Tarifabschluss Gartenbau: Löhne steigen um bis zu 7,8 % – Neues Großgebiet für 9 Bundesländer

Die Beschäftigten im Gartenbau erhalten in den nächsten zwei Jahren spürbare Lohnerhöhungen. In einem neu geschaffenen Tarifgebiet für neun Bundesländer steigen die Einkommen um insgesamt 6,4 Prozent, in Baden-Württemberg und Hessen um 7,8 Prozent. Zudem wurde die bisherige Zersplitterung der Tariflandschaft durch die Bildung eines großen gemeinsamen Tarifgebiets überwunden.
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– Beschäftigte im Gartenbau erhalten in neun Bundesländern eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,4 Prozent.
– In Baden-Württemberg und Hessen wurde eine höhere Steigerung von 7,8 Prozent vereinbart.
– Ziel ist die Schaffung eines deutschlandweit einheitlichen Tarifgebiets für die gesamte Branche.

Mehr Geld im Gartenbau und ein Schritt zu einheitlicheren Tarifen

Für viele Beschäftigte im Gartenbau steigen die Einkommen: Wie die IG BAU in Frankfurt am Main mitteilte, erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einem neu geschaffenen Tarifraum in den kommenden zwei Jahren insgesamt 6,4 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Der neue Tarifraum umfasst die neun Bundesländer Bayern, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein. Für Baden-Württemberg und Hessen wurde zugleich eine Erhöhung der Einkommen um insgesamt 7,8 Prozent vereinbart.

Die Gewerkschaft bewertet den Abschluss angesichts der wirtschaftlichen Lage als deutliches Signal für die Branche. „Das ist in diesen schwierigen Zeiten mit explodierenden Energiepreisen und einer schon bald deutlich ansteigenden Inflationsrate ein sehr gutes Ergebnis. Die Beschäftigten in der Branche machen oftmals einen harten Job bei Wind und Wetter. Sie verschönern uns das Leben, in dem sie Pflanzen und Gehölze produzieren und uns mit Obst und Gemüse versorgen. Dass muss entsprechend honoriert werden“, sagt Christian Beck, im IG BAU-Bundesvorstand unter anderem zuständig für den Gartenbau.

Warum der Abschluss über den Lohn hinaus wichtig ist

Die Einigung ist nicht nur wegen der höheren Entgelte bedeutsam. Sie markiert auch eine Neuordnung der Tariflandschaft in einem Bereich, der bislang von vielen unterschiedlichen regionalen Tarifgebieten geprägt war. Nach Angaben der IG BAU ist es erstmals gelungen, neun Bundesländer in einem gemeinsamen Tarifgebiet zusammenzuführen.

Vom Flickenteppich zum Großgebiet

Für Beschäftigte und Betriebe bedeutet ein solches Großgebiet vor allem mehr Vergleichbarkeit. Wenn mehrere Länder unter denselben tariflichen Rahmen fallen, werden Arbeitsbedingungen und Entgelte perspektivisch stärker angeglichen. Genau darauf zielen auch die parallel vereinbarten Abschlüsse in Baden-Württemberg und Hessen ab: Sie sind laut Gewerkschaft so angelegt, dass die Löhne und Gehälter dort in absehbarer Zeit zu denen im „Großgebiet“ aufschließen.

Die strategische Richtung beschreibt Beck so: „Das ist ebenfalls ein großer Erfolg, wir wollen endlich weg von dem einstigen Flickenteppich. Unser Ziel als Sozialpartner ist, gemeinschaftlich mit den Arbeitgeberverbänden ein deutschlandweites Tarifgebiet zu schaffen, in dem einheitlich alle Rahmen- und Entgelttarifverträge gelten. Dazu zählen auch die noch fehlenden Bundesländer im Osten der Republik, auch hier werden wir uns konstruktiv für eine Lösung einsetzen“, erklärt Beck.

Wie groß die Branche ist und wen der Abschluss betrifft

Die Mitteilung bezieht sich ausdrücklich auf den Gartenbau ohne den Garten- und Landschaftsbau. Nach Angaben der Pressemitteilung arbeiten in diesem Bereich in Deutschland rund 110.000 Beschäftigte. Dazu zählen Zierpflanzen-, Stauden- und Friedhofsgärtner*innen ebenso wie Beschäftigte in Baumschulen sowie im Obst- und Gemüsebau.

Damit betrifft der Tarifabschluss einen Wirtschaftsbereich, der nicht nur Zierpflanzen und Gehölze hervorbringt, sondern auch an der Versorgung mit Obst und Gemüse beteiligt ist. Für Leserinnen und Leser wird so greifbar, dass es um eine Branche geht, die im Alltag oft sichtbar ist, deren tarifliche Struktur aber außerhalb der Fachwelt nur selten breiter wahrgenommen wird.

Einordnung: Was Vergleichswerte aus dem GaLaBau zeigen

Ein Blick auf tarifliche Entwicklungen im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau kann zusätzlichen Kontext liefern, auch wenn dieser Bereich nicht mit der hier gemeinten Gartenbaubranche identisch ist. Die Abgrenzung ist wichtig, weil die Pressemitteilung den Garten- und Landschaftsbau ausdrücklich ausnimmt.

Abgrenzung zum Garten- und Landschaftsbau

Nach Angaben von Greenprofi lag der tarifliche Ecklohn im GaLaBau in der Lohngruppe 4.2a seit dem 01.07.2024 bei 19,61 Euro pro Stunde brutto. Für die Gehaltsgruppe T3/K4 wurde ein Eckgehalt von 4.167,96 Euro pro Monat brutto genannt. Eine spätere Übersicht von bau.bi, Stand 29.10.2025, beschreibt die weitere Entwicklung: Demnach blieb der Ecklohn von 19,61 Euro pro Stunde bis zum 30.06.2025 bestehen, stieg ab dem 01.07.2025 auf 20,24 Euro pro Stunde und ab dem 01.07.2026 auf 20,91 Euro pro Stunde.

Diese Werte widersprechen sich nicht, sondern beziehen sich auf unterschiedliche Zeitpunkte innerhalb derselben Tarifentwicklung. Für die Einordnung der aktuellen Gartenbau-Abschlüsse taugen sie deshalb nur als Vergleichskontext. Sie zeigen aber, dass Tariffragen in den grünen Berufen auch über die jetzt vereinbarten prozentualen Steigerungen hinaus von einer größeren Bewegung geprägt sind: hin zu transparenteren und besser vergleichbaren Regelungen.

Die im Beitrag dargestellten Informationen und Zitate beruhen auf einer Pressemitteilung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Weiterführende Quellen:

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12 Kommentare

  1. Das ist ein schritt in die richtige richtung, lob an IG BAU fuer das zusammenfuehren von neun laendern. Trotzdem: real wages sinken wenn inflation hocher ist, darueber sollte man offen debattieren. Wie plant man auf lange sicht tarifangleichung in ost zu erreichen? Mehr dazu: /analysen/energie-kosten und /tarife/gartenbau-einheit

    1. Neutral antwort: Langfristig wird es schwer, aber mit schrittweisen angleichungen wie in BW/Hessen kann man vorgehen. Wichtig sind klare meilensteine, und kontrolle der umsetzung. Hat jemand daten zur wirkung von frueheren tarifreformen auf kleinbetriebe? Links /branchen/gartenbau-statistik

  2. Neutral betrachtet, der abschluss ist positiv aber unvollständig. GaLaBau ausnahme macht die lage kompliziert, weil vergleiche hinken. Transparenz über entgeltgruppen und laufzeit fehlt noch, und wie Arbeitgeber reagieren bleibt offen. Könnte man die verhandlungen dokumentiert sehen? Siehe /faq/tariflandschaft fuer mehr

    1. Gute punkt, dokumentation wäre wichtig. Ohne klaren zeitplan fuer deutschlandweite zusammenfuehrung bleibt vieles vage, vor allem fuer kleinere firmen. Arbeitgeberverbände haben ja auch andere interessen, daher braucht es mehr dialog und öffentlichkeit, vgl /tarife/gartenbau-einheit

    2. Ich finde neutral comment hilfreich, aber man muss auch anerkennen das 6,4% bei hohen energiekosten nicht automatisch reicht. Frage: Gibt es zusatzvereinbarungen zu energiepauschalen oder fahrkosten? Wer hat infos aus den betrieben? /analysen/energie-kosten kann anhaltspunkt sein

  3. 110.000 beschäftigte klingt viel, das macht die sache wichtig. Danke an die arbeiter im gartenbau, aber wie sieht das für saisonkräfte aus, werden die auch bessser bezahlt? Kleine familie betrieb haben oft kaum spielraum, hat da jemand erfahrung? Infos zum branche findbar unter /branchen/gartenbau-statistik

    1. Ich arbeite zeitweise in obstbau, und oft sind die saisonkräfte schlecht abgesichert, die prozent zahlen kommen zwar gut rüber, aber vertragliche details und zuschläge fehlen oft. Wäre gut wenn IG BAU da mehr klare regeln macht, link /tarife/gartenbau-einheit ist relevant

    2. Stimme zu, saisonarbeiter und minijobber werden leicht übersehen. Es müsste mehr transparenz geben bei entgelt, lohngruppe und zuschlaegen. Kann jemand info teilen wie die zuschlaege in BW/Hessen aussehen im detail? Schaut auch /faq/tariflandschaft

  4. Die vergleich mit GaLaBau is hilfreich, aber die zahlen wie 19,61€ oder 20,91€ sind schwer zu vergleichen mit regionalen kosten. Wieviel reicht das in wirklichkeit wenn energiekosten steigen und miete auch? Könnte jemand rechenbeispiel posten? Mehr kontext auf /wissen/galabau-loehne hilft sicher weiter

    1. Ich versuche kurz zu rechnen, aber meine rechung ist unsicher, da inflations rate, energiepreise und stundenlöhne unterschiedlich. Ein einheitst Tarifgebiet würde vergleiche leichter machen, aber arbeitgeber werden sicher anders reagieren, lohndruck bleibt. Siehe /tarife/einheit und /analysen/energie-kosten

  5. Interessant die 6,4% bzw 7,8% erhöhung, aber ich frage mich wie das wirklick für die leute vor ort ist. IG BAU sagt grosser schritt zum einheitlichen Tarif gebiet, doch die östlichen bundesländer fehlen noch. Wird das tarif gebiet wirklich deutschlandweit? Mehr infos hier /tarife/gartenbau-einheit finde ich nützlich

    1. Gute frage, ich denke manche betriebe kleiner firma kriegen probleme mit lohnbelastung, und die Lohn erhohung kommt nicht gleich überall an. Weiss jemand ob es unterstützung gibt für kleine gärten oder baumschulen? Siehe auch /news/ig-bau-meldung und /tarife/gartenbau-einheit für details

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