Ryanair-Rückzug am BER: ADV warnt vor Signalwirkung für den gesamten deutschen Luftverkehrsstandort

Ryanair kündigte am 25. April 2026 an, zum Winter sein Angebot am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zu halbieren und sieben stationierte Flugzeuge abzuziehen. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) sieht darin kein reines Berlin-Problem, sondern einen Beleg für die strukturellen Wettbewerbsnachteile des gesamten Luftverkehrsstandortes Deutschland. Laut ADV seien weniger die Flughafenentgelte das Problem, sondern die hohen staatlich bedingten Standortkosten wie die Luftverkehrsteuer. Sie fordert eine politische Kehrtwende, da Deutschland im europäischen Vergleich beim Passagieraufkommen nahezu stagniert, während Nachbarländer deutliche Zuwächse verzeichnen.

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– Ryanair reduziert Winterflugangebot am BER um die Hälfte.
– Deutschland leidet unter strukturellen Wettbewerbsnachteilen im Luftverkehr.
– Überhöhte Steuern und Gebühren treiben die Standortkosten in die Höhe.

Ryanair kürzt am BER und verschärft aus Sicht der ADV die Debatte um den Luftverkehrsstandort Deutschland

Der angekündigte Rückzug von Ryanair am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) ist aus Sicht des Flughafenverbands ADV mehr als eine Entscheidung mit Folgen für Berlin. Der Verband sieht darin ein Zeichen für ein grundlegendes Problem im deutschen Luftverkehr: aus seiner Sicht verschlechtern hohe Standortkosten die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Flughäfen im europäischen Vergleich.

Nach Angaben der ADV will Ryanair zum Winter die Hälfte des Flugangebots am BER reduzieren und sieben stationierte Flugzeuge abziehen. Für den Verband verweist dieser Schritt auf strukturelle Nachteile, die nicht nur den Hauptstadtflughafen, sondern den gesamten Luftverkehrsstandort Deutschland betreffen.

ADV sieht strukturelle Wettbewerbsnachteile für Airlines in Deutschland

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel ordnet die Ankündigung klar ein: „Deutschland schaut nach der Ryanair-Ankündigung auf den Flughafen BER, aber eigentlich ist es keine Entscheidung gegen Berlin, sondern gegen den Luftverkehrsstandort Deutschland insgesamt. Die angekündigte deutliche Reduzierung des Angebots am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zeigt exemplarisch, unter welchem Druck Airlines in Deutschland stehen – und welche strukturellen Wettbewerbsnachteile bestehen.“

Damit verlagert der Verband die Debatte bewusst weg von einer rein regionalen Betrachtung. Aus ADV-Sicht zeigt der Fall BER exemplarisch, wie stark Airlines ihre Kapazitäten dort anpassen, wo die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ungünstiger ausfallen.

Standortkosten stehen für den Verband im Mittelpunkt

Im Zentrum der Kritik steht für die ADV nicht allein die Diskussion über Flughafenentgelte. Der Verband verweist auf das gesamte Kostengefüge, das aus seiner Sicht Airlines in Deutschland belastet. Dazu zählt die ADV Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühr, Flugsicherungsgebühren und die Flughafenentgelte.

Zur Einordnung nennt der Verband Kostenvergleiche: Ein Flug von Berlin nach Palma koste Airlines rund 7.600 Euro, ab Warschau dagegen etwa 4.400 Euro. Für einen Flug nach New York veranschlagt die ADV von einem deutschen Flughafenstandort rund 25.300 Euro, an einem vergleichbaren europäischen Standort dagegen etwa 13.900 Euro.

Beisel betont dazu: „Die Diskussion um angeblich steigende Flughafenentgelte greift zu kurz. Die Flughafenentgelte selbst liegen im unteren europäischen Durchschnitt und machen nur einen vergleichsweisen kleinen Anteil an den Gesamtkosten einer Airline aus. Zudem folgen sie dem Prinzip der Nutzerfinanzierung: Wer Infrastruktur nutzt, beteiligt sich an ihrer Finanzierung“, erläutert Ralph Beisel.

Rückgang am BER folgt auf frühere Kürzungen im Sommerflugplan

Der Einschnitt am BER kommt nach Darstellung der ADV nicht überraschend. Bereits im Sommerflugplan 2026 hatte Ryanair ihr Angebot in Deutschland reduziert. Nach Unternehmensangaben wurde das Sitzplatzangebot bundesweit netto um 220.000 Plätze gegenüber 2025 verringert. Am BER lag das Minus demnach bei 150.000 Plätzen beziehungsweise 5 Prozent, Stand 11. März 2026.

Mit der nun angekündigten Schließung der Basis am BER verschärft sich diese Entwicklung. Nach einer Recherche des Spiegel soll das Ryanair-Passagieraufkommen am BER im Jahr 2027 von 4,5 auf 2,2 Millionen Passagiere zurückgehen. Aus Sicht des Verbands unterstreicht das, dass es nicht nur um einzelne gestrichene Verbindungen geht, sondern um einen deutlichen Abbau von Kapazitäten.

Europa wächst, Deutschland bleibt aus Sicht der ADV zurück

Die ADV stützt ihre Kritik außerdem auf einen längerfristigen Vergleich der Verkehrsentwicklung in Europa. Laut Verband stieg das Passagieraufkommen im Zeitraum 2015 bis 2025 in Polen um 122 Prozent, in Luxemburg um 100 Prozent und in Tschechien um 51 Prozent. Deutschland kam im selben Zeitraum demnach nur auf 1,7 Prozent.

Für den Verband ist diese Entwicklung ein Hinweis auf einen strukturellen Wettbewerbsnachteil. Wenn andere europäische Märkte deutlich wachsen, Deutschland aber nahezu stagniert, verlagern Airlines ihre Kapazitäten aus Sicht der ADV eher an Standorte mit günstigeren Kostenbedingungen.

Beisel formuliert die Folgen so: „Die Folge ist eine schleichende Erosion der angebotenen Flugstrecken und damit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Standorte. Überhöhte Steuern und Gebühren verhindern, dass deutsche Flughäfen am dynamischen Wachstum des europäischen Luftverkehrs partizipieren“, so Beisel.

Forderung nach Entlastung bei Steuern und Gebühren

Mit ihrer Einordnung verbindet die ADV eine klare politische Forderung. Der Verband drängt auf eine spürbare Entlastung bei staatlich geprägten Kosten, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Flughäfen zu stärken.

Zwar sind bereits Schritte angekündigt: Ab Juli 2026 soll die Luftverkehrsteuer gesenkt werden, zudem sollen die Flugsicherungsgebühren eingefroren werden, Stand 11. März 2026. Für die ADV reicht das erkennbar nicht aus.

Beisel warnt: „Wenn Deutschland im internationalen Luftverkehr mithalten will, braucht es dringend eine nachhaltige Kehrtwende bei den staatlich bedingten Standortkosten. Der Wettbewerb wird nicht am Flughafen entschieden – sondern in der Standortpolitik. Die Entscheidung von Ryanair ist leider kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems. Ohne eine konsequente Entlastung bei staatlichen Steuern und Gebühren – insbesondere die Abschaffung der Luftverkehrsteuer – werden weitere Angebotskürzungen zur Regel. Deutschland droht im internationalen Luftverkehr den Anschluss nicht nur zu verlieren, sondern strukturell abgehängt zu werden“, warnt Beisel.

Der Fall BER bündelt damit nach Einschätzung der ADV eine grundsätzliche Debatte über die Zukunft des Luftverkehrsstandorts Deutschland. Für den Verband ist der Ryanair-Abzug kein isoliertes Ereignis, sondern ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die Rahmenbedingungen im deutschen Luftverkehr aus seiner Sicht grundlegend ändern müssen.

Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Flughafenverbands ADV – Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.

Weiterführende Quellen:

Update: Warum das Thema wichtig bleibt

Der angekündigte Rückzug von Ryanair wird im Beitrag als Symptom für etwas Größeres eingeordnet: hohe staatlich geprägte Standortkosten sollen den Luftverkehrsstandort Deutschland im europäischen Wettbewerb ausbremsen. Dadurch gerät nicht nur der BER unter Druck, sondern der gesamte Zugang zu Flugverbindungen aus Deutschland.

Für betroffene Flughäfen und Airlines heißt das laut ADV vor allem: Kapazitäten werden dann dort reduziert, wo Rahmenbedingungen ungünstiger sind. Gleichzeitig stellt sich für Politik und Verwaltung die Frage, ob angekündigte Entlastungen bei Luftverkehrsteuer und Flugsicherungsgebühren ausreichen, um weitere Angebotskürzungen zu verhindern und ein weiteres “Abgehängt-Werden” zu vermeiden.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Warum ist die BER-Entscheidung für den Verband mehr als nur Berlin?
Weil die ADV sie als Ausdruck struktureller Wettbewerbsnachteile im gesamten Luftverkehrsstandort Deutschland bewertet.

Welche Kostenarten stellt die ADV in den Mittelpunkt?
Genannt werden Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühr, Flugsicherungsgebühren sowie Flughafenentgelte.

Reicht die angekündigte Entlastung ab Juli 2026 aus Sicht der ADV?
Nein. Die ADV sieht die Schritte als nicht ausreichend und fordert eine nachhaltige Kehrtwende, insbesondere bei staatlich bedingten Kosten.

An wen können sich Menschen mit Fragen zum Angebot oder zur Entwicklung von Flugstrecken wenden?
Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.

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7 Kommentare

  1. Netter beitrag, gut zusamengefasst, aber mir fehlt die perspektive klima und nachhaltigkeit: weniger flüge kann auch positiv sein. Wie vereinbart man wirtschaft und umwelt, ohne das standort sterben? Vielleicht hybrid lösungen, nachhaltiger aviation fuel, steueranreize, mehr effizienz bei flughafen entgelten. Mehr links auf /themen/nachhaltig wär super

    1. Da stimme ich zu Sabine, man braucht balancierte ansätze: entlastung bei staatlich bedingten kosten ja, aber gekoppelt an klima auflagen oder forschung zu sauberen treibstoffen. Sonst wird nur billiger flugverkehr gefördert. Wer kennt progrmme oder piloten projekte? schau evtl /politik/verkehr fuer ideen

  2. ADV sagt es wäre nicht nur berlin, sondern ganz deutschland. ok, aber sind nicht auch konzepte für innovation, bessere anbindungen, intermodalität gefragt? Einfach nur steuern wegnehmen löst doch nicht alles. Gibt es vergleichs modelle aus Tschechien oder Luxemburg auf /themen/verkehr die erfolgreicher waren?

  3. Das trifft vorallem die jobs und regionen, nicht nur flieger, sonder z.b. tourismus, groundhandling, hotels rund um BER. Ist das nicht kurzsichtig nur an steuern zu denken, oder gibts budget rechnungen die das belegen? Suche mehr infos zu konzequenzen auf /region/berlin-flughafen und ähnliches

    1. Guter punkt, Dora. Ich denke man muss beides berücksichtigen: kostenentlastung und infra investitionen zusammen, sonst fehlt langfrisitg konkurrenz. Die angekündigte senkung ab Juli 2026 hilft wenig, wenn Flugsicherungs gebühren weiter steigen. Wer hat belege für wirkung von luftverkehrsteuer-senkung? siehe auch /politik/luftverkehr

  4. Ich find die zahlen mit 4,5 auf 2,2 Mio schockierend, aber mann mus auch schauen auf gesamt kosten, flugverkehr-gebühren, flugsicherungsgebuehren, airport entgelte. Wer hat analysen wie die standortkosten genau zusammengesetzt sind? Kann jemand link zu studie teilen auf /politik/finanzen oder /themen/luftverkehr bitte

  5. Also, das ist schon merkwürdig das Ryanair halb weg vom BER geht. Die luftverkehrsteuer und ande re gebühren sind hoch, aber sind die wirklich hauptgrund? Gibt es vergleichs zahlen zu Polen oder Warschaw auf /themen/luftverkehr oder /politik/finanzen ? Würd gern mehr fakten sehn bevor ich richtg urteil bilde

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