Während viele Verbraucher beim Einkauf genauer auf Preise und Inhaltsstoffe schauen, bleibt Tee bemerkenswert gefragt. Der Markt wächst weiter, neue Sorten gewinnen an Sichtbarkeit und vor allem Matcha sorgt für Bewegung im Regal. Gleichzeitig blickt die Branche mit Sorge auf mögliche strengere Vorgaben, die aus ihrer Sicht die Auswahl verengen könnten.
Diese Entwicklung beschreibt der Tee Report 2026 des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands e. V. in Hamburg. Der Bericht bündelt Marktdaten, Trends und Hintergründe und enthält auch ein Interview mit der neuen Vorsitzenden Annemarie Leniger. Für Handel, Hersteller und Verbraucher ist vor allem interessant, wie robust sich der Markt entwickelt – und wo er nach Ansicht des Verbands an Grenzen stoßen könnte.
Was der Tee Report 2026 über den Markt verrät
Unter dem Titel „Neue Märkte und Ideen. Tee setzt Impulse“ zieht der Verband Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr. Nach Angaben des Reports bleibt der Verbrauch hoch, die Umsätze steigen, und die Branche blickt insgesamt positiv auf die Entwicklung. Tee wird damit nicht nur als klassisches Alltagsgetränk wahrgenommen, sondern zunehmend auch als Produkt, das auf neue Gewohnheiten reagiert.
Wichtig ist dabei: Der Tee Report ist eine Branchenpublikation. Er zeigt deshalb vor allem, wie der Verband die Lage der Teewirtschaft einschätzt. Das ist als Stimmungsbild nützlich, ersetzt aber keine unabhängige Marktanalyse.
Matcha, Cold Brew und Bio prägen die Entwicklung
Besonders deutlich wird der Wandel bei Produkten, die neue Zielgruppen ansprechen. Matcha, also fein gemahlener Grüntee, gilt im Report als Treiber des aktuellen Interesses an Teespezialitäten. Der Verband beschreibt den anhaltenden Hype um das grüne Pulver als einen Faktor, der auch andere Sorten stärker ins Blickfeld rückt.
Auch bei den Produktkategorien selbst gibt es Bewegung. Der Bio-Anteil bei Tee stieg erneut um fast zwei Prozentpunkte und lag bei 19,6 Prozent. Nach Angaben des Verbands ist das mehr als dreimal so viel wie im übrigen Lebensmittelmarkt. Außerdem hätten sich Cold Brew Teas fest etabliert. Gemeint sind kalt aufgegossene oder kalt extrahierte Tees, die schnell zubereitet werden und oft als erfrischender Durstlöscher verkauft werden.
Früchtetee-Mischungen legten 2025 nach Verbandsangaben um mehr als fünf Prozentpunkte zu. Das spricht dafür, dass neben klassischen Sorten auch neue Varianten und Geschmacksrichtungen ihren Platz gefunden haben. Für Verbraucher bedeutet das vor allem mehr Auswahl – solange das Sortiment breit bleibt.
Warum die Regulierung zum eigentlichen Streitpunkt wird
Genau an diesem Punkt setzt die Warnung des Verbands an. Nach Ansicht der neuen Vorsitzenden könnte die große Vielfalt an Tee, Kräuter- und Früchtetees durch strengere gesetzliche Vorgaben unter Druck geraten. Gemeint sind unter anderem Regeln zu Rückstandshöchstgehalten, Kontaminanten und der Bewertung natürlicher Inhaltsstoffe.
„Wenn der Gesetzgeber bei Rückstandshöchstgehalten, Kontaminanten und der Bewertung natürlicher Inhaltsstoffe nicht zu einem vernünftigen, praxisnahen Weg zurückfindet, dann werden beliebte Sorten verschwinden“
Annemarie Leniger äußert damit eine Warnung aus Verbandssicht, keine gesicherte Entwicklung. Rückstandshöchstgehalte sind Grenzwerte für Rückstände, Kontaminanten sind Schadstoffe oder unerwünschte Stoffe, und bei natürlichen Inhaltsstoffen geht es darum, wie bestimmte Bestandteile rechtlich eingeordnet werden. Welche konkrete Regelung oder welches laufende Verfahren der Verband meint, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Für Hersteller und Händler wäre das vor allem dann relevant, wenn sich die Spielräume bei Rezepturen, Rohstoffen oder Sorten tatsächlich verengen. Im Alltag könnte sich das für Verbraucher vor allem im Sortiment bemerkbar machen: weniger Auswahl, strengere Prüfungen und möglicherweise mehr Aufwand bei der Entwicklung neuer Produkte. Ob es so weit kommt, lässt sich anhand der vorliegenden Angaben noch nicht beurteilen.
Die Zukunft hängt an der Balance zwischen Trend und Vorgaben
Der Tee Report 2026 zeichnet damit ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite steht ein Markt, der von neuen Konsumgewohnheiten profitiert und sich robust zeigt. Auf der anderen Seite steht die Sorge, dass regulatorische Hürden genau die Vielfalt einschränken könnten, die den Markt derzeit stützt.
Für alle, die Tee kaufen, verkaufen oder herstellen, ist das mehr als eine Randnotiz. Ob der Aufschwung anhält, hängt nicht nur von Trends wie Matcha oder Cold Brew ab, sondern auch davon, wie praktikabel die Regeln für Rohstoffe und Inhaltsstoffe bleiben. Für den Markt bleibt damit die Balance zwischen Nachfrage und Regulierung entscheidend.