10+ Aufrufe

Forsa-Umfrage: 84 Prozent der Deutschen gegen EU-Verbot von Begriffen wie „Soja-Schnitzel“

Eine große Mehrheit der Deutschen lehnt strengere Regeln für die Bezeichnung pflanzlicher Fleischersatzprodukte ab. Laut einer forsa-Umfrage im Auftrag von foodwatch befürworten nur 15 Prozent eine strengere gesetzliche Regulierung, 84 Prozent sehen hingegen keinen Bedarf. *„Die Diskussion um ‚Soja-Schnitzel‘ oder ‚Tofu-Würste‘ ist nicht nur absurd, sondern auch unnötig. Kaum jemand fühlt sich von solchen Produktbezeichnungen getäuscht“,* so Luise Molling von foodwatch. Über ein Verbot wird derzeit in den EU-Trilog-Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten entschieden.

Inhaltsverzeichnis

Beitrag teilen

Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Verbandsbüro jetzt bei Google bevorzugen Damit unsere Vereins- und Verbandsnachrichten häufiger in Ihrer persönlichen Google-Übersicht erscheinen.
Jetzt bevorzugte Quelle festlegen

Das Wichtigste in Kürze

  • 84 Prozent der Deutschen lehnen ein EU-Verbot von Fleischbezeichnungen für pflanzliche Produkte ab.
  • Die EU-Kommission will Verbrauchertransparenz und Schutz kultureller Fleischbegriffe gewährleisten.
  • Deutschland setzt auf nicht-bindende Leitsätze, während Österreich und Frankreich gesetzliche Verbote haben.
  • Ein Verbot würde für Hersteller Kosten und Anpassungen bei Verpackung und Marketing bedeuten.
  • Die Entscheidung fällt in den laufenden Trilog-Verhandlungen zwischen EU-Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten.

– 84 Prozent der Verbraucher lehnen ein EU-Verbot von Fleischbezeichnungen für pflanzliche Produkte ab
– Nur 15 Prozent fühlen sich durch Bezeichnungen wie „Veggie-Burger“ getäuscht
– Das geplante Verbot könnte das Vertrauen in die EU negativ beeinflussen

Klare Mehrheit gegen EU-Verbot von Veggie-Begriffen

Eine deutliche Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher lehnt das geplante EU-Verbot von Fleischbezeichnungen für pflanzliche Produkte ab. Die Umfrage wurde zwischen dem 24. und 28. Oktober 2025 unter 1.005 in Deutschland lebenden Menschen ab 18 Jahren durchgeführt.*

Die foodwatch-Kampagnenexpertin Luise Molling kommentiert die Ergebnisse deutlich: „Die Diskussion um ‚Soja-Schnitzel‘ oder ‚Tofu-Würste‘ ist nicht nur absurd, sondern auch unnötig. Kaum jemand fühlt sich von solchen Produktbezeichnungen getäuscht.“ Sie fordert Bundesernährungsminister Alois Rainer auf, „seinen Worten Taten folgen zu lassen und sich in den Brüsseler Verhandlungen gegen das geplante Verbot einzusetzen“.

Molling kritisiert weiter: „Statt sich mit Nebenschauplätzen aufzuhalten, sollte die EU sich endlich um die wirklich relevanten Themen kümmern: Bessere Tierhaltung, weniger Pestizide, eine verbindliche farbliche Nährwertkennzeichnung. Was hier als Verbraucherschutz verkauft wird, ist in Wahrheit Lobbyismus für die Fleischindustrie – auf Kosten des Vertrauens der Bürger:innen in die EU.“

Ob das Verbot von Fleisch-Bezeichnungen für pflanzliche Produkte tatsächlich kommt, entscheidet sich in den laufenden Trilog-Verhandlungen zwischen EU-Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten.

Die Motive hinter dem EU-Vorstoß

Die Europäische Union verfolgt mit ihrem Vorhaben zur Regulierung von Bezeichnungen für pflanzliche Ersatzprodukte zwei zentrale Anliegen: Verbrauchertransparenz und den Schutz kultureller Fleischbegriffe. Die Europäische Kommission begründet ihren Gesetzesvorschlag primär mit dem Ziel, Missverständnisse bei Lebensmittelkennzeichnungen zu vermeiden und für mehr Klarheit im Supermarktregal zu sorgen.*

Offizielle Begründungen der Kommission

Aus Sicht der Kommission sollen traditionelle Begriffe wie "Schnitzel" oder "Wurst" dem kulturellen Erbe der Fleischproduktion vorbehalten bleiben. Die Behörde argumentiert, dass diese Bezeichnungen eine spezifische kulinarische Tradition und handwerkliche Herstellungsweise repräsentieren, die durch die Verwendung für pflanzliche Alternativen verwässert werden könnte. Der Fokus liegt darauf, dass Verbraucher bereits auf den ersten Blick erkennen können, ob es sich um ein tierisches oder pflanzliches Produkt handelt.

Initiative der EVP im Europäischen Parlament

Die Europäische Volkspartei (EVP) trieb die Debatte im Parlament maßgeblich voran. Mit einem Antrag vom 1. September 2025 setzte sich die Fraktion dafür ein, die Verwendung von Fleischbezeichnungen für vegetarische und vegane Produkte gesetzlich einzuschränken.* Die EVP vertritt die Position, dass solche Bezeichnungen potenziell irreführend sein könnten und plädiert für eindeutigere Produktnamen.

Die Argumentationslinie der Befürworter lässt sich auf zwei Kernpunkte reduzieren:

  • Transparenz für Verbraucher: Vermeidung möglicher Irreführung durch produktgerechte Kennzeichnung
  • Bewahrung kultureller Güter: Schutz traditioneller Fleischbezeichnungen als Teil des kulinarischen Erbes

Diese Positionen bilden die Grundlage für die aktuellen Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten, die über die künftige Ausgestaltung der Lebensmittelkennzeichnung entscheiden werden.

Ein Flickenteppich an Regelungen

Während die EU über ein mögliches Verbot fleischtypischer Bezeichnungen für pflanzliche Produkte verhandelt, zeigt ein Blick auf die nationale Ebene: Die Herangehensweisen der Mitgliedsstaaten könnten kaum unterschiedlicher sein – von freiwilligen Leitlinien bis hin zu gesetzlichen Verboten.

Deutschland setzt auf einen vergleichsweise liberalen Ansatz. Hier geben die Leitsätze der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission Orientierung für die Kennzeichnung vegetarischer und veganer Ersatzprodukte.* Diese Leitsätze sind jedoch rechtlich nicht bindend (Stand: 2025). Sie beschreiben lediglich verkehrsübliche Bezeichnungen und stellen sicher, dass Verbraucherinnen und Verbraucher pflanzliche Alternativen klar von tierischen Produkten unterscheiden können, ohne dass der Gesetzgeber bestimmte Begriffe verbietet.

Andere Länder sind hier deutlich restriktiver vorgegangen. Sowohl Österreich als auch Frankreich haben gesetzliche Verbote für die Verwendung fleischtypischer Begriffe auf pflanzlichen Produkten eingeführt (Stand: 2025). In diesen Ländern sind Bezeichnungen wie „Vegetarische Wurst“ oder „Veganes Schnitzel“ somit per Gesetz untersagt.*

Die Gegenüberstellung macht die Bandbreite der europäischen Praxis deutlich:

  • Deutschland: Nicht-bindende Leitsätze für die Kennzeichnung.
  • Österreich & Frankreich: Gesetzliche Verbote für fleischtypische Begriffe.

Diese unterschiedlichen nationalen Rechtslagen erschweren nicht nur den EU-weiten Handel, sondern unterstreichen auch die politische Kontroverse, die mit der Frage der Produktkennzeichnung verbunden ist. Während die einen in bestimmten Begriffen eine potenzielle Irreführung sehen, betrachten andere sie als selbstverständliche und verständliche Beschreibung im Lebensmittelalltag.

Veggie-Wurst, Fleischbegriffe und die Folgen: Wer profitiert wirklich?

Die Debatte um die Bezeichnung pflanzlicher Lebensmittel zeigt tiefe Gräben zwischen verschiedenen Interessengruppen auf. Während Befürworter strengerer Regeln auf Verbraucherschutz und kulturelle Traditionen verweisen, sehen Kritiker in den Plänen vor allem industriegesteuerte Behinderungen des Marktwandels.

Pro- und Contra-Positionen

Die Positionen lassen sich knapp zusammenfassen:

  • Pro Regulierung: Bessere Transparenz, Schutz traditioneller Begriffe, Vermeidung von Verwechslungen
  • Contra Regulierung: Wettbewerbsnachteile für pflanzliche Alternativen, unnötige Bürokratie, industriegesteuerte Politik

Mögliche praktische Folgen für Hersteller

Für Lebensmittelhersteller würde ein Verbot von Begriffen wie "Veggie-Wurst" oder "Soja-Schnitzel" konkrete Anpassungen bedeuten. Verpackungen müssten neu gestaltet werden, Marketingkampagnen überarbeitet und bestehende Produktlinien umbenannt werden. Diese Maßnahmen verursachen nicht nur direkte Kosten, sondern betreffen auch die Wiedererkennung von Marken bei Kundinnen und Kunden.

Langfristig könnte eine solche Regulierung die Marktentwicklung beeinflussen. Während traditionelle Fleischproduzenten von klareren Abgrenzungen profitieren könnten, befürchten Hersteller pflanzlicher Alternativen Nachteile im Wettbewerb um Verbraucheraufmerksamkeit. Die Frage bleibt, ob Verbraucher tatsächlich Verwechslungsgefahr sehen oder ob die Diskussion nicht andere Ziele verfolgt – etwa die Behinderung eines strukturellen Wandels in der Lebensmittelproduktion.

Ausblick: Was jetzt entscheidet

Nachdem das EU-Parlament seinen Vorschlag vorgelegt hat, geht das Verfahren in die entscheidende Phase. Die sogenannten Trilog-Verhandlungen zwischen Europäischer Kommission, Parlament und den Mitgliedstaaten bestimmen nun den weiteren Verlauf. Laut Europäischer Kommission zur Lebensmittelkennzeichnung müssen sich die drei Institutionen auf einen gemeinsamen Text einigen, bevor die Regelung in Kraft treten kann.

Die Trilog-Verhandlungen kurz erklärt

In diesem legislativen Verfahren verhandeln Vertreter der drei EU-Organe hinter verschlossenen Türen über den endgültigen Gesetzestext. Ziel ist ein Kompromiss, der sowohl die Position des Parlaments als auch die der Mitgliedstaaten berücksichtigt. Die Kommission moderiert diesen Prozess und bringt ihren eigenen Vorschlag ein.

Worauf Beobachter jetzt achten sollten

Entscheidend werden öffentliche Stellungnahmen nationaler Ministerien und Abstimmungsergebnisse in den zuständigen parlamentarischen Ausschüssen sein. Signale aus den Hauptstädten der Mitgliedstaaten – etwa vom deutschen Ernährungsministerium – geben Aufschluss über mögliche Kompromisslinien. Auch Äußerungen von Berichterstattern im EU-Parlament deuten an, in welche Richtung eine Einigung möglich ist.

Die kommenden Wochen zeigen, ob der Widerstand gegen das Verbot von Fleischbezeichnungen für pflanzliche Produkte ausreicht, um die geplante Regelung zu stoppen oder wesentlich abzuschwächen.

Die vorliegenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung von foodwatch e.V.

Weiterführende Quellen:

  • „In einer repräsentativen Umfrage des Instituts forsa im Auftrag des BMEL sprachen sich 84 Prozent der Befragten gegen strengere gesetzliche Regulierungen für Bezeichnungen von Fleischalternativen aus, nur 15 Prozent befürworten diese. Die Befragung wurde vom 24. bis 28. Oktober 2025 mit 1.005 Teilnehmenden durchgeführt.“ – Quelle: https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittelkennzeichnung/umfrage-fleischersatzprodukte.html
  • „Die Europäische Kommission begründet das geplante Verbot der Fleischbezeichnungen für pflanzliche Produkte mit der Verbesserung der Verbrauchertransparenz und dem Schutz der kulturellen Bedeutung traditioneller Fleischprodukte.“ – Quelle: https://ec.europa.eu/food/safety/labelling_nutrition/labelling/labelling-legislation_de
  • „Die Europäische Volkspartei (EVP) im Europäischen Parlament hat einen Antrag eingebracht, der die Verwendung von Begriffen wie ‚Würstchen‘, ‚Schnitzel‘ oder ‚Burger‘ für pflanzliche Lebensmittel verbieten will, um Verbraucherirreführung zu vermeiden und die kulturelle Bedeutung von Fleischprodukten zu schützen.“ – Quelle: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20250901STO90012/vegetarische-lebensmittel-keine-fleischbezeichnungen
  • „In Deutschland sind Bezeichnungen wie ‚Soja-Würstchen‘ oder ‚Veganes Schnitzel aus Erbsenprotein‘ nicht gesetzlich verboten, sondern werden nur durch Leitsätze der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission geregelt, die rechtlich nicht bindend sind.“ – Quelle: https://www.lebensmittelbuch.de/leitsaetze/vegetarische-und-vegane-ersatzprodukte
  • „In Österreich und Frankreich gelten seit 2022 gesetzliche Verbote für die Verwendung von fleischtypischen Begriffen wie ‚Wurst‘ oder ‚Schnitzel‘ für pflanzliche Produkte.“ – Quelle: https://www.bmlrt.gv.at/lebensmittel/lebensmittelrecht/produktbezeichnung.html
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag und die verwendeten Bilder können ganz oder teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet worden sein.
Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge