– Herbsttagung der Healthcare Frauen 2025 in Berlin mit Bundesgesundheitsministerin als Gast
– Diskussion über Wandel zu einem nachhaltigen und gerechten Gesundheitssystem
– Verleihung des Female Transformers in Healthcare Award an vier Preisträgerinnen
Systemwandel im Gesundheitswesen: Healthcare Frauen fordern neue Führungskultur
Berlin, 11. November 2025 – Die Herbsttagung der Healthcare Frauen (HCF) e.V. brachte mehr als 250 Mitglieder und Akteurinnen aus Gesundheitswesen, Politik und Wirtschaft zusammen, um über die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems zu diskutieren. Unter dem Motto „Transformation braucht Haltung“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie der Wandel hin zu einem nachhaltigen, gerechten und zukunftsfähigen System gelingen kann.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken als Ehrengast betonte: „Unser Gesundheitswesen steht vor enormen Herausforderungen – finanziell und personell. Verstehen wir diese Herausforderung als Chance, unser Gesundheitswesen neu zu denken und zu gestalten.“ Sie forderte, die Digitalisierung stärker zum Wohl der Patientinnen und zur Entlastung der Beschäftigten zu nutzen und appellierte besonders an die Führungsebene: „Lassen Sie uns die Perspektive der Frauen, ihre spezifischen Kompetenzen und Erfahrungen stärker in das Gesundheitswesen einbringen. Davon profitieren am Ende alle!“ – Stand: 11.11.2025
Keynote-Speakerin Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg, Zukunftsforscherin und Direktorin des Instituts für Nachhaltiges Management, lieferte zentrale Impulse: „Wir brauchen einen Systemwandel hin zu einem holistischen Gesundheitssystem, dass auf Prävention und interdisziplinärer Zusammenarbeit basiert.“ Transformation müsse den Menschen ins Zentrum stellen – als Patient, Mitarbeitende und Führungskraft gleichermaßen.*
HCF-Vorständin Cornelia Wanke unterstrich die Bedeutung neuer Führungsmodelle: „Der Wandel im Gesundheitswesen kann nur gelingen, wenn wir Führung neu denken. Systemische Transformation bedeutet, Silos aufzubrechen, Vielfalt zu leben und gendersensible Versorgung in der Praxis zu verankern.“
Ein Höhepunkt der Tagung war die Verleihung des 3. Female Transformers in Healthcare Award an vier herausragende Persönlichkeiten: Brenya Adjei (Transforming Leadership), Angela Hemme (Transforming Cooperation), Franziska Miegel (Transforming Processes) und Regine Rapp-Engels (Sonderkategorie Ehrenamt). Jede der vier Gewinnerinnen erhielt ein Preisgeld von 2.000 Euro – Stand: 11.11.2025.*
„Mit dem Female Transformers Award machen wir seit 2023 Frauen sichtbar, die den Wandel nicht nur fordern, sondern konkret umsetzen“, erklärte Co-Initiatorin und Jury-Sprecherin Bianca Flachenecker. Die Auszeichnung unterstreicht das Engagement des Netzwerks, weibliche Führungskräfte sichtbar zu machen und den Systemwandel im Gesundheitswesen aktiv voranzutreiben.*
Warum Transformation jetzt beginnen muss
Die Forderungen nach einem grundlegenden Wandel im deutschen Gesundheitswesen sind nicht aus der Luft gegriffen. Sie stützen sich auf konkrete politische Rahmenwerke, messbare Entwicklungen in den Einrichtungen und eine klare öffentliche Erwartungshaltung. Der Weg dorthin lässt sich chronologisch nachzeichnen: Ausgehend von der BMFTR-Richtlinie 2021 über deren Evaluierung 2024 führten öffentliche Umfragen und Studien bis zum Frühjahr 2025 schließlich zur Verabschiedung der DNS 2025 im Mai 2025 als bundespolitischer Leitfaden für eine gerechte und inklusive Systemtransformation (Quelle: Bundesregierung)*.
Digitalisierung und Prävention
Die strategische Ausrichtung hat sich fundamental gewandelt. War Digitalisierung früher oft ein Thema für IT-Abteilungen, ist sie heute ein zentraler Hebel für bessere Patientenversorgung und Entlastung des Personals. Diese Neuausrichtung spiegelt sich in der Projektlandschaft wider. So wurden in deutschen Krankenhäusern zwischen 2022 und 2025 jährlich 98 bis 145 interdisziplinäre Projekte realisiert (Stand: Q1/2025, Quelle: Roland Berger)*. Diese Initiativen zielen darauf ab, Silos aufzubrechen und verschiedene medizinische Disziplinen zusammenzuführen – genau wie es der Bosch Health Campus in seinem Positionspapier vom März 2025 mit der Forderung nach einem Ausbau interprofessioneller Versorgungszentren beschreibt.
Führung und Diversität
Parallel zur technologischen Entwicklung vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel in den Führungsstrukturen. Bereits 38 % der befragten deutschen Krankenhäuser setzten 2024 diversitätsorientierte Führungsmodelle ein (Stand: 2024, Quelle: Roland Berger). Diese Entwicklung entspricht einer klaren gesellschaftlichen Erwartung: 62 % der Bürgerinnen und Bürger halten eine stärkere Förderung von Diversität und Inklusion in Führungspositionen im Gesundheitswesen für "sehr wichtig" (Stand: März 2025, Quelle: PwC Healthcare-Barometer).
Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Umsetzung wird an zwei Punkten besonders deutlich:
- Die Bevölkerung wünscht sich mehr Diversität in Führungspositionen
- Die praktische Umsetzung in den Kliniken kommt nur langsam voran
Diese Zahlen untermauern die Dringlichkeit der Transformation. Sie zeigen, dass es nicht um abstrakte Zukunftsvisionen geht, sondern um messbare Entwicklungen, die bereits im Gange sind und von der Bevölkerung aktiv eingefordert werden.
Geschlechtersensible Medizin und neue Führungsmodelle
Die medizinische Versorgung steht vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel. Lange Zeit basierte die Diagnostik und Therapie überwiegend auf Studien, die männliche Patienten als Standard betrachteten. Diese Einheitsmedizin übersieht jedoch bedeutende geschlechtsspezifische Unterschiede in Symptomatik, Krankheitsverläufen und Medikamentenwirkung. Die Konsequenz: Frauen erhalten häufig später die richtige Diagnose, erfahren stärkere Nebenwirkungen oder werden mit weniger wirksamen Therapien behandelt.
Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) belegt mit konkreten Zahlen, welchen Unterschied geschlechtersensible Diagnostik und Therapie machen können. Nach einem Myokardinfarkt liegt die Mortalitätsrate bei patientenorientierter Behandlung bei 6,3 Prozent – verglichen mit 8,2 Prozent bei standardisierter Versorgung (Stand: 2025)*. Diese Differenz von fast zwei Prozentpunkten zeigt das erhebliche Verbesserungspotenzial geschlechtersensibler Medizin.
Bereits 2021 führte das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Richtlinie "Geschlechteraspekte im Blick" ein, um geschlechtersensible Forschung systematisch zu fördern.* Im Oktober 2025 gründete die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) eine eigene Arbeitsgemeinschaft für geschlechtersensible Medizin (Stand: Oktober 2025)*. Diese fachübergreifenden Initiativen signalisieren einen Wandel im medizinischen Establishment.
Die Umsetzung geschlechtersensibler Medizin erfordert zugleich neue Führungsmodelle in Kliniken und Forschungseinrichtungen. Divers besetzte Leitungsgremien bringen unterschiedliche Perspektiven ein, erkennen Versorgungslücken schneller und entwickeln patientenzentriertere Lösungen. Die Kombination aus geschlechtersensibler Medizin und diverser Führung stärkt letztlich die Gesundheitsversorgung für alle Patientengruppen – und verbessert messbar Behandlungsergebnisse.
Auswirkungen, Debatten und Ausblick
Die Transformation des Gesundheitssystems geht weit über strukturelle Reformen hinaus – sie berührt gesellschaftliche Grundfragen und wirft kontroverse Debatten auf. Während Einigkeit darüber besteht, dass das System an seine Grenzen gelangt ist, gehen die Einschätzungen zu Tempo, Richtung und Methodik des Wandels deutlich auseinander. Die zentrale Frage lautet: Wo kann Veränderung konkret beginnen, und welche Hürden bleiben zu überwinden?
Der 24. Deutsche Kongress für Versorgungsforschung findet im September 2025 statt.* Der politische Rahmen wird durch die Digitale Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung (DNS 2025) gesetzt, die im Mai 2025 veröffentlicht wurde und die Weichen für eine stärker vernetzte und digital gestützte Versorgung stellt.
Trotz unterschiedlicher Positionen zeichnet sich ein pragmatischer Konsens ab: Der Wandel muss auf mehreren Ebenen gleichzeitig ansetzen. Ein zentrales Handlungsfeld ist die Entwicklung neuer Führungsmodelle, die Vielfalt aktiv fördern und hierarchische Silos aufbrechen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Stärkung der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit. Das Bosch Health Campus Positionspapier fordert hierzu explizit den Ausbau interprofessioneller Versorgungszentren (Stand: März 2025). Solche Zentren bündeln medizinische Kompetenzen und können so die Versorgungskontinuität für Patientinnen und Patienten deutlich verbessern.
Die größten Hürden bleiben jedoch bekannt: bürokratische Hemmnisse, eine oftmals noch träge IT-Infrastruktur und nicht zuletzt der massive Fachkräftemangel. Diese Herausforderungen erfordern ein koordiniertes Vorgehen von Politik, Leistungserbringern und Sozialpartnern.
Konkrete Ansatzpunkte für den anstehenden Wandel liegen in zwei zentralen Bereichen:
- Führungsentwicklung: Die systematische Förderung diverser und partizipativer Führungskräfte, die in der Lage sind, Teams über Berufs- und Sektorengrenzen hinweg zu führen und Veränderungsprozesse aktiv zu gestalten.
- Interprofessionelle Zentren: Der flächendeckende Aufbau von Versorgungszentren, in denen Ärzteschaft, Pflege, Therapeuten und andere Gesundheitsberufe unter einem Dach zusammenarbeiten, um patientenzentrierte und effiziente Versorgung zu ermöglichen.
Für Bürgerinnen und Bürger sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen bedeutet das: Der Wandel lässt sich aktiv mitgestalten. Patientinnen und Patienten können durch informierte Nachfrage nach kooperativen Versorgungsmodellen und einer wertschätzenden Kommunikation mit den Berufsgruppen Impulse setzen. Beschäftigte wiederum können den Veränderungsprozess unterstützen, indem sie sich für interprofessionellen Austausch in ihrem Arbeitsumfeld starkmachen und Fortbildungen zu neuen Versorgungs- und Führungsmodellen nutzen.
Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Vereins Healthcare Frauen (HCF) e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Mit der BMFTR-Richtlinie ‚Geschlechteraspekte im Blick‘ (2021), zuletzt evaluiert 2024, wird die geschlechtersensible Forschung bundesweit gefördert, um inklusivere Diagnosen und Therapien sowie einen Kulturwandel hin zu mehr Diversität in klinischer Praxis zu erreichen.“ – Quelle: https://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/geschlechtersensible-medizin-im-fokus-der-forschungsforderung-17772.php
- „Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie gründete im Oktober 2025 eine AG geschlechtersensible Medizin, um geschlechtsspezifische Unterschiede systematisch zu erforschen und Leitlinien zu entwickeln.“ – Quelle: https://dgou.de/gremien/arbeitsgemeinschaften/ag-geschlechtersensible-medizin
- „Die Roland Berger Krankenhausstudie 2025 zeigt, dass 38 % der befragten deutschen Krankenhäuser bereits 2024 diversitätsorientierte Führungsmodelle mit multiprofessionellen Gremien und flacheren Hierarchien einsetzen.“ – Quelle: https://www.rolandberger.com/de/Insights/Publications/Krankenhausstudie-2025-Transformation-durch-Investition.html
- „Laut Roland Berger Krankenhausstudie wurden 2022–2025 jährlich 98 bis 145 interdisziplinäre Projekte in deutschen Krankenhäusern realisiert, mit Fokus auf Versorgungsoptimierung und Teamarbeit zwischen Berufsgruppen (Stand: Q1/2025).“ – Quelle: https://www.rolandberger.com/de/Insights/Publications/Krankenhausstudie-2025-Transformation-durch-Investition.html
- „Das Healthcare-Barometer 2025 von PwC berichtet, dass 62 % der Bürger:innen eine stärkere Förderung von Diversität und Inklusion in Führungspositionen im Gesundheitswesen als ‚sehr wichtig‘ einstufen (Umfrage März 2025).“ – Quelle: https://www.pwc.de/de/gesundheitswesen-und-pharma/healthcare-barometer.html
- „Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) bestätigt für 2025, dass geschlechtersensible Diagnostik und Therapie zu messbar verbesserten Behandlungsergebnissen führen, etwa mit einer Mortalitätsrate von 6,3 % versus 8,2 % bei Standardversorgung nach Myokardinfarkt.“ – Quelle: https://www.dgim.de/ueber-uns/kommissionen/geschlechtersensible-medizin
- „Die Bundesregierung verabschiedete im Mai 2025 mit der DNS 2025 einen bundespolitischen Rahmen für eine gerechte, inklusionsorientierte Transformation im Gesundheitssystem mit Fokus auf Partizipation, Prävention und Gleichstellung.“ – Quelle: https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975228/2335292/3962877378d74837d4f4c611749b6172/2025-05-13-dns-2025-data.pdf
- „Am 24. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung (September 2025) stehen Gender Shift, multiprofessionelle Teams und Diversität als zentrale Themen für innovative Versorgungsforschung im Fokus.“ – Quelle: https://www.dkvf.de/de/
- „Das Positionspapier des Bosch Health Campus (März 2025) fordert den Ausbau interprofessioneller Versorgungszentren mit Schwerpunkt auf Prävention, sektorenübergreifender und digital gestützter Gesundheitsversorgung.“ – Quelle: https://www.bosch-health-campus.de/sites/default/files/publications/pdf/2025-03/BHC_Positionspapier_L%C3%B6sungsans%C3%A4tze%20f%C3%BCr%20die%2021.%20Legislaturperiode_final.pdf
11 Antworten
Ich frage mich oft ob die Digitalisierung wirklich allen hilft oder ob sie auch neue Probleme schafft? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Es ist echt spannend zu sehen wie sich alles wandelt.
Da hast du recht! Manchmal habe ich das Gefühl, dass nicht alle mit dem Tempo mithalten können.
Die Verleihung des Female Transformers Awards zeigt tolle Initiativen! Welche Maßnahmen könnten noch ergriffen werden, um solche Frauen sichtbarer zu machen? Ich würde gerne mehr darüber erfahren.
Ja genau! Mehr Sichtbarkeit ist echt wichtig. Vielleicht könnte man auch Mentoren-Programme einführen!
Das wäre wirklich hilfreich! Gute Ideen können vielleicht weitere Frauen inspirieren und anregen!
Ich finde es toll, dass Frauen in Führungspositionen gefördert werden. Aber wie kann man sicherstellen, dass diese Veränderungen nachhaltig sind? Gibt es schon längerfristige Pläne dafür?
Das ist eine wichtige Frage! Vielleicht sollten wir mehr darüber lesen und die Fortschritte beobachten. Ich hoffe auf positive Entwicklungen!
Die Idee von interprofessionellen Versorgungszentren klingt spannend! Wie denkt ihr, kann man die Bürger besser über diese neuen Modelle informieren? Ich denke, viele wissen nicht, was sie sind.
Ich finde die Diskussion über geschlechtersensible Medizin wichtig, aber gibt es auch schon konkrete Beispiele, wo das gut umgesetzt wurde? Und wie sieht es mit den Schulungen für das Personal aus?
Das ist ein guter Punkt! Ich denke, mehr Schulungen wären super wichtig. Gibt es Informationen dazu, welche Kliniken da führend sind?
Ich habe auch gehört, dass einige Kliniken schon gute Ergebnisse zeigen. Vielleicht könnten wir eine Liste der besten Praxen erstellen?