Für Familien wird der Schulstart schnell zur Kostenfrage: Schultüte, Schreibwaren, Ranzen und kleine Geschenke summieren sich rasch. Für den Handel ist der Termin zugleich ein verlässlicher Kaufanlass – doch parallel steigen an anderer Stelle die Kosten, vor allem beim bargeldlosen Bezahlen. Ab dem 27. Juli kommt mit dem freiwilligen Sommerschlussverkauf ein weiterer saisonaler Faktor hinzu.
Warum der Schulstart für den Handel mehr ist als ein Randthema
Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet zur Einschulung 2026 mit einem Einzelhandelsumsatz von rund 770 Millionen Euro. Grundlage ist eine vom IFH Köln im Auftrag des HDE durchgeführte, bevölkerungsrepräsentative Umfrage unter gut 500 Personen. Es handelt sich dabei um eine Prognose, nicht um bereits gemessene Verkaufszahlen.
Laut der Erhebung planen knapp 12 Prozent der Befragten, anlässlich der Einschulung einzukaufen. Im Vorjahr waren es mit 10 Prozent etwas weniger. Die Zahl zeigt: Der Schulstart bleibt ein klarer saisonaler Anlass, auch wenn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung direkt dafür einkauft.
Im vergangenen Jahr lag der Einzelhandelsumsatz zur Einschulung bei 725 Millionen Euro. Der erwartete Anstieg auf 770 Millionen Euro entspricht einem Plus von 6,2 Prozent. Für Händler ist das kein Großereignis wie das Weihnachtsgeschäft, aber ein Termin, der regelmäßig für zusätzliche Nachfrage sorgt.
Was in Schultüten und Einkaufskörben landet
Der typische Warenkorb ist gemischt. 87 Prozent der Befragten wollen Süßigkeiten kaufen, 75 Prozent planen Produkte für die Schulausstattung wie Schulranzen oder Federmäppchen. Ähnlich viele wollen Spielwaren kaufen. Fast 70 Prozent greifen laut Umfrage zu Büchern und Schreibwaren.
Gleichzeitig bleibt die Ausgabenplanung zurückhaltend. 44 Prozent der Befragten wollen weniger ausgeben als im Vorjahr, fast 31 Prozent mehr. Rund ein Viertel hält die Ausgabenhöhe gleich. Der Schulstart bleibt damit zwar ein Kaufanlass, sagt aber wenig über eine allgemein robuste Konsumstimmung aus.
Für den Handel ist deshalb nicht nur wichtig, dass Menschen an diesem Termin einkaufen. Entscheidend ist auch, wie viel Spielraum Familien bei ihren Ausgaben haben und wie stark sie sich auf einzelne Waren konzentrieren.
Warum der Streit um Kartengebühren den Handel beschäftigt
Beim bargeldlosen Bezahlen rückt inzwischen eine Frage in den Vordergrund, die im Alltag oft unsichtbar bleibt: Wer trägt die steigenden Gebühren? Der HDE hat sich gemeinsam mit UNITI, DEHOGA und dem Hotelverband Deutschland (IHA) in einem Schreiben an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gewandt. Nach Angaben der Verbände nehmen Firmenkreditkarten und bestimmte Prepaidkartenprodukte zu; dadurch entstünden höhere Kosten, vor allem für Handels-, Tankstellen-, Hotel- und Gastronomiebetriebe.
Die Verbände verweisen darauf, dass Debit-, Kredit- und Prepaidkarten in den vergangenen Jahren branchenübergreifend deutlich häufiger genutzt worden seien. Diese Entwicklung begrüßen sie grundsätzlich. Gleichzeitig beobachten sie vor allem bei Kartensystemen aus den USA Veränderungen, die aus ihrer Sicht zusätzliche Belastungen mit sich bringen.
Besonders heikel ist aus Sicht der Verbände, dass bestimmte Firmenkarten nicht unter die Entgeltobergrenzen der europäischen Interbankenentgeltverordnung fallen. Diese Regeln begrenzen die Gebühren, die bei Kartenzahlungen zwischen den beteiligten Banken anfallen. Wo solche Grenzen nicht greifen, können Kartenprodukte für Händler teurer werden – besonders in margenarmen Branchen.
Hinzu kommt nach Darstellung der Verbände die Unsicherheit, dass die konkrete Entgeltstruktur einzelner Kartenprodukte für Unternehmen nicht immer im Vorfeld erkennbar ist. Sie fordern deshalb, Händler sollten selbst entscheiden können, welche Kartenprodukte eines Kartensystems sie akzeptieren. Unternehmen dürften nicht gezwungen sein, auch wirtschaftlich nachteilige Kartenprodukte anzunehmen.
Der HDE-Zahlungsexperte Ulrich Binnebößel formuliert die Kritik deutlich:
„Der Einzelhandel sieht sich durch die zunehmende Präsenz sogenannter Firmenkarten mit steigenden Kosten konfrontiert, die am Ende auf alle Kunden umgelegt werden müssen. Es ist daher an der Zeit, diese Karten genauso zu behandeln wie Zahlungskarten privater Kunden.“
Die Verbände verlangen außerdem, dass die Bundesregierung sich auf europäischer Ebene für Anpassungen der Rahmenbedingungen einsetzt. Bei steuerbegünstigten Sachbezugskarten auf Prepaidbasis sprechen sie sich für eine konsequente Anwendung und Durchsetzung bereits bestehender Vorgaben des Bundesfinanzministeriums aus. Diese sehen eine vertragliche Akzeptanzvereinbarung zwischen Kartenherausgeber und Akzeptanzunternehmen vor.
Warum der Sommerschlussverkauf weiter eine Rolle spielt
Auch der Sommerschlussverkauf bleibt ein fester Termin im Handel – obwohl es dafür seit 2004 keine gesetzliche Grundlage mehr gibt. In diesem Jahr startet der freiwillige SSV am 27. Juli. In der Regel dauert er zwei Wochen.
Vor allem Textil- und Bekleidungsunternehmen beteiligen sich mit Sonderangeboten. Aber auch Baumärkte, Möbelhäuser, Sporthändler und Elektrogeschäfte nutzen diese Phase. Nach Einschätzung des HDE liegt das an der bisher schwachen Verbraucherstimmung und dem verhaltenen Konsum im Frühjahr. Viele Händler dürften die Aktionswochen nutzen, um Waren aus Frühjahrs- und Sommersaison abzubauen und Platz für Herbstkollektionen zu schaffen.
Dass die Rabattphase weiterlebt, hängt auch mit den Erwartungen der Kundschaft zusammen. Viele Menschen rechnen fest mit diesen Angeboten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist der Sommerschlussverkauf deshalb vor allem ein saisonaler Hinweis darauf, dass in vielen Branchen noch Lagerbestände aus der alten Saison verkauft werden.
Was diese drei Signale über den Handel zeigen
Schulstart, Kartengebühren und Sommerschlussverkauf erzählen gemeinsam etwas über die Lage im Einzelhandel: Saisonale Anlässe bringen Umsatz, gleichzeitig drücken Kosten im Zahlungsverkehr auf die Marge, und Rabattaktionen sollen schwächere Nachfrage ausgleichen. Der Juli bündelt damit gleich mehrere Belastungs- und Umsatzfaktoren.
Für Familien, Kundinnen und Kunden wie auch für Händler bleibt entscheidend, was am Ende im Alltag ankommt: ein spürbarer Kaufimpuls zum Schulstart, faire Bedingungen bei Kartenzahlungen und eine Rabattphase, die tatsächlich Ware bewegt. Wie stark diese drei Effekte tragen, zeigt sich nicht in den Ankündigungen, sondern an der Kasse.
Quellen
- HDE: Einschulung – Umsatz von rund 770 Millionen Euro
- UNITI: Branchenverbände warnen vor Belastungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr
- tagesschau: Der Sommerschlussverkauf lebt weiter