pilotprojekten sein. Ein transparenter Dialog, der die Interessen von Patienten, Ärzteschaft und Kostenträgern gleichermaßen berücksichtigt, ist dafür die Grundvoraussetzung. Nur so kann aus einem politischen Vorstoß eine praktikable Lösung werden, die das Versprechen auf gerechtere und schnellere medizinische Versorgung einlöst.

Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Sozialverbands VdK Deutschland.

Weiterführende Quellen:

Update: Warum das Thema wichtig bleibt

Facharzttermine sind ein Gradmesser dafür, wie gleich der Zugang zur Versorgung in Deutschland tatsächlich funktioniert. Der Beitrag macht deutlich: Privatversicherte bekommen häufig schneller Termine, während ein relevanter Teil gesetzlich Versicherter länger warten muss – obwohl die Vermittlung über feste Wege grundsätzlich vorgesehen ist. Diese Wartezeiten betreffen nicht nur Komfort, sondern werden auch als gesundheitsrelevant eingeordnet.

Für Patientinnen und Patienten heißt das vor allem: Wege kennen, Dringlichkeit richtig einstufen lassen und Vermittlung aktiv nutzen. Für Politik und Organisationen ist entscheidend, dass Kapazitäten, Priorisierung und Kontrolle so ausgestaltet werden, dass eine Termingarantie nicht nur angekündigt, sondern zuverlässig umgesetzt wird. Auch Jahresrezepte für stabil eingestellte chronisch Kranke würden die Versorgungspraxis verändern und Bürokratie abbauen – falls sie in der Umsetzung überzeugen.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Was kann ich tun, wenn ich als gesetzlich Versicherte/r keinen zeitnahen Facharzttermin bekomme?
Lass die Dringlichkeit über den Haus- bzw. Allgemeinmediziner klären und nutze die Vermittlung über die Terminservicestelle (116117). Wenn die Vermittlung nicht klappt, soll alternativ ein Termin im Krankenhaus vermittelt werden.

Wer ist für die Terminvermittlung zuständig – und wie läuft das grundsätzlich ab?
Bei nicht dringlichen Fällen suchen Betroffene selbst eine passende Praxis mit Kassenzulassung. Bei dringlichen Fällen kann der Hausarzt eine Überweisung mit Dringlichkeitscode ausstellen; die Terminservicestelle organisiert dann einen Termin.

Warum sind Wartezeiten unterschiedlich zwischen GKV und privat möglich?
Der Beitrag nennt strukturelle Gründe wie unterschiedliche Abrechnungssysteme sowie fehlende Verpflichtung zur gleichbehandelnden Terminvergabe.

Was steckt hinter der Idee von Jahresrezepten für chronisch Kranke?
Der Beitrag beschreibt das Ziel, bei stabil eingestellten chronisch Kranken regelmäßige Arztbesuche zu reduzieren, Bürokratie abzubauen und Ressourcen zu entlasten.

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