NORDMETALL-Konjunkturumfrage 2025: Jeder vierte Betrieb plant Produktionsverlagerung ins Ausland

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Die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie sieht sich in einer kritischen Lage: Nur 17 Prozent der Unternehmen erwarten eine Geschäftsverbesserung, während 40 Prozent unter Auftragsmangel leiden. Jeder vierte Betrieb plant Produktionsverlagerungen ins Ausland – ein Allzeithoch seit 2008. Die Verbände fordern die Bundesregierung zu raschem Handeln auf, um den Industriestandort zu schützen.

Inhaltsverzeichnis

– Norddeutsche Industrie befindet sich im vierten Rezessionsjahr.
– Jedes vierte Unternehmen plant Produktionsverlagerungen ins Ausland.
– 40 Prozent der Firmen leiden unter Auftragsmangel, dem höchsten Wert seit 2021.

NORDMETALL-Umfrage 2025: Standortsklerose und Rekord-Abwanderung

Die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie befindet sich im vierten Rezessionsjahr – und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Die Herbst-Konjunkturumfrage 2025 der Arbeitgeberverbände zeichnet ein düsteres Bild: "Die Lage ist nach wie vor sehr kritisch, die Standort-Sklerose ist nicht geheilt", resümiert NORDMETALL-Vizepräsidentin Lena Ströbele die Ergebnisse (Stand: 18.11.2025)*.

Geschäftslage und Auftragslage

Nur noch 17 Prozent der norddeutschen Unternehmen erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage – im Frühjahr 2025 waren es noch 21 Prozent. Die Mehrheit von 60 Prozent rechnet mit unveränderter Lage, während 23 Prozent eine Verschlechterung befürchten. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: In Schleswig-Holstein rechnen 28 Prozent mit negativer Entwicklung, in Bremen 17 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern 14 Prozent (Stand: 18.11.2025)*.

Besonders alarmierend: 40 Prozent der Firmen leiden unter Auftragsmangel, der höchste Wert seit der Corona-Krise Anfang 2021*.

Kosten- und Personalentwicklung

Die wirtschaftliche Belastung zeigt sich deutlich in den Betriebszahlen. Jeder dritte Betrieb beurteilt die Geschäftslage als schlecht oder unbefriedigend. 37 Prozent der Betriebe konnten Kostensteigerungen nicht mehr mit Preiserhöhungen ausgleichen – ein Anstieg um elf Prozentpunkte gegenüber dem Frühjahr*.

Die Personalplanung spiegelt die Krise wider: 28 Prozent der Unternehmen wollen ihren Personalbestand verringern, in Bremen sind es sogar 33 Prozent. Im Frühjahr 2025 lagen diese Werte noch bei 17 Prozent.

Fachkräfte und Standortattraktivität

Trotz der schwierigen Lage bleibt der Fachkräftemangel ein Problem: 51 Prozent der Unternehmen bewerten die Verfügbarkeit von Fachkräften als schlecht oder unbefriedigend, sieben Prozent weniger als im Frühjahr. In Mecklenburg-Vorpommern klagen 65 Prozent über Fachkräftemangel, in Schleswig-Holstein 42 Prozent und in Bremen 41 Prozent.

Positiv entwickelt sich dagegen die Situation bei Auszubildenden: 49 Prozent der norddeutschen Betriebe sehen hier eine gute oder zufriedenstellende Verfügbarkeit, in Bremen sogar 70 Prozent.

Besorgniserregende Abwanderungstendenzen

Die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland hat sich nach Einschätzung von 52 Prozent der norddeutschen Industrieunternehmen weiter verschlechtert – im Frühjahr waren es 49 Prozent.

Der besorgniserregendste Wert: Jeder vierte Betrieb plant Produktionsverlagerungen ins Ausland. Dies markiert einen Allzeit-Höchstwert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2008. Im Frühjahr 2025 lagen diese Pläne noch bei 21 Prozent der Betriebe.

Lena Ströbele warnt: "Die wichtigsten Stellschrauben hat die Politik selbst in der Hand: Wenn die Bundesregierung nicht rasch für massiven Bürokratieabbau, steuerliche Entlastungen, niedrigere Arbeitskosten durch eine Reform der Sozialversicherungen, niedrigere Energiepreise und eine wirksame Fachkräftepolitik sorgt, wird das die Abwanderung vieler Produktionsstätten ins Ausland weiter befördern."

Zwiespältige Signale: Bremens Wirtschaft zwischen Wachstum und Skepsis

Die wirtschaftliche Stimmung in Bremen zeigt ein widersprüchliches Bild: Während die Konjunkturumfragen der norddeutschen Arbeitgeberverbände tiefe Verunsicherung dokumentieren, zeichnen harte Wirtschaftsdaten eine differenziertere Lage. Dieser Kontrast zwischen gefühlter und gemessener Realität prägt die aktuelle Diskussion um Bremens Wirtschaftsperspektiven.

Die NORDMETALL-Vizepräsidentin für Bremen, Lena Ströbele, bringt die Stimmung auf den Punkt: „Die Standort-Sklerose ist nicht geheilt.“ Diese Einschätzung spiegelt sich in den Umfragewerten wider: Eine gesonderte Erhebung bei 324 Bremer Betrieben zeigt überwiegend negative Bewertungen der Gesamtwirtschaft (Quelle: Herbst-Konjunkturumfrage Bremen)*.

Kontrast: Umfragepessimismus vs. Wirtschaftsdaten

Diesen pessimistischen Einschätzungen steht ein Wert gegenüber: Der Konjunkturindikator für das produzierende Gewerbe in Bremen lag im Sommer 2025 bei lediglich 68 Punkten – deutlich unter dem Zehn-Jahres-Mittel von 98 Punkten (Quelle: IHK Bremen, Stand: Sommer 2025)*.

Die Diskrepanz zeigt sich besonders bei den Exporterwartungen: Während die Bremer Industrie ihre Exportaussichten als stark rückläufig einschätzt (Quelle: IHK Bremen, Stand: Sommer 2025), entwickelt sich die Investitionstätigkeit der Bremer Industrie über dem Bundesdurchschnitt (Quelle: Masterplan Industrie Bremen, Stand: 2025).

Indikator Wert Einheit Quelle/Stand
Fahrzeugbau Umsatz Bremen 25 Mrd. Euro Umsatz WFB Bremen (2025)
Konjunkturindikator Produzierendes Gewerbe Bremen 68 Punkte Indexpunkte IHK Bremen (Sommer 2025)
Exporterwartungen Bremer Industrie stark rückläufig qualitative Einschätzung IHK Bremen (Sommer 2025)
Umfrage Gesamtwirtschaft Bremen 324 Betriebe Anzahl Befragte Herbst-Konjunkturumfrage Bremen*

Branchenprofil: Fahrzeugbau, Schiffbau und Investitionen

Der Fahrzeugbau bleibt mit einem Umsatz von rund 25 Milliarden Euro eine tragende Säule der Bremer Wirtschaft (Quelle: WFB Bremen, Stand: 2025)*. Diese starke Position steht im Kontrast zu den allgemeinen Pessimismus-Tendenzen und unterstreicht die unterschiedliche Betroffenheit der einzelnen Branchen. Während einige Segmente mit Auftragsmangel kämpfen, verzeichnen andere stabile bis gute Geschäfte.

Die Investitionstätigkeit der Bremer Industrie entwickelt sich erfreulich – sie liegt im Bundesvergleich über dem Durchschnitt (Quelle: Masterplan Industrie Bremen, Stand: 2025)*. Diese Investitionsbereitschaft deutet darauf hin, dass viele Unternehmen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in die Zukunft des Standorts Bremen setzen.

Die wirtschaftliche Realität Bremens zeigt sich damit komplexer als es einfache Zu- oder Abnahme-Narrative vermitteln können. Während die Stimmungslage von Verunsicherung geprägt ist, basiert die ökonomische Grundlage auf stabilen Branchen und einem investitionsfreudigen Umfeld.

Statistiken, Fakten & Quellen

Die wirtschaftliche Entwicklung im Land Bremen zeigt ein differenziertes Bild. Die folgenden Zahlen und Fakten geben einen datenbasierten Überblick über die aktuelle Lage.

  • Das Bruttoinlandsprodukt im Land Bremen stieg preisbereinigt um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Stand: 2025, Quelle: Statistikamt Bremen)*.
  • Der Fahrzeugbau in Bremen erzielte einen Umsatz von rund 25 Mrd. Euro (Stand: 2025, Quelle: WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH)*.
  • Der Konjunkturindikator für das Produzierende Gewerbe in Bremen liegt bei 68 Punkten – das Zehn-Jahres-Mittel beträgt 98 Punkte (Stand: Sommer 2025, Quelle: IHK für Bremen und Bremerhaven)*.
  • Eine Umfrage unter 324 Bremer Betrieben ergab vorwiegend negative Bewertungen der Gesamtwirtschaft (Stand: Herbst 2025, Quelle: IHK für Bremen und Bremerhaven)*.
  • Die Investitionstätigkeit der Bremer Industrie entwickelt sich stärker als im Durchschnitt der deutschen Industriestandorte (Stand: 2025, Quelle: Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa Bremen)*.

    Wenn Unternehmen gehen: Was bleibt vor Ort?

Die angespannte Stimmung in der norddeutschen Industrie wirft konkrete Fragen nach den Folgen für Beschäftigte und Regionen auf. Wenn Betriebe über Produktionsverlagerungen ins Ausland nachdenken, geht es nicht nur um Unternehmensstandorte, sondern um Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und Ausbildungschancen. Die Herbst-Konjunkturumfrage 2025 zeigt eine hohe Zahl an Betrieben, die solche Schritte planen.*

Für Beschäftigte bedeutet dies existenzielle Unsicherheit. Besonders betroffen sind Branchen wie der Maschinenbau oder die Metallerzeugung, wo bereits heute viele Unternehmen über Personalabbau nachdenken. Kommt es tatsächlich zu Verlagerungen, stehen nicht nur direkt betroffene Arbeitsplätze auf dem Spiel, sondern auch Zuliefernetzwerke und Dienstleistungen in der Region. Die wirtschaftliche Basis ganzer Kommunen könnte schrumpfen.

Gleichzeitig zeichnet die aktuelle Datenlage ein differenziertes Bild. Während die Stimmung in Umfragen gedämpft bleibt, zeigt das reale Wirtschaftsgeschehen teilweise andere Tendenzen. So stieg das Bremer Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr 2025 um 2,9 Prozent (Stand: 2025)*. Diese Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Entwicklung wirft die Frage auf, wie nachhaltig die positive Konjunktur ohne Investitionsbereitschaft der Unternehmen sein kann.

Die Investitionstätigkeit vor Ort spielt eine Schlüsselrolle für den Erhalt von Arbeitsplätzen. Sinkende Exporterwartungen der Bremer Industrie (Stand: Sommer 2025)* deuten jedoch auf wachsende Zurückhaltung hin. Wenn Unternehmen weniger in moderne Produktionsanlagen oder Digitalisierung investieren, gefährdet dies nicht nur heutige Arbeitsplätze, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit von morgen. Der Konjunkturindikator für das produzierende Gewerbe in Bremen liegt bei nur 68 Punkten (Stand: Sommer 2025)* – ein weiteres Signal für verhaltene Zuversicht.

Aus Sicht der Auszubildenden und des Fachkräftenachwuchses stellt sich die Situation ambivalent dar. Einerseits beklagen viele Betriebe weiterhin Fachkräftemangel, andererseits zeigen sich in Bremen vergleichsweise positive Signale bei der Verfügbarkeit von Ausbildungsplatzbewerbern. Doch wenn Unternehmen ihre Standortperspektive infrage stellen, wird auch die Ausbildungssituation langfristig prekär. Wer heute keine Lehrstellen anbietet oder ausbildet, fehlt morgen als Arbeitgeber für qualifizierte Fachkräfte.

Die gesellschaftliche Relevanz dieser Entwicklung geht weit über reine Arbeitsmarktzahlen hinaus. Wenn industrielle Kerne schwinden, verliert eine Region nicht nur Steuereinnahmen, sondern auch technologisches Know-how, Innovationskraft und letztlich Attraktivität für weitere Investoren. Ein Teufelskreis droht, der Jahre braucht, um durchbrochen zu werden. Die politische Herausforderung besteht darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Unternehmen Perspektiven bieten – bevor die Entscheidung für einen Standortwechsel endgültig fällt.

Ausblick & Handlungserfordernisse

Die strukturellen Probleme am Wirtschaftsstandort Deutschland erfordern ein entschlossenes und koordiniertes Handeln auf mehreren Ebenen. Während die Bundesregierung die zentralen Rahmenbedingungen setzen muss, können Unternehmen und Regionen durch gezielte Maßnahmen ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Auf politischer Ebene drängen sich drei Handlungsfelder auf: Ein massiver Bürokratieabbau würde Unternehmen von administrativen Lasten befreien und Ressourcen für Innovationen freisetzen. Steuerliche Entlastungen könnten die Investitionskraft der Betriebe stärken, während eine reformierte Fachkräftepolitik den akuten Personalmangel lindern würde. Wie im ersten Kapitel dokumentiert, appelliert NORDMETALL-Vizepräsidentin Lena Ströbele an die Bundesregierung, schnell und konkret zu handeln, um Produktionsverlagerungen ins Ausland zu verhindern.

Die regionale Ebene gewinnt angesichts dieser Herausforderungen zusätzlich an Bedeutung. Bremen zeigt mit einer Investitionsstärke der Industrie im Bundesvergleich (Stand: 2025), dass lokale Industriepolitik Wirkung entfalten kann. Mit einem Umsatzanteil des Fahrzeugbaus von 25 Milliarden Euro (Stand: 2025) unterstreicht das Bundesland, wie wichtig standortspezifische Lösungen sind.

Dieser Beitrag basiert auf Erkenntnissen und Aussagen aus einer Pressemitteilung des NORDMETALL Verbandes der Metall- und Elektroindustrie e.V.

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. ‚Standort-Sklerose‘ – was für ein Begriff! Es klingt so festgefahren. Ich frage mich: Was könnte Bremen tun, um attraktiv für Investoren zu bleiben? Hat jemand Vorschläge?

    1. ‚Attraktivität‘ wird oft von niedrigeren Kosten bestimmt – das stimmt! Aber was ist mit Innovation? Wir brauchen mehr Ideen und kreative Lösungen in der Industrie!

  2. Die Zahlen zur Abwanderung sind alarmierend und müssen ernst genommen werden! Ich frage mich oft, warum es nicht mehr politischen Druck gibt für Lösungen. Gibt es Initiativen oder Bewegungen, die wir unterstützen können?

    1. Das würde ich auch gerne wissen! Es scheint manchmal so, als ob die Regierung nicht wirklich versteht, wie dringend das Problem ist. Welche Schritte sollten wir als Bürger unternehmen?

  3. Es macht mir Sorgen zu lesen, dass so viele Betriebe ihre Mitarbeiter abbauen wollen. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind enorm! Haben wir genug Informationen darüber, wie dies langfristig unseren Standort beeinflussen könnte?

  4. Ich finde es schockierend, dass fast 40 Prozent der Firmen unter Auftragsmangel leiden! Das zeigt wirklich, wie ernst die Lage ist. Was denkt ihr über die vorgeschlagenen Reformen? Können sie wirklich helfen?

    1. Ja, ich denke, dass ein Bürokratieabbau wichtig ist. Aber was ist mit den Fachkräften? Wenn Unternehmen weiter abwandern, woher sollen die neuen Arbeitskräfte kommen? Es scheint ein Teufelskreis zu sein.

  5. Die Informationen über die Rezession in der norddeutschen Industrie sind sehr besorgniserregend. Es ist erschreckend zu sehen, dass so viele Unternehmen ihre Produktionsstätten ins Ausland verlagern wollen. Wie können wir sicherstellen, dass die Regierung endlich handelt?

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