Familienunternehmen kritisieren DIW Steuerstudie: Streit um Steuerpolitik und wirtschaftliche Risiken

Familienunternehmer kritisieren die neue DIW-Steuerstudie als politisch heikel und wirtschaftlich riskant, weil sie auf einem unrealistischen Maßnahmenmix beruht. Sie warnen, dass umfassende Kürzungen bei Pendlerpauschale, Diesel- und Agrarförderung zusammen mit massiven Mehrwertsteuererhöhungen vor allem Geringverdienende und strukturschwache Regionen hart treffen würden. Statt solcher einseitiger Sparrechnungen fordern die Verbände eine nachhaltige Finanzpolitik mit Weitblick, die Volkswirtschaft und Bürger gleichermaßen schützt.
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– Berlin, 06.08.2025: DIW rechnet mit bis zu 70 Mrd. Euro Mehreinnahmen durch Steuererhöhungen.
– Familienunternehmer halten Annahmen zu radikalen Steuerprivileg-Streichungen für politisch und wirtschaftlich riskant.
– Verband fordert realistische Debatte über Staatsausgaben und Effizienz statt symbolische Milchmädchenrechnungen.

Kritik an DIW-Studie: Familienunternehmer zweifeln Steuererhöhungsrechnungen an

Die Steuerstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), nach der der Staat durch Steuererhöhungen und Subventionsabbau bis zu 70 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen könnte, stößt auf scharfe Kritik vonseiten der Familienunternehmer. Deren Präsidentin Marie-Christine Ostermann bezeichnet die Berechnungen von DIW-Ökonom Stefan Bach als „politisch brisant, wirtschaftlich riskant und in ihrer Annahmestruktur höchst zweifelhaft.“

Die Studie basiert auf einem Maßnahmenmix, der nach Ansicht der Familienunternehmer nahezu unrealistisch ist und selbst im besten Fall erhebliche wirtschaftliche Folgekosten sowie gesellschaftliche Unruhe verursachen könnte. „Stefan Bach verheißt mit saloppen Sparideen Milch und Honig, wenn einzig doch endlich die Steuern erhöht würden. Seine Annahmen beruhen dabei aber auf einem nahezu unrealistischen Maßnahmenmix, der selbst im Idealfall erhebliche wirtschaftliche Folgekosten und schlimmstenfalls große gesellschaftliche Unruhe brächte.“

Dabei schlägt Bach einen umfassenden Abbau von Steuervergünstigungen vor, der alle Bürger treffen würde, unabhängig von Einkommen oder Status. „In seiner Sparrechnung zieht Bach das Rasiermesser durch das gesamte Steuerrecht und träfe damit gnadenlos sämtliche Bürger, groß wie klein, arm wie reich, Unternehmer wie Privatpersonen.“ Zu den von ihm ins Visier genommenen Vergünstigungen zählen unter anderem die Pendlerpauschale, Dieselbesteuerung, Agrarförderungen, Ehegattensplitting und Sonderregelungen wie die Steuerbefreiungen bei Sonntags- oder Feiertagsarbeit.

Die Familienunternehmer heben hervor, dass solche Vergünstigungen starke gesellschaftliche und regionale Auswirkungen haben. Ein vollständiger Wegfall dieser Regelungen wäre mit erheblichen sozialen Verwerfungen verbunden, die politisch kaum durchsetzbar seien. „Vergünstigungen wie die Pendlerpauschale, Dieselbesteuerung oder Agrarförderung haben starke gesellschaftliche und politische Implikationen. Ein Komplettabbau wäre mit massiven sozialen und regionalen Verwerfungen verbunden.“

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die geplanten Erhöhungen bei der Tabak- und Alkoholsteuer. Die jährlichen Einnahmen aus diesen Quellen belaufen sich aktuell auf insgesamt 17,62 Milliarden Euro. Eine Verdoppelung dieser Steuern wird als gesellschaftlich kaum realistisch eingeschätzt. Deshalb vermuten die Familienunternehmer, dass Bach vor allem auf eine drastische Erhöhung der Mehrwertsteuer setzt, um die gewünschten Mehreinnahmen zu erreichen. „Aber die gesamte jährliche Einnahme aus der Tabaksteuer beträgt lediglich 15,63 Milliarden und aus der Alkoholsteuer nur weitere 1,98 Milliarden Euro, also insgesamt 17,62 Milliarden. Da eine Verdoppelung gesellschaftlich kaum durchsetzbar ist, denkt Ökonom Bach wohl eher an eine massive Erhöhung der Mehrwertsteuer, damit seine Rechnung aufgehen kann.“

Diese Vorgehensweise stößt auf Unverständnis, weil gerade die Mehrwertsteuer als sozial ungerecht gilt. Sie belastet vor allem weniger wohlhabende Menschen stärker, da sie unabhängig vom Einkommen erhoben wird. „Hier mit einer gravierenden Erhöhung zu kalkulieren überrascht, zumal gerade die Mehrwertsteuer zu den ungerechtesten Steuern zählt, da sie gemessen am Anteil des Einkommens die schlechter Verdienenden und Armen umso mehr trifft.“

Insgesamt fordern die Familienunternehmer eine Politik mit mehr Weitblick statt einfacher Rechenmodelle. „Von einer nachhaltigen Finanzpolitik erhoffen wir uns mehr Weitblick als bloße Milchmädchenrechnungen sowie einen Schutz der Volkswirtschaft durch den Finanzminister.“ Ihre kritische Einschätzung unterstreicht die Komplexität der Steuerpolitik und die Herausforderungen, die mit weitreichenden Reformplänen verbunden sind.

Warum Steuererhöhungen regelmäßig auf den Prüfstand gehören

Diskussionen über Steuererhöhungen sind in Deutschland immer wieder Quelle gesellschaftlicher und politischer Debatten. Steuerpolitik berührt verschiedene Lebensbereiche und Interessen zugleich: Sie regelt, wie die Lasten in der Gesellschaft verteilt werden, beeinflusst das Wirtschaftsklima und kann zugleich bestimmte Gruppen mitunter stärker belasten als andere. Das macht Steueranpassungen nicht nur zu politisch sensiblen Themen, sondern auch zu einem Balanceakt zwischen Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Effizienz.

Eine nachhaltige Steuerpolitik muss daher mehrere Ziele miteinander verbinden: Sie soll Einnahmen für den Staat sichern, soziale Ungleichheiten ausgleichen und dabei die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht gefährden. Die Herausforderung liegt darin, gezielt und sozial ausgewogen vorzugehen, denn pauschale Steuererhöhungen oder der flächendeckende Abbau von Vergünstigungen können tiefgreifende Konsequenzen haben. Dabei zeigen Erfahrungen aus anderen Ländern und historischen Steuerreformen: Steuererhöhungen treffen mal stärker Verbraucher, mal Unternehmen, und die Wirkung hängt stark von der konkreten Ausgestaltung ab. Werden etwa Verbrauchssteuern wie die Mehrwertsteuer angehoben, wirkt dies oft regressiv und belastet Menschen mit geringeren Einkommen überproportional, während Unternehmenssteuern direkte Investitionsanreize beeinflussen.

Verteilungseffekte von Steuerpolitik

Steuervergünstigungen sind oft politisch heikel, weil sie verschieden starke Auswirkungen auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen haben können. Manche Erleichterungen fördern bestimmte Lebensweisen oder Wirtschaftsbereiche und dienen damit bestimmten gesellschaftlichen Zielsetzungen. So gehören etwa das Ehegattensplitting oder die Pendlerpauschale zu Instrumenten, die Familien oder Pendlern finanzielle Entlastungen verschaffen. Ein Abrücken davon trifft insbesondere diejenigen, die darauf angewiesen sind. Die Abschaffung solcher Begünstigungen ohne Ausgleich kann soziale Spannungen hervorrufen und politische Widerstände verstärken.

Gleichzeitig gibt es Steuerprivilegien, die eher Unternehmen oder bestimmten Branchen zugutekommen, wie etwa das Agrardieselprivileg oder die vergünstigte Besteuerung von Biokraftstoffen. Hier stellt sich die Frage nach der Effizienz: Führt der Subventionsabbau zu einem gerechteren Steuersystem, oder entstehen strukturelle Brüche, etwa durch plötzliche Belastungen einzelner Wirtschaftssektoren? Die Verteilungseffekte sind komplex und müssen sorgfältig untersucht werden, bevor Steuerreformen umgesetzt werden.

Wirtschaftliche Folgen für Unternehmen und Verbraucher

Steuererhöhungen auf breiter Ebene, zum Beispiel durch eine Anhebung der Mehrwertsteuer, können das Konsumverhalten maßgeblich beeinflussen. Die Mehrwertsteuer ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates und gilt zugleich als besonders ungerechte Steuerform, da sie unabhängig vom Einkommen jeden gleich belastet. Eine deutliche Erhöhung dieser Steuer würde deshalb insbesondere Verbraucher mit niedrigerem Einkommen überproportional treffen und die Kaufkraft schmälern. Das wiederum kann für die Wirtschaft negative Konsequenzen bringen, da Konsumrückgänge die Umsätze beeinträchtigen und Investitionen hemmen.

Für Unternehmen bringt die Steuerpolitik ebenfalls entscheidende Rahmenbedingungen mit sich. Höhere Unternehmenssteuern oder der Abbau bestimmter Steuervergünstigungen können Investitionsentscheidungen beeinflussen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächen. In einem globalisierten Marktumfeld führen übermäßige Steuerbelastungen häufig zu Kapitalflucht und Standortverlagerungen, was langfristig Arbeitsplätze und Steuereinnahmen gefährdet. Hier müssen fiskalische Ziele stets gegen wirtschaftliche Risiken abgewogen werden.

Chancen und Risiken von Steuererhöhungen im Überblick:

  • Erhöhung staatlicher Einnahmen zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben
  • Möglichkeit, soziale Gerechtigkeit durch gezielte Maßnahmen zu stärken
  • Risiko von Verbraucherrückgang und Wirtschaftskrisen durch höhere Belastungen
  • Gefahr der Abwanderung von Kapital und Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Politische und gesellschaftliche Spannungen bei pauschalen Steuerkürzungen

Die Debatte über Steuererhöhungen wird vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen wie Digitalisierung, demografischem Wandel und Klimaschutz an Komplexität zunehmen. Politische Auseinandersetzungen werden sich daher nicht nur um die Höhe der Belastungen drehen, sondern auch darum, wie Steuergerechtigkeit und Wachstum in Einklang gebracht werden können. Die notwendige öffentliche Debatte muss transparent und faktenbasiert sein, um tragfähige Lösungen zu finden. Dabei geht es weniger um kurzfristige Einnahmeeffekte als um eine ehrliche Auseinandersetzung mit den grundsätzlichen Fragen der Verteilung, Steuerung und langfristigen Stabilität des Steuersystems.

Die Informationen und Zitate dieses Beitrags basieren auf einer Pressemitteilung von Die Familienunternehmer e.V.

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13 Kommentare

  1. Der Fokus auf Gerechtigkeit bei Steuerfragen sollte Priorität haben. Wie seht ihr das mit den Auswirkungen auf Familien? Was denkt ihr über das Ehegattensplitting in diesem Kontext?

  2. Die Bedenken über mögliche soziale Verwerfungen sind sehr berechtigt. Wie können wir sicherstellen, dass alle Stimmen in dieser Debatte gehört werden? Gibt es da Ideen?

  3. Die Argumente gegen die Steuererhöhungen sind stark, besonders wenn man an die wirtschaftlichen Folgen denkt. Was haltet ihr von der Idee, bestimmte Steuern gezielt anzuheben statt pauschal?

  4. Die Kritik an den Berechnungen von DIW ist nachvollziehbar. Es ist wichtig, dass wir auch die sozialen Auswirkungen im Blick haben. Welche konkreten Alternativen könnten denn von den Familienunternehmern vorgeschlagen werden?

    1. Das wäre wirklich hilfreich zu wissen! Ich denke, es braucht einen Ausgleich zwischen Einnahmen und sozialen Gerechtigkeiten.

    2. Ich frage mich, ob der Abbau von Steuervergünstigungen tatsächlich so einfach ist. Welche anderen Wege gäbe es?

  5. Ich finde die Diskussion über Steuererhöhungen sehr spannend. Besonders interessant ist, wie die DIW-Studie auf die Familienunternehmer wirkt. Glaubt ihr, dass eine realistische Debatte hier wirklich möglich ist?

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