Wanderwege funktionieren nur, wenn sie gepflegt werden. Markierungen müssen gesetzt, Pfade kontrolliert und Touren organisiert werden – meist von Menschen, die das ehrenamtlich tun. Genau diese Arbeit stand jetzt im Erzgebirge im Mittelpunkt, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dort mit dem Deutschen Wanderverband unterwegs war.
Ein symbolischer Termin kurz vor dem Wandertag
Die rund sieben Kilometer lange Tour führte vom Auersberg zur Talsperre Sosa. Unterwegs besuchte Steinmeier gemeinsam mit DWV-Präsident Dr. Michael Ermrich und weiteren Vertretern aus Verband und Politik die Erlebnisköhlerei in Eibenstock-Sosa. Außerdem brachte er an einem Wegweiser eine neue Markierung für den europäischen Fernwanderweg E3 an.
Der Termin fiel in die Region des 123. Deutschen Wandertages, der vom 24. bis 27. September 2026 in Kurort Oberwiesenthal stattfindet. Der Deutsche Wanderverband hatte Steinmeier bereits im Frühjahr 2026 als Schirmherrn benannt. Die Wanderung wirkte damit wie ein inoffizieller Auftakt für das Großereignis – auch wenn die Mitteilung keine zusätzlichen politischen Zusagen oder Förderungen nennt.
Was Wandervereine im Alltag leisten
Nach Darstellung des Deutschen Wanderverbandes leisten Wandervereine weit mehr als das Organisieren von Ausflügen. Sie bringen Menschen verschiedener Generationen und Herkunft zusammen, pflegen Natur- und Kulturlandschaften und verstehen sich als Orte gelebter Demokratie. Entscheidungen würden gemeinsam getroffen, Verantwortung geteilt und Gemeinsinn praktisch eingeübt.
Das ist zunächst die Sicht des Verbandes, trifft aber einen Punkt, den viele kleinere Vereine kennen: Ohne Freiwillige laufen Wegekontrollen, Markierungsarbeiten und Vereinsleben kaum verlässlich. Gerade in ländlichen Regionen kann Wandern zudem wirtschaftliche Folgen haben, etwa über Gäste, Übernachtungen und regionale Angebote. Wie groß diese Effekte tatsächlich sind, lässt sich aus der Mitteilung jedoch nicht ablesen.
Steinmeier hatte das Ehrenamt bereits in früheren Reden als tragende Struktur der Gesellschaft beschrieben. In Eibenstock betonte er laut Mitteilung erneut die Bedeutung freiwilligen Engagements für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ob daraus praktische Unterstützung folgt, bleibt offen.
Warum Oberwiesenthal auf Aufmerksamkeit setzt
Auch die Gastgeberregion verbindet mit dem bevorstehenden Wandertag mehr als ein einzelnes Festwochenende. Der Bürgermeister von Kurort Oberwiesenthal, Jens Benedict, erwartet vor allem Sichtbarkeit für Stadt und Erzgebirge sowie Austausch innerhalb der Wanderbewegung. Zudem rechnet er mit wirtschaftlichen Impulsen für die Region.
„Der Deutsche Wandertag bringt die ehrenamtliche Wanderbewegung aus ganz Deutschland zum Austausch zusammen und schafft zugleich wichtige Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region.“
Für Vereine vor Ort ist das vor allem deshalb relevant, weil solche Treffen Netzwerke stärken und neue Kontakte zwischen Engagierten aus unterschiedlichen Regionen ermöglichen können. Gleichzeitig bleibt offen, wie viele Menschen tatsächlich anreisen, welches Programm im Detail geplant ist und wie belastbar die wirtschaftlichen Erwartungen am Ende sind. Die Mitteilung nennt dazu keine Zahlen.
Anerkennung ist sichtbar, konkrete Hilfe bleibt offen
Der Auftritt des Bundespräsidenten rückt das Ehrenamt im Wanderwesen sichtbar ins öffentliche Licht. Für viele Freiwillige ist das ein wichtiges Signal, gerade weil ihre Arbeit im Alltag oft im Hintergrund bleibt. Wer Wege markiert oder Landschaften pflegt, sorgt schließlich dafür, dass Wandern überhaupt möglich ist.
Für die Vereine ist aber vor allem entscheidend, was aus dieser Anerkennung folgt. In der vorliegenden Mitteilung geht es um Symbolik, Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit – nicht um neue Programme, zusätzliche Mittel oder konkrete Entlastungen. Genau dort liegt der offene Punkt: Wertschätzung ist wichtig, ersetzt aber keine praktische Unterstützung im Alltag der Ehrenamtlichen.
Quellen
- Deutscher Wanderverband: Kurort Oberwiesenthal stellt Deutschen Wandertag vor
- Radio Erzgebirge: Bundespräsident im Erzgebirge
- Bundespräsident: Rede zum Ehrenamt vom 4. Dezember 2023
- Deutscher Wanderverband: Deutscher Wandertag