– Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor Engpässen bei Schutzausrüstung durch den Iran-Krieg.
– Unterbrochene Lieferketten könnten zu starken Preissprüngen oder leeren Lagern führen.
– Eine nationale Gesundheitsreserve oder europäische Produktion existiert bisher nicht.
DKG warnt vor Lieferengpässen bei Schutzausrüstung und Einmalhandschuhen in Krankenhäusern
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt vor neuen Risiken in der Versorgung der Kliniken mit Einmalhandschuhen, Schutzausrüstung und weiteren für den Krankenhausbetrieb notwendigen Produkten. Nach Einschätzung des Verbands geraten die Lieferketten infolge des Krieges im Iran zunehmend unter Druck.
Noch seien die Auswirkungen in den Krankenhäusern nicht flächendeckend spürbar. Die DKG macht jedoch deutlich, dass dies vor allem an vorhandenen Vorräten in Kliniken und im Handel liege. Aus Sicht des Verbands ist die Lage damit nicht dauerhaft stabil, sondern bleibt anfällig für weitere Störungen und steigende Beschaffungskosten.
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„Dass sich die unterbrochenen Lieferketten noch nicht spürbar auf die Versorgung in den Krankenhäusern auswirken, liegt vor allem an der Vorratshaltung der Kliniken und den Beständen der Händler. Sollte sich die politische Situation aber nicht in absehbarer Zeit entspannen, werden die Einkäufer der Kliniken mit starken Preissprüngen oder gleich leeren Lagern konfrontiert sein. In der jetzigen wirtschaftlichen Lage der Kliniken, die sich durch die jüngst angekündigten Sparvorschläge noch verschärfen wird, wären stark gestiegene Preise kaum zu stemmen. Leider hat die Politik die Lehren aus den Lieferengpässen während der Pandemie noch nicht gezogen. Die damals angekündigte Nationale Reserve Gesundheitsschutz existiert bis heute genauso wenig wie eine relevante europäische Produktion von Schutzausrüstung und medizinischer Verbrauchsgüter. Bereits bekannte Engpässe, etwa bei Einmalhandschuhen, lassen sich zu einem Teil noch durch Desinfektion und verstärkte Handhygiene abfedern. Dennoch muss die Politik jetzt dafür Sorge tragen, dass die Krankenhäuser nicht wieder in eine Situation wie 2020 geraten. Preissteigerungen wie damals können die Krankenhäuser heute unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht noch einmal ohne Weiteres stemmen“, erklärt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Prof. Dr. Henriette Neumeyer.
Lieferketten für Medizinprodukte geraten unter Druck
Nach Darstellung der DKG sind die aktuellen Risiken eng mit gestörten internationalen Lieferketten verbunden. Betroffen sind auch petrochemische Vorprodukte wie Naphtha und Ethylen, die für zahlreiche Kunststoffprodukte im Medizinbereich benötigt werden. Fehlen solche Vorprodukte, steigt der Druck auf Hersteller von medizinischer Schutzausrüstung.
Für Krankenhäuser ist das besonders relevant, weil viele dieser Produkte täglich in großen Mengen gebraucht werden. Dazu zählen vor allem Einweghandschuhe und Schutzkittel, die in Stationen, Funktionsbereichen und weiteren Versorgungsabläufen unverzichtbar sind. Wenn Hersteller Bestellungen zurückhalten oder Lieferverträge nicht erfüllen können, erhöht das aus Sicht der DKG das Risiko von Verzögerungen und deutlich höheren Einkaufspreisen.
Vorräte puffern die Lage nur vorübergehend
Der Verband betont, dass die Versorgung der Kliniken aktuell noch durch Lagerbestände abgefedert wird. Diese Puffer dürften jedoch nicht mit nachhaltiger Versorgungssicherheit verwechselt werden. Sollte die politische Lage angespannt bleiben, könnten sich die Probleme nach Einschätzung der DKG rasch verschärfen.
Gerade für die Krankenhäuser hätte das erhebliche Folgen. Steigende Preise für Schutzausrüstung und andere Verbrauchsgüter träfen auf eine ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation vieler Häuser. Aus Sicht der DKG wären erneute starke Preissteigerungen für zahlreiche Kliniken kaum zu bewältigen.
Auch Helium wird für Krankenhäuser zum kritischen Faktor
Neben klassischer Schutzkleidung verweist die DKG auch auf Warnsignale bei Helium. Das Gas wird zur Kühlung medizinischer Geräte eingesetzt, insbesondere von MRT-Scannern. Da Helium bereits als knapp gilt, können unterbrochene Lieferketten die Beschaffung zusätzlich erschweren.
Damit reichen die Risiken nach Verbandsdarstellung über alltägliche Verbrauchsgüter hinaus. Während es bei Handschuhen und Schutzkitteln um die kontinuierliche Versorgung im Klinikalltag geht, betrifft Helium die technische Grundlage diagnostischer Abläufe. Lieferstörungen könnten somit mehrere Bereiche des Krankenhausbetriebs gleichzeitig belasten.
DKG fordert politische Vorsorge und mehr europäische Produktion
Die aktuelle Warnung verbindet die DKG mit grundsätzlicher Kritik an der politischen Vorbereitung auf neue Versorgungskrisen. Nach Auffassung des Verbands wurden zentrale Lehren aus den Engpässen während der Pandemie bislang nicht ausreichend umgesetzt.
Besonders verweist die DKG auf die angekündigte Nationale Reserve Gesundheitsschutz, die nach Verbandsdarstellung bis heute nicht existiert. Auch bei der europäischen Produktion von Schutzausrüstung und medizinischen Verbrauchsgütern sieht der Verband weiterhin erhebliche Defizite. Damit bleibe das Gesundheitssystem in hohem Maße von internationalen Lieferketten abhängig.
Hohe Bedeutung für Versorgung und Krankenhausbetrieb
Die Warnung der DKG betrifft einen großen Teil der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Der Dachverband vertritt nach eigenen Angaben 28 Mitglieder – 16 Landesverbände und 12 Spitzenverbände – in der Bundes- und EU-Politik. Die 1.841 Krankenhäuser in Deutschland versorgen laut DKG jährlich 17,5 Millionen stationäre Patientinnen und Patienten sowie rund 24 Millionen ambulante Behandlungsfälle. Hinzu kommen 1,4 Millionen Beschäftigte und ein Jahresumsatz von 150 Milliarden Euro.
Vor diesem Hintergrund macht die DKG deutlich, wie sensibel Krankenhäuser auf Störungen bei medizinischen Verbrauchsgütern, Schutzausrüstung und spezialisierten Lieferungen reagieren. Noch ist die Versorgung nach Verbandsangaben nicht flächendeckend beeinträchtigt. Aus Sicht der DKG ist aber jetzt der Zeitpunkt, um gegenzusteuern und neue Engpässe wie im Jahr 2020 zu vermeiden.
Die vorliegenden Informationen und Stellungnahmen entstammen einer Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).
Weiterführende Quellen:
- „Chinesische Chemiekonzerne können aufgrund der Blockade der Straße von Hormus Lieferverträge für medizinische Schutzausrüstung wie Einweghandschuhe und Schutzkittel nicht erfüllen (Stand: April 2026).“ – Quelle: https://regionalheute.de/iran-krise-treibt-preise-fuer-medizinische-schutzausruestung-1773835262/
- „Sechs von zehn chinesischen Herstellern nehmen keine Bestellungen mehr an, Rohmaterialien sind knapp, mit Preiserhöhungen von mindestens 20 % und Warnungen vor Aufschlägen bis 30 % (Stand: März 2026).“ – Quelle: https://regionalheute.de/iran-krise-treibt-preise-fuer-medizinische-schutzausruestung-1773835262/
- „Die Blockade der Straße von Hormus stört die Versorgung mit Naphtha und Ethylen, die für die Herstellung von Kunststoff-Medizinprodukten wie Einweghandschuhen und Schutzkitteln essenziell sind (Stand: März 2026).“ – Quelle: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/warnung-vor-knappheit-von-einweghandschuhen-163834/
- „Europäische Produktionsstätten für Schutzausrüstung wurden wegen fehlender Wettbewerbsfähigkeit stillgelegt, was die Versorgungssicherheit beeinträchtigt (Stand: März 2026).“ – Quelle: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/warnung-vor-knappheit-von-einweghandschuhen-163834/
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Die Warnung der Deutschen Krankenhausgesellschaft zeigt, wie eng der Krankenhausbetrieb an globale Lieferketten gekoppelt ist: Wenn Schutzausrüstung wie Einmalhandschuhe und Schutzkittel sowie technische Vorprodukte und selbst Helium ausfallen oder teurer werden, geraten nicht nur einzelne Abteilungen unter Druck. Die DKG betont, dass die Versorgung bislang vor allem durch Vorräte gepuffert wird – ein dauerhafter Sicherheitsmechanismus sei das aber nicht.
Für Krankenhäuser, die öffentliche Gesundheitsversorgung und die zuständigen Stellen in Politik und Verwaltung wird daraus vor allem eins deutlich: Ohne eine verlässliche Vorsorge drohen bei neuen Störungen erneute Engpässe und hohe Mehrkosten. Gerade in einer wirtschaftlich angespannten Lage wären starke Preissprünge, wie sie bereits während der Pandemie beschrieben wurden, schwer zu bewältigen. Die DKG fordert daher eine nationale Reserve für den Gesundheitsschutz und mehr europäische Produktion, um die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten zu verringern.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum spüren Kliniken die Lieferprobleme aktuell noch nicht überall?
Die DKG nennt Vorräte in Kliniken und Bestände im Handel als Hauptgrund. Diese Puffer seien jedoch nicht automatisch dauerhaft.
Welche Produkte können besonders betroffen sein?
Genannt werden u. a. Einweghandschuhe, Schutzkittel und zusätzlich Helium für medizinische Geräte wie MRT-Scanner.
Was meint die DKG mit „keine nachhaltige Versorgungssicherheit“?
Dass die Lage aktuell durch Bestände abgefedert wird, aber ohne politische Vorsorge bei anhaltenden Störungen rasch wieder problematisch werden kann.
Welche Rolle spielt die Politik laut Beitrag?
Die DKG kritisiert, dass zentrale Vorsorgemaßnahmen wie eine Nationale Reserve Gesundheitsschutz und eine relevante europäische Produktion noch fehlen. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.







