Renminbi als Weltwährung? Warum US-Dollar und Euro den internationalen Handel weiterhin dominieren

Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Laut einer DIW-Studie stieg der Anteil des chinesischen Renminbi als Rechnungswährung im Welthandel von unter einem auf rund zehn Prozent – allerdings fast ausschließlich im Handel mit China. US-Dollar und Euro bleiben weiter dominant, weil geopolitische Spannungen und etablierte Finanzstrukturen einen breiten Wechsel erschweren. Ein wirklich multipolares Währungssystem ist damit noch in weiter Ferne.

Inhaltsverzeichnis

Über uns:
Seit über 20 Jahren sind wir im Bereich Marketing und Kommunikation tätig und unterstützen Verbände, Organisationen und Institutionen mit fundierter Praxis- und Branchenexpertise. Unsere Arbeit wird durchweg positiv bewertet – unter anderem auf Trustpilot, ProvenExpert und in Google Bewertungen.

Unterstütze unsere Arbeit mit deiner Bewertung.
Große Konzerne kaufen Reichweite, wir setzen auf echte Leser. Deine positive Bewertung signalisiert dem Algorithmus Relevanz, stärkt unsere Sichtbarkeit und hilft, unabhängige Inhalte sichtbar zu halten.

Scanne den QR-Code oder klicke auf den Link. Du wirst direkt zu Google weitergeleitet.

– Renminbi-Anteil als Rechnungswährung im französischen Handel stieg 2011–2017 von unter 1 % auf 10 %.
– Rohstoffhandel bleibt überwiegend in US-Dollar und Euro denominiert.
– US-Wirtschaftspolitik-Unsicherheit könnte dem Euro als alternative Rechnungswährung Auftrieb geben.

Die Rolle des Renminbi im internationalen Handel: Zwischen Strategien und Realität

Der chinesische Renminbi (RMB) gewinnt im globalen Handel zunehmend an Bedeutung, kann aber die führenden Währungen US-Dollar und Euro vorerst nicht ablösen. Die Bemühungen Chinas, seine Währung als zentrale Rechnungswährung zu etablieren, gehen mit einer strategischen Zielsetzung einher: Transaktionskosten für chinesische Unternehmen senken, deren internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern und die Währung ihrem wachsenden wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss anpassen. Wie Studienautorin Sonali Chowdhry vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erklärt: „China verfolgt seit langem die Strategie, den Renminbi als führende Rechnungswährung im globalen Handel zu etablieren. Damit will das Land die Transaktionskosten für seine Unternehmen senken und deren internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken, aber auch seine Währung auf ein Niveau heben, das dem wachsenden wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss Chinas entspricht.“

Der strategische Wettbewerb mit den USA spielt dabei eine zentrale Rolle, denn „der strategische Wettbewerb mit den USA treibt China dazu, sich im globalen Handel vom US-Dollar unabhängig zu machen.“ Die aktuellen geopolitischen Spannungen und Handelskonflikte veranlassen viele Regierungen weltweit, verstärkt eigene Währungen zu fördern, was den Währungswettbewerb weiter anheizt.

Anhand französischer Zolldaten aus den Jahren 2011 bis 2017 untersuchte die DIW-Studie detailliert die Reaktionen von Unternehmen auf diese Bemühungen. In diesem Zeitraum konnte der RMB-Anteil an Rechnungsstellungen vom unter einem Prozent auf zehn Prozent steigen – ein deutlicher Fortschritt, der aber auch Grenzen aufzeigt. Vor allem in der Konsumgüterbranche exportierten Firmen zunehmend in Renminbi, bei Rohstoffen hingegen bleibt der US-Dollar dominierend. Zudem blieb die Nutzung des Renminbi faktisch auf den Handel mit China beschränkt, mit 99 Prozent der Rechnungsstellung in RMB, die sich auf China beziehen. Große und erfahrene Unternehmen mit umfassender Handelskompetenz im chinesischen Markt haben die Währung eher angenommen, während unerfahrene Firmen diesen Schritt kaum wagten.

Dass der Renminbi den Euro oder US-Dollar als globale Rechnungseinheit verdrängt, ist aktuell unwahrscheinlich. Der Übergang zu einem tatsächlich multipolaren Währungssystem sei langfristig und branchenabhängig, erklärt Sonali Chowdhry: „Der Übergang zu einem wirklich multipolaren Währungssystem dürfte langwierig sein und je nach Branche und Unternehmen sehr unterschiedlich ausfallen.“ Zugleich könnte die gegenwärtige Unsicherheit in der US-Wirtschaftspolitik dem Euro neue Chancen eröffnen: „Die derzeitige Unsicherheit in der US-Wirtschaftspolitik könnte dem Euro die Möglichkeit bieten, sich noch stärker zu etablieren.“ Dafür bedarf es aus Sicht von Europas Zentralbankpräsidentin zusätzlicher Instrumente wie der Ausweitung von Swap-Linien zwischen Handelspartnern und der Verringerung von Transaktionskosten durch eine digitale Euro-Einführung.

Insgesamt zeigt die Studie des DIW Berlin, dass Währungswettbewerb und Rechnungswährungsverschiebungen das globale Handelsumfeld verändern – doch der Renminbi bleibt trotz seines Aufstiegs aktuell Teil eines internationalen Systems, in dem der US-Dollar und der Euro die Hauptrollen spielen.

Weitere Einblicke bietet die DIW-Studie im Wochenbericht 31/2025 [https://www.diw.de/de/diw_01.c.969539.de/publikationen/wochenberichte/2025_31_1/geopolitische_konflikte_heizen_waehrungswettbewerb_an__us-dollar_und_euro_sind_aber_schwer_zu_ersetzen.html] sowie das Interview mit Studienautorin Sonali Chowdhry [https://www.diw.de/de/diw_01.c.969541.de/publikationen/wochenberichte/2025_31_2/global_ist_der_renminbi_noch_weit_davon_entfernt__den_us-dollar_zu_verdraengen__interview.html]. Die umfassende Infografik dazu ist unter [https://www.diw.de/documents/infografiken/503/diw_01.c.969549.de/wb31-2025-renminbi-infografik_highres.jpg] verfügbar.

Der Renminbi auf dem Weg zur Weltwährung? Warum Dollar und Euro schwer zu verdrängen sind

Im internationalen Handel bestimmt die Auswahl der Rechnungswährung maßgeblich die Abläufe und Kosten von Transaktionen. Der US-Dollar dominiert seit Jahrzehnten als Leitwährung, gefolgt vom Euro. Doch mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und der Strategie, den Renminbi (RMB) global zu etablieren, gewinnt eine weitere Währung zunehmend an Bedeutung. Die Frage ist: Kann der Renminbi den Dollar oder den Euro als weltweite Währung verdrängen? Und welche Faktoren erschweren oder begünstigen eine solche Verschiebung?

China verfolgt seit Langem das Ziel, den Renminbi als führende Rechnungswährung im globalen Handel zu positionieren. Die Strategie zielt darauf ab, Transaktionskosten für chinesische Unternehmen zu senken, deren internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Währung ihrem wirtschaftlichen und geopolitischen Gewicht anzupassen. "Der strategische Wettbewerb mit den USA treibt China dazu, sich im globalen Handel vom US-Dollar unabhängig zu machen", erläutert Sonali Chowdhry, Studienautorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Trotz des Aufwärtstrends ist der Renminbi jedoch noch weit davon entfernt, Dollar oder Euro ernsthaft Konkurrenz zu machen. Eine Analyse französischer Exportunternehmen im Zeitraum von 2011 bis 2017 zeigt: Der RMB-Anteil bei der Abrechnung stieg zwar von unter einem auf rund zehn Prozent, blieb aber fast ausschließlich auf den Handel mit China beschränkt. So rechneten vor allem große und erfahrene Firmen in chinesischer Währung ab, während Unternehmen ohne China-Erfahrung kaum auf den Renminbi setzten. Besonders bei Rohstoffen hingegen bleibt der US-Dollar weiterhin unangefochten.

Welche Auswirkungen haben geopolitische Spannungen und wirtschaftspolitische Unsicherheiten auf diese Dynamik? Und wie kann Stabilität im internationalen Zahlungsverkehr erzeugt werden?

Wie entsteht Stabilität im internationalen Zahlungsverkehr?

Die Wahl einer Leitwährung – ob Dollar, Euro oder Renminbi – beruht auf verschiedenen elementaren Faktoren:

  • Vertrauen in politische und wirtschaftliche Stabilität des Währungsraums
  • Liquidität und Zugang zu Finanzmärkten, die eine reibungslose Abwicklung von Transaktionen ermöglichen
  • Netzwerkeffekte, da viele Akteure global dieselbe Währung verwenden und so Wechselkosten minimiert werden
  • Rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen, die internationale Nutzung rechtssicher gestalten

Der US-Dollar erfüllt diese Bedingungen seit Jahrzehnten, unterstützt durch die Rolle der USA als größte Volkswirtschaft und als dominierende Militärmacht. Der Euro spielt als zweitwichtigste Währung eine starke Rolle, profitiert jedoch unter anderem von der Unsicherheit in der US-Wirtschaftspolitik, die manchen Akteuren eine diversifiziertere Währungsbasis nahelegt.

Bei der Etablierung des Renminbi als Leitwährung stehen hingegen noch Herausforderungen wie die eingeschränkte Konvertibilität, ein weniger entwickelter Kapitalmarkt und politische Einflüsse im Vordergrund. Solange diese Hürden nicht überwunden sind, wird der Dollar seine führende Rolle nur schwer verlieren.

Welche Faktoren könnten künftige Veränderungen begünstigen?

Mehrere Aspekte könnten langfristig einen Wandel begünstigen – und die Position des Euro oder Renminbi stärken:

  • Geopolitische Entwicklungen: Handelskonflikte und politische Spannungen fördern Strategien zur Verringerung der Dollarabhängigkeit. China etwa unterstützt aktiv die Verwendung des Renminbi im Handel, um den Einfluss der US-Währung zu minimieren.

  • Technologische Innovationen: Die Einführung eines digitalen Euros könnte Transaktionskosten senken und damit die internationale Nutzung erleichtern. Ebenso könnten digitale Zahlungsnetzwerke den Renminbi attraktiver machen.

  • Erweiterung von Swap-Linien: Der Ausbau wechselseitiger Vereinbarungen zur Bereitstellung von Liquidität zwischen Zentralbanken erleichtert die Nutzung alternativer Reservewährungen.

  • Veränderungen im globalen Wirtschaftssystem: Eine multipolare Währungsordnung kann künftigen Anforderungen besser gerecht werden, sofern sie auf Vertrauen, Offenheit und Stabilität beruht.

In der Praxis zeigt sich, dass der Übergang zu einem solchen multipolaren Währungssystem langwierig ist und unterschiedlich auf Branchen sowie einzelnen Unternehmen wirkt. Auch die derzeitige Unsicherheit in der US-Wirtschaftspolitik sieht Sonali Chowdhry als Chance für den Euro, sich stärker als globale Rechnungswährung zu positionieren: "Die derzeitige Unsicherheit in der US-Wirtschaftspolitik könnte dem Euro die Möglichkeit bieten, sich noch stärker zu etablieren." Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank unterstützt bereits die Vision eines „globalen Euro“.

Status quo der wichtigsten Währungen und Hindernisse bei der Währungsverschiebung

Im internationalen Handel dominieren aktuell folgende Tendenzen:

  • US-Dollar: Bleibt unverändert wichtigste Reserve- und Leitwährung, vor allem im Rohstoffhandel und bei multinationalen Transaktionen.

  • Euro: Stärkt langsam seine Stellung in Europa und im östlichen Handel, profitiert von Liquiditätsnetzwerken und potenziell digitaler Währungsinnovation.

  • Renminbi: Verzeichnet steigende Nutzung vor allem im Handel mit China, jedoch regional limitiert. Die eingeschränkte internationale Akzeptanz, begrenzte Kapitalmarkttiefe und politische Einflüsse sind aktuelle Hemmnisse.

  • Herausforderungen für Wechsel: Wechselkosten, Anpassung von IT- und Finanzsystemen, regulatorische Hürden und Vertrauensfragen bremsen den Wechsel von dominanten Leitwährungen.

  • Internationale Erfahrungen: Historisch zeigt sich, dass Leitwährungswechsel selten und schrittweise erfolgen, oft begleitet von globaler Verschiebung wirtschaftlicher Machtverhältnisse und stabilen politischen Verhältnissen.

Im Spannungsfeld von geopolitischem Wettbewerb, wirtschaftspolitischen Strategien und technologischen Fortschritten bleibt die Debatte um die Zukunft der Weltwährungen eines der wichtigsten Themen der internationalen Wirtschaftsordnung. Die Entwicklung des Renminbi zur Weltleitwährung wird daher genau zu beobachten sein – angesichts der Widerstände, die dem Dollar als globaler Nummer eins entgegengesetzt sind.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge

Dieser Beitrag gehört zu den folgenden Kategorien: