Fundraising-Events, die sich wirklich lohnen – nicht nur schön aussehen
Wir alle kennen diese Veranstaltungen, bei denen am Ende alle sagen: „War ein tolles Fest!“, und gleichzeitig die Kasse leise weint. Glitzernde Tombola, nettes Buffet, vielleicht sogar eine Auktion – aber unterm Strich bleibt nach Abzug aller Kosten kaum etwas übrig.
In unserem Team haben wir diese Art von Abenden mehr als einmal erlebt. Auf dem Heimweg im Auto: gute Stimmung, müde Beine, und dann der Blick in die Zahlen – aua. Genau deshalb haben wir angefangen, Veranstaltungs-Fundraising viel stärker wie ein kleines Geschäftsmodell zu denken. Mit klarem Budget, kalkuliertem Risiko und einem sehr nüchternen Blick auf den Return on Investment (ROI).
In diesem Artikel nehmen wir euch mit in diese Perspektive – und zeigen, wie Events nicht nur „nett“, sondern wirklich finanziell wirksam werden.
Vom „Wir schauen mal“ zum klaren Budget
Ein Fundraising-Event ohne klares Budget ist wie ein Vereinsbus ohne TÜV: fährt irgendwie, aber richtig wohl fühlt sich keiner.
Der erste Schritt: harte Zahlen
Wir starten intern immer mit drei simplen Fragen:
- Wie viel Geld soll realistisch als Reinerlös übrig bleiben?
- Wie viel dürfen wir maximal ausgeben, um das zu erreichen?
- Wer entscheidet, wenn unterwegs doch noch „Tolle Idee, lass uns noch …“ aufpoppt?
Eine Faustregel, die sich bewährt hat:
Eine Ausgabenquote von etwa 30–40 % ist für viele Vereine ein guter Orientierungswert. Heißt: Wenn ihr 15.000 € einnehmen wollt, sollten die Gesamtkosten idealerweise nicht deutlich über 4.500–6.000 € liegen. Das ist kein Gesetz, aber ein brauchbarer Kompass.
ROI-Brille aufsetzen
Wir sortieren im Team alle Posten nach zwei Kategorien:
- Direkter ROI-Faktor – trägt direkt zu Einnahmen bei:
- Auktion/Versteigerung
- Sponsoring-Pakete
- Ticketverkauf
- Spendenappell im Programm (z. B. „Fund-a-Need“)
- Lose/Tombola (rechtlich sauber geregelt)
- Nice to have, aber ohne direkten Ertrag:
- besonders teure Deko
- aufwendige Show-Acts
- Hochglanz-Printmaterial, das auch simpel ginge
- Fotobox, Candy-Bar, „Instagram-Ecke“
Unser Teamgrundsatz:
Alles, was keinen direkten Beitrag zu den Einnahmen leistet, kommt nur dann rein, wenn es durch Sponsoring oder Sachspenden gedeckt ist. Punkt.
Eine kleine Szene aus unserer Praxis:
Wir saßen einmal mit einem Vorstand zusammen, der unbedingt eine Live-Band wollte – Kostenpunkt: 2.500 €. Auf der anderen Seite fehlten uns noch hochwertige Auktionsartikel im Wert von rund 3.000 €. Wir haben gemeinsam durchgerechnet, was mehr bringt. Am Ende gab es eine gute Spotify-Playlist, einen ehrenamtlichen Musiker – und zwei zusätzliche Top-Auktionspreise. Die Besucher:innen waren trotzdem begeistert.
Location, Catering & Co: Wo Vereine das meiste Geld verbrennen
Wer schon mal eine Gala in einer edlen Location geplant hat, kennt das: Der Raum ist ein Traum, die Rechnung eher ein Albtraum.
Location mit Fundraising-Brille
Wir achten inzwischen auf drei Dinge:
- Kooperationsbereitschaft der Location
Viele Häuser sind offen für Sonderkonditionen, wenn sie den gemeinnützigen Zweck gut finden:
- Miete reduziert oder ganz erlassen
- Catering-Mindestumsatz etwas runter
- Technik inklusive statt Aufpreis
- Verhandlungsspielraum
Wir fragen konsequent nach:
- Gibt es einen „Nonprofit-Rabatt“?
- Können wir statt Einzelposten eine Pauschale vereinbaren?
- Darf ein Teil des Caterings als Sponsoring laufen (Sachspende)?
- Ungewöhnliche, aber günstige Orte
Wir haben schon richtig starke Abende erlebt in:
- einer alten Fabrikhalle
- einem kommunalen Veranstaltungszentrum
- einem Museum, das sich als Partner eingebracht hat
- dem Vereinsheim eines befreundeten Sportvereins
Nicht jedes Event muss in einem Schloss stattfinden, um Wirkung zu haben. Eine glaubwürdige Story, gute Moderation und klare Fundraising-Elemente sind am Ende wichtiger als Kronleuchter.
Technik: Segen, Kostenfalle oder beides?
Digitales Fundraising bei Events ist ein bisschen wie eine Espressomaschine: Kann ein Gamechanger sein, kann aber auch nur teuer rumstehen.
Mobile Bidding & Online-Auktionen
Digitale Bietplattformen für Auktionen können richtig stark sein:
- Gäste können mit dem Handy mitbieten
- automatische Gebotsbenachrichtigungen
- Vorab-Gebote schon vor dem Event
- Auswertung und Export direkt ins Spender-CRM
Aber: Die Kostenmodelle sind sehr unterschiedlich. Wir haben uns angewöhnt, bei Anbietern systematisch Folgendes zu prüfen:
Checkliste für Tools & Gebühren
- Einmalige Setup-Gebühr oder Jahresvertrag?
- Fixe Grundgebühr pro Event?
- Transaktionsgebühren je Spende/Zahlung (Prozent + Fixbetrag)?
- Extra-Kosten für:
- SMS/Benachrichtigungen
- zusätzliche Events
- mehr Nutzer:innen oder Datensätze
- Möglichkeit, eine Pauschale (Flat-Fee) zu verhandeln?
- DSGVO-Konformität:
- Serverstandort (EU?)
- Auftragsverarbeitungsvertrag
- klare Datenschutzinfos für Gäste
- Zahlungsarten:
- SEPA-Lastschrift
- girocard/Kreditkarte
- ggf. PayPal, Apple/Google Pay
Unser Learning: Nicht vom Funktions-Feuerwerk blenden lassen. Ein schlankes Tool, das zuverlässig läuft, DSGVO-sicher ist und klare Gebühren hat, ist für die meisten Vereine besser als das Monster-System, das eigentlich für Großgalas gebaut wurde.
Ohne Spender-CRM bleibt viel Geld liegen
Ein Event ist nicht nur ein „Abend mit Einnahmen“, sondern im Idealfall ein Turbo für langfristige Beziehungen. Und dafür brauchen wir Daten – sauber, vollständig, gut nutzbar.
Spender-CRM als Zentrale
Mit „Spender-CRM“ meinen wir jede strukturierte Lösung, in der wir:
- Kontaktdaten von Spender:innen & Mitgliedern pflegen
- Spendenhistorien sehen
- Eventteilnahmen nachverfolgen
- Zielgruppen segmentieren (z. B. „Auktionsfans“, „Großspender:innen“, „Ehrenamtliche“)
Wir achten bei Events darauf, dass:
- Ticketbuchungen direkt im CRM landen
- Bietdaten aus Auktionen importiert werden können
- Spendenquittungen (Zuwendungsbestätigungen) sauber erstellt werden
- Einwilligungen nach DSGVO (Newsletter etc.) dokumentiert sind
Wir hatten mal ein Event, bei dem ein Teil der Teilnehmerliste nur in einer Excel der Ehrenamtsgruppe existierte und ein anderer Teil im Tickettool. Ergebnis: Chaos bei der Nachkommunikation. Seitdem gilt bei uns: Keine Eventplanung ohne klaren Weg ins CRM.
Das unterschätzte Gold: Sachspenden & Sponsoring
Eine der stärksten Stellschrauben für den ROI: Je mehr Kosten wir durch Sachspenden abdecken, desto besser.
Ehrenamt & Vorstand als Türöffner
Gerade bei Sachspenden sind persönliche Kontakte Gold wert:
- Vorstandsmitglieder mit beruflichen Netzwerken
- Eltern im Förderverein mit Kontakten zu lokalen Unternehmen
- Vereinsmitglieder mit eigenem Betrieb
Wir nutzen im Team gern eine einfache Methode:
Wir setzen uns mit Vorstand und Ehrenamtlichen zusammen und machen eine Liste mit drei Spalten:
- Wen kenne ich persönlich?
- Welche Firma/Branche?
- Was könnten die beitragen?
- Gutschein (z. B. Restaurant, Wellness, Kultur)
- Produktpaket
- Dienstleistung (z. B. Coaching, Fotoshooting)
- Location oder Cateringbestandteile
Viele sind überrascht, was da plötzlich alles zusammenkommt. Und die Auktionsliste füllt sich deutlich schneller.
Auktion: nicht nur Kunst & Luxus
In Deutschland funktionieren vor allem alltagsnahe, besondere Erlebnisse:
- Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen (z. B. im Theater, im Handwerksbetrieb, im Rathaus)
- Ein gemeinsames Training mit der 1. Mannschaft
- Ein Kochabend mit einer bekannten Person aus der Region
- Jahreskarten für Kultur- oder Sporteinrichtungen
- „Ein Tag mit dem Bürgermeister/der Bürgermeisterin“ – ja, das wurde schon ersteigert.
Solche Posten sind oft als Sachspenden gut darstellbar – und emotional stark.
Der Spendenappell: Der Moment der Wahrheit
Zwischen Dessert und Dessertgabel entscheidet sich bei vielen Events, ob es „ganz okay“ oder „Wow, krass!“ wird – nämlich beim direkten Spendenappell im Programm.
Fund-a-Need: klar, konkret, emotional
Wir bauen in vielen Veranstaltungen einen Moment ein, in dem es nicht um Tickets oder Auktionen geht, sondern nur um eins: direkte Unterstützung für ein klar beschriebenes Projekt.
Zum Beispiel:
- „Wir wollen zehn zusätzliche Therapieplätze für Kinder finanzieren.“
- „Wir brauchen ein neues Vereinsfahrzeug, damit unsere Teams überhaupt zum Spiel kommen.“
- „Wir wollen 50 zusätzliche Musikstunden für Kinder finanzieren, deren Familien es sich nicht leisten können.“
Wichtig dabei:
- ganz konkretes Ziel („Für 10.000 € schaffen wir XY“)
- kurze, klare Geschichte (gern auch mit echter Person, die erzählt)
- direkte Spendenmöglichkeit:
- Bietnummer hochhalten (Zimmerspende)
- QR-Code am Tisch
- Spendenzettel mit SEPA-Mandat
- mobile Bidding-Plattform
Wir haben erlebt, dass dieser eine Programmteil teilweise mehr einbringt als die ganze Auktion – wenn er gut vorbereitet und stark moderiert ist.
Mix macht’s: Mehrere Einnahmequellen kombinieren
Die erfolgreichsten Events, die wir begleiten durften, hatten fast nie nur eine große Fundraising-Komponente, sondern einen Mix:
- Ticketverkauf (realistische Preise, gern mit Förderticket-Option)
- Sponsoring-Pakete
- Logo-Präsenz
- Tischsponsoring
- Programmpatenschaften („Der heutige Spendenappell wird präsentiert von …“)
- Auktion
- live moderiert
- stille Auktion per Liste oder digital
- Spendenappell / Fund-a-Need
- Tombola/Losaktionen
(wichtig: Glücksspielrecht prüfen! Je nach Bundesland braucht ihr ggf. eine Genehmigung.)
Nicht jede Organisation braucht alles auf einmal. Aber zwei bis drei starke, gut vorbereitete Einnahmesäulen sind in der Regel deutlich besser als „Wir machen mal eine Tombola und hoffen aufs Beste“.
Rechtlicher Rahmen: kurz, aber wichtig
Wir sind keine Kanzlei, aber ein paar Basics gehören einfach auf den Tisch:
Gemeinnützigkeit & Spendenquittung
Nur echte Spenden (ohne Gegenleistung) dürfen als Spende mit Zuwendungsbestätigung quittiert werden.
Tickets mit vollem Gegenwert sind kein Spendenanteil. Mischmodelle brauchen saubere Trennung.
Datenschutz (DSGVO)
Teilnehmende müssen wissen, was mit ihren Daten passiert.
Newsletter nur mit Einwilligung.
Dienstleister (z. B. Bietplattformen, Ticketanbieter) brauchen Auftragsverarbeitungsverträge.
Glücksspielrecht bei Losaktionen/Tombola
In vielen Bundesländern gilt: Für öffentliche Lotterien/Tombolas braucht ihr eine Genehmigung.
Unbedingt vorher bei der Kommune oder zuständigen Behörde informieren.
Zahlungsabwicklung (SEPA)
SEPA-Lastschriftmandate korrekt einholen und dokumentieren.
Gebühren von Payment-Providern in die Kalkulation aufnehmen.
Unser Fazit aus vielen Veranstaltungen
Wenn wir heute mit einem Verein an einem Event arbeiten, drehen wir gedanklich zuerst an diesen Stellschrauben:
- Klares Finanzziel, klares Budget, Ausgabenquote im Blick.
- Ausgaben sortieren in direkte ROI-Treiber vs. „nice to have“.
- Location und Catering mit Verhandlungsmut und Sponsoring-Brille angehen.
- Spender-CRM als Zentrale für alle Daten nutzen.
- Ehrenamt und Vorstand gezielt als Türöffner für Sachspenden aktivieren.
- Starker Spendenappell im Programm – nicht nur Rahmenprogramm, sondern Herzstück.
- Rechtliches im Blick behalten, bevor der Drucker für die Lose heißläuft.
Fundraising-Events müssen kein Drahtseilakt zwischen „toll“ und „teuer“ sein. Mit ein bisschen betriebswirtschaftlicher Nüchternheit, einer Prise Mut beim Verhandeln und einem klaren Fundraising-Konzept werden sie zu dem, was sie sein sollen: Abende, die berühren – und Budgets, die aufatmen.
9 Antworten
„Das unterschätzte Gold: Sachspenden & Sponsoring“ – was für ein wichtiger Punkt! Ich habe oft gesehen, wie viel einfacher Events mit gutem Sponsoring laufen können. Habt ihr Beispiele für erfolgreiche Sachspenden gesammelt?
… ja genau! Persönliche Kontakte sind Gold wert. Ich würde gern mehr über eure Strategien erfahren!
„Technik: Segen oder Kostenfalle“ – dieser Abschnitt hat mich zum Nachdenken gebracht! Es ist so wahr, dass Technik sowohl helfen als auch schaden kann. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Gibt es Tools, die wirklich gut funktionieren?
„Location mit Fundraising-Brille“ – das gefällt mir! Oft sind die besten Ideen da draußen in der Community. Welche ungewöhnlichen Orte habt ihr schon genutzt? Ich suche nach Inspiration für mein nächstes Event!
Die Überlegung mit dem klaren Budget finde ich echt super. Oft denkt man nur an die Einnahmen und vergisst die Ausgaben. Habt ihr Tipps für Sponsorenansprache? Wie geht ihr da vor?
Sponsoren sind echt wichtig! Ich denke, eine persönliche Ansprache kann Wunder wirken. Vielleicht hilft es auch, wenn man ihnen zeigt, wie ihre Unterstützung direkt wirkt.
Ich finde die Idee, Fundraising-Events wie ein Geschäftsmodell zu betrachten, sehr sinnvoll. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man einfach nur feiern möchte und die finanziellen Aspekte vernachlässigt. Wie geht ihr mit der Balance zwischen Spaß und finanziellen Zielen um?
Das ist ein guter Punkt, Karola! Ich denke, es ist wichtig, eine klare Strategie zu haben. Aber wie kann man sicherstellen, dass das Event auch wirklich Spaß macht und nicht zu sehr auf die Zahlen fokussiert ist?
Ich bin ganz deiner Meinung! Vielleicht könnte man auch Umfragen unter den Teilnehmern machen, um herauszufinden, was ihnen am wichtigsten ist – Spaß oder Spenden?