Tag des Waldes 2025: Wie nachhaltige Waldwirtschaft den Klimawandel bekämpft

Zum Internationalen Tag des Waldes 2025 unter dem Motto „Wälder und Wirtschaft“ betont die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), dass eine nachhaltige Nutzung kein Widerspruch zum Naturschutz sein muss. Entscheidend sei eine naturnahe Bewirtschaftung, die klimastabile Mischwälder fördert und vor Übernutzung schützt. Damit soll der Wald langfristig seine vielfältigen Funktionen als Rohstofflieferant, Klimaschützer und Erholungsraum erfüllen können.
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– Der Wald hat eine hohe wirtschaftliche Bedeutung als Lieferant nachwachsender Rohstoffe wie Holz.
– Nachhaltige Waldbewirtschaftung kann den Wald schützen und seine Biodiversität erhöhen.
– Die größten Herausforderungen für den Wald sind der Klimawandel und die Akzeptanz nachhaltiger Nutzung.

Tag des Waldes: Wie Wirtschaft und Wald zusammenpassen

Der Internationale Tag des Waldes 2025 steht unter dem Motto „Wälder und Wirtschaft“. Dahinter steckt ein Thema, das schnell in Gegensätzen erzählt wird: hier die Nutzung des Waldes, dort sein Schutz. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) hält diese Trennung für zu kurz gegriffen. SDW-Präsidentin Ursula Heinen-Esser verweist darauf, dass der Wald viele Aufgaben gleichzeitig erfüllt – als Rohstoffquelle, Klimaschützer, Lebensraum, Erholungsraum und Kulturgut. Auch für den Wasser- und Bodenschutz spiele er eine wichtige Rolle.

Dabei formuliert sie auch eine klare Bedingung für wirtschaftliche Nutzung. „**Der Wald ist ein komplexes Ökosystem und muss vor einer übermäßigen Nutzung geschützt werden.“ Zugleich sagt Heinen-Esser: „Gleichzeitig vertrete ich die Ansicht, dass eine bewusst nachhaltige Nutzung den Wald schützen und sogar zu dessen positiver Entwicklung beitragen kann.**“ Gemeint ist damit keine Nutzung um jeden Preis, sondern ein Umgang mit dem Wald, der auf langfristige Stabilität zielt: klimastabile Mischwälder fördern, nachhaltig ernten und Holzprodukte möglichst lange verwenden. Naturschutz und Nutzung sollen nach Vorstellung der SDW zusammen gedacht werden.

Warum der Wald wirtschaftlich so wichtig ist

Holz ist der sichtbarste wirtschaftliche Ertrag des Waldes. Es steckt in Alltagsgegenständen, in Möbeln und zunehmend auch in Bauprodukten. Genau darauf zielt die Einordnung aus der SDW: Ohne nachwachsende Rohstoffe aus dem Wald wären viele Dinge des täglichen Lebens nicht verfügbar, von einfachen Gebrauchsgegenständen bis zu neuen Anwendungen im Bausektor.

Damit ist die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes aber noch nicht vollständig beschrieben. Waldwirtschaft endet nicht am Waldrand. Sie reicht von der Pflege und Nutzung der Bestände über Sägewerke und Holzverarbeitung bis hin zu Papier, Zellstoff und weiteren Produkten. Jährlich wachsen in Deutschlands Wäldern rund 122 Millionen Kubikmeter Holz nach. Für Europa beziffert der WWF den Beitrag von Forstwirtschaft, Holzverarbeitung sowie Zellstoff- und Papierindustrie auf 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beziehungsweise 103 Milliarden Euro. Die Organisation weist zugleich darauf hin, dass die wirtschaftlichen Leistungen des Waldes über die klassische Holz- und Forstwirtschaft hinausgehen und in Europa deutlich höher liegen. So wird das Gesamteinkommen aus Waldeigentum auf 723 Milliarden Euro geschätzt. Solche Zahlen lassen sich nicht direkt auf Deutschland übertragen, sie zeigen aber die Größenordnung: Wälder sind nicht nur Naturraum, sondern auch Teil wirtschaftlicher Wertschöpfung.

Gerade deshalb ist die Frage entscheidend, wie belastbar dieser Wirtschaftsraum unter den Bedingungen der Klimakrise noch ist. Denn der Nutzen des Waldes hängt davon ab, ob seine ökologischen Grundlagen erhalten bleiben.

Klimakrise setzt den Wäldern sichtbar zu

Die Belastungen sind längst messbar. In der Pressemitteilung nennt die SDW zunehmende Dürren, Stürme, Schädlinge und Krankheiten als zentrale Folgen des menschengemachten Klimawandels für den Wald. Diese Entwicklung hat inzwischen direkte Auswirkungen auf den Zustand der Bestände.

Nach Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe auf Basis der aktuellen Bundeswaldinventur hat sich der Kohlenstoffvorrat im deutschen Wald seit 2017 um 41,5 Millionen Tonnen verringert, Stand: März 2024. Der Wald wurde damit erstmals seit Jahrzehnten zur Kohlenstoffquelle. Das ist ein Einschnitt, weil Wälder bislang auch als Speicher für Kohlenstoff gelten. Grundsätzlich bleibt ihre Bedeutung für den Klimaschutz groß: Nach Angaben des NABU speichern die deutschen Wälder insgesamt etwa 127 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr.

Hinzu kommen großflächige Schäden. Laut derselben Quelle sind 2 Millionen Hektar Wald von Kalamitäten betroffen, Stand: 2024. Als Kalamitäten gelten etwa massive Schäden durch Sturm, Dürre oder Schädlingsbefall. Auch die Altersstruktur spielt dabei eine Rolle. 30 Prozent der Wälder sind älter als 100 Jahre, 20 Prozent älter als 120 Jahre, das Durchschnittsalter stieg seit 2012 um 5 Jahre auf 82 Jahre, ebenfalls Stand: 2024. Ältere Wälder sind ökologisch wertvoll, zugleich zeigt der Befund, dass sich der Zustand der Bestände differenziert betrachten lässt – gerade dann, wenn Klimastress und Nutzung zusammenwirken.

Für die Debatte um nachhaltige Waldwirtschaft bedeutet das: Je stärker der Wald unter Druck steht, desto schwieriger wird auch eine Nutzung, die ökologisch tragfähig bleibt. Die wirtschaftliche Frage lässt sich deshalb nicht von der Klimafrage trennen.

Mehr Mischwald, weniger Risiko?

Ein zentraler Lösungsansatz ist der Umbau instabiler Reinbestände zu standortgerechten Mischwäldern. Die SDW setzt genau hier an. Ursula Heinen-Esser fordert: „**Wir sollten vor allem die naturnahe Waldbewirtschaftung unterstützen, indem wir instabile Monokulturen in standortgerechte Mischwälder umbauen.**“ Dahinter steht die Annahme, dass vielfältiger zusammengesetzte Wälder besser mit Trockenheit, Schädlingen und anderen Belastungen umgehen können als einseitig aufgebaute Bestände.

Tatsächlich hat sich der Mischwaldanteil in Deutschland erhöht. Nach Daten der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe sind 79 Prozent der Wälder in Deutschland Mischwälder; das ist seit 2012 ein Anstieg um 2 Prozent, Stand: 2012–2024. Das spricht für einen laufenden Waldumbau, aber nicht für Entwarnung. Ein höherer Mischwaldanteil allein beseitigt die Schäden der vergangenen Jahre nicht.

Wie unterschiedlich auf geschädigte Flächen reagiert wird, zeigen weitere Zahlen aus der Bundeswaldinventur. Auf 34 Prozent der Kalamitätsflächen wurde keine forstliche Nutzung durchgeführt, auf 20 Prozent erfolgte eine flächige Nutzung der abgestorbenen Bäume, Stand: 2024. Das verweist auf ein Spannungsfeld, das in der Debatte immer wieder auftaucht: Nicht jede Fläche wird gleich behandelt, und nicht jede Strategie gewichtet Nutzung, Wiederbewaldung und Naturschutz gleich. Die Position der SDW ist dabei klar, aber nicht unumstritten: Schutz und Nutzung sollen integrativ zusammengeführt werden.

Zwischen Nutzung, Schutz und Akzeptanz

Ob dieser Ansatz in der Praxis trägt, hängt nicht nur vom Zustand der Wälder ab. Auch Marktbedingungen, Förderpolitik und gesellschaftliche Akzeptanz spielen eine Rolle. In der Pressemitteilung verweist die SDW auf schwankende Holzpreise, hohe Investitionskosten und bürokratische Hürden. Für Waldbesitzende und Forstbetriebe ist das mehr als ein Randproblem, denn der Umbau zu stabileren Wäldern kostet Zeit, Geld und Fachwissen.

Politische Instrumente können hier ansetzen. Ein Beispiel ist das Vertragsnaturschutzprogramm Wald in Bayern. Nach Angaben der zuständigen Forstverwaltung fördert das Programm seit 20 Jahren Naturschutzmaßnahmen im Wald mit bis zu 220 Euro pro Biotopbaum bei einer Bindefrist von 12 Jahren. Solche Programme zeigen, wie Schutzleistungen finanziell unterstützt werden können. Sie stehen zugleich für die grundsätzliche Frage, ob nachhaltige Waldbewirtschaftung unter den geltenden Rahmenbedingungen wirtschaftlich tragfähig bleibt.

Dazu kommt ein Faktor, den die SDW ausdrücklich betont: die Akzeptanz in der Bevölkerung. Nutzung im Wald wird gesellschaftlich oft kritisch beobachtet, etwa wenn Bäume gefällt oder Flächen nach Schäden beräumt werden. Deshalb sieht der Verband Aufklärung und Bildungsarbeit als Teil der Lösung. Wer den Wald nur als Erholungsraum wahrnimmt, bewertet Eingriffe anders als jemand, der ihn auch als Wirtschaftsraum und als gepflegtes Ökosystem versteht. Waldpolitik ist damit immer auch ein Aushandlungsprozess zwischen ökologischen Zielen, ökonomischen Zwängen und gesellschaftlichen Erwartungen.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei nach Einschätzung der SDW die Menschen, die im und mit dem Wald arbeiten. Forstleute und Waldbesitzende entscheiden täglich über Pflanzung und Pflege, über Nutzung und Schutz. Um diese Verantwortung fundiert wahrnehmen zu können, brauche es forstliche Forschung, Beratung und direkte Unterstützung. Auch Waldpädagoginnen und Waldpädagogen seien wichtig, weil sie zwischen einer oft naturfernen städtischen Gesellschaft und dem Wald als Ökosystem und Wirtschaftsraum vermittelten.

Was Bürgerinnen und Bürger beitragen können

Für Leserinnen und Leser bleibt die Frage, was sie selbst beitragen können. Die SDW nennt dafür vor allem drei Hebel: Bildung, Beteiligung und Konsum. Waldpädagogische Angebote sollen nach Vorstellung des Verbands von der Kita bis zur Oberstufe ausgebaut werden, damit Kinder und Jugendliche den Wald früh kennenlernen. Ebenso wichtig sei es, Menschen konkrete Möglichkeiten zum Mitmachen zu geben, etwa über Naturschutzaktionen oder den direkten Dialog mit der Politik.

Auch beim Einkauf sieht die SDW Handlungsspielräume. Wer zu zertifizierten und heimischen Holzprodukten greift, etwa mit Siegeln wie PEFC oder FSC, kann nachhaltigere Formen der Nutzung unterstützen. Hinzu kommt die Idee, Holzprodukte möglichst lange zu verwenden und Kreislaufsysteme zu stärken, damit der Rohstoff nicht unnötig schnell verloren geht.

Am Ende läuft die Debatte auf eine einfache, aber weitreichende Einsicht hinaus: Der Wald kann Rohstoffquelle, Klimaschützer, Lebensraum und Erholungsort zugleich sein – aber nur, wenn seine Nutzung an klare ökologische Grenzen gebunden bleibt. Wie gut das gelingt, entscheidet mit darüber, wie Deutschland künftig Klimaschutz, Naturschutz, wirtschaftliche Nutzung und Erholung im Wald zusammenbringt.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate entstammen einer Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e. V. (SDW).

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