Sinkende Spritpreise kurz vor dem Auslaufen einer Steuerentlastung klingen zunächst nach Entspannung. Beim Blick auf den historischen Tankrabatt von 2022 zeigt sich aber: Entscheidend sind die Details – vor allem beim Datum des Auslaufens und beim tatsächlichen Preiseffekt für Benzin und Diesel.
Eine ADAC-Auswertung meldete zwar erneut niedrigere Wochenpreise. Für Verbraucher, Pendler und auch Vereine mit regelmäßigen Fahrten bleibt die Lage trotzdem heikel, weil pauschale Aussagen zum erwarteten Preissprung leicht in die Irre führen können.
Die Preise sanken zuletzt noch einmal
Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs e. V. (ADAC) kostete ein Liter Super E10 durchschnittlich 1,817 Euro. Das waren 3,7 Cent weniger als in der Vorwoche. Beim Diesel lag der Durchschnittspreis bei 1,731 Euro je Liter, also 6,6 Cent niedriger.
Damit zeigte sich an der Zapfsäule kurz vor dem Ende der Entlastung noch einmal eine spürbare Bewegung nach unten. Für Haushalte und Organisationen mit häufigen Fahrten ist das relevant, weil schon wenige Cent pro Liter das Monatsbudget merklich verändern können.
Beim Tankrabatt 2022 lief die Frist bis Ende August
Für die historische Einordnung ist ein Punkt besonders wichtig: Die befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe galt laut Bundesregierung vom 1. Juni bis zum 31. August 2022. Wer sich auf den damaligen Tankrabatt bezieht, kann dessen Ende daher nicht auf die letzten Junitage datieren.
Damit sind konkrete Empfehlungen, den Tank wegen des Endes des Tankrabatts schon am 29. oder 30. Juni zu füllen, für die historische Maßnahme sachlich falsch. Wenn es um das tatsächliche Auslaufen des Tankrabatts 2022 geht, wären zeitlich die letzten Augusttage relevant gewesen.
Der Preiseffekt war bei Benzin und Diesel unterschiedlich
Auch bei der Höhe der Entlastung lohnt ein genauer Blick. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums lag die Steuersenkung 2022 bei rund 29,55 Cent je Liter Benzin und 14,04 Cent je Liter Diesel. An der Zapfsäule entsprach das einschließlich Mehrwertsteuer etwa 35,2 Cent je Liter Benzin und 16,7 Cent je Liter Diesel.
Eine pauschale Aussage, Benzin und Diesel würden nach dem Ende des Tankrabatts jeweils um rund 17 Cent je Liter teurer, greift deshalb zu kurz. Dieser Wert passt allenfalls näherungsweise zu Diesel. Bei Benzin lag der rechnerische Effekt deutlich höher.
Für den Alltag bedeutet das: Wer die Mehrkosten einschätzen will, sollte immer unterscheiden, welcher Kraftstoff gemeint ist. Gerade für Vereine, Fahrdienste oder Pendler mit festen Strecken macht dieser Unterschied bei mehreren Tankfüllungen schnell einen spürbaren Betrag aus.
Warum der ADAC das Preisniveau weiter kritisch sieht
Trotz des jüngsten Rückgangs bewertet der ADAC das Preisniveau als weiterhin zu hoch. Zur Begründung verweist der Club auf den Ölpreis der Sorte Brent von rund 77 US-Dollar und auf den schwächeren Euro, der laut Mitteilung gegenüber dem US-Dollar den tiefsten Stand seit einem Jahr erreicht habe.
Diese Faktoren beeinflussen die Kraftstoffpreise tatsächlich. Eine eindeutige Ursache für einen bestimmten Zapfsäulenpreis ergibt sich daraus aber nicht automatisch, weil auch Raffineriekosten, Handel, Wettbewerb und Steuern eine Rolle spielen. Wenn der ADAC weiteres Senkungspotenzial sieht, bleibt das daher eine Einschätzung des Clubs.
Oft entscheidet der Tageszeitpunkt stärker als ein pauschaler Spartipp
Unabhängig von der Debatte um die Steuerentlastung verweist der ADAC auf ein bekanntes Tagesmuster: Kurz vor 12 Uhr mittags seien die Kraftstoffpreise im Tagesverlauf meist am niedrigsten. Um 12 Uhr zögen sie deutlich an und sänken danach schrittweise wieder.
Wie groß diese Spanne sein kann, zeigt der Rückblick auf den Vormonat. Zwischen Tageshoch und Tagestief lagen laut ADAC im Schnitt 14,6 Cent je Liter bei Super E10 und 18,4 Cent je Liter bei Diesel. Wer Preise vergleicht und den Tankzeitpunkt bewusst wählt, spart damit im Einzelfall mehr als durch allgemeine Monatsend-Empfehlungen.
Als Hilfsmittel nennt der ADAC seine App „ADAC Drive“, die Preise von mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland anzeigt. Solche Vergleichsdaten helfen vor allem dann, wenn regionale Unterschiede stark ausfallen.
Frühere Auswertungen zeigen, wie umstritten die Weitergabe blieb
Wie stark steuerliche Entlastungen tatsächlich bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen, wurde schon 2022 intensiv diskutiert. Das ifo Institut kam damals zunächst zu dem Ergebnis, dass die Senkung überwiegend weitergegeben wurde, wenn auch nicht in jeder Phase vollständig.
Eine spätere ifo/CESifo-Analyse sprach für den Großteil der Laufzeit des Tankrabatts von einer weitgehend vollständigen Weitergabe. Beim Diesel ließ dieser Effekt im August nach. Parallel dazu leitete das Bundeskartellamt im Juni 2022 eine Sektoruntersuchung zu Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel ein, weil sich Rohöl-, Raffinerie- und Tankstellenpreise nach Angaben der Behörde deutlich auseinanderentwickelt hatten.
Nach dem Auslaufen der befristeten Energiesteuersenkung lagen die Kraftstoffpreise in Deutschland laut Statistischem Bundesamt Anfang September 2022 bei Benzin und Diesel wieder über allen direkten EU-Nachbarn. Das zeigt: Selbst wenn eine Entlastung formal endet, bleibt umstritten, wie stark der Effekt an der Zapfsäule tatsächlich ausfällt.
Für Verbraucher zählt die genaue Einordnung
Der Rückgang der Spritpreise war eine kurzfristige Entlastung, mehr aber auch nicht. Wer die Entwicklung rund um den Tankrabatt beurteilen will, sollte pauschale Angaben zu Datum und Preissprung kritisch prüfen.
Vor allem die Unterschiede zwischen Benzin und Diesel sind entscheidend. Für den Alltag heißt das: Nicht jede verkürzte Zahl erklärt die reale Belastung an der Zapfsäule, und gerade bei regelmäßigen Fahrten lohnt der genaue Blick auf Kraftstoffart, Tageszeit und konkrete Stationspreise.
Quellen
ADAC: Eine Woche vor Ende des Tankrabatts fallen die Kraftstoffpreise nochmals
Bundeskartellamt: Sektoruntersuchung zu Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel
ifo Institut: Steuerentlastung überwiegend an Kundschaft weitergegeben