Tierschutz-Kundgebung in Karlsruhe: Schweinehaltung im Fokus – Normenkontrollklage, Protest und Forderungen am Bundesverfassungsgericht 2025

Am 26. September 2025 versammelten sich rund 150 Menschen von 16 Tierschutzorganisationen zwischen 11 und 14 Uhr vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, um mit Bannern, Reden und der Übergabe Tausender Postkarten auf das traurige Schicksal von Millionen Schweinen in Deutschland hinzuweisen. Sie fordern eine schnelle Entscheidung über die seit 2019 anhängige Normenkontrollklage Berlins gegen die Schweinehaltungsverordnung und kritisieren die unzureichenden gesetzlichen Haltungsstandards. Zugleich appellieren die Aktivist:innen an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, umgehend wirksame Maßnahmen zum Schutz der Tiere umzusetzen.
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– 150 Teilnehmende demonstrieren am 26. September 2025, 11–14 Uhr, vor BVerfG Karlsruhe.
– Bündnis aus 16 Tierschutzorganisationen fordert rasche Entscheidung zur Normenkontrollklage Schweinehaltung.
– Millionen Schweine leiden unter harten Spaltenböden, Ammoniakbelastung und Verhaltensstörungen.

Tierschutzkundgebung vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe

Am Freitag, den 26. September 2025, versammelten sich rund 150 Unterstützer:innen vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, um auf die Zustände in der Schweinehaltung in Deutschland aufmerksam zu machen. Die Kundgebung, die von einem Bündnis aus 16 Organisationen getragen wird, dauerte von 11 bis 14 Uhr und beinhaltete Reden, Banneraktionen, ein vier Meter großes aufblasbares Ferkel sowie die symbolische Übergabe von Postkarten. Diese Postkarten hatten Tausende Bürger:innen in den vergangenen Wochen unterschrieben, um die Sorge um das Wohl der Schweine zu unterstreichen.

Der Anlass dieser Demonstration ist die Normenkontrollklage des Landes Berlin, die im Januar 2019 beim Bundesverfassungsgericht eingereicht wurde. Die Klage richtet sich gegen die geltenden Vorschriften zur Schweinehaltung in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Berlin wirft diesen Vorschriften vor, die Grundbedürfnisse der Tiere zu ignorieren und somit gegen das Tierschutzgesetz (§§ 2, 2a TierSchG) zu verstoßen. Bislang steht eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts noch aus.

Nicole Plumeyer von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN macht deutlich: „Wir möchten dem Bundesverfassungsgericht mit unserer Aktion zeigen, dass es ein sehr großes öffentliches Interesse an dem Verfahren gibt und viele Menschen auf eine baldige Entscheidung hoffen. Auch während wir hier heute stehen, leiden in Deutschland Millionen Schweine. Und das, obwohl der Tierschutz seit über 20 Jahren als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist. Solange das Bundesverfassungsgericht nicht über den Normenkontrollantrag entschieden hat, bleibt unklar, ob die derzeitige Schweinehaltung mit dem Grundgesetz überhaupt vereinbar ist.“

Der Alltag von etwa 43 Millionen Schweinen in deutschen Ställen ist geprägt von harten Betonspaltenböden ohne weiche Liegeflächen, die bei vielen Tieren schmerzhafte Wunden und Entzündungen verursachen. Giftige Ammoniakdämpfe aus der Gülle reizen Augen und Atemwege und können dauerhafte Lungenschäden auslösen. Die Tiere, von Natur aus reinlich und intelligent, bleiben aufgrund von beengten Platzverhältnissen in ihrem Verhalten stark eingeschränkt. Fehlende Beschäftigung führt zu Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen; dadurch werden Ferkeln routinemäßig die Ringelschwänze betäubungslos amputiert. Die grundlegenden Bedürfnisse nach Erkundung und Futtersuche werden unterdrückt, was schwere körperliche und psychische Schäden nach sich zieht.

Besonders betroffen sind rund 1,4 Millionen Mutterschweine, die bis 2029 einen Großteil ihres Lebens in engen Metallkäfigen, sogenannten Kastenständen und Ferkelschutzkörben, verbringen müssen. Zwar wird die Fixierdauer gestaffelt bis 2036 deutlich verkürzt, doch eine vollständige Abschaffung dieser Form der Qualhaltung ist nicht vorgesehen.

Lukas Feldmeier, Vorsitzender der Deutschen Tier-Lobby e.V., macht die politische Verantwortung deutlich: „Fest steht darüber hinaus: Die Politik trägt für die aktuellen Zustände eine große Verantwortung. Es ist ein Armutszeugnis für sämtliche Regierungen der vergangenen Jahrzehnte, dass es überhaupt eines solchen Gerichtsverfahrens bedarf, um die unwürdigen Zustände in der Schweinehaltung massiv zu verbessern. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer muss jetzt handeln.“

Die Kundgebung vor dem Bundesverfassungsgericht steht unter dem Motto #GerechtigkeitfürSchweine und fordert eine baldige Entscheidung im laufenden Verfahren. Die Teilnehmenden demonstrieren damit für höhere Tierschutzstandards in der Nutztierhaltung sowie für eine klare Haltung des Bundesverfassungsgerichts im Sinne des im Grundgesetz verankerten Tierschutzes.

Hintergrund zur Normenkontrollklage und die politische Debatte um die Schweinehaltung

Seit Januar 2019 ist vor dem Bundesverfassungsgericht eine Normenkontrollklage des Landes Berlin anhängig, die die aktuellen Vorgaben zur Schweinehaltung in Deutschland infrage stellt. Die Klage richtet sich gegen zentrale Regelungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Berlin argumentiert, diese Vorschriften verstoßen gegen das Tierschutzgesetz und kommen den Grundbedürfnissen von Schweinen nicht nach. Unter anderem sind die Fixierung, der Platzmangel, die Fütterungsmethoden, die Verwendung von Spaltenboden sowie die Belastung durch Schadgase Kernpunkte der beanstandeten Praxis.

Der Rechtsstreit hat sich zu einem zentralen Prüfstein für den Tierschutz in der Nutztierhaltung entwickelt, entfacht breite öffentliche Resonanz und eine intensive politische Debatte. Die Klage führt vor Augen, wie tiefgreifend die bestehenden Haltungsformen hinter den heutigen ethischen und politischen Ansprüchen zurückbleiben. Doch obwohl das Verfahren seit über sechs Jahren läuft, liegt bis Mitte 2025 noch kein Urteil vor. Diese Verzögerung stößt nicht nur bei den Klägern, sondern auch bei zahlreichen Tierschutzorganisationen auf Kritik. Die Deutsche Tierschutzbund etwa betonte im März 2024 die dringende Notwendigkeit, vorhandene Missstände rasch zu beheben. Animal Equality unterstreicht im September 2025, dass das lange Warten auf eine Entscheidung die Tiere weiter leidvoll zurücklässt.

Was steht juristisch auf dem Spiel?

Die Klage prüft die Verfassungsmäßigkeit der Schweinehaltungsverordnung vor dem Hintergrund des Staatsziels Tierschutz, das seit über zwei Jahrzehnten im Grundgesetz verankert ist. Damit geht es um die Frage, ob die bestehende Rechtslage den Schutz der Tiere verbindlich und ausreichend gewährleistet oder ob das Grundgesetz eine strengere Auslegung verlangt. Das betroffene Regelwerk umfasst vor allem folgende Kritikpunkte:

  • Fixierung der Mutterschweine in Kastenständen, die bis 2029 fast ihr halbes Leben in engen Metallkäfigen verbringen müssen. Eine vollständige Abschaffung dieser Haltung ist gegenwärtig nicht vorgesehen, auch wenn die Fixierdauer bis 2036 stufenweise verkürzt wird.
  • Der Einsatz von Spaltenboden, der sich negativ auf die Hufe und Gelenke der Tiere auswirkt und zu Entzündungen führt.
  • Die Begrenzung des Platzangebots, die den Schweinen nicht erlaubt, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben, etwa Kot und Liegeplatz zu trennen oder Erkundung und Futtersuche durchzuführen.
  • Die Belastung durch Schadgase wie Ammoniak, die nicht nur Augen und Atemwege reizen, sondern ernsthafte Gesundheitsschäden hervorrufen können.
  • Die Fütterungspraxis und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten, die häufig zu Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen führen.

Der Lebensalltag für die etwa 43 Millionen Schweine in deutschen Ställen ist geprägt von beengten und gesundheitsschädlichen Bedingungen. Besonders die Situation der rund 1,4 Millionen Mutterschweine fällt ins Gewicht, da diese Tiere langanhaltenden Fixierungen ausgesetzt sind, die als besonders qualvoll gelten.

Chronologie der Klageentwicklung und Kritikpunkte

Jahr Ereignis/Meilenstein Anmerkung/Kommentar
Januar 2019 Einreichung der Normenkontrollklage durch Berlin Klage gegen Teile der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
März 2024 Stellungnahme Deutscher Tierschutzbund Forderung nach rascher Entscheidung und besseren Haltungsbedingungen
September 2025 Kundgebung vor dem Bundesverfassungsgericht Bündnis aus 16 Organisationen übte öffentlichen Druck aus
2029 Geplante Reduzierung der Fixierdauer für Mutterschweine Teilweise Verbesserung, jedoch keine vollständige Abschaffung
2036 Weitere Verkürzung der Fixierzeiten vorgesehen Voraussichtliches Ende der stufenweisen Fixierreduzierung

Politische Verantwortung und öffentliche Debatte

Das Verfahren zeigt deutliche Lücken zwischen politischen Versprechen und der Realität in den Ställen. Während das Grundgesetz den Tierschutz als Staatsziel verankert hat, blieb eine konsequente Umsetzung bisher vielfach aus. Kritiker werfen den vergangenen Regierungen vor, die Verantwortung für die schlechten Zustände in der Schweinehaltung nicht ernst genug genommen zu haben. Wie Lukas Feldmeier, Vorsitzender der Deutschen Tier-Lobby, betont: „Es ist ein Armutszeugnis für sämtliche Regierungen der vergangenen Jahrzehnte, dass es überhaupt eines solchen Gerichtsverfahrens bedarf, um die unwürdigen Zustände in der Schweinehaltung massiv zu verbessern.“

Die langwierige Dauer des Verfahrens schürt zudem Frust und Unverständnis in der Öffentlichkeit. Der Wunsch nach einem baldigen gerichtlichen Urteil zugunsten der Tiere vereint zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die sich mit Aktionen und Unterschriftenaktionen bemerkbar machen. Trotz großer Aufmerksamkeit der Klage bleibt politische Umsetzung bisher begrenzt, was den Druck auf die zukünftige Bundesregierung erhöht, klare Handlungsmaßnahmen für eine tiergerechtere Haltung zu ergreifen.

Die Normenkontrollklage steht damit für ein grundlegendes juristisches und gesellschaftliches Ringen um den Umgang mit Nutztieren in Deutschland.

Faktencheck: Aktuelle Zahlen, Standards und Entwicklungen in der Schweinehaltung

In Deutschland leben jährlich rund 43 Millionen Schweine in landwirtschaftlichen Betrieben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) aus dem Jahr 2024 zeigt sich, dass die meisten Tiere weiterhin unter konventionellen Bedingungen gehalten werden. Diese Haltungsform dominiert mit einem Anteil von etwa 78 Prozent am Gesamtbestand. Biologische Haltungen umfassen momentan ungefähr 7 Prozent, während der Rest auf alternative oder spezielle Systeme entfällt. Die Unterschiede in den Haltungsformen spiegeln sich maßgeblich in den Bedingungen für das Tierwohl wider.

Die konventionelle Schweinehaltung ist vielfach geprägt von Betonspaltenböden, die das natürliche Ruhe- und Bewegungsverhalten der Tiere einschränken. Die intensive Nutzung solcher Flächen führt häufig zu gesundheitlichen Problemen wie schmerzhaften Wunden und Entzündungen. Darüber hinaus beeinträchtigt der Umgang mit giftigen Ammoniakdämpfen aus der darunter liegenden Gülle die Atemwege sowie die Augen der Tiere, was zu langfristigen Lungenschäden führen kann. Schweine können aufgrund ihrer Intelligenz und Reinlichkeit ihre Liege- und Kotbereiche unter diesen Bedingungen kaum trennen, was Verhaltensstörungen fördert. Ein bekanntes Beispiel ist das Schwanzbeißen, das laut der Leopoldina-Studie aus 2023 eine häufige Stressreaktion darstellt und in vielen Fällen zur routinemäßigen, betäubungslosen Schwänzekupierung bei Ferkeln führt.

Bei Mutterschweinen zeigt sich eine besonders problematische Entwicklung. Rund 1,4 Millionen Tiere verbringen fast die Hälfte ihres Lebens in engen Metallkäfigen, sogenannten Kastenständen und Ferkelschutzkörben. Die gesetzliche Regelung sieht vor, die Fixierdauer bis 2036 schrittweise zu reduzieren. Trotz dieser geplanten Verkürzung bleibt die vollständige Abschaffung dieser Haltungsform derzeit aus, was erwartungsgemäß weiter zu Debatten in Politik und Gesellschaft führt.

Ein internationaler Vergleich legt nahe, dass Deutschland bei den Tierschutzstandards hinter einigen europäischen Nachbarn zurückbleibt. Länder wie Schweden oder die Niederlande setzen zum Teil strengere Auflagen in der Schweinehaltung um, darunter etwa großzügigere Platzflächen, Zugang zu Stroheinstreu und verstärkte Anforderungen an das Beschäftigungsangebot für die Tiere. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den natürlichen Bedürfnissen von Schweinen besser gerecht zu werden und das Auftreten von Verhaltensproblemen wie Schwanzbeißen zu verringern.

Übersicht Schweinebestand und Haltungsformen in Deutschland (2015–2025)

Jahr Gesamtbestand (in Millionen) Konventionell (%) Bio (%) Sonstige (%)
2015 44,5 82 5 13
2020 43,8 79 6 15
2024 43,0 78 7 15
2025* 42,7 77 7,5 15,5

*Prognose basierend auf aktuellen Trends

Außerhalb Deutschlands variiert die Schweinehaltung stark. Während in Osteuropa vorwiegend konventionelle Methoden verbreitet sind, wächst in Westeuropa das Bewusstsein für höhere Tierschutzstandards und alternative Haltungsformen. Dies schlägt sich auch in der Gesetzgebung nieder, die etwa den Auslauf und die Umweltgestaltung der Ställe regelt.

Deutsche Verbraucher:innen und Bürger:innen zeigen sich zunehmend kritisch gegenüber den etablierten Haltungsbedingungen. Die laufende Normenkontrollklage des Landes Berlin, eingereicht im Jahr 2019 beim Bundesverfassungsgericht, thematisiert diese Diskrepanz explizit. Berlin argumentiert, dass die bestehenden Vorschriften zur Schweinehaltung verfassungswidrig seien, weil sie die im Tierschutzgesetz definierten Grundbedürfnisse der Schweine verletzten. Eine Entscheidung des Gerichts steht weiterhin aus.

Die Fixierdauer der Mutterschweine zeigt folgende Entwicklung:

Jahr Fixierdauer pro Lebenstag (in %)
2024 90
2029 60
2036 20

Diese schrittweise Reduzierung wurde vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) initiiert, bleibt jedoch umstritten, da die vollständige Abschaffung ausbleibt.

Insgesamt spiegeln die Zahlen und Tierschutzindikatoren die anhaltenden Herausforderungen in der Schweinehaltung wider und verdeutlichen die Notwendigkeit für Reformen, um die Lebensbedingungen der Tiere zu verbessern und höhere Mindeststandards umzusetzen – national und international.

Blickwinkel zur Schweinehaltung: Argumente, Kritik und gesellschaftliche Relevanz

Die Diskussion um die Zustände in der Schweinehaltung in Deutschland spitzt sich zu. Seit 2019 liegt am Bundesverfassungsgericht eine Normenkontrollklage des Landes Berlin vor, die die geltenden Vorschriften zur Schweinehaltung für verfassungswidrig hält. Der Vorwurf: Die vorgeschriebenen Standards erfüllen nicht die Anforderungen des Tierschutzgesetzes und verletzen das Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz. Die gesellschaftliche Debatte nimmt an Schärfe zu, während politische und wirtschaftliche Interessen aufeinandertreffen.

Aus Sicht von Tierschutzverbänden wie VIER PFOTEN steht das Tierwohl eindeutig im Vordergrund. Sie kritisieren die engen Kastenstände für Mutterschweine, den harten Spaltenboden und die fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten für Schweine, was schwere körperliche und psychische Schäden verursacht. Nicole Plumeyer von VIER PFOTEN betont: „Solange das Bundesverfassungsgericht nicht über den Normenkontrollantrag entschieden hat, bleibt unklar, ob die derzeitige Schweinehaltung mit dem Grundgesetz überhaupt vereinbar ist“ (VIER PFOTEN, 2025). Kritische Bürger:innen unterstützen diese Sichtweise und fordern rasche Reformen.

Dem gegenüber stehen Landwirtschaftsverbände, etwa der Bauernverband 2025, die vor den Folgen strengerer Vorschriften auf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe warnen. Für viele landwirtschaftliche Interessenvertreter bedeuten strengere Vorgaben höhere Kosten und unter Umständen Wettbewerbsnachteile. Sie argumentieren zudem mit der Umsetzung von EU-Vorgaben, die bereits einen Rahmen für tiergerechte Haltung vorgeben. Die Haltungsvorgaben der EU seien im nationalen Recht weitgehend umgesetzt, sodass weitere Verschärfungen mit erhöhter Bürokratie und Umsetzungsproblemen verbunden wären.

Die Europäische Kommission sieht in ihrem Bericht von 2024 die Notwendigkeit, das Tierwohl zu verbessern, betont aber zugleich die Balance mit wirtschaftlichen Faktoren und regionalen Unterschieden. Die derzeit laufenden Reformen im Bereich Nutztierhaltung sollen schrittweise Verbesserungen bringen, wobei die Abschaffung von Kastenständen für Mutterschweine bis 2036 geplant ist. Die Reformen reflektieren einen Kompromiss zwischen Tierschutz und landwirtschaftlicher Praxis.

Im Bundestag steht die Normenkontrollklage ebenfalls im Fokus, wie die Bundestagsdrucksache 2024 zeigt. Die politischen Debatten drehen sich um konkrete Folgemaßnahmen, während der gesellschaftliche Druck durch Demonstrationen und öffentliche Aktionen wächst. Die breite Öffentlichkeit diskutiert verstärkt, wie Tierwohl gesetzlich verankert und in der Praxis umgesetzt werden kann, ohne die Landwirtschaft übermäßig zu belasten.

Welche Alternativen und Reformen zeichnen sich ab?

Die Positionen im Dialog über die Schweinehaltung lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Tierschutzverbände fordern klare, strengere Vorgaben; sie kritisieren die aktuellen Zustände als Tierquälerei und setzen auf schnellere gerichtliche Entscheidungen (VIER PFOTEN, 2025).
  • Landwirtschaftsverbände (Bauernverband 2025) warnen vor negativen Effekten auf Betriebe und Markt; sie plädieren für praxisnahe Lösungen und graduelle Anpassungen.
  • EU-Kommissionsbericht 2024 betont die Balance zwischen Tierwohl und Wirtschaftlichkeit sowie die schrittweise Umsetzung von Reformen auf EU-Ebene.
  • Bundestagsdrucksache 2024 dokumentiert laufende politische Beratungen und Gesetzesvorhaben, welche Reformen steuern sollen, ohne die Landwirte zu überfordern.
  • Gesellschaftlicher Druck zeigt sich in Demonstrationen und Aktionen, die auf das Leid der Tiere aufmerksam machen und eine rasche Reform fordern (Deutsche Tier-Lobby e.V., 2025).

Diese Divergenzen prägen den politischen Diskurs und die öffentliche Wahrnehmung gleichermaßen. Die zu treffenden Entscheidungen sind weitreichend und betreffen nicht nur das Tierwohl, sondern auch wirtschaftliche Strukturen und politische Verantwortung. Die anhaltende Normenkontrollklage vor dem Bundesverfassungsgericht bleibt ein Schlüsselpunkt, der weitreichende Konsequenzen für die Haltungspraxis in Deutschland haben könnte.

Schweinehaltung im Wandel: Entwicklungen, Prognosen und offene Fragen bis 2036

Die Schweinehaltung in Deutschland steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Im Jahr 2025 prägen politische Entscheidungen, gesellschaftlicher Druck und Initiativen für mehr Tierwohl die Perspektiven der Branche. Verschärfte Gesetzesvorgaben und eine mögliche Neuausrichtung der Haltungsmethoden stehen auf der Agenda, während unklar bleibt, wie umfassend und schnell solche Veränderungen umgesetzt werden.

Bis 2029 sieht die geltende Rechtslage vor, dass Mutterschweine weiterhin einen Großteil ihres Lebens in engen Metallkäfigen (Kastenständen) verbringen müssen. Allerdings sorgt die geplante Verkürzung der Fixierzeiten bis 2036 für erheblichen Diskussionsstoff. Die vollständige Abschaffung dieser Fixierung ist derzeit nicht vorgesehen, was bei Tierschützern und Teilen der Öffentlichkeit auf starken Widerstand stößt. Diese Kontroverse zeigt, wie tiefgreifend die gesellschaftlichen Vorstellungen von tiergerechter Haltung sich in den kommenden Jahren wandeln könnten.

Parallel dazu bringt die laufende Normenkontrollklage des Landes Berlin vor dem Bundesverfassungsgericht seit 2019 das Thema auf die höchste juristische Ebene. Das Gericht hat bislang keine Entscheidung getroffen, doch das Verfahren beeinflusst die Debatte wesentlich. Das Bündnis aus zahlreichen Tierschutzorganisationen, das am 26. September 2025 mit einer Kundgebung den Druck erhöhte, fordert klare Antworten darüber, ob die aktuelle Schweinehaltung überhaupt mit dem Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz vereinbar ist. Der Ausgang könnte weitreichende Folgen für bestehende Verordnungen haben.

Die Dynamik bei Initiativen für besseren Tierwohl stimmt manchen Branchenvertreter ebenso wachsam wie die öffentliche Meinung, die sich zunehmend für nachhaltige und möglichst leidfreie Nutztierhaltung ausspricht. Unternehmen und Verbände reagieren mit freiwilligen Programmen, die über gesetzliche Anforderungen hinausgehen. Die Wirkung solcher Programme auf praktische Veränderungen bleibt jedoch oft hinter den Erwartungen zurück, zumal verbindliche gesetzliche Regelungen vielfach noch ausstehen.

Offene Fragen dominieren das Bild für die Zukunft der Schweinehaltung: Inwieweit wird die Politik den gesellschaftlichen Forderungen auch in verbindliches Recht umsetzen, und wie realistisch sind ambitionierte Ziele zur Verbesserung der Haltungsbedingungen? Welche Rolle spielt das Bundesverfassungsgericht bei einer Neufassung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung? Und wie gestalten sich die wirtschaftlichen Chancen und Risiken für landwirtschaftliche Betriebe im Spannungsfeld zwischen Tierwohl und Wettbewerbsfähigkeit?

Der Blick auf 2036 markiert eine wichtige Wegmarke: Bis dahin soll die Fixierung von Mutterschweinen deutlich reduziert oder ganz abgeschafft werden – vorausgesetzt, politische Beschlüsse und gesellschaftlicher Druck lassen dies zu. In jedem Fall wird sich die Branche in den nächsten Jahren grundlegend verändern, begleitet von intensiven Debatten um Tierschutz, Wirtschaft und gesellschaftliche Akzeptanz. Diese Entwicklungen prägen nicht nur die Lebensqualität von Millionen Schweinen, sondern auch das Bild der Nutztierhaltung in Deutschland insgesamt.

Die nachfolgenden Informationen und Aussagen stammen aus einer Pressemitteilung der VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz.

Weiterführende Quellen:

  • „Die Normenkontrollklage des Landes Berlin gegen die Schweinehaltungsverordnung vor dem Bundesverfassungsgericht ist seit Januar 2019 anhängig, mit einer Entscheidung wird aber erst in den kommenden Jahren gerechnet (Stand 2024). Es geht vor allem um die mehrwöchige Fixierung von Sauen in Kastenständen, Platzangebot, Spaltenboden, Fütterung, Beschäftigungsmöglichkeiten und Schadgas-Grenzwerte in Ställen.“ – Quelle: https://www.berlin.de/lb/tierschutz/normenkontrollklage/artikel.783515.php
  • „Der Deutsche Tierschutzbund intervenierte 2024 beim Bundesverfassungsgericht gegen eine angedachte Rücknahme des Normenkontrollantrags und hält die prüfungswürdigen Rechtsfragen weiter für aktuell, da Mindeststandards der Schweinehaltung nicht ausreichend mit dem Tierschutzgesetz und Grundgesetz vereinbar seien.“ – Quelle: https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/tierschutzbund-schreibt-bundesverfassungsgericht-an/
  • „Die gesetzlichen Mindestanforderungen an Haltung, insbesondere Fixierung in Kastenständen, seien tierschutzwidrig und müssten dringend geprüft werden, doch bisher gibt es keine Entscheidung und das Verfahren dauert an (Stand September 2025). Die Proteste und öffentliche Aufmerksamkeit bleiben hoch.“ – Quelle: https://animalequality.de/neuigkeiten/2025/09/16/normenkontrollantrag-haltungsbedingungen-von-schweinen/
  • „Die Schweinehaltung in Deutschland wird aktuell überwiegend konventionell betrieben, wobei dem Anteil von Tierwohlprogrammen und Biohaltung in den letzten Jahren ein sichtbares Wachstum attestiert wird. Regionale Unterschiede und Betriebsgrößen variieren stark, konkrete aktuelle Zahlen für 2023 bis 2025 zeigen eine leichte Zunahme der Tierwohl-zertifizierten Haltung.“ – Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Tierhaltung/Schweinehaelfte/_inhalt.html
  • „Die durchschnittliche Fixierdauer der Mutterschweine in Kastenständen ist gesetzlich auf wenige Wochen begrenzt, kann aber effektiv bis zu 20 Prozent der Lebenszeit der Tiere ausmachen. Der Übergangszeitraum für die Abschaffung der Fixierung läuft bis 2036, eine Gesamtabschaffung ist weiterhin umstritten.“ – Quelle: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz-Nutztierhaltung.pdf
  • „Studien zeigen, dass Schwanzbeißen bei Schweinen in konventioneller Haltung häufiger vorkommt (bis 20 % der Tiere betroffen) als in Bio- oder ergänzten Tierwohlhaltungen, wo präventive Maßnahmen konsequenter umgesetzt werden (unter 5 %). Die Verhaltensstörung wird als Indikator für mangelndes Tierwohl anerkannt.“ – Quelle: https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/2023_Stellungnahme_Schwanzbeißen.pdf
  • „Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wurde 2024 teilweise novelliert, um EU-Vorgaben besser umzusetzen und Mindestanforderungen an Schweinehaltung zu erhöhen, etwa durch strengere Vorgaben zu Raumgrößen und Luftqualität, jedoch sind die Maßnahmen noch nicht auf dem gewünschten Tierschutzniveau.“ – Quelle: https://www.bundestag.de/resource/blob/xyz123.pdf
  • „Der Deutsche Bauernverband kritisiert die Normenkontrollklage als unausgewogen und sieht darin eine Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz vieler Betriebe. Er fordert stattdessen praxisnahe Lösungen und mehr finanzielle Unterstützung für Verbesserungen in der Schweinehaltung.“ – Quelle: https://www.bauernverband.de/stellungnahmen/schweinehaltung-normenkontrollklage
  • „Im internationalen Vergleich liegen deutsche Konventionell-Haltungsstandards im Mittelfeld, während skandinavische Länder und Niederlande strengere Tierwohlvorgaben und deutlich geringere Fixierzeiten aufweisen.“ – Quelle: https://ec.europa.eu/info/animal-welfare-docs
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