Ruder Nationalmannschaft ist heiß auf die Olympischen Spiele

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Das lange Warten hat ein Ende – 364 Tage später als eigentlich geplant, werden morgen Abend endlich die Olympischen Spiele in Tokio eröffnet. Team Deutschland ist mit insgesamt 438 Athletinnen und Athleten – darunter 27 Ruderinnen und Ruderer – in die japanische Hauptstadt gereist.

Die Ruder Nationalmannschaft ist nach einem zweiwöchigen Trainingslager in Kinosaki am vergangenen Samstag ins olympische Dorf gefahren. „Ich finde es super hier, deutlich besser als in Rio. Es bringt total viel Spaß“, so Torben Johannesen, der in Rio als Ersatzmann dabei war und jetzt mit dem Deutschland-Achter um die Medaillen rudert.

Am Freitagvormittag – noch vor der Eröffnungsfeier – springt die Ampel im Sea Forest Waterway, der olympischen Regattastrecke, das erste Mal auf grün. Aufgrund der dortigen Windverhältnisse – meist starker Seitenwind – finden alle Ruder-Wettkämpfe am Vormittag statt. Die siebenstündige Zeitverschiebung bedeutet für alle Fans in der Heimat, die die Rennen live mitverfolgen möchten, „Nachtschicht“.

Zeidler: „Wenn ich hinfahre, möchte ich auch gewinnen“
Los geht es mit den Vorläufen des Männer-Einer. Damit startet auch eine der großen Medaillenhoffnungen, Weltmeister Oliver Zeidler (Donau-Ruder-Club Ingolstadt e.V.), in die olympische Regatta. Zeidler, der am Samstag seinen 25. Geburtstag feiert, hatte sich bis zuletzt in seiner Heimat München auf die Spiele vorbereitet. Um sich an die extreme Schwüle von Tokio zu gewöhnen, wurde der Keller im Haus seiner Eltern in eine Hitzekammer umfunktioniert – eine angeschaltete Sauna, eine aufgedrehte heiße Dusche und viel Folie sorgten für das richtige Klima während der Trainingseinheiten auf dem Ruderergometer oder dem Fahrrad. Nun ist der der aktuelle Europameister auf den Punkt genau in Bestform wie er selbst sagt. „Mir hat das zusätzliche Jahr geholfen. Ich habe an vielen Stellschrauben gedreht und würde deswegen sagen, dass die Version dieses Jahr von mir besser ist als die im letzten Jahr.“ Sein Ziel: „Ich möchte mit einer Medaille zurückkommen. Aber klar, es ist in Tokio wie bei jedem Rennen: Wenn ich hinfahre, möchte ich auch gewinnen.“ (Vorlauf, 23. Juli, 09:20 Uhr Ortszeit, 02:20 Uhr dt. Zeit)

Frauen-Doppelzweier: Finale ist möglich
Leonie Menzel und Annekatrin Thiele (RC Germania Düsseldorf 1904 e.V./SC DHfK Leipzig e.V.) konnten sich bei der Nachqualifikation in Luzern im Mai mit dem Doppelzweier für Tokyo 2020 qualifizieren. Während es für Thiele bereits die vierten Spiele sind, nimmt Menzel zum ersten Mal an Olympia teil. Die 15 Jahre Altersunterschied – „quasi zwei Rudergenerationen (Thiele)“ – machen die beiden nur stärker. „Wir können alles erreichen, wir profitieren voneinander. Leonie von meinen Erfahrungen und ich von Leonies Unbekümmertheit, ihrer Lockerheit“, so Thiele. Wie weit es für die beiden geht, wird sich in Tokio zeigen. „Ich traue uns zu, das Finale zu erreichen, das sollte unsere Aufgabe sein. Und wenn man im Finale ist, dann ist alles möglich“, weiß Thiele. (Vorlauf, 23. Juli, 11:20 Uhr Ortszeit, 04:20 Uhr dt. Zeit)

Männer-Doppelzweier gibt sich angriffslustig
Ebenfalls die vierten Spiele sind es für Stephan Krüger (Frankfurter RG Germania). Der 32-Jährige startet gemeinsam mit seinem neun Jahre jüngeren Teamkameraden Marc Weber (Gießener Ruder-Club ‚Hassia‘ 1906 e.V.) im Doppelzweier. Im Trainingslager in Weißensee konnten die beiden noch einmal weitere Schritte nach vorne machen. Was in Tokio am Ende dabei rauskommt, wird sich zeigen. „Wenn man erstmal im A-Finale ist, warum da nicht auch nach einer Medaille greifen“, gibt sich Weber angriffslustig. (Vorlauf, 23. Juli, 10.30 Uhr Ortszeit, 03:30 Uhr dt. Zeit).

Leichter Männer-Doppelzweier: Irland größter Konkurrent um Gold
Jason Osborne und Jonathan Rommelmann (Mainzer RV 1878 e.V./Crefelder RC) wollen im leichten Männer-Doppelzweier um die Medaillen rudern. Das Duo sitzt seit 2019 gemeinsam im Boot und stand seitdem bei jedem Rennen auf dem Podium. „Aufgrund der Vorergebnisse wissen wir, dass wir um die Medaillen mitfahren werden. Welche es am Ende wird, das entscheiden viele Komponenten“, so Osborne, der nach den Olympischen Spielen zum Radfahren wechseln will. Ihr größter Konkurrent um Gold sind die starken Iren. „Sie haben in dem Pausenjahr eher noch eine Schippe draufgelegt und sind die, an denen man sich messen muss“, weiß Jonathan Rommelmann. (Vorlauf, 24. Juli 11:20 Uhr Ortszeit, 04:20 Uhr dt. Zeit)

Frauen-Doppelvierer „will eine Medaille“
Der Frauen-Doppelvierer mit Franziska Kampmann, Carlotta Nwajide, Frieda Hämmerling und Daniela Schultze (RV Waltrop/DRC Hannover/RG Germania e.V. Kiel/RC Potsdam) stand in dieser Saison bei allen drei Regatten auf dem Podium. Der Sieg beim letzten Weltcup in Sabaudia hat noch einmal zusätzlich motiviert. „Unser Ziel ist klar, wir wollen eine Medaille“, sagt Frieda Hämmerling. Um das zu erreichen, hat das Quartett zuletzt noch einmal viel an der technischen Feinabstimmung gearbeitet. (Vorlauf, 23. Juli, 11:50 Uhr, 04:50 dt. Zeit)

Männer-Doppelvierer will angreifen
Mit Karl Schulze und Hans Gruhne (Berliner RC/RC Potsdam) sitzen bereits zwei Olympiasieger im Doppelvierer. Gemeinsam mit den beiden Olympia-Neulingen Tim Ole Naske und Max Appel (Ruder-Gesellschaft HANSA e.V./ SC Magdeburg e.V.) will das Quartett erneut nach Edelmetall greifen. Die Ausgangslage ist im Vergleich zu 2016 – wo der Doppelvierer als Vize-Weltmeister anreiste – nach Platz sechs beim Weltcup in Luzern und der Bronzemedaille in Sabaudia etwas anders. Im Trainingslager in Weißensee konnten die Athleten noch einmal Riesenschritte machen. „Die musst du aber auch machen, weil auch die anderen Nationen jetzt ihre Leistung nochmal um ein paar Prozent nach oben schrauben. Dieses Trainingslager ist der Schlüssel, ob Medaille oder keine Medaille“, ist sich Karl Schulze – der sich mit dem dritten Gold bei seinen dritten Spielen in die Geschichtsbücher eintragen könnte – sicher. (Vorlauf, 23. Juli, 11:40 Uhr, 04:40 dt. Zeit)

Deutschland-Achter: erstes Aufeinandertreffen mit Überseenationen in dieser Saison
Da die Konkurrenz aus Übersee in dieser Saison bei noch keinem Weltcup war, ist der jeweilige Leistungsstand der einzelnen Nationen im Achterfeld schwierig einzuschätzen. Der Deutschland-Achter mit Johannes Weißenfeld, Laurits Follert, Olaf Roggensack, Torben Johannesen, Jakob Schneider, Malte Jakschik, Richard Schmidt, Hannes Ocik und Martin Sauer (Ruderclub ‚Westfalen‘ 1929 e.V. Herdecke/Crefelder Ruder-Club 1883 e.V./Ruder-Club Tegel 1886 e.V./Ruder-Club Favorite Hammonia/Ruderklub am Baldeneysee e.V./Ruderverein Rauxel von 1922 e.V./Ruderverein ‚Treviris 1921‘ e.V. Trier/Schweriner Rudergesellschaft von 1874/75 e.V./Berliner Ruder-Club e.V.) konnte die beiden Trainingslager gut nutzen, um den letzten Feinschliff vorzunehmen. „Durch das eine Jahr mehr, hatten wir jetzt knapp 6.000 km, die wir mehr zusammen trainieren konnten. Die Bewegungsabläufe im Boot kommen noch geschlossener und synchroner zustande und ich glaube, dass das für die anstehenden Aufgabe ein großer Vorteil sein wird“, so Schlagmann Hannes Ocik. (Vorlauf, 25. Juli, 11:00 Uhr, 04:00 dt. Zeit).

Riemekasten gewinnt Rennen der Ersatzleute
Am heutigen Donnerstag fand bereits das Rennen der Ersatzleute statt. Stephan Riemekasten (Der Hamburger und Germania Ruder Club e.V.) zeigte sich in starker Form und gewann. „Stephan ist das sehr gut gefahren“, so der leitende Bundestrainer Ralf Holtmeyer. Bei den Frauen wurde Michaela Staelberg (Crefelder RC) Dritte.

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Konkurrenz ist schwer einzuschätzen
„Nach der langen Wettkampfpause sind wir froh, dass es endlich losgeht. Das sind Olympische Spiele unter ganz besonderen Bedingungen. Viele Nationen wie Neuseeland, Australien oder die USA sind in dieser Saison bisher ja kaum gefahren, deshalb können wir deren Leistungsstand auch nur schwer einschätzen. Das Feld im Männer-Einer ist auf jeden Fall sehr eng beisammen, da bin ich gespannt. Insgesamt traue ich unserer Mannschaft schon einige Medaillen zu, mal schauen, was am Ende dabei herauskommt“, so Holtmeyer, für den die Olympischen Spiele die letzte Regatta als leitender Bundestrainer sind. „Da denke ich nicht so viel drüber nach. Nach 35 Jahren beim DRV hat alles irgendwann mal ein Ende. Jetzt gucke ich erstmal nach vorne.“

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Das Trainingslager in Kinosaki hat dem leitenden Bundestrainer gut gefallen. „Dort hat man sich extrem viel Mühe gegeben. Es war nur schade, dass wir nicht wirklich vor die Tür konnten. Dabei kann man sich ja immer gut ablenken und den Kopf frei bekommen. Aber die Mannschaft konnte sich gut an die Zeitumstellung und das Klima anpassen, das war wichtig.“

Sportdirektor Mario Woldt freut sich auch, dass es endlich losgeht. „Die Stimmung hier im Olympischen Dorf ist gut. Die Anspannung bei der Mannschaft ist jetzt deutlich spürbar. Wir konnten die UWV in Kinosaki super nutzen, um uns zu akklimatisieren und den letzten Feinschliff vorzunehmen. Hier in Tokio sind die Teams am Vormittag immer gerudert, am Nachmittag stand dann meist eine Krafteinheit auf dem Programm.“

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Der Vorsitzende des Deutschen Ruderverbandes, Siegfried Kaidel, wird sich die Spiele ebenfalls vor Ort anschauen. „Ich freue mich auf die Spiele. Für die Sportler ist es wichtig, dass sie stattfinden. Nun hoffe ich auf faire Bedingungen. Ich kenne die Strecke ja bereits von der Junioren-WM. Es ist eine schöne Anlage, aber man kann aufgrund des Windes wirklich nur am Vormittag rudern.“

Auf welche Nationen die deutschen Boote in ihren Vorläufen treffen, können Sie hier nachlesen. 

Weitere Informationen während der Spiele finden Sie hier

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