Krieg im Iran: Deutsche Krankenhäuser warnen vor Engpässen bei Schutzausrüstung und MRT-Helium

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor drohenden Engpässen bei wichtigen Gütern wie Einmalhandschuhen und Schutzausrüstung in Kliniken. Grund sind unterbrochene Lieferketten infolge des Krieges im Iran. Noch puffern Lagerbestände die Lage ab, doch bei anhaltender Krise könnten starke Preissprünge die wirtschaftlich angespannten Krankenhäuser überfordern.
Krieg im Iran: Deutsche Krankenhäuser warnen vor Engpässen bei Schutzausrüstung und MRT-Helium

Inhaltsverzeichnis

Über uns:
Seit über 20 Jahren sind wir im Bereich Marketing und Kommunikation tätig und unterstützen Verbände, Organisationen und Institutionen mit fundierter Praxis- und Branchenexpertise. Unsere Arbeit wird durchweg positiv bewertet – unter anderem auf Trustpilot, ProvenExpert und in Google Bewertungen.

– Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor Engpässen bei Schutzausrüstung durch den Iran-Krieg.
– Unterbrochene Lieferketten könnten zu starken Preissprüngen oder leeren Lagern führen.
– Eine nationale Gesundheitsreserve oder europäische Produktion existiert bisher nicht.

DKG warnt vor Lieferengpässen bei Schutzausrüstung und Einmalhandschuhen in Krankenhäusern

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt vor neuen Risiken in der Versorgung der Kliniken mit Einmalhandschuhen, Schutzausrüstung und weiteren für den Krankenhausbetrieb notwendigen Produkten. Nach Einschätzung des Verbands geraten die Lieferketten infolge des Krieges im Iran zunehmend unter Druck.

Noch seien die Auswirkungen in den Krankenhäusern nicht flächendeckend spürbar. Die DKG macht jedoch deutlich, dass dies vor allem an vorhandenen Vorräten in Kliniken und im Handel liege. Aus Sicht des Verbands ist die Lage damit nicht dauerhaft stabil, sondern bleibt anfällig für weitere Störungen und steigende Beschaffungskosten.

„Dass sich die unterbrochenen Lieferketten noch nicht spürbar auf die Versorgung in den Krankenhäusern auswirken, liegt vor allem an der Vorratshaltung der Kliniken und den Beständen der Händler. Sollte sich die politische Situation aber nicht in absehbarer Zeit entspannen, werden die Einkäufer der Kliniken mit starken Preissprüngen oder gleich leeren Lagern konfrontiert sein. In der jetzigen wirtschaftlichen Lage der Kliniken, die sich durch die jüngst angekündigten Sparvorschläge noch verschärfen wird, wären stark gestiegene Preise kaum zu stemmen. Leider hat die Politik die Lehren aus den Lieferengpässen während der Pandemie noch nicht gezogen. Die damals angekündigte Nationale Reserve Gesundheitsschutz existiert bis heute genauso wenig wie eine relevante europäische Produktion von Schutzausrüstung und medizinischer Verbrauchsgüter. Bereits bekannte Engpässe, etwa bei Einmalhandschuhen, lassen sich zu einem Teil noch durch Desinfektion und verstärkte Handhygiene abfedern. Dennoch muss die Politik jetzt dafür Sorge tragen, dass die Krankenhäuser nicht wieder in eine Situation wie 2020 geraten. Preissteigerungen wie damals können die Krankenhäuser heute unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht noch einmal ohne Weiteres stemmen“, erklärt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Prof. Dr. Henriette Neumeyer.

Lieferketten für Medizinprodukte geraten unter Druck

Nach Darstellung der DKG sind die aktuellen Risiken eng mit gestörten internationalen Lieferketten verbunden. Betroffen sind auch petrochemische Vorprodukte wie Naphtha und Ethylen, die für zahlreiche Kunststoffprodukte im Medizinbereich benötigt werden. Fehlen solche Vorprodukte, steigt der Druck auf Hersteller von medizinischer Schutzausrüstung.

Für Krankenhäuser ist das besonders relevant, weil viele dieser Produkte täglich in großen Mengen gebraucht werden. Dazu zählen vor allem Einweghandschuhe und Schutzkittel, die in Stationen, Funktionsbereichen und weiteren Versorgungsabläufen unverzichtbar sind. Wenn Hersteller Bestellungen zurückhalten oder Lieferverträge nicht erfüllen können, erhöht das aus Sicht der DKG das Risiko von Verzögerungen und deutlich höheren Einkaufspreisen.

Vorräte puffern die Lage nur vorübergehend

Der Verband betont, dass die Versorgung der Kliniken aktuell noch durch Lagerbestände abgefedert wird. Diese Puffer dürften jedoch nicht mit nachhaltiger Versorgungssicherheit verwechselt werden. Sollte die politische Lage angespannt bleiben, könnten sich die Probleme nach Einschätzung der DKG rasch verschärfen.

Gerade für die Krankenhäuser hätte das erhebliche Folgen. Steigende Preise für Schutzausrüstung und andere Verbrauchsgüter träfen auf eine ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation vieler Häuser. Aus Sicht der DKG wären erneute starke Preissteigerungen für zahlreiche Kliniken kaum zu bewältigen.

Auch Helium wird für Krankenhäuser zum kritischen Faktor

Neben klassischer Schutzkleidung verweist die DKG auch auf Warnsignale bei Helium. Das Gas wird zur Kühlung medizinischer Geräte eingesetzt, insbesondere von MRT-Scannern. Da Helium bereits als knapp gilt, können unterbrochene Lieferketten die Beschaffung zusätzlich erschweren.

Damit reichen die Risiken nach Verbandsdarstellung über alltägliche Verbrauchsgüter hinaus. Während es bei Handschuhen und Schutzkitteln um die kontinuierliche Versorgung im Klinikalltag geht, betrifft Helium die technische Grundlage diagnostischer Abläufe. Lieferstörungen könnten somit mehrere Bereiche des Krankenhausbetriebs gleichzeitig belasten.

DKG fordert politische Vorsorge und mehr europäische Produktion

Die aktuelle Warnung verbindet die DKG mit grundsätzlicher Kritik an der politischen Vorbereitung auf neue Versorgungskrisen. Nach Auffassung des Verbands wurden zentrale Lehren aus den Engpässen während der Pandemie bislang nicht ausreichend umgesetzt.

Besonders verweist die DKG auf die angekündigte Nationale Reserve Gesundheitsschutz, die nach Verbandsdarstellung bis heute nicht existiert. Auch bei der europäischen Produktion von Schutzausrüstung und medizinischen Verbrauchsgütern sieht der Verband weiterhin erhebliche Defizite. Damit bleibe das Gesundheitssystem in hohem Maße von internationalen Lieferketten abhängig.

Hohe Bedeutung für Versorgung und Krankenhausbetrieb

Die Warnung der DKG betrifft einen großen Teil der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Der Dachverband vertritt nach eigenen Angaben 28 Mitglieder – 16 Landesverbände und 12 Spitzenverbände – in der Bundes- und EU-Politik. Die 1.841 Krankenhäuser in Deutschland versorgen laut DKG jährlich 17,5 Millionen stationäre Patientinnen und Patienten sowie rund 24 Millionen ambulante Behandlungsfälle. Hinzu kommen 1,4 Millionen Beschäftigte und ein Jahresumsatz von 150 Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund macht die DKG deutlich, wie sensibel Krankenhäuser auf Störungen bei medizinischen Verbrauchsgütern, Schutzausrüstung und spezialisierten Lieferungen reagieren. Noch ist die Versorgung nach Verbandsangaben nicht flächendeckend beeinträchtigt. Aus Sicht der DKG ist aber jetzt der Zeitpunkt, um gegenzusteuern und neue Engpässe wie im Jahr 2020 zu vermeiden.

Die vorliegenden Informationen und Stellungnahmen entstammen einer Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Weiterführende Quellen:

NACHRICHTEN ZUM THEMA
Weitere aktuelle Themen aus anderen Kategorien

13 Kommentare

  1. Praktischer Hinweis: Kliniken koennten ihre Vorratshaltung ueberpruefen und Prioritaetslisten erstellen, Desinfektion kann Engpaesse teils abfedern aber ersetzt keine Handschuhe langfristig. Die DKG hat recht, ohne nationale Reserve oder europaeische Produktion ist Risiko hoch. Siehe auch /ratgeber/vorrat-halten und /berichte/dkg-warnung. Mich interessiert ob es schon Pilotprojekte fuer gemeinschaftliche Lager gibt?

    1. Es gibt vereinzelt Projekte fuer gemeinsame Vorratslager, aber viele scheitern an Finanzierung und Verantwortung. Ein koordinierter Ansatz auf Landes- oder Bundesebene waere sinnvoll, inklusive Finanzierungssicherung. Wichtig sind auch rechtliche Rahmen fuer Notverteilung und Priorisierung, mehr dazu unter /politik/versorgungskonzepte

  2. Die Kritik an der Politik erscheint gerechtfertigt, die Lehren aus 2020 wurden nicht gezogen, die Nationale Reserve Gesundheitsschutz existiert nicht wirklich. Ohne europaeische Produktion bleibt das System abhaengig. Aber welche Anreize kann man setzen, damit Produktion wieder kommt? Subventionen, Auftraege, oder andere Modelle? Mehr zum Thema Industriepolitik steht auf /themen/europaeische-produktion und /politik/industriefoerderung

    1. Anreize sind wichtig, alleine zollschutz reicht nicht, es braucht langfristige nachfragegarantien und Qualitaetsstandards. Wenn EU-Produktionsstaetten wieder hochgefahren werden, muessen auch Logistik und Rohstoffversorgung gesichert werden. Sonst bleiben Engpaesse weiter moeglich, siehe /themen/logistik

    2. Vielleicht kombinieren wir kleine dezentrale Produktions netwerk mit zentraler Reserve, das koennte resilienter sein. Wichtig: Transparenz bei Bestandsdaten der Kliniken, damit Politik richtig reagieren kann. Mehr Ideen auf /politik/krankenhauspolitik und /ratgeber/vorrat-halten

  3. Interessant das Helium auch genannt wird, das trifft Diagnostik direkt wenn MRTs ausfallen. Die Verbindung zwischen petrochemische Vorprodukte und Medizinprodukte ist komplex, aber real. Kann die EU durch Import diversification oder eigene Produktion Helium Ersatz oder Vorrat sichern? Siehe auch /technik/geraeteversorgung. Neutral gefragt, wie priorisiert man Patientenversorung bei Engpass?

    1. Helium ist knapper als viele denken, und es gibt kaum Ersatzstoffe fuer bestimmte Anwendungen. Kliniken brauechten Notfallpläne, Kooperation mit Lieferanten und evtl Lagergemeinschaften. Die Politik muss hier Rahmen schaffen, aber bisher fehlen verbindliche Schritte, siehe /politik/versorgungssicherheit

    2. Das mit der Priorisierung ist schwer, ethische Fragen kommen hoch: welche Untersuchungen aufschiebbar sind, welche nicht. Transparente Kriterien und bundesweite Koordination waeren gut. Auch technische Loesungen zur Helium sparsamkeit sollten geprueft werden, mehr Infos auf /ratgeber/krankenhaustechnik

  4. Guter Beitrag der DKG, zeigt wie verwundbar die Versorgung ist. Frage: Was koennen Beschaffer jetzt konkret tun? Gibt es Möglichkeiten fuer gemeinsame Lager, Vorrats management oder vertragliche Sicherheiten? Der Hinweis auf Naphtha, Ethylen und petrochemische Vorprodukte ist wichtig, ohne Rohstoffe keine Handschuhe. Mehr Hintergrund auf /themen/rohstoffversorgung. Wuerde mehr Transparenz ueber Liefer ketten begruessen.

    1. Ich frag mich auch ob Desinfektion und Handhygiene wirklich reichen als Ersatz, das wurde 2020 schon versucht und war nur begrenzt hilfreich. Hospital einkaeufer brauchen klare Leitlinien, und evtl gemeinsame Beschaffungs plattformen, siehe /politik/krankenhauspolitik fuer Diskussion zum Thema.

    2. Gute Frage, die Vertrags gestaltung ist zentral, wenn Hersteller Bestellungen zurueckhalten muessen. Kleine Kliniken sind besonders gefährdet, weil sie weniger Lager haben. Eine Notfallpriorisierung fuer Helium und MRT wartung muess diskutiert werden, mehr unter /technik/mrt-helium

  5. Die Warnung der DKG find ich wichtig, aber man merkt das nicht sofort weils noch Vorrat gibt, trotzdem Risiko. Wenn Iran krieg die Liefer ketten stört, dann Einmal handschuhe, Schutz aussrütung und sogar Helium knapper weden. Politik muss endlich eine Nationale Reserve bauen oder europaeisch produktion foerdern, sonst stehen Kliniken bald ohne Material da. Mehr dazu auch in /berichte/dkg-warnung und /themen/nationale-reserve, was meint ihr zu gemeinsamen Einkaufs netzen?

    1. Stimme zu, die Vorräte sind nur Puffer, nicht dauerhafte Loesung. Die Preis spruenge von 20 bis 30% sind realistisch laut Quellen, und Krankenhaeuser haben kein Budget fur solche Steigerungen. Vielleicht koennte mann regionale Produktionen anstoßen, siehe /themen/europaeische-produktion, aber Politk macht zu wenig, oder irre ich mich?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge