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Streit um EU-Agrarsubventionen: Warum die soziale Konditionalität schon wieder unter Druck steht

Noch bevor sich die neue soziale Konditionalität in der EU-Agrarpolitik eingespielt hat, steht sie erneut zur Debatte. Die IG BAU warnt davor, dass mit einer Abschaffung ein Hebel für Arbeits- und Gesundheitsschutz auf den Höfen verloren gehen könnte.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Soziale Konditionalität verknüpft EU-Agrarsubventionen mit Arbeits- und Gesundheitsschutzvorgaben.
  • IG BAU kritisiert Pläne zur Abschaffung, da Regelung erst 2025 eingeführt wurde und noch nicht evaluiert ist.
  • Fördergelder können bei Verstößen gegen Arbeitsschutz und Transparenz gekürzt werden.
  • Kontrollen erfolgen durch bestehende Behörden wie Finanzkontrolle Schwarzarbeit und Gesundheitsämter.
  • Gute Arbeitsbedingungen sind zentral für Fachkräftebindung in der Landwirtschaft laut IG BAU.

Für Agrarbetriebe geht es bei EU-Geldern nicht nur um Flächen und Produktion, sondern auch um Arbeitsbedingungen. Genau hier setzt die sogenannte soziale Konditionalität an: Wer Fördermittel aus der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) erhält, muss bestimmte Regeln beim Arbeits- und Gesundheitsschutz einhalten.

Doch das Instrument steht schon wieder auf dem Prüfstand. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) kritisiert Pläne des Bundesarbeits- und des Bundeslandwirtschaftsministeriums, die Regelung wieder abzuschaffen. Aus Sicht der Gewerkschaft wäre das ein Rückschritt – vor allem, weil die soziale Konditionalität erst Anfang 2025 eingeführt wurde.

Was die soziale Konditionalität im Alltag auf dem Hof bedeutet

Die soziale Konditionalität verknüpft EU-Subventionen mit Arbeitnehmerrechten. Nach Angaben der IG BAU können Zahlungen gekürzt werden, wenn gegen den Arbeits- und Gesundheitsschutz verstoßen wird, Arbeitsbedingungen nicht ausreichend transparent sind oder die sichere Verwendung von Arbeitswerkzeugen nicht eingehalten wird.

Für Betriebe heißt das: Fördergeld ist nicht mehr allein an die landwirtschaftliche Fläche oder formale Voraussetzungen gebunden, sondern auch an grundlegende Standards für Beschäftigte. Dazu gehören etwa Schutz vor Unfällen, klare Arbeitsbedingungen und Regeln für sichere Arbeit. Gerade in Bereichen mit vielen Saisonkräften ist das ein relevanter Punkt.

Die Kontrollen laufen laut IG BAU über Stellen, die dafür bereits länger zuständig sind, darunter die Finanzkontrolle Schwarzarbeit, örtliche Gesundheitsämter, Arbeitsschutzbehörden und weitere zuständige Einrichtungen. Zusätzliche Behörden seien nicht geschaffen worden.

Warum die IG BAU den Rückzieher kritisiert

Die Gewerkschaft hält den Vorstoß für schwer nachvollziehbar. Christian Beck, Mitglied des IG BAU-Bundesvorstands und unter anderem für die Landwirtschaftsbranche zuständig, kritisiert vor allem die Geschwindigkeit der Debatte.

„Die soziale Konditionalität konnte noch nicht einmal richtig evaluiert werden, da soll sie schon wieder gestrichen werden. Das ist ein Rein und Raus und hat mit kontinuierlicher und zielgerichteter Politik überhaupt nichts zu tun“

Die Bundesministerien begründen ihren Vorstoß laut IG BAU mit einem zu hohen Verwaltungsaufwand. Beck widerspricht dieser Darstellung. Die Regelung sei schließlich mit der Prämisse gestartet worden, dass es keinen erhöhten Verwaltungsaufwand und keine zusätzlichen Berichtspflichten für Landwirte geben dürfe.

Ob die Ministerien ihre Position mit belastbaren Zahlen untermauern, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Ebenso offen bleibt, wie groß der Aufwand in der Praxis tatsächlich ist und ob er sich von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich auswirkt.

Was an den Höfen auf dem Spiel steht

Für die IG BAU geht es nicht nur um einen formalen Streit über Bürokratie. Die Gewerkschaft verweist auf den hohen Fach- und Arbeitskräftebedarf in der Branche und hält gute Arbeitsbedingungen für eine Voraussetzung dafür, dass Menschen in der Landwirtschaft bleiben oder dort überhaupt arbeiten wollen.

Beck fordert deshalb, die GAP so umzugestalten, dass Frauen und Männer wieder gerne in der Landwirtschaft arbeiten und dort auch bleiben wollen. Nach Auffassung der IG BAU sollte die soziale Konditionalität eher gestärkt werden. Als möglicher zusätzlicher Hebel wird in der Mitteilung genannt, dass Tarifbindung Voraussetzung für den Erhalt von Subventionszahlungen sein könnte.

Hinter dem Streit steht auch ein Strukturwandel, der die Branche seit Jahren prägt. Nach Angaben der IG BAU arbeiten dort inzwischen knapp eine halbe Million Menschen. Genannt werden 242.800 Saisonkräfte und 234.800 sozialversicherungspflichtig Angestellte. Gerade für diese Beschäftigten entscheidet sich an den Regeln häufig, ob Mindeststandards nur auf dem Papier stehen oder tatsächlich überprüft werden.

Mehr als ein Streit um Verwaltung

Die Debatte zeigt ein Grundproblem der Agrarpolitik: Fördermittel sollen einerseits Betriebe unterstützen, andererseits aber auch Erwartungen an Arbeitsbedingungen absichern. Wenn die soziale Konditionalität wieder fällt, verschwindet dieser Hebel zumindest teilweise.

Die IG BAU will das verhindern und setzt auf eine Stärkung statt auf eine Abschaffung. Von den Bundesministerien lag in der Mitteilung keine ausführlichere Stellungnahme vor. Wie es mit den Plänen weitergeht, bleibt damit vorerst offen.

Für Beschäftigte auf den Höfen, für Saisonkräfte und für Betriebe mit Fördermitteln geht es am Ende um eine sehr praktische Frage: Welche Standards sind mit öffentlichem Geld verbunden – und wer kontrolliert sie?

Quellen

IG BAU: www.igbau.de

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag und die verwendeten Bilder können ganz oder teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet worden sein.

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