11 Aufrufe

Studie: Jagd auf Fuchs, Marder und Rabenvögel ist teuer und wirkungslos – Deutscher Tierschutzbund fordert Umdenken

Eine neue Studie der Pariser Universität Sorbonne zeigt: Die massenhafte Jagd auf heimische Wildtiere wie Füchse, Marder oder Rabenvögel ist laut den Forschern wirkungslos und wirtschaftlich ineffizient. Der Deutsche Tierschutzbund bewertet die Ergebnisse als wegweisend und fordert ein Umdenken hin zu einem evidenzbasierten Wildtiermanagement. Statt pauschaler Bejagung solle auf Prävention und Vergrämung gesetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Beitrag teilen

Jagd auf Fuchs, Marder und Rabenvögel: Leblose Tiere in Drahtkäfig, Jagdwaffe, tote Füchsin, Natur, Stimmung ernst.
Verbandsbüro jetzt bei Google bevorzugen Damit unsere Vereins- und Verbandsnachrichten häufiger in Ihrer persönlichen Google-Übersicht erscheinen.
Jetzt bevorzugte Quelle festlegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Studie zeigt: Jagd auf Füchse, Marder und Rabenvögel senkt Bestände und Schäden nicht nachhaltig.
  • Jagd verursacht hohe Kosten, die den gemeldeten Wildtierschäden deutlich übersteigen.
  • Intensive Bejagung stört wichtige ökologische Funktionen der Wildtiere im Ökosystem.
  • Deutscher Tierschutzbund fordert evidenzbasiertes Wildtiermanagement mit Prävention und Vergrämung.
  • Politische und finanzielle Debatten um Jagdmaßnahmen gewinnen durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse an Bedeutung.

– Eine Studie zeigt, dass die Jagd auf Wildtiere wie Füchse teuer und ökologisch wirkungslos ist.
– Die Tötungen können zu mehr Schäden führen und stören wichtige Ökosystem-Funktionen.
– Der Deutsche Tierschutzbund fordert ein evidenzbasiertes Wildtiermanagement statt pauschaler Bejagung.

Studie zur Jagd auf Fuchs, Marder und Rabenvögel stellt Nutzen pauschaler Bejagung infrage

Eine neue Untersuchung der Pariser Universität Sorbonne gibt der Debatte über die Jagd auf Füchse, Marder und Rabenvögel neuen Auftrieb. Nach Darstellung des Deutschen Tierschutzbundes zeigt die Studie, dass die massenhafte Bejagung heimischer Wildtiere weder die Bestände wirksam reduziert noch Schäden zuverlässig verhindert.

Der Verband sieht darin ein deutliches Signal auch für Deutschland. Aus seiner Sicht spricht die Auswertung für einen Kurswechsel hin zu einem evidenzbasierten Wildtiermanagement, das stärker auf Prävention und Vergrämung setzt statt auf pauschale Tötungen.

Dazu passt auch Petitionsausschuss stärkt Debatte um Femizid im Strafrecht.

„Wer Tier- und Naturschutz ernst meint, muss bei diesen Ergebnissen aufhorchen. Statt weiter Geld für veraltete Jagdtraditionen und das Vergnügen einer kleinen gesellschaftlichen Gruppe zu verschwenden, brauchen wir endlich einen tierschutzgerechten Umgang mit Wildtieren, der den komplexen Vorgängen in Ökosystemen angemessen ist”, kommentiert James Brückner, Leiter des Fachreferats für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Was die Studie zu Wirkung und Kosten der Jagd zeigt

Für die Untersuchung wurden laut der Mitteilung Daten aus sieben Jahren aus ganz Frankreich ausgewertet. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob das Töten heimischer Wildtiere Populationen tatsächlich senkt und gemeldete Schäden verringert.

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes fällt das Ergebnis deutlich aus: Bei den meisten untersuchten Arten führte die Tötung langfristig nicht zu sinkenden Populationszahlen. Auch gemeldete Wildtierschäden wie Ernteausfälle oder gerissenes Geflügel gingen demnach nicht zurück.

Teilweise zeigte sich sogar ein gegenteiliger Effekt. In einigen Fällen nahmen Schäden dort zu, wo mehr Tiere einer Art getötet wurden. Wurde die Bejagung regional reduziert oder gestoppt, stieg der Schaden laut Mitteilung zugleich nicht an.

Auch wirtschaftlich stellt die Studie die Praxis infrage. Für Zeitaufwand, Transport, Material und Munition seien in Frankreich jährlich geschätzt mehr als hundert Millionen Euro angefallen. Das entspreche fast 64 Euro pro getötetem Tier. Die Schäden selbst lagen laut den angeführten Daten dagegen bei acht bis 23 Millionen Euro.

Bedeutung für die Jagddebatte in Deutschland

Der Deutschlandbezug liegt aus Sicht des Verbandes nahe. Hierzulande würden ähnlich viele Wildtiere getötet wie in Frankreich. Genannt werden jährlich rund 450.000 Füchse, mehr als 70.000 Marder und mehrere Hunderttausend Rabenvögel.

Zugleich verweist die Mitteilung darauf, dass die Jagd in Deutschland auch eine politische und finanzielle Dimension hat. So übernimmt Baden-Württemberg im Jagdjahr 2025/2026 die Kosten für die Umsetzung verkehrsrechtlicher Anordnungen bei Bewegungsjagden auf Schwarzwild zur Prävention der Afrikanischen Schweinepest. In Niedersachsen stellte das Landwirtschaftsministerium zudem 150.000 Euro für elektronische Fangmelder zur Überwachung von Lebendfanggeräten für Jäger bereit, um Prädatoren wie Fuchs, Marder und Waschbär zu regulieren.

Für den Deutschen Tierschutzbund rückt damit nicht nur die Frage nach der Wirksamkeit jagdlicher Eingriffe in den Vordergrund, sondern auch der Einsatz öffentlicher Mittel. Wenn neue wissenschaftliche Daten den Nutzen bestimmter Maßnahmen infrage stellen, gewinnt aus Sicht des Verbandes auch die Diskussion über deren Finanzierung an Gewicht.

Ökologische Funktionen von Füchsen, Mardern und Rabenvögeln

Nach Auffassung des Verbandes greift die Debatte über die Bejagung von Wildtieren zu kurz, wenn sie allein auf Schäden und Regulierung blickt. Denn stark bejagte Arten erfüllen im Ökosystem wichtige Funktionen, die durch intensive Eingriffe gestört werden können.

Als Beispiel nennt die Mitteilung Rabenvögel. Der Eichelhäher versteckt im Herbst Eicheln und trägt damit zur Verbreitung von Samen und Früchten bei. Auf diese Weise sorge er für tausende neue Eichen. Füchse und Marder wiederum helfen nach Darstellung des Verbandes dabei, Mäusepopulationen zu begrenzen.

Aus Sicht des Tierschutzbundes zeigt sich daran, dass Eingriffe in Tierbestände nicht isoliert betrachtet werden können. Sie wirken in ein komplexes ökologisches Gefüge hinein und können Prozesse beeinflussen, von denen auch der Mensch profitiert.

Deutscher Tierschutzbund fordert Wildtiermanagement mit Prävention und Vergrämung

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband ein Wildtiermanagement, das ökologische, finanzielle und ethische Aspekte zusammenführt. Im Mittelpunkt sollen Prävention und Vergrämung stehen, also Maßnahmen, die Schäden möglichst vermeiden, statt von vornherein auf Abschuss oder Fang zu setzen.

Als Beispiel für die grundsätzliche Konfliktlinie verweist der Deutsche Tierschutzbund auf die aktuelle Wolfsdebatte. Nach Angaben der Mitteilung stimmte der Bundesrat kürzlich der pauschalen Jagd auf Wölfe zu, obwohl den Tieren eine wichtige ökologische Funktion als Beutegreifer zugeschrieben wird. Brückner betont dabei die Bedeutung des Herdenschutzes: „Dass man Weidetiere nur durch Herdenschutzmaßnahmen, nicht aber durch die Bejagung von Wölfen schützen kann, sagt uns die Wissenschaft ganz deutlich”, so Brückner.

Die französische Studie von Jiguet und Kollegen, erschienen 2026 in der Fachzeitschrift Biological Conservation, liefert damit aus Sicht des Verbandes neue Argumente für eine wissenschaftsbasierte Jagddebatte. Im Kern geht es um die Frage, welchen Nutzen Jagd tatsächlich hat, welche Kosten sie verursacht und wie ein Umgang mit Wildtieren aussehen kann, der wissenschaftlichen Erkenntnissen besser entspricht.

Die vorliegenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes e.V.

Weiterführende Quellen:

Update: Warum das Thema wichtig bleibt

Die Studie aus Frankreich stellt nicht nur die Wirksamkeit pauschaler Tötungen infrage, sondern macht auch das grundlegende Spannungsfeld sichtbar: Wildtiermanagement soll Schäden verhindern, aber gleichzeitig wirken Eingriffe langfristig oft nicht wie erwartet. Dazu kommen erhebliche Kosten, während die gemeldeten Schäden laut den angeführten Zahlen deutlich geringer ausfallen als die Aufwendungen.

Für betroffene Menschen und die Gesellschaft heißt das: Entscheidungen über Wildtiermaßnahmen sollten stärker daran ausgerichtet werden, was in der Praxis tatsächlich wirkt—ökologisch, finanziell und ethisch. Politik und Verwaltung stehen damit auch vor der Frage, wie öffentliche Mittel eingesetzt werden und ob Prävention und Vergrämung systematisch den Vorrang bekommen sollten. Organisationen wie Verbände können diese Debatte mit wissenschaftlichen Ergebnissen weiterführen und konkrete Alternativen einfordern.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Was sagt die Studie konkret zur Wirksamkeit von pauschaler Bejagung?
Laut Mitteilung führte die Tötung langfristig in den meisten Fällen nicht zu sinkenden Beständen oder weniger gemeldeten Schäden. Teilweise nahmen Schäden sogar zu, wenn mehr Tiere getötet wurden.

Warum könnte die Jagd am Ende mehr kosten als nützen?
Die Studie nennt in Frankreich jährlich hohe Kosten für Aufwand und Durchführung, während die angeführten Schäden vergleichsweise niedriger ausfielen. Das wirft die Effizienz der Maßnahme auf.

Welche Alternative wird im Beitrag als Ansatz genannt?
Der Deutsche Tierschutzbund fordert ein evidenzbasiertes Wildtiermanagement mit Prävention und Vergrämung statt pauschaler Tötungen.

Wo zeigt sich die Debatte über Wildtiere auch politisch und finanziell?
Im Beitrag werden Beispiele genannt, in denen Länder Kosten für bestimmte Maßnahmen im Jagdkontext übernehmen. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag und die verwendeten Bilder können ganz oder teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet worden sein.
Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge