– Rentenreform soll höhere Renten für alle ermöglichen
– Unternehmen müssen mehr zur Alterssicherung beitragen
– Freiwilliges Arbeiten über Rentenalter statt Zwang zu längerer Arbeit
DGB fordert Rentenreform mit mehr Unternehmensverantwortung
Nach der Einigung im Koalitionsausschuss zur Rentendebatte hat der Deutsche Gewerkschaftsbund klare Erwartungen an die Politik formuliert. In einer Pressemitteilung vom 28. November 2025 (PM Nr. 063) positioniert sich DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel zur aktuellen Rentendiskussion und benennt konkrete Forderungen für eine zukunftsfeste Alterssicherung.
„Die Koalitionsfraktionen müssen jetzt Geschlossenheit für das Rentenpaket und das Betriebsrentenstärkungsgesetz zeigen und für Sicherheit sorgen. Junge und Alte brauchen eine Rentenreform, die zu mehr Rente für alle führt. Unsere europäischen Nachbarn zeigen es: Bessere Renten sind möglich, die Kosten dafür müssen aber gemeinsam geschultert werden. Unternehmen dürfen sich nicht verweigern, wenn Menschen bereit sind, ihren Teil zu übernehmen. In allen erfolgreichen Ländern tragen Unternehmen mehr als die Hälfte zur Alterssicherung bei.“
„Was die Einnahmeseite stärkt ist mehr Erwerbstätigkeit durch bessere Ausbildung, längeres Arbeiten durch gesündere Arbeitsbedingungen, weniger unfreiwillige Teilzeit, mehr Tarifbindung. Ziel einer guten Beschäftigungspolitik muss sein, dass mehr Menschen in Arbeit sind und gut bis zur Rente arbeiten können. Wer gesundheitlich dazu in der Lage ist, soll auch über das Rentenalter hinaus arbeiten können, wenn er das will. Ein Zwang zum längeren Arbeiten durch höhere Altersgrenzen, steigende Abschläge oder sinkendes Rentenniveau sind aber der falsche Weg. Ältere Beschäftigte brauchen keinesfalls die Daumenschrauben der Marktradikalen, das geht nur zu Lasten der Schwächsten und Kranken und verschärft die Ungleichheit immer weiter.“
Deutschland im internationalen Rentenvergleich: Mittelmaß mit Luft nach oben
Die Positionierung Deutschlands im internationalen Rentenvergleich zeigt ein gemischtes Bild. Deutschland belegt im Global Pension Index 2024 Rang 20 von 48 untersuchten Ländern mit einer Gesamtbewertung von 67,3 Punkten*.
Wie Deutschland im europäischen Vergleich dasteht
Im europäischen Kontext zeigt sich, dass Deutschland nicht zu den Spitzenreitern der Rentensysteme zählt. Die Datenlage aus verschiedenen Jahren – vom aktuellen Ranking 2024 – verdeutlicht eine konsistente Tendenz: Deutschland hinkt den besten Rentensystemen hinterher.
Bewertung der betrieblichen Altersvorsorge
Ein besonderer Schwachpunkt zeigt sich bei der betrieblichen Altersvorsorge. Die Beteiligung liegt bei etwa 60 Prozent der Beschäftigten (Stand: 2024)*. Diese vergleichsweise niedrige Durchdringung erklärt teilweise, warum Deutschland im internationalen Vergleich nicht zu den Spitzenreitern zählt und unterstreicht den Reformbedarf, den auch der DGB in seiner aktuellen Stellungnahme anspricht.
| Jahr | Indikator | Wert | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2024 | Global Pension Index (Rang) | 20 von 48 Ländern | Mercer 2024* |
| 2024 | Betriebliche Altersvorsorge (Beteiligung) | ca. 60 % | Mercer 2024* |
Rentenpaket 2025: Zeitplan und Finanzierung im Fokus
Der Deutsche Bundestag berät im Oktober 2025 über zwei zentrale Gesetzesvorhaben zur Alterssicherung: den Entwurf zur Stabilisierung des Rentenniveaus und das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Diese parlamentarischen Beratungen markieren einen wichtigen Schritt im Gesetzgebungsprozess des Rentenpakets 2025. Die Debatten konzentrieren sich sowohl auf die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen als auch auf deren langfristige Finanzierung.
Gesetzgebungsstand und Zeitplan
Aktuell befinden sich die Gesetzentwürfe in der parlamentarischen Beratungsphase. Die Bundestagsdebatten im Oktober 2025 bilden eine zentrale Station im legislativen Fahrplan.
Finanzielle Eckpunkte des Rentenpakets
Die finanziellen Auswirkungen des Rentenpakets entfalten sich über mehrere Jahre und umfassen erhebliche Bundesmittel:
- Bundesmittelerstattung an die Rentenversicherung: 4,1 Milliarden Euro im Jahr 2029 (Stand: 2025)*
- Bundesmittelerstattung an die Rentenversicherung: 9,4 Milliarden Euro im Jahr 2030 (Stand: 2025)*
- Zusätzliche jährliche Mittel für die Mütterrente: 5 Milliarden Euro ab 2028 (Stand: 2025)*
Diese finanziellen Verpflichtungen des Bundes zeigen die langfristige Dimension der Rentenreform. Die gestaffelten Zahlungsströme – beginnend mit der Mütterrente ab 2028, gefolgt von steigenden Erstattungsbeträgen in den Jahren 2029 und 2030 – unterstreichen die nachhaltige Ausrichtung des Vorhabens. Die aktuellen parlamentarischen Beratungen müssen sowohl diese finanziellen Verpflichtungen als auch die sozialpolitischen Zielsetzungen in Einklang bringen.
Auswirkungen, unterschiedliche Perspektiven und Ausblick
Die geplante Rentenreform berührt zentrale gesellschaftliche Fragen der Einkommenssicherung und Altersvorsorge. Besonders betroffen sind Bezieherinnen und Bezieher kleiner Renten sowie Beschäftigte ohne betriebliche Altersvorsorge, für die die Reform spürbare Verbesserungen bringen soll. Während Gewerkschaften auf eine stärkere Beteiligung der Unternehmen an den Kosten der Alterssicherung drängen, stehen im aktuellen Gesetzgebungsentwurf die finanziellen Umsetzungsmöglichkeiten im Fokus. Die unterschiedlichen Positionen zeigen sich deutlich: Einerseits wird mehr Tarifbindung und bessere Arbeitsbedingungen als Weg zu höheren Rentenansprüchen gesehen, andererseits müssen die finanziellen Eckwerte des Rentenpakets im Rahmen bleiben.
Gesellschaftliche Relevanz der Reform
Die Reform zielt darauf ab, die Alterssicherung langfristig zu stabilisieren und insbesondere Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien oder niedrigen Einkommen bessere Perspektiven zu bieten. Kritiker warnen jedoch vor möglichen Verteilungswirkungen: Ohne ausreichende Gegenfinanzierung könnten die Lasten ungleich verteilt werden. Die Diskussion kreist um die Frage, wie sich höhere Rentenansprüche mit der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen vereinbaren lassen und welche Rolle die betriebliche Altersvorsorge künftig spielen wird.
Nächste Schritte im Gesetzgebungsverfahren
Nach der Einigung im Koalitionsausschuss steht nun die parlamentarische Behandlung an. Es werden in den kommenden Wochen die Ausschussberatungen und Lesungen im Plenum erwartet. Entscheidend bleibt, ob die Fraktionen geschlossen für das Rentenpaket und das Betriebsrentenstärkungsgesetz stimmen. Als Indikatoren für den Erfolg der Reform gelten in den nächsten Jahren die Entwicklung des Rentenniveaus, die Teilnahmequote an der betrieblichen Altersvorsorge und die finanziellen Auswirkungen auf die Sozialversicherungssysteme. Die Debatte zeigt: Die Rentenreform bleibt ein Balanceakt zwischen sozialer Sicherheit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.*
Dieser Beitrag beruht auf einer Pressemitteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Weiterführende Quellen:
- „Deutschland verzeichnete 2022 Rentenausgaben in Höhe von 11,6 % des BIP, was unter dem EU27-Durchschnitt von 12,3 % liegt.“ – Quelle: https://www.bmas.de/DE/Soziales/Rente-und-Altersvorsorge/Fakten-zur-Rente/Alterssicherung-im-internationalen-Vergleich/alterssicherung-im-internationalen-vergleich.html
- „Laut Global Pension Index 2024 belegt Deutschland Rang 20 von 48 Ländern mit 67,3 Punkten; die betriebliche Altersvorsorge ist mit etwa 60 % Beteiligung unterdurchschnittlich.“ – Quelle: https://www.vgsd.de/mercer-und-oecd-vergleichen-die-altersvorsorgesysteme-weltweit-deutschlands-rentensystem-mittelmaessig-aber-immerhin-besser-als-das-von-oesterreich/
- „Der Beitragssatz der Rentenversicherung in Österreich liegt 2024–2025 bei 22,3 %, vergleichbar mit der für Deutschland geplanten Erhöhung von derzeit 18,6 % auf 22,3 %.“ – Quelle: https://www.vgsd.de/mercer-und-oecd-vergleichen-die-altersvorsorgesysteme-weltweit-deutschlands-rentensystem-mittelmaessig-aber-immerhin-besser-als-das-von-oesterreich/
- „Im Oktober 2025 berät der Bundestag Gesetzentwürfe zur Stabilisierung des Rentenniveaus und zum Betriebsrentenstärkungsgesetz als Teil des Rentenpakets 2025.“ – Quelle: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw42-de-rente-1115416
- „Das Rentenpaket 2025 sieht eine Bundesmittelerstattung an die Rentenversicherung von 4,1 Mrd. Euro (2029) und 9,4 Mrd. Euro (2030) sowie ab 2028 zusätzlich 5 Mrd. Euro jährlich für die Mütterrente vor.“ – Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/reform-der-altersvorsorge-rente-deutschland-100.html
- „Das internationale Altersvorsorge-Ranking 2025 ordnet Deutschland auf Platz 22 von 52 Ländern ein und bestätigt die mittelmäßige Position im globalen Vergleich.“ – Quelle: https://www.dasinvestment.com/internationaler-vergleich-diese-laender-haben-das-beste-rentensystem/
9 Antworten
Die betriebliche Altersvorsorge muss wirklich verbessert werden! Nur ca 60 % sind wenig und zeigt wie nötig eine Reform ist!
Ja total wichtig das Thema – könnten Unternehmen nicht einfach mehr investieren – dann würde es auch besser sein für alle!
„Ich finde es positiv, dass der DGB für höhere Renten kämpft. Aber ich mache mir Sorgen über die Finanzierung dieser Reformen. Woher kommen all diese Mittel?“
Die Diskussion über die Rentenreform ist wichtig. Aber was passiert mit den Menschen, die nicht bis zur Rente arbeiten können? Gibt es da genug Unterstützung? Ich hoffe, das wird beachtet.
Das ist ein guter Punkt! Wir müssen auch an die denken, die gesundheitliche Probleme haben und nicht länger arbeiten können. Vielleicht könnte mehr Hilfe kommen?
„Ja genau! Eine gerechte Lösung muss auch diese Aspekte berücksichtigen! Wie steht es um die Beteiligung der Beschäftigten an der betrieblichen Altersvorsorge? Gibt es da gute Ideen?
Ich finde die Idee von höheren Renten für alle sehr gut. Aber was ist mit den Unternehmen? Warum tragen sie nicht mehr zur Altersvorsorge bei? Das macht keinen Sinn. Vielleicht sollten wir mehr darüber reden, wie das funktionieren kann.
Ja, genau! Es ist wichtig, dass die Unternehmen ihren Teil beitragen. Wenn wir bessere Renten wollen, müssen wir alle zusammenarbeiten. Was denkt ihr über die Vorschläge des DGB?
Ich stimme zu! Wir brauchen eine Reform, die alle einbezieht. Wie können wir sicherstellen, dass ältere Menschen auch nach dem Rentenalter arbeiten können, wenn sie wollen?