Wer den Sommerurlaub 2026 plant, entscheidet sich offenbar später als noch vor einigen Jahren. Preise, Verfügbarkeiten und die politische Lage spielen bei der Wahl des Reiseziels eine größere Rolle als früher.
Trotzdem bleibt die Nachfrage hoch. Der Deutsche Reiseverband (DRV) rechnet für die Sommersaison 2026 mit einem Umsatzplus von 1 Prozent auf fast 57 Milliarden Euro.
Warum die Nachfrage trotz Unsicherheit nicht einbricht
Für das gesamte Touristikjahr 2025/26 erwartet der Verband fast 85 Milliarden Euro Umsatz, ebenfalls mit einem Plus von 1 Prozent. Zu Jahresbeginn war der DRV noch von 3 Prozent Wachstum ausgegangen. Die Prognose fällt damit spürbar vorsichtiger aus als noch vor einigen Monaten.
Gemeint sind Urlaubs- und Freizeitreisen mit mindestens einer Übernachtung. In diese Kategorie fallen sowohl Pauschal- und Bausteinreisen von Veranstaltern als auch individuell geplante Urlaube. Rund die Hälfte des Umsatzes entfällt nach Angaben des Verbands auf Pauschal- und Bausteinreisen.
Die Nachfrage selbst bricht jedoch nicht weg. Seit Ende Mai steigen die Buchungen laut DRV wieder deutlich und liegen über den entsprechenden Wochen des Vorjahres. Zuvor hatten die Entwicklungen im Nahen Osten im Neubuchungsgeschäft für Zurückhaltung gesorgt. Viele Reisen wurden deshalb sehr früh gebucht, andere deutlich später. Das Last-Minute-Geschäft hat wieder an Gewicht gewonnen.
Auch andere Erhebungen deuten auf eine robuste Reiselust hin. Die Reiseanalyse 2026 nennt für das Jahr 2025 57,1 Millionen Urlaubsreisende und 91,7 Milliarden Euro Ausgaben; für 2026 planen demnach 76 Prozent sicher zu verreisen. Diese Zahlen stammen aus einer anderen Untersuchung und sind nicht mit der DRV-Prognose gleichzusetzen.
Wie belastbar die Prognose ist
Die DRV-Zahlen sind eine Branchenprognose, keine amtliche Statistik. Erarbeitet wurde sie gemeinsam mit der Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner sowie mit Unterstützung von Travel Data + Analytics.
Nach Angaben des Verbands fließen historische und aktuelle Buchungsdaten aus dem Veranstalter- und Individualreisemarkt ebenso ein wie wirtschaftliche Einflussfaktoren. Die Ergebnisse werden anschließend von ausgewiesenen Branchenexperten nachjustiert. Das macht die Prognose nachvollziehbar, ersetzt aber keine endgültige Bilanz.
Wie stark sich die Saison am Ende entwickelt, hängt weiterhin davon ab, ob sich politische und wirtschaftliche Unsicherheiten beruhigen und wie sich die Preise entwickeln. Der aktuelle Stand zeigt daher vor allem eine Tendenz: Die Reiselust bleibt stabil, das Wachstum fällt aber vorsichtiger aus als noch Anfang des Jahres erwartet.
Mittelmeer, Kreuzfahrten und kurze Wege geben den Takt vor
Besonders gefragt sind in diesem Sommer Reisen in die westliche und östliche Mittelstrecke sowie Kreuzfahrten. Zu den meistgebuchten Flugpauschalreise-Zielen zählen nach DRV-Angaben Türkei, Spanien und Griechenland. Auch Buchungen für Türkei und Ägypten, die zunächst zurückhaltender liefen, stabilisieren sich wieder.
Für Kreuzfahrten rechnet der Verband mit einem weiter wachsenden Markt. Zugleich dürfte es mehr Auto-, Bus- und Bahnreisen innerhalb Deutschlands und in die Nachbarländer geben. Gerade kürzere Wege gewinnen damit an Bedeutung, wenn Fernziele unsicherer wirken oder teurer erscheinen.
Weniger gut läuft es dagegen bei Fernreisen. Sie bleiben sowohl im Sommer als auch im gesamten Touristikjahr hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück und liegen unter dem Vorjahr. Als Belastungsfaktor nennt der DRV vor allem die Reisewarnungen im März und April für viele arabische Länder im Zusammenhang mit dem Nahostkrieg. In dieser Phase konnten wichtige Umsteigeflughäfen im Nahen Osten über Wochen nicht genutzt werden, was besonders Fernreisen Richtung Asien erschwerte.
Auch die übrigen Tourismusdaten passen zu diesem Bild. Die 42. Deutsche Tourismusanalyse sieht Spanien als wichtigstes Auslandsziel und bestätigt zugleich die anhaltende Bedeutung des Inlandstourismus. Die amtliche Tourismusstatistik meldete für April 2026 39,5 Millionen Übernachtungen in Deutschland; von Januar bis April lag das Volumen leicht über dem Vorjahr.
Was kurzfristiges Buchen für Reisende bedeutet
Die aktuelle Marktbewegung verändert nicht nur die Zielgebiete, sondern auch das Buchungsverhalten. Wer Urlaub plant, vergleicht stärker und achtet genauer auf Preis und Leistung. Für viele steht nicht mehr die frühe Reservierung im Vordergrund, sondern die Frage, ob sich noch ein passendes Verhältnis aus Kosten, Angebot und Sicherheit finden lässt.
Der Verband verweist in diesem Zusammenhang auf die Rolle von Reisebüros. Nach seiner Darstellung helfen sie dabei, unter unsicheren Bedingungen eine passende Entscheidung zu treffen und begleiten Kunden vor, während und nach der Reise. Das dürfte vor allem dort relevant sein, wo Reisen komplexer werden oder sich Rahmenbedingungen kurzfristig ändern.
Auch digitale Buchungswege spielen eine größere Rolle. Der Verband der Internetreisevertriebe (VIR) meldet für 2026 einen deutlich digitaleren und preisbewussteren Markt mit 77 Prozent online gebuchten Reiseleistungen und 17 Prozent KI-Nutzung bei der Reiseplanung. Das zeigt, wie stark sich die Urlaubsplanung inzwischen an Vergleichbarkeit, Schnelligkeit und Preisorientierung ausrichtet.
Mehr Nachfrage, aber weniger Planungssicherheit
Für den Sommerurlaub 2026 ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Die Nachfrage bleibt stabil, verschiebt sich aber. Mittelmeerziele, Kreuzfahrten und Reisen mit kurzer Anreise tragen den Markt, während Fernreisen stärker unter geopolitischen Folgen und vorsichtigerem Buchen leiden.
Für Reisende bedeutet das vor allem: Mehr Flexibilität wird in dieser Saison wichtiger. Für die Branche bleibt entscheidend, ob sich das Umfeld weiter beruhigt. Dann dürfte auch die Nachfrage wieder klarer anziehen. Bis dahin dominiert ein Markt, der standhält, aber deutlich vorsichtiger funktioniert als noch vor einem Jahr.