– DFB und Landesverbände starten bundesweite Initiative „Jahr der Schule“ für mehr Sport im Schulalltag.
– 75 % der Grundschulkinder bewegen sich weniger als empfohlene Stunde täglich.
– Netzwerk aus 24.000 Fußballvereinen unterstützt Schulen mit praxisnahen Ganztagsangeboten.
DFB startet „Jahr der Schule“ für mehr Bewegung und Sport im Schulalltag
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und seine Landesverbände haben die Initiative „Jahr der Schule“ ins Leben gerufen, um den gesundheitlichen und sozialen Wert von Bewegung stärker in den Schulalltag zu integrieren. Die bundesweite Aktion will Kinder und Jugendliche nachhaltig für körperliche Aktivität begeistern und Schulen als zentrale Orte für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe stärken – dabei steht nicht allein der Fußball im Mittelpunkt.
Die Dringlichkeit der Initiative wird durch alarmierende Zahlen unterstrichen: 75 Prozent der Grundschulkinder bewegen sich weniger als die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Mindeststunde pro Tag, wie der Deutsche Sportlehrerverband berichtet. Zudem zeigen aktuelle Studien, dass rund 300.000 Schüler*innen im Alter von sechs bis 18 Jahren an motorischen Entwicklungsstörungen leiden – ein Anstieg von 64 Prozent seit 2008. Diese Entwicklung gefährdet nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch die mentale und soziale Kompetenz der Kinder.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf betont daher die Notwendigkeit eines Umdenkens im Schulsport: „Der gesamte Umgang mit dem Thema Sport in der Schule muss überdacht werden. Die aktuelle Situation wird der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nicht annähernd gerecht. Wir wollen als organisierter Fußball dabei nicht nur fordern, wir wollen in erster Linie unterstützen und helfen. Als Verband ist es unsere Aufgabe, die Hand auszustrecken und in den konstruktiven Austausch mit der Politik und den Schulen zu gehen, wie wir zu einer Verbesserung beitragen können.“ Besonders im Ganztagsbetrieb sieht er großes Potenzial: „Gerade mit Blick auf den Ganztag ist ein Ausbau der Sportangebote an Schulen ein Mehrwert für alle – für Schülerinnen, für Schulen, für Vereine, für die Gesellschaft. Sport ist Bildung, er fördert die ganzheitliche Entwicklung.“*
Ein wichtiger Ansatzpunkt für das „Jahr der Schule“ ist die Zusammenarbeit mit den 24.000 Fußballvereinen unter dem Dach des DFB. Diese bieten ergänzend zum Unterricht wertvolle Bewegungsangebote und können als Partner den Ganztagsbereich in Schulen bereichern. Das DFB-Trainerteam, geleitet von Hannes Wolf, arbeitet an praxistauglichen Konzepten, die sich leicht in den Schulalltag integrieren lassen. Dabei setzt das sogenannte „Kleinfeldfußball“-Modell auf kleine Spielformen im Drei-gegen-Drei, die den begrenzten Platz an vielen Schulen effizient nutzen und eine maximale Beteiligung ermöglichen. Wolf erklärt: „In der Schule des Kleinfeldfußballs ist jedes Kind in Bewegung, alle haben Ballaktionen, niemand steht herum. Das sorgt für maximale Beteiligung. Das vorhandene, an vielen Schulen eingeschränkte Platzangebot kann in den kleinen Spielformen bestmöglich ausgeschöpft werden, ob in der Halle, auf dem Rasen oder auch auf dem Pausenhof.“ Die kleinen Teams erleichtern zudem, Gruppen individuell und sozial ausgewogen zusammenzustellen.
Der Auftakt des Projekts fand am DFB-Campus in Frankfurt statt, wo knapp 300 Lehrkräfte von Wolf und seinem Team geschult wurden. Solche Fortbildungen sollen künftig verstärkt angeboten werden, um Lehrkräfte praxisnah zu unterstützen. Das „Jahr der Schule“ zeigt sich auch offen für gesellschaftliche Vielfalt und Inklusion: Die ehemalige Nationalspielerin und promovierte Sonderpädagogin Dr. Turid Knaak steht für die gezielte Förderung von Mädchen im Sport und Fußball, ein weiterer Schwerpunkt der Initiative. Zu den Unterstützern gehört auch der langjährige Bundesligatrainer Christian Streich.
Mit dem Startschuss für das „Jahr der Schule“ setzt der DFB ein klares Zeichen für mehr Bewegung, bessere sportliche Bildungschancen und eine engere Kooperation zwischen Schulen und Sportvereinen. Die Initiative will so dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland nicht nur gesünder aufwachsen, sondern auch soziale Kompetenzen durch Sport entwickeln können.
Bewegungsarmut an Schulen – Warum jetzt gehandelt werden muss
Die Bewegungslosigkeit von Kindern und Jugendlichen ist ein wachsendes Problem, das weit über Schulen hinaus Folgen für die gesamte Gesellschaft hat. Nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten sich Kinder täglich mindestens eine Stunde körperlich aktiv betätigen. Doch in Deutschland erfüllen 75 Prozent der Grundschulkinder diese Vorgabe nicht, wie der Deutsche Sportlehrerverband berichtet. Die Konsequenzen sind gravierend: Eine Studie einer Krankenkasse zeigt, dass aktuell etwa 300.000 Schülerinnen und Schüler zwischen sechs und 18 Jahren unter motorischen Entwicklungsstörungen leiden – ein Anstieg von 64 Prozent seit 2008.
Bewegungsmangel wirkt sich nicht nur negativ auf die körperliche Gesundheit aus, sondern auch auf die geistige Entwicklung und soziale Fähigkeiten. Sport fördert nachweislich mentale Stabilität sowie die Persönlichkeitsentwicklung und bietet Kindern und Jugendlichen wichtige soziale Lernfelder. Im Team lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, Konflikte zu lösen und fair miteinander umzugehen. Vor diesem Hintergrund ist der Schulsport nicht nur Teil des Unterrichts, sondern ein wesentlicher Faktor für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Dennoch wird er zu oft als Randerscheinung betrachtet und nicht als integraler Bestandteil eines ganzheitlichen Bildungsauftrags.
International zeigen vergleichende Studien, dass Länder mit einem starken Fokus auf Schulsport bessere gesundheitliche und soziale Ergebnisse bei Kindern erzielen. In diesen Ländern ist Bewegung fester Bestandteil des Tagesablaufs, auch im schulischen Ganztagsbetrieb. In Deutschland besteht dringend Handlungsbedarf, um diesen Anschluss nicht zu verlieren. Die aktuelle Initiave „Jahr der Schule“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) setzt genau hier an: Sie will Bewegung und Sport in den Schulalltag bringen, Kinder und Jugendliche langfristig zu mehr Aktivität motivieren und die Schule als zentralen Ort für Bildung und gesellschaftliche Integration stärken.
Die Einbindung von mehr Bewegungsangeboten im Schulalltag bietet nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern unterstützt auch Eltern, Schulen und Sportvereine. Eltern profitieren von einem gesunden Umfeld für ihre Kinder, Schulen können ihr Bildungsangebot erweitern und Vereine gewinnen neue Mitglieder. Ein wichtiger Hebel ist die stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen und den rund 24.000 Fußballvereinen in Deutschland, die vermehrt als Partner für außerunterrichtliche Sportangebote und Ganztagsprogramme fungieren.
Wie Bewegungsmangel Kinder und Gesellschaft beeinflusst
Bewegungsarmut wirkt sich nachhaltig auf die physische und psychische Entwicklung von Kindern aus. Motorische Entwicklungsstörungen können die Lernfähigkeit, das Selbstbewusstsein und die soziale Integration erschweren. Die steigenden Zahlen solcher Störungen verdeutlichen eine besorgniserregende Entwicklung, die auch die gesellschaftlichen Ressourcen stärker belasten wird, wenn jetzt keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Sport und Bewegung wirken als präventive Faktoren, die nicht nur die körperliche Gesundheit verbessern, sondern auch das Sozialverhalten und die emotionale Stabilität fördern.
Wege zur nachhaltigen Förderung von Schulsport
Die Herausforderung besteht darin, Bewegungsangebote so zu gestalten, dass sie im Schulalltag praktikabel und attraktiv sind. Das DFB-Projekt „Schule des Kleinfeldfußballs“ zeigt beispielhaft, wie spielerische und kleinräumige Spielformen für maximale Beteiligung sorgen, auch bei begrenztem Platzangebot in Hallen oder auf Schulsportplätzen. Der Fokus liegt darauf, dass jedes Kind aktiv ist, Ballkontakte hat und niemand nur zuschaut. Solche Ansätze sind leicht in den Schulalltag integrierbar und fördern gleichzeitig Teamgeist und individuelle Entwicklung.
Zu den Best Practices und Lösungsansätzen gehören unter anderem:
- Kooperationen zwischen Schulen und lokalen Sportvereinen, um qualifizierte Trainingsangebote auszubauen
- Qualifizierte Weiterbildungen für Lehrkräfte zur Umsetzung bewegungsfreundlicher Konzepte
- Ausbau von Ganztagsangeboten mit vielfältigen sportlichen Aktivitäten, um Bewegung in den Schulalltag zu verankern
- Spezielle Programme zur gezielten Förderung von Mädchen im Sport, um geschlechtsspezifische Barrieren abzubauen
- Nutzung variabler Spielformen, die an unterschiedliche Schulumgebungen angepasst werden können
Diese Maßnahmen können den Schulsport nachhaltig stärken und damit einen wesentlichen Beitrag zu einer gesunden, aktiven und sozial integrierten Jugend leisten. Die gesellschaftliche Relevanz von Bewegung an Schulen zeigt sich in den vielfältigen positiven Effekten auf Gesundheit, Bildungserfolg und soziale Teilhabe. Das „Jahr der Schule“ liefert dazu wichtige Impulse, die in bundesweiten Pilotprojekten und Initiativen neue Perspektiven eröffnen können.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).