Straßenbau in Deutschland stagniert: Bauindustrie warnt vor Auftragsrückgang durch Ausschreibungsstopp der Autobahn GmbH und fordert schnelle Mittelfreigabe

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Die Bauindustrie in Deutschland schlägt Alarm, weil die bundeseigene Autobahn GmbH ihre Ausschreibungen für 2025 ausgesetzt hat und der Straßenbau dadurch im Mai um real 13,2 Prozent einbrach (Januar bis Mai: –3,2 Prozent). Im gleichen Zeitraum stieg der gesamte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe real um 8,2 Prozent. Die Verbände fordern daher den Haushaltsausschuss des Bundestags auf, schnell die Mittel für Straßen und Brücken freizugeben, um Kapazitäten und Arbeitsplätze zu sichern.

Inhaltsverzeichnis

– Autobahn GmbH-Ausschreibungsstopp verursacht im Mai 13,2 % reales Minus im Straßenbau
– Haushaltsausschuss muss fehlende Mittel für Straßen- und Brückenbau jetzt freigeben
– Gesamtbauhauptgewerbe verzeichnet im Mai ein reales Orderplus von 5,3 % gegenüber Vorjahr

Bauhauptgewerbe im Mai 2025: Auftragslage stagniert, Straßenbau gerät unter Druck

Das Statistische Bundesamt meldete für das deutsche Bauhauptgewerbe im Mai 2025 ein reales Orderplus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Vergleich zum April 2025 ging die Auftragslage jedoch leicht um 0,5 Prozent zurück. Für die ersten fünf Monate des Jahres ergibt sich sogar ein reales Plus von 8,2 Prozent bei den Auftragseingängen. Trotz dieser insgesamt stabilen Entwicklung bleibt das Niveau insgesamt niedrig.

Ein wesentlicher Schwachpunkt zeigt sich im Straßenbau. Hier verzeichnet die Branche für Mai einen deutlichen Rückgang von 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, für die ersten fünf Monate ergibt sich ein Minus von 3,2 Prozent. Ursache dafür ist der Ausschreibungsstopp der bundeseigenen Autobahn GmbH für das laufende Jahr, der die Bauunternehmen stark belastet.

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, kommentiert:
„Damit stabilisiert sich der Auftragseingang in unserer gesamten Branche zwar auf niedrigem Niveau, für den Straßenbau trifft dies aber nicht zu. Im Gegenteil: Die Bauunternehmen meldeten ein deutliches reales Minus von 13,2 Prozent (Jan.-Mai: -3,2 Prozent). Hier macht sich der Ausschreibungsstopp der bundeseigenen Autobahn GmbH für das laufende Jahr bemerkbar. Dass die fehlenden Mittel für 2025 jetzt doch in Aussicht gestellt werden, ist ein starkes Signal für die Branche. Wir haben sehr darum gekämpft. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags muss jetzt Farbe bekennen und für den Erhalt unserer Straßen und Brücken votieren.“

Müller sieht die Situation kritisch, da Unternehmen ihre Kapazitäten vorhalten müssen, ohne die verbindlichen Aufträge zur Auslastung zu erhalten:
„Denn man kann nicht einerseits von den Bauunternehmen verlangen, dass sie ihre Kapazitäten – sprich ihr Personal – für das Sondervermögen aufbauen beziehungsweise halten, ihnen dann aber andererseits die Aufträge zur Auslastung dieser vorenthalten. Im Gegensatz zur Öffentlichen Hand müssen Unternehmen wirtschaftlich handeln, Personalkosten können nicht unendlich lange ohne entsprechende Einnahmen geschultert werden.“

Die Folgen sind spürbar: Im Juni klagte laut ifo Konjunkturtest jeder dritte befragte Straßenbauer, dass Auftragsmangel seine Bautätigkeit behindere – im Vorjahresmonat war es nur jeder Vierte.

Positiv entwickelt sich dagegen der Wohnungsbau. Hier stiegen die Auftragseingänge leicht, wenn auch nur auf niedrigem Niveau. Auch der Wirtschaftstiefbau profitierte, vor allem durch Großprojekte im Bahnbau, und konnte ein deutliches Auftragsplus verzeichnen.

Der Umsatz im gesamten Bauhauptgewerbe legte im Mai zum Vorjahresmonat real um 4,1 Prozent zu. Für die ersten fünf Monate ergibt sich insgesamt ein Plus von 2,8 Prozent. Während Wirtschaftstiefbau weiter zulegt, verzeichnen Wohnungs- und Straßenbau nach wie vor Rückgänge.

Hintergründe und Folgen für Infrastruktur und Wirtschaft

Der Straßenbau spielt für Mobilität, Wirtschaftskraft und Lebensqualität eine zentrale Rolle. Straßen sind unverzichtbare Verbindungen für den Personen- und Güterverkehr, sie sichern den Warenfluss, ermöglichen Pendlerwege und fördern den regionalen Austausch. Ein funktionierendes Straßennetz ist somit eine wichtige Grundlage für Unternehmen und den Alltag der Bürgerinnen und Bürger.

Der aktuelle Rückgang bei den Aufträgen im Straßenbau, verursacht unter anderem durch den Ausschreibungsstopp der bundeseigenen Autobahn GmbH, stellt deshalb eine ernste Herausforderung dar. Ohne ausreichende Neubau- und Erhaltungsmaßnahmen drohen nicht nur Engpässe bei Mobilität und Logistik, sondern auch negative Effekte auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt.

Die Unsicherheit, die durch die verzögerte Mittelfreigabe entsteht, führt bei den Bauunternehmen zu einer spürbaren Zurückhaltung bei Investitionen und Projektplanungen. Viele Betriebe können ihre Kapazitäten und ihr Personal nicht ausreichend auslasten, obwohl dringend Infrastrukturmaßnahmen notwendig wären. Das wirkt sich unmittelbar auf die Beschäftigung aus und kann in der Folge Fachkräfteabwanderungen und Qualifikationsverluste zur Folge haben.

Die Bedeutung des laufenden Ausschreibungsstopps und der verzögerten Mittelbereitstellung zeigt sich in folgenden Auswirkungen:

  • Investitionsstau: Wichtige Straßenbauprojekte werden verschoben oder gestoppt, was die Modernisierung und den Ausbau der Infrastruktur verzögert.
  • Beschäftigungseffekte: Bauunternehmen melden Einbußen bei Aufträgen, was die Sicherung von Arbeitsplätzen im Baugewerbe erschwert.
  • Wirtschaftliche Konsequenzen: Verzögerte Infrastrukturmaßnahmen hemmen die regionale Entwicklung und behindern Transporte sowie Lieferketten.
  • Erhöhte Kostenrisiken: Langfristige Verzögerungen können zu höheren Baukosten führen, da Preissteigerungen und ineffiziente Planung zunehmen.

Perspektiven für Infrastruktur und Beschäftigung

Der Stillstand im Straßenbau wirkt sich auch auf den gesamten Wirtschaftsstandort aus. Experten warnen, dass die Infrastruktur ohne zügige Investitionen nicht zukunftsfest bleibt. Gleichzeitig steht das Baugewerbe unter Druck, ausreichend Fachkräfte auszubilden und zu halten. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, bringt es auf den Punkt: „Man kann nicht einerseits von den Bauunternehmen verlangen, dass sie ihre Kapazitäten – sprich ihr Personal – für das Sondervermögen aufbauen beziehungsweise halten, ihnen dann aber andererseits die Aufträge zur Auslastung dieser vorenthalten.“

Vergleichbare Problemlagen zeigen sich auch in anderen Bereichen des öffentlichen Bauwesens, wo Abhängigkeiten von politischen Entscheidungen und Haushaltsfreigaben den Investitionsfluss bestimmen. Ohne rasches Handeln besteht das Risiko, dass Vertragsunterbrechungen und Investitionslücken die Erneuerung von Verkehrswegen erheblich beeinträchtigen.

Umso wichtiger ist es, dass die Politik zeitnah klare und belastbare finanzielle Zusagen macht und damit eine verlässliche Planung und Vergabe von Aufträgen ermöglicht. Eine zügige Freigabe der Mittel würde nicht nur den Auftragsrückgang stoppen, sondern auch Chancen schaffen:

  • Stabilisierung und Ausbau von Beschäftigung im Tiefbau
  • Sicherung der Qualität und Leistungsfähigkeit des Straßennetzes
  • Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe durch neue Bauaufträge
  • Vermeidung von Folgekosten durch Infrastrukturmängel

Nur durch einen verlässlichen und kontinuierlichen Ausbau der Straßeninfrastruktur lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands langfristig sichern und Lebensqualität erhalten. Verzögerungen bei der Mittelfreigabe gefährden diese Entwicklung und führen zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen, die weit über die Bau-Branche hinausreichen.

Die hier dargestellten Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie e.V.

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