– Die Schilf-Glasflügelzikade bedroht Kartoffeln und Zuckerrüben sowie die Versorgungssicherheit.
– Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel und schnellere Zulassungsverfahren werden gefordert.
– Ohne wirksame Bekämpfung drohen Totalausfälle und Schäden für den ländlichen Raum.
Schilf-Glasflügelzikade: Eine akute Gefahr für Ernten und Wirtschaftskraft
Beim Runden Tisch im Bundeslandwirtschaftsministerium am 16. Dezember 2025 machte der Industrieverband Agrar (IVA) die Dringlichkeit der Lage deutlich.*
Der IVA fordert entschlossenes Handeln, um die Landwirtschaft zu schützen. Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel waren entscheidend, um die Herausforderungen im Jahr 2025 zu bewältigen.*
Bundesminister Alois Rainer hat zugesagt, diese Notfallzulassungen auch 2026 vollumfänglich zu unterstützen – Stand: 16. Dezember 2025.*
Der IVA-Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer unterstrich die Brisanz: "Die Schilf-Glasflügelzikade ist eine neue Herausforderung für unsere Landwirtschaft. Wir müssen jetzt Lösungen finden, bevor ganze Ernten gefährdet sind. Ein zentrales Problem bleibt die Dauer der Zulassung innovativer Pflanzenschutzmittel in Deutschland. Gerade für die Zulassung neuer Produkte müssen in den betroffenen Kulturen die entsprechenden EPPO-Richtlinien (Versuchsvorschriften) so schnell wie möglich veröffentlicht werden. Nur so können die Antragsteller auch die notwendigen Zulassungsversuche erstellen."
Die Bedrohung wächst stetig. Fast täglich werden neue Nachweise des Schädlings bei weiteren Fruchtarten gemeldet.*
Der IVA betont die Notwendigkeit hochwirksamer Beizmittel, die sowohl in den Hauptkulturen als auch in Wirtspflanzen wie Wintergetreide eingesetzt werden müssen, um Infektionsketten zu unterbrechen.
Neben der unmittelbaren Gefahr für die Ernten sieht der Verband die Wirtschaftskraft des ländlichen Raums in Gefahr. Zuckerfabriken, Kartoffelverarbeitung und Gemüsebau sind tragende Säulen regionaler Wertschöpfung.
Gemmer appelliert abschließend: "Die bisherigen Schritte sind wichtig, aber sie reichen nicht aus. Wir brauchen entschlossenes Handeln, um die Landwirtschaft und die ländlichen Räume zu schützen. Der heutige Austausch im BMLEH war ein wichtiger Schritt, jetzt müssen wir gemeinsam die nächsten gehen."
Ausmaß und Gegenmaßnahmen: Notfallzulassungen gegen die Schilf-Glasflügelzikade
Die Schilf-Glasflügelzikade ist keine abstrakte Gefahr mehr, sondern eine messbare Realität auf deutschen Äckern. Ende 2024 waren nach Angaben des Julius Kühn-Instituts bundesweit schätzungsweise 85.000 Hektar Zuckerrüben und 22.000 Hektar Kartoffeln mit den von dem Insekt übertragenen Erregern infiziert (Stand: Ende 2024)*. Diese Zahlen markieren die Ausgangslage, auf die Politik und Behörden reagieren mussten.
Infizierte Flächen (Kurzüberblick)
Die Befallssituation zeigt klare regionale Schwerpunkte. Baden-Württemberg ist seit 2024 besonders stark betroffen, mit Befällen in allen relevanten Zuckerrübenanbauregionen des Landes (Stand: 2024)*. Die folgende Übersicht fasst die bundesweite Dimension des Befalls Ende 2024 zusammen:
| Jahr/Stand | Kultur | Befallene Fläche (ha) | Quelle |
|---|---|---|---|
| Ende 2024 | Zuckerrüben | 85.000 | Julius Kühn-Institut* |
| Ende 2024 | Kartoffeln | 22.000 | Julius Kühn-Institut* |
Notfallzulassungen und eingesetzte Produkte
Als Reaktion auf diese akute Bedrohung ergriff das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Notmaßnahmen. Für die Saison 2025 erteilte es sieben Insektiziden eine Notfallzulassung für 120 Tage im Zuckerrübenanbau (Stand: 2025)*. Diese Notfallzulassungen waren, wie der Industrieverband Agrar (IVA) einräumt, entscheidend, um die Herausforderungen im Jahr 2025 zu bewältigen. Das Engagement des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, solche Zulassungen zu ermöglichen, wurde ausdrücklich gewürdigt.
Regionale Wirtschaftskraft in Gefahr
Die Debatte um die Schilf-Glasflügelzikade dreht sich nicht allein um Ernteverluste auf dem Feld. Sie berührt das Fundament regionaler Wirtschaftskreisläufe. Ein signifikanter Ernteausfall führt direkt zu Produktionsengpässen. Fabriken können ihre Kapazitäten nicht auslasten, Lieferverträge sind gefährdet.*
Was ein Ausfall bedeuten würde
Die Bedrohung wirkt wie eine Kaskade. Sie beginnt mit dem Rohstoffmangel. Zuckerfabriken und Kartoffelverarbeitungsbetriebe sind auf eine kontinuierliche und ausreichende Anlieferung heimischer Produkte angewiesen. Ein signifikanter Ernteausfall führt direkt zu Produktionsengpässen. Fabriken können ihre Kapazitäten nicht auslasten, Lieferverträge sind gefährdet.*
Diese Engpässe haben arbeitsmarktpolitische Folgen. Arbeitsplätze in der Verarbeitung, aber auch in vorgelagerten Bereichen wie Logistik, Maschinenringen oder im Handel geraten unter Druck.* Die regionale Wertschöpfung schwindet. Für betroffene Gebiete bedeutet das nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen sozialen Aderlass. Die Branche identifiziert konkrete Betroffene:
- Zuckerfabriken
- Kartoffelverarbeitung
Regionale Verwundbarkeiten
Die Verwundbarkeit ist nicht überall gleich. Sie konzentriert sich auf Regionen mit einem hohen Anteil an Sonderkulturen und einer entsprechend spezialisierten Verarbeitungsindustrie. Solche Hotspots sind besonders exponiert.*
Hier sind oft mittelständische Betriebe und Genossenschaften die tragenden Säulen. Ihr Wegfall hätte irreversible Folgen für die lokale Infrastruktur und Attraktivität als Lebens- und Wirtschaftsstandort. Die Diskussion um Pflanzenschutzstrategien ist daher auch eine Diskussion über den Erhalt dieser regionalen Strukturen und der damit verbundenen Arbeitsplätze. Die wirtschaftliche Resilienz ländlicher Räume steht auf dem Spiel.
Maßnahmen, Streitpunkte und Ausblick
Die Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen akuter Notwehr und langfristiger Strategie. Bisher stützt sich die Abwehr primär auf ein Instrument: Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat für das Jahr 2025 sieben Insektizide eine Notfallzulassung für 120 Tage im Zuckerrübenanbau genehmigt*. Parallel dazu veröffentlichten Landesbehörden Listen mit Produkten, die im Rahmen der geltenden Regelungen eingesetzt werden können. Eine Auswahl umfasst Mittel wie Carnadine 200, Danjiri, Mospilan SG, Sivanto prime und Decis forte (Stand: 2025, Quelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft).
Bisher eingesetzte Produkte (Auswahl)
Die kurzfristige Reaktion konzentrierte sich auf eine begrenzte Palette von Wirkstoffen. Der zentrale Streitpunkt für die Zukunft liegt jedoch woanders. Der Verband fordert nachhaltige Lösungen und kritisiert, dass die aktuellen Werkzeuge nicht ausreichen. Sein Hauptanliegen ist der Zugang zu hochwirksamen Beizmitteln für betroffene Kulturen und Wirtspflanzen. Aus Sicht des IVA ist dies unverzichtbar, um Infektionsketten zu unterbrechen und den Krankheitsdruck langfristig zu senken. Ohne dieses Instrument sei eine dauerhafte Bekämpfung nicht möglich. Diese Forderung steht im Kontrast zum bisherigen Management, das auf zeitlich und produktspezifisch begrenzte Notfallmaßnahmen setzte.
Nächste Handlungsschritte
Für das Jahr 2026 zeichnen sich konkrete nächste Schritte ab. Bundesminister Alois Rainer hat laut IVA zugesagt, Notfallzulassungen auch 2026 vollumfänglich zu unterstützen (Stand: 16. Dezember 2025, Pressemitteilung IVA). Eine rechtzeitige Bekanntgabe der genehmigten Flächen ist dabei wesentlich, um Planungssicherheit für Landwirte und eine ausreichende Warenversorgung zu gewährleisten. Gleichzeitig drängt der IVA auf beschleunigte Verfahren für reguläre Zulassungen. Ein zentrales Hemmnis sind aus Sicht der Industrie verzögerte Versuchsvorschriften.
Die Debatte wird sich also an zwei Fronten weiterentwickeln: an der praktischen Fortführung der Notfallmaßnahmen und an der Forderung nach dauerhaften, systemischen Lösungen wie Beizmitteln. Landwirte, die sich über aktuelle Zulassungsentscheidungen und Flächenbekanntgaben informieren möchten, sollten die Veröffentlichungen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sowie der zuständigen Landesstellen im Auge behalten.
Dieser Beitrag enthält Informationen und Zitate aus einer Pressemitteilung des Industrieverbands Agrar e. V.
Weiterführende Quellen:
- „Ende 2024 waren bundesweit schätzungsweise 85.000 ha Zuckerrüben und 22.000 ha Kartoffeln mit den Erregern der Schilf-Glasflügelzikade infiziert.“ – Quelle: https://www.julius-kuehn.de/infothek/kuehn-konkakt/schilf-glasfluegelzikade
- „Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat sieben Insektiziden eine Notfallzulassung für 120 Tage im Zuckerrübenanbau erteilt.“ – Quelle: https://www.maschinenring.de/blog/glasfluegelzikade-notfallzulassung
- „Baden-Württemberg ist seit 2024 besonders stark von Befall mit der Schilf-Glasflügelzikade in allen relevanten Zuckerrübenanbauregionen betroffen.“ – Quelle: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/notfallzulassung-von-pflanzenschutzmitteln-gegen-die-schilf-glasfluegelzikade-1
- „Für die Bekämpfung in Zuckerrüben und Kartoffeln erhielten sieben Pflanzenschutzprodukte, darunter Carnadine 200, Danjiri, Mospilan SG, Sivanto prime und Pyrethroide wie Decis forte, Notfallzulassung.“ – Quelle: https://www.lfl.bayern.de/ips/blattfruechte/378197/index.php
8 Antworten
‚Die Diskussion um den Schilf-Glasflügelzikade zeigt uns einmal mehr, wie verletzlich unsere Ernährungssysteme sind. Ich finde es positiv, dass der IVA aktiv wird und Forderungen stellt! Wie können Verbraucher unterstützen?‘
‚Eine gute Frage Juliane! Vielleicht durch bewussten Konsum und Unterstützung lokaler Produkte? Wenn wir regional einkaufen, stärken wir unsere Bauern und helfen ihnen bei der Bewältigung solcher Krisen.‘
Ich finde den Artikel sehr informativ und er hebt wichtige Punkte hervor! Vor allem die Verbindung zwischen Ernteausfällen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf den ländlichen Raum sollte nicht unterschätzt werden. Wie könnten Landwirte unterstützt werden?
Das sehe ich auch so, Leopold! Wir sollten nicht nur über Notfallzulassungen nachdenken, sondern auch über nachhaltige Lösungen für die Zukunft. Was haltet ihr von der Idee, neue Technologien in der Landwirtschaft einzusetzen?
‚Nachhaltigkeit‘ ist ein wichtiges Stichwort! Wenn wir langfristig denken wollen, müssen wir auch mehr in Forschung investieren. Gibt es bereits Initiativen dazu? Ich würde gerne mehr erfahren!
Die Situation mit der Schilf-Glasflügelzikade ist wirklich besorgniserregend. Wir müssen dringend darüber diskutieren, welche weiteren Maßnahmen nötig sind, um die Landwirtschaft zu schützen. Hat jemand von euch Ideen oder Vorschläge?
Ich finde es wichtig, das Thema Schilf-Glasflügelzikade ernst zu nehmen. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft könnten katastrophal sein. Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass wir genug Nahrungsmittel haben? Ich hoffe, dass die Regierung schnell handelt.
Ich stimme zu, Nrapp! Es ist erschreckend zu hören, wie viele Hektar bereits betroffen sind. Was denkt ihr über die Notfallzulassungen? Sind sie wirklich die beste Lösung oder sollten wir langfristigere Strategien entwickeln?