– Am Tag der pflegenden Angehörigen fordert AWO bessere Unterstützung und Entlastung.
– Rund 80 % der Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt.
– Vorgeschlagene Maßnahmen: Ausbau von Entlastungsangeboten, Lohnersatzleistung und niedrigere Eigenbeteiligung.
Mehr Entlastung für pflegende Angehörige: Forderungen der AWO zum Tag der pflegenden Angehörigen 2025
Am 8. September 2025, dem bundesweiten Tag der pflegenden Angehörigen, steht die wichtige Rolle der Menschen im Mittelpunkt, die zu Hause Pflege leisten. Die AWO macht deutlich: „Pflegende An- und Zugehörige sind das Rückgrat der häuslichen Pflege.“ Etwa 80 Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland werden von ihren Familien zu Hause versorgt – oft mit großer körperlicher, psychischer und finanzieller Belastung. Dies gilt unabhängig davon, ob ambulanter Dienst zusätzlich unterstützt. Die Arbeiterwohlfahrt warnt vor politischen Entwicklungen, die genau das Gegenteil von Entlastung bewirken könnten. Unter dem Schlagwort „mehr Eigenvorsorge“ wird derzeit diskutiert, die Hilfen für Pflegebedürftige und ihre Familien zu reduzieren. Die AWO stellt klar: „Pflegebedürftige und ihre Familien sollen künftig weniger unterstützende Leistungen erhalten, dafür noch mehr selbst pflegen und mehr selbst zahlen.“
Die Organisation prognostiziert dramatische Folgen durch diese geplanten Einschnitte: Der Gesundheitszustand der Pflegebedürftigen verschlechtere sich schneller, pflegende Angehörige gerieten unter massive Erschöpfung und litten an weiteren gesundheitlichen Folgeschäden. Dadurch werde die häusliche Pflege massiv gefährdet und für viele verbleibe als Alternative nur noch das Pflegeheim. Der Appell der AWO ist deutlich: Statt Abbau müsse die Politik endlich spürbare Verbesserungen schaffen, um die Situation pflegender Familien zu sichern. Dazu zählen ein ausgeweiteter Ausbau von Pflege- und Entlastungsangeboten sowie eine pflegerische Notfallversorgung. Außerdem fordert die AWO einen einheitlichen und flächendeckenden Zugang zu Schulungen und Kursangeboten, die pflegende Angehörige gezielt unterstützen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, ergänzt durch eine Schließung von Lücken bei der rentenrechtlichen Absicherung. Wichtig ist für die AWO auch die Einführung einer finanziellen Lohnersatzleistung, die Angehörigen analog zum Elterngeld zugutekommt. Zudem soll die Eigenbeteiligung im stationären sowie im ambulanten Pflegebereich deutlich gesenkt werden. Mit klaren Worten unterstreicht die AWO: „Pflegende Angehörige brauchen Entlastung.“ Ihre Forderungen setzen einen Gegenpol zu den politisch diskutierten Kürzungen und zielen darauf ab, die häusliche Pflege nachhaltig zu stärken – ein Anliegen, das am Tag der pflegenden Angehörigen erneut in den Fokus rückt.
Pflege in Deutschland: System am Limit und die Folgen für Familien
Die häusliche Pflege in Deutschland steht unter enormem Druck. Rund 80 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause versorgt, meist von Angehörigen, die diese Aufgabe neben Beruf und Alltag stemmen. Diese Form der Pflege ist weit mehr als eine private Sorge – sie ist ein elementarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung, der weitreichende gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung hat. Doch das System ist erschöpft, und die Belastungen für die pflegenden Familien wachsen stetig.
Pflegende Angehörige sind häufig körperlichen und psychischen Anforderungen ausgesetzt, die an Grenzen führen. Daneben kommen organisatorische und finanzielle Herausforderungen hinzu, die von Behördenlauf bis zur Finanzierung häuslicher Hilfen reichen. Ihre Leistung bleibt oft unsichtbar, obwohl sie das Rückgrat der Alten- und Krankenpflege bilden. Die aktuelle politische Diskussion über Eigenvorsorge droht, diese stillen Helferinnen und Helfer weiter zu überfordern, wenn Unterstützungsleistungen abgebaut oder Eigenanteile erhöht werden.
Kathrin Sonnenholzner, Präsidentin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), bringt es auf den Punkt:
„Pflegende An- und Zugehörige sind das Rückgrat der häuslichen Pflege. Darum gilt es, ihnen an diesem Tag nicht nur Dank zu sagen, sondern vor allem auch bessere Unterstützung einzufordern.“
Die unsichtbaren Kosten der häuslichen Pflege
Die häusliche Pflege kostet nicht nur Zeit und Kraft, sie trägt auch signifikante versteckte Kosten. Dazu zählen:
- Gesundheitliche Risiken und Erschöpfung: Viele Pflegepersonen leiden unter Überlastung, Schlafmangel und psychischem Stress, was langfristig zu gesundheitlichen Folgeschäden führen kann.
- Finanzielle Belastung: Oft finanzieren Angehörige Teile der Pflege aus eigener Tasche, etwa für Hilfsmittel, Anpassungen im Wohnraum oder ambulante Dienste. Gleichzeitig stehen sie häufig vor der Herausforderung, Beruf und Pflege zu vereinbaren.
- Soziale Isolation: Die intensive Pflege lässt oft wenig Raum für eigene soziale Kontakte und Freizeit, was den Druck zusätzlich erhöht.
- Fehlende Anerkennung und Sichtbarkeit: Die gesellschaftliche Würdigung der häuslichen Pflege bleibt häufig hinter der tatsächlichen Bedeutung zurück. Dies erschwert die politische Durchsetzung dringend notwendiger Reformen.
Das gegenseitige Verhältnis von Pflegebedürftigen und Angehörigen wird durch diese Belastungen zunehmend gefährdet. Eine Verschlechterung des Pflegezustands bei Erkrankten oder Erschöpfung bei Pflegenden führt laut AWO unweigerlich dazu, dass komplexe häusliche Pflege kaum aufrechterhalten werden kann und mehr Menschen in stationäre Einrichtungen wechseln müssen.
Reformen und Wege zur nachhaltigen Entlastung
Die Forderungen der AWO spiegeln die Dringlichkeit wider, das Pflegesystem nicht weiter zu belasten, sondern strukturell zu entlasten. Kernforderungen sind:
- Ausbau von Pflege- und Entlastungsangeboten: Mehr Niedrigschwellige und flächendeckende Angebote für pflegerische Unterstützung und Notfallversorgung.
- Qualifizierte Schulungen für pflegende Angehörige: Einheitliche, vertragsgesicherte Kurse direkt vor Ort, um fachliches Wissen zu vermitteln und Sicherheit im Umgang mit Pflegebedürftigen zu erhöhen.
- Verbesserte Vereinbarkeit von Pflege und Beruf: Flexible Arbeitsmodelle und bessere rentenrechtliche Absicherung, damit Pflege nicht gleichbedeutend mit Erwerbsverzicht wird.
- Einführung einer Lohnersatzleistung analog zum Elterngeld: Damit Pflegepersonen für ihre Arbeit finanziell entlastet und anerkannt werden.
- Reduzierung der Eigenbeteiligung: Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich, um finanzielle Barrieren für Betroffene zu reduzieren.
Diese Reformansätze stehen in engem Bezug zu den aktuellen politischen Debatten. Angesichts des demografischen Wandels und zunehmender Pflegebedürftigkeit ist eine nachhaltige Finanzierung und Unterstützung der häuslichen Pflege unabdingbar. Die AWO warnt davor, Pflegeleistungen unter dem Begriff „mehr Eigenvorsorge“ zu kürzen, da dies „das Gegenteil“ sei und „Folgen“ wie eine schnellere Verschlechterung des Zustands der Pflegebedürftigen und gesundheitliche Schäden der Pflegenden nach sich ziehe. Damit drohe eine systemische Gefährdung der häuslichen Pflegearrangements.
Perspektiven für die Zukunft
Die Herausforderungen in der Pflege erfordern ein Umdenken auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Zentrale Handlungsfelder für eine zukunftsfähige Pflegepolitik sind:
- Stärkung der häuslichen Pflege durch verbesserte Unterstützungsstrukturen
- Finanzielle Entlastung und Anerkennung der pflegenden Angehörigen
- Ausbau der professionellen Hilfsangebote und Notfallversorgung
- Klare gesetzliche Regelungen für Pflegezeit und Rentenschutz
- Bildung und Ausbildung von pflegekompetenten Angehörigen als Standard
Nur durch eine Kombination aus finanzieller, organisatorischer und gesellschaftlicher Entlastung lässt sich das existierende System stabilisieren und pflegende Familien wirkungsvoll unterstützen. Eine verlässliche und faire Absicherung der häuslichen Pflege ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll: Vermeidet man pflegebedingte Krankheitsausfälle und Heimeinweisungen, reduzieren sich langfristig die Kosten im Gesundheitssystem.
Der Druck auf Politik und Gesellschaft wächst, rasch wirksame Maßnahmen zu treffen, um die unsichtbaren Heldinnen und Helden der Pflege vor Überlastung zu schützen und ihnen die dringend benötigte Unterstützung zu bieten.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des AWO Bundesverbandes e. V.
9 Kommentare
‚Die Themen in dem Artikel sind sehr wichtig!‘ Ich denke auch an soziale Isolation und wie schwierig es sein kann, Beruf und Pflege zu vereinbaren.
‚Die Situation der pflegenden Angehörigen ist wirklich besorgniserregend.‘ Ich glaube auch, dass wir dringend neue Wege finden müssen, um ihnen zu helfen und ihre Belastung zu reduzieren.
‚Die AWO hat recht – wir müssen die häusliche Pflege unterstützen!‘ Aber wie schaffen wir es, dass mehr Menschen in diesen wichtigen Beruf gehen? Die Gesellschaft sollte dies mehr wertschätzen.
‚Das sehe ich genauso! Vielleicht könnte eine bessere Bezahlung auch dazu führen, dass mehr Menschen bereit sind zu helfen.‘
Es ist erschreckend zu hören, wie viele pflegende Angehörige unter Stress leiden. Wir sollten echt mehr für diese Menschen tun! Habt ihr Vorschläge, was konkret verbessert werden könnte?
Ich finde den Vorschlag zur Senkung der Eigenbeteiligung sehr wichtig! Viele können sich die Pflege sonst nicht leisten.
Ich finde es wichtig, dass die AWO auf die Herausforderungen der pflegenden Angehörigen aufmerksam macht. Es ist wirklich eine große Verantwortung, die sie tragen. Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass diese Unterstützung auch wirklich ankommt?
Das ist ein guter Punkt, Caroline! Ich denke, dass mehr Schulungen für Angehörige notwendig sind. Oft fehlt das Wissen über den Umgang mit Pflegebedürftigen.
Ich stimme zu! Auch finanzielle Entlastungen wären hilfreich. Was haltet ihr von der Idee einer Lohnersatzleistung? Das könnte viele entlasten.