Wenn Tarifverhandlungen auf eine Laufzeit von drei Jahren und eine Entgeltsteigerung von insgesamt 4,6 Prozent zusteuern, geht es schnell um mehr als nur Zahlen. Für Beschäftigte stellt sich dann die Frage, ob die Entwicklung der Löhne mit den Erwartungen Schritt hält. Für Unternehmen rückt dagegen die Planbarkeit in den Vordergrund.
In der Luftsicherheitsbranche ist genau dieser Konflikt nach der zweiten Runde offen sichtbar geworden: Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) legte einen Vorschlag vor, die Gewerkschaften lehnten ihn ab. Verhandelt wird am 21. Oktober 2026 weiter.
Warum das 36-Monats-Angebot nicht trägt
Der BDLS verband seinen Vorschlag mit einer Laufzeit von 36 Monaten und einer stufenweisen Erhöhung der Entgelte um insgesamt 4,6 Prozent. Aus Sicht des Verbandes sollte das eine verlässliche Grundlage für die weiteren Gespräche schaffen.
Für die Beschäftigten hätte das Modell ab Januar 2027 schrittweise mehr Geld gebracht, während die Unternehmen über drei Jahre mit einem festen Rahmen hätten kalkulieren können. Ob dieses Verhältnis aus Sicht der Gewerkschaften ausreicht, bleibt offen. Die Mitteilung nennt zwar die Ablehnung, enthält aber keine Begründung dafür.
Was der Verband mit Planbarkeit meint
Der BDLS verweist auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Luftverkehrsbranche. Luftsicherheitsunternehmen, also die Firmen, deren Beschäftigte unter anderem an Kontrollstellen an Flughäfen arbeiten, müssten nach Angaben des Verbandes attraktive Arbeitsbedingungen mit der langfristigen Finanzierbarkeit von Arbeitsplätzen und Dienstleistungen vereinbaren.
Das ist vor allem deshalb relevant, weil Tarifsteigerungen nicht bei einem einzelnen Termin enden, sondern dauerhaft in die Kostenbasis eingehen. Der Verband nennt in diesem Zusammenhang Produktivität, Refinanzierungsmöglichkeiten und Wettbewerbsfähigkeit als Maßstäbe. Das ist eine Position der Arbeitgeberseite und keine unabhängige Bewertung der Lage.
Was die Ablehnung der Gewerkschaften offenlässt
In der Mitteilung werden ver.di und dbb tarifunion als ablehnende Seiten genannt. Warum sie den Vorschlag zurückgewiesen haben, geht aus der vorliegenden Information nicht hervor.
Für den weiteren Verlauf der Gespräche ist das dennoch der entscheidende Punkt: Die Verhandlungen sind nicht beendet, aber sie kommen vorerst nicht voran. Der BDLS erklärt, weiterhin an einer tariflichen Lösung interessiert zu sein und die Gespräche konstruktiv fortsetzen zu wollen. Wie sich die Positionen bis zum nächsten Termin entwickeln, ist offen.
Ein Konflikt mit Vorgeschichte
Die aktuelle Runde steht nicht für sich allein. Nach den vorliegenden Angaben begannen die Tarifverhandlungen für die Luftsicherheitsbranche am 10. September 2026; als Fortsetzung war zunächst der 15. September vorgesehen. Schon 2024 verliefen die Gespräche schwierig. Damals wurden nach sechs erfolglosen Verhandlungsrunden Eckpunkte für ein freiwilliges Schlichtungsverfahren vereinbart.
Auch damals verwies die Arbeitgeberseite auf hohe Zusatzbelastungen und Kosten für die Branche. Dass der Streit nun erneut an Laufzeit, Entgeltentwicklung und Finanzierbarkeit hängt, zeigt vor allem eines: In der Luftsicherheit bleiben Tariffragen eng mit den wirtschaftlichen Spielräumen verknüpft.
Was für Beschäftigte jetzt zählt
Für Beschäftigte an Flughäfen ist vor allem wichtig, ob aus der festgefahrenen zweiten Runde noch ein tragfähiger Kompromiss wird. Entscheidend ist dabei nicht nur die Zahl von 4,6 Prozent über 36 Monate, sondern auch der Rhythmus, in dem Entgeltanpassungen überhaupt wirksam würden.
Bis zur Fortsetzung am 21. Oktober 2026 bleibt deshalb offen, ob beide Seiten ihre Positionen noch bewegen oder ob die Gespräche erneut zäh verlaufen. Für die Branche geht es damit nicht nur um Löhne, sondern auch um die Planung der kommenden Jahre.
Jetzt entscheidet die nächste Verhandlungsrunde
Der BDLS hat seinen Vorschlag vorgelegt, die Gewerkschaften haben ihn abgelehnt. Damit bleibt die zentrale Frage dieser Tarifrunde offen: Lässt sich ein Modell finden, das den Beschäftigten spürbare Entwicklung bringt und den Unternehmen zugleich eine belastbare Kalkulationsbasis gibt?
Die Antwort darauf dürfte sich erst in der nächsten Runde zeigen. Bis dahin bleibt die zweite Tarifverhandlung in der Luftsicherheit vor allem ein Zwischenstand ohne Einigung.
Quellen
- BDLS: Zweite Tarifverhandlungsrunde in der Luftsicherheitsbranche – Gewerkschaften lehnen Vorschlag ab
- BDLS: Tarifverhandlungen für die Luftsicherheit gestartet
- BDLS: Luftsicherheit – Eckpunkte für Schlichtung vereinbart
- dbb: Tarifabschluss für Sicherheitskräfte an Flughäfen