– Bundesregierung soll umfassende Resilienzstrategie für Energiesektor mit Schutz kritischer Infrastrukturen entwickeln
– Im Stromsektor zügige Ausschreibungen für wasserstofffähige Gaskraftwerke, Kapazitätsmarkt 2028, Netzausbau und Digitalisierung vorantreiben
– Diversifizierte Gas- und LNG-Bezüge, starke Speicher sowie Ausbau von Wasserstoff und Biomethan stärken Systemresilienz
BDEW fordert Resilienzstrategie für den deutschen Energiesektor
Der BDEW macht mit seinem neuen Diskussionspapier deutlich, dass die Bundesregierung eine verbindliche Resilienzstrategie für den Energiesektor entwickeln muss. Die Notwendigkeit hierfür wurde vor allem durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sichtbar: Er verschärft den Handlungsdruck, etwa beim Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS), der Stabilität von Strom- und Gassystemen, bei verlässlichen europäischen Lieferketten sowie der Anpassung an den Klimawandel. Resilienz wird als sicherheits-, industrie- und geopolitische Aufgabe verstanden, die als zentrales Leitmotiv mit wechselnden Herausforderungen bestehen bleiben muss.
Der BDEW betont, dass Resilienz im Energiesektor systemisch gedacht werden muss. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, formuliert es klar:
„**Resilienz im Energiesektor muss systemisch gedacht werden. Nur wenn alle einzelnen Bereiche ein hohes Maß an Resilienz erfüllen und wir auch die Wechselwirkungen zwischen Teilsystemen beachten, erreichen wir eine hohe Resilienz im Gesamtsystem. Wir brauchen daher einen Dreiklang aus Vorsorge, Vorbereitung auf effektive Krisenbewältigung sowie kontinuierlicher Analyse und Monitoring. Ziel muss ein Energiesystem sein, das Schocks absorbiert, sich schnell erholt und lernend anpasst, ohne Wettbewerbsfähigkeit und Klimaziele aus dem Blick zu verlieren. Resilienz ist die zentrale Voraussetzung für Versorgungssicherheit und Souveränität.**“
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz kritischer Infrastrukturen, die angesichts hybrider Bedrohungen höchste Priorität haben. Voraussetzungen für einen zukunftssicheren KRITIS-Schutz sind laut BDEW klare Zuständigkeiten, Bürokratieabbau sowie eine praxistaugliche Umsetzung der EU-Richtlinien NIS2 und CER. EU-weit einheitliche IT-Sicherheitsstandards für digitale Komponenten und deren ganzheitliche Einbindung in betriebliche Abläufe seien zwingend erforderlich. Auch Dienstleister müssten unter klare IT-Sicherheitsvorgaben fallen. Zudem wird der Aufbau einer permanent verfügbaren, schwarzfallfesten Kommunikationsinfrastruktur als essenziell bezeichnet – hier habe die Energiewirtschaft mit dem 450-MHz-Netz bereits die Grundlage gelegt.
Für den Stromsektor steht die Transformation hin zu einem Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien auf einem erfolgreichen Kurs. Damit die Versorgung auch ohne fossile Kraftwerke wie Kohle jederzeit gesichert bleibt, fordert der BDEW zügige Ausschreibungen für neue, wasserstofffähige Gaskraftwerke inklusive Kraftwärmekopplung. Spätestens 2028 solle ein Kapazitätsmarkt eingeführt werden. Gleichzeitig gelte es, Flexibilitäten systemisch zu fördern und die Digitalisierung des Energiesystems voranzutreiben. Der Netzausbau und Dienstleistungen wie Schwarzstartfähigkeit blieben die tragende Säule der Stabilität.
Die Abhängigkeiten von zentralen Komponenten im Stromsystem, etwa bei Photovoltaik-Modulen, Speichern und kritischen Rohstoffen, nehmen an Bedeutung zu. Dem begegnet der BDEW mit einem umfassenden Ansatz: Die europäische Produktion von Netto-Null-Technologien muss gestärkt, und der Zugang zu wichtigen Rohstoffen nachhaltig gesichert werden. Die im EU-Net Zero Industry Act vorgesehenen Anreize im Ausschreibungsdesign unterstützen dieses Ziel.
Im Bereich gasförmiger Energieträger sind diversifizierte Gas- und LNG-Lieferungen sowie leistungsfähige Speicher entscheidend für die Resilienz. Speicher helfen, saisonale Nachfragespitzen auszugleichen und stabilisieren das Gesamtsystem. Die Gasbeschaffung soll effizient in der Verantwortung der Unternehmen bleiben, unterstützt durch realistische Nachfrageszenarien und verlässliche Rahmenbedingungen.
Besondere Bedeutung erhält der beschleunigte Ausbau von Wasserstoff: Eine diversifizierte Beschaffung inklusive heimischer Produktion erhöht die Systemresilienz erheblich. Dafür fordert der BDEW auf EU- und nationaler Ebene umfangreiche Investitionen in Infrastruktur und Nachfragesteuerung, handelstaugliche Regeln, Speicherlösungen sowie Planungssicherheit. Biomethan wird als ergänzende, erneuerbare und leicht integrierbare Brückentechnologie gewertet, die bereits heute einen Beitrag zur Resilienz leisten kann.
Klimarisiken sollen künftig konsequent in die Planung und den Betrieb von Energieinfrastrukturen einfließen. Diese Betrachtung erfordert laut BDEW gezielte Investitionen bereits in der Planungsphase. Die Unterstützung des EU-Rahmens für Klimaresilienz und -risikomanagement ist für den Verband eine wichtige Grundlage.
Der Aufbau von Resilienz ist mit erheblichen Investitionen verbunden, die oft nicht unmittelbar zu Erlösen führen. Deshalb verlangt der BDEW verlässliche Rahmenbedingungen, geeignete Förderinstrumente und Planungssicherheit, damit notwendige Maßnahmen schnell und wirksam umgesetzt werden können.
Das umfassende Diskussionspapier „Resilienz im Energiesektor: Handlungsfelder und -bedarfe“ steht online zur Verfügung und legt die genannten Forderungen sowie Herausforderungen detailliert dar.
Resilienz – Die neue Leitwährung für eine sichere Energieversorgung
Die Energieversorgung steht heute vor einer Vielzahl komplexer Herausforderungen: geopolitische Krisen, der Klimawandel und technologische Umbrüche treffen aufeinander und erhöhen die Anfälligkeit kritischer Infrastrukturen. Resilienz – also die Fähigkeit, Störungen standzuhalten und sich schnell anzupassen – wird damit zur zentralen Voraussetzung für nachhaltige Energiesicherheit. Ohne eine langfristige Vorsorge, die systemübergreifend und vorausschauend gestaltet wird, lassen sich zukünftige Versorgungsengpässe nur schwer vermeiden.
Das Konzept einer ganzheitlichen Resilienzstrategie umfasst weit mehr als den Schutz einzelner Anlagen. Es setzt auf einen Dreiklang aus präventiven Maßnahmen, effektiver Krisenvorbereitung und kontinuierlicher Überwachung. Energieunternehmen, Staat und EU müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen, um die Versorgungssysteme robust gegen hybride Bedrohungen, Naturkatastrophen und Marktvolatilitäten aufzustellen. Dabei gilt: Resilienz ist kein Status, sondern ein dynamischer Prozess, der sich an ständig verändernde Bedingungen anpassen muss – ohne die wichtigen Klimaziele oder die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie aus dem Blick zu verlieren.
Gefahren für kritische Infrastrukturen
Kritische Infrastrukturen bilden das Rückgrat der Energieversorgung und müssen höchste Sicherheitsstandards erfüllen. Angesichts von Cyberangriffen, Sabotage und technischen Störungen zeigt sich, dass herkömmliche Schutzmaßnahmen oft nicht ausreichen. Ein systemisches Denken ist deshalb notwendig, das nicht nur einzelne Komponenten, sondern auch die Wechselwirkungen in komplexen Energienetzen berücksichtigt. Dies erfordert:
- Klare Zuständigkeiten und vereinfachte Nachweisverfahren für Betreiber,
- Eine praxistaugliche Umsetzung der EU-Richtlinien (NIS2, CER),
- Einheitliche IT-Sicherheitsstandards für digitale Komponenten,
- Ein ganzheitliches Management der IT-Prozesse inklusive Dienstleisterintegration,
- Aufbau und Erhalt einer schwarzfallfesten Kommunikationsinfrastruktur wie dem 450-MHz-Netz.
Nur so kann ein zuverlässiger Schutz gewährleistet werden, der auch auf europaweiter Ebene Wirkung zeigt.
Europäische und globale Perspektive
Energiemärkte sind eng verflochten, Lieferketten oft global – das macht die Resilienz zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe mit europaweiter Dimension. Die Stärkung des EU-Binnenmarktes und der Ausbau gemeinsamer Industrie-, Handels- und Sicherheitspolitiken sind entscheidende Schritte. Dabei spielt die Diversifizierung von Bezugsquellen, etwa bei Gas und Wasserstoff, eine zentrale Rolle. Starke Speicheranlagen gleichen saisonale Schwankungen aus und stabilisieren das System.
Die Energiewende mit ihrem Fokus auf erneuerbare Technologien verlangt eine stabile und flexible Infrastruktur. Neue Gaskraftwerke, die wasserstofffähig sind, sowie digitale Innovationen sollen ab 2028 durch einen Kapazitätsmarkt ergänzt werden, der Versorgungslücken bei Schwankungen ausgleicht. Zusätzlich müssen strategische Rohstoffe gesichert und europäische Produktionskapazitäten für klimafreundliche Technologien gefördert werden.
Klimarisiken rücken ebenfalls stärker in den Fokus: Hitze, Starkregen oder Stürme gefährden Energieanlagen und erfordern schon in der Planung konsequente Investitionen. Hier unterstützt die Initiative der EU-Kommission für einen Rahmen zu Klimaresilienz und Risikomanagement.
Damit Resilienz gelingt, sind umfassende Weichenstellungen notwendig:
- Ausbau und Schutz kritischer Infrastrukturen nach höchsten Standards,
- Diversifizierung bei Energiequellen und Lieferketten,
- Förderung nachhaltiger Technologien mit Blick auf europäische Unabhängigkeit,
- Flexible und digital gestützte Energiesysteme,
- Verlässliche Finanzierung und gesellschaftliche Einbindung.
Diese Aufgaben verbinden wirtschaftliche Herausforderungen mit gesellschaftlichem Nutzen, denn ein resilienter Energiesektor bildet die Basis für Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz zugleich.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW).
13 Kommentare
Es wird spannend zu sehen sein wie sich unsere Energiestrategie entwickeln wird! Vor allem Wasserstoff könnte eine Schlüsselrolle spielen bei der Umstellung auf erneuerbare Energien.
Ich hoffe echt das da bald was passiert! Wir brauchen mehr Anreize für Unternehmen und auch für Verbraucher um nachhaltiger zu leben.
Auf jeden Fall Ayse! Ich denke auch das ein Kapazitätsmarkt wichtige Impulse geben kann für unser Energiesystem.
Die Diskussion über den Schutz kritischer Infrastrukturen sollte unbedingt geführt werden. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Energieversorgung stabil bleibt und gleichzeitig klimafreundlich gestaltet wird.
Die Forderung nach einer klaren Umsetzung der EU-Richtlinien ist entscheidend! Ich hoffe, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten können. Was sind eure Meinungen dazu? Wie sieht es mit der IT-Sicherheit aus?
IT-Sicherheit ist enorm wichtig! Ohne sie kann kein System wirklich resilient sein. Welche Maßnahmen haltet ihr für notwendig?
Ich denke auch, dass wir hier bessere Standards brauchen müssen! Gibt es bereits Modelle aus anderen Ländern, die als Vorbild dienen könnten?
Es ist gut zu sehen, dass der BDEW auf die Notwendigkeit einer Resilienzstrategie hinweist. Ich mache mir Sorgen über die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Können wir auf Wasserstoff und andere nachhaltige Quellen umsteigen?
Ich finde auch Wasserstoff vielversprechend! Aber wie schnell können wir die nötige Infrastruktur dafür aufbauen? Das ist eine große Herausforderung.
Ja, das sehe ich auch so! Vielleicht sollte mehr in Forschung und Entwicklung investiert werden, um Lösungen schneller zu finden.
Ich finde es sehr wichtig das die Bundesregierung eine Resilienzstrategie für den Energiesektor entwickelt. Die aktuelle Situation zeigt wie verletzlich unsere Infrastrukturen sind. Was haltet ihr von der Idee, mehr in erneuerbare Energien zu investieren?
Ich stimme dir zu, Janet! Wir sollten auch über Biomethan nachdenken, als eine Möglichkeit um die Resilienz zu erhöhen. Wie können wir sicherstellen, dass die Regierung die richtigen Schritte unternimmt?
Das Thema ist wirklich interessant und ich frage mich, wie schnell wir diese Veränderungen umsetzen können. Gibt es schon konkrete Pläne für die Umsetzung der Resilienzstrategie?