10+ Aufrufe

Sportfördergesetz: Mehr Mitsprache im Spitzensport, aber die Finanzierung bleibt offen

Das neue Sportfördergesetz soll die Spitzensportförderung des Bundes bündeln und den organisierten Sport stärker beteiligen. Doch bei Finanzierung, Bürokratieabbau und praktischer Umsetzung bleiben zentrale Fragen offen.

Inhaltsverzeichnis

Beitrag teilen

Veraltete Dokumente und Notizbuch auf Schreibtisch im Sportraum, leere Bände, Stift, Volleyball, Tor im Hintergrund, ruhige Stimmung.
Verbandsbüro jetzt bei Google bevorzugen Damit unsere Vereins- und Verbandsnachrichten häufiger in Ihrer persönlichen Google-Übersicht erscheinen.
Jetzt bevorzugte Quelle festlegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine neue Spitzensport-Agentur soll Förderung bündeln und Entscheidungswege im deutschen Spitzensport vereinfachen.
  • Sportvertreter erhalten stärkeren Einfluss im Stiftungsrat der Agentur, um Förderpraxis besser mitzugestalten.
  • Der Schutz im Sport wird durch das Zentrum für Safe Sport und den Safe-Sport-Code verbindlich an Förderbedingungen geknüpft.
  • Die Reform soll Nachwuchsleistungssport und lokale Sportstrukturen besser vernetzen und fördern.
  • Finanzierung und Bürokratieabbau bleiben unklar, was die langfristige Wirkung der Reform beeinflusst.

Im Spitzensport soll künftig weniger nebeneinander entschieden werden. Der Bund will Förderung, Zuständigkeiten und Schutzregeln in einem neuen Rahmen bündeln. Ob daraus tatsächlich mehr Tempo und Verlässlichkeit entstehen, zeigt sich aber erst im Alltag der Verbände, Athleten und Förderstellen.

Was die neue Spitzensport-Agentur verändern soll

Mit der Zustimmung des Sportausschusses des Bundestags zum geänderten Sportfördergesetz rückt die nächste Strukturreform im deutschen Spitzensport näher. Kern der Reform ist eine neue Spitzensport-Agentur, die die Bundesförderung bündeln, Entscheidungswege vereinfachen und Verfahren beschleunigen soll.

Auch interessant:Sportfördergesetz: Was die Reform im Spitzensport verändern soll

Für viele Sportorganisationen ist das vor allem eine Frage der Zuständigkeiten. Wenn Entscheidungen tatsächlich gebündelt werden, könnten Anträge und Abstimmungen kürzer ausfallen. Ob das gelingt, hängt jedoch davon ab, wie die neue Agentur organisiert wird und wie viel Einfluss sie im Verhältnis zu Ministerien, Verbänden und weiteren Gremien erhält.

Im Stiftungsrat, also dem Aufsichtsgremium der künftigen Struktur, soll der organisierte Sport stärker vertreten sein. Geplant sind vier von zehn Sitzen für den organisierten Sport. Hinzu kommt ein Sitz für die Athletinnen- und Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Damit greift der Gesetzgeber eine zentrale Forderung aus dem Sport auf: Wer die Förderpraxis kennt, soll auch bei Entscheidungen mitreden. Ein Selbstläufer ist das noch nicht, aber es wäre ein spürbarer Unterschied zu Strukturen, in denen Sportvertreter bisher nur am Rand beteiligt waren.

Warum die Reform auch für Nachwuchs und Vereine relevant ist

Der Bayerische Landes-Sportverband sieht in dem Gesetz mehr als eine Verwaltungsreform für den Bund. Aus Sicht des Verbands bietet die Neuregelung die Chance, den Weg junger Talente vom Verein über den Verband bis in den Spitzensport besser abzusichern.

„Mit dem Sportfördergesetz bietet sich die Chance, den deutschen und bayerischen Nachwuchsleistungssport sowie den Spitzensport nachhaltig zu stärken“, erklärt BLSV-Präsident Jörg Ammon.

Für Vereine und Landesstrukturen ist das relevant, weil viele Karrieren nicht im Bundesprogramm beginnen, sondern in lokalen Trainingsgruppen, an Stützpunkten und in Kooperationen zwischen Schule, Verein und Verband. Genau diese Schnittstellen wollen die Landessportbünde nach ihren jüngsten Forderungen ausdrücklich gestärkt sehen.

In Bayern kommt hinzu: Der Freistaat trennt Spitzensport und Nachwuchsleistungssport klar und stellt für den Nachwuchsleistungssport nach eigenen Angaben jährlich über 20 Millionen Euro bereit. Das zeigt, wie unterschiedlich die Förderlogik auf Landes- und Bundesebene bislang angelegt ist. Für den Bund bleibt damit die Aufgabe, seine neue Struktur so auszugestalten, dass sie zu den bestehenden Landeswegen passt.

„Das Sportfördergesetz eröffnet die Chance, die Spitzensportförderung in Deutschland grundlegend zu modernisieren“, sagt Prof. Dr. Susanne Burger, Vorsitzende der BLSV-Geschäftsführung.

Ob diese Modernisierung im Alltag ankommt, wird sich daran messen lassen, ob Vereine, Stützpunkte und Verbände tatsächlich weniger Zeit mit Abstimmung und mehr Zeit mit Sport verbringen.

Safe Sport wird Teil der Förderlogik

Ein zweiter zentraler Punkt der Reform ist der Schutz im Sport. Mit der gesetzlichen Verankerung des Zentrums für Safe Sport und der ab 2029 geltenden Verknüpfung von Förderung und Safe-Sport-Code wird der Schutz vor Gewalt und Fehlverhalten stärker an die Förderbedingungen gekoppelt.

Der Safe-Sport-Code ist ein Regelwerk für einen sicheren und verantwortungsvollen Sportbetrieb. Für Verbände und Organisationen bedeutet das voraussichtlich: Schutzstandards, Zuständigkeiten und Meldewege werden wichtiger und müssen nachweisbar funktionieren. Der Schutzaspekt gehört damit fest zur Förderlogik.

Bei einer Anhörung im Umfeld der parlamentarischen Beratungen hatten Athletenvertretung und Aufarbeitungskommission zugleich auf Lücken bei Mitbestimmung und Safe-Sport-Standards hingewiesen. Sie forderten verbindlichere Schutz- und Beteiligungsregeln. Dass diese Kritik parallel zur Reform weiter im Raum steht, zeigt: Die neue Struktur ist auf dem Weg, aber fachlich und politisch noch nicht abgeschlossen.

Die Geldfrage bleibt der Prüfstein

Trotz der Einigung bleiben aus Sicht des organisierten Sports wichtige Punkte offen. Besonders umstritten ist, dass eine ausdrückliche gesetzliche Verankerung der Finanzierungsverantwortung des Bundes fehlt. Genau diese Zusage hätte langfristig mehr Planungssicherheit schaffen können.

Auch beim Bürokratieabbau bleibt die Reform hinter den eigenen Ansprüchen zurück, wie der BLSV kritisiert. Der Verband verweist darauf, dass die Chance verpasst worden sei, eine Festbetragsfinanzierung als Regelfall zu etablieren. Gemeint ist damit ein Modell, bei dem bestimmte Förderbeträge fest zugesagt werden, statt sie immer wieder neu auszuhandeln. Für Verbände kann das den Aufwand senken; gesichert ist das mit dem neuen Gesetz aber nicht.

Ein Blick in den Haushaltsentwurf 2026 zeigt die aktuelle Finanzlage: Für den Sport sind 349,95 Millionen Euro vorgesehen, für die neue Agentur 500.000 Euro und für das Zentrum Safe Sport 2,81 Millionen Euro. Das sind wichtige Haushaltsansätze, aber keine Antwort auf die Frage, wie dauerhaft das System finanziert werden soll.

Gerade für kleinere und mittelgroße Verbände ist das entscheidend. Sie spüren zusätzliche Verfahren meist schneller, weil dort viele Aufgaben auf wenigen Schultern liegen. Wenn die neue Struktur wirklich entlasten soll, muss sie sich an dieser Stelle erst noch bewähren.

Jetzt entscheidet die praktische Umsetzung

Mit dem Sportfördergesetz ist der politische Rahmen gesetzt. Jetzt geht es darum, ob die Reform in Verfahren, Zuständigkeiten und Finanzierung belastbar umgesetzt wird.

Für Vereine, Verbände und Athletenvertretungen ist das mehr als eine Formalie. Wenn Entscheidungen schneller fallen, Schutzstandards greifen und die Beteiligung des Sports tatsächlich Gewicht bekommt, könnte sich der Alltag spürbar verändern. Bleiben die offenen Punkte jedoch ungelöst, droht der neue Rahmen vor allem zusätzliche Reibung.

Am Ende wird sich die Reform daran messen lassen, ob sie Talente fördert, ohne neue Unklarheit zu schaffen. Genau dort zeigt sich, ob aus dem Gesetz ein tragfähiges System wird.

Quellen

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag und die verwendeten Bilder können ganz oder teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet worden sein.

Lesetipp:

Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge