Pflegekrise in Sachsen-Anhalt: Krankenkassen zwingen 200 Pflegedienste zur Schließung

"Hunderte Familien in Sachsen-Anhalt drohen bald ohne Unterstützung dazustehen, da sich die Krankenkassen weigern, gestiegene Kosten der ambulanten Pflegedienste zu übernehmen. Laut einer Blitzumfrage des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste gaben rund 200 Pflegedienste an, die Versorgung der Patienten nicht mehr aufrechterhalten zu können. Und schon jetzt werden Versorgungsbereiche eingeschränkt und ärztliche Verordnungen nicht mehr angenommen. Die Blockadehaltung der Krankenkassen könnte zum Kollaps der Versorgung führen. Mehr dazu im folgenden Artikel."

Bremen (VBR). Gesundheitskrise in Sachsen-Anhalt: Hunderte Familien droht Pflegekollaps

Magdeburg (ots) – Aufgrund der Weigerung der Krankenkassen, gestiegene Kosten für Personal und Sachmittel von ambulanten Pflegediensten zu refinanzieren, stehen in Kürze hunderte Familien in Sachsen-Anhalt ohne Unterstützung da. Dies ergab eine aktuelle Blitzumfrage des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa), an der rund 200 Pflegedienste teilnahmen. Die Umfrage zeigt, dass die Versorgung der Patientinnen und Patienten nicht aufrechterhalten werden kann. Bereits jetzt werden Versorgungsbereiche eingeschränkt und aufgrund des Kostendrucks können viele ärztliche Verordnungen der Häuslichen Krankenpflege nicht mehr angenommen werden.

“Löhne, Energie, Mieten – die Kosten der Pflegedienste sind in den letzten Monaten weiter massiv gestiegen, trotzdem weigern sich die zuständigen Krankenkassen, allen voran die AOK Sachsen-Anhalt, bereits seit anderthalb Jahren, einer Preisanpassung zuzustimmen”, erklärt Sabine Kösling, die Landesvorsitzende des bpa. “Selbst auf dem Rechtsweg festgesetzte Vergütungen wurden abgelehnt und die Pflegedienste mit Klagen überzogen.”

Sabine Kösling, die selbst einen Pflegedienst in Aschersleben betreibt, warnt davor, dass die Blockadehaltung der Kassen letztendlich die Patientinnen und Patienten mit Bedarf an Häuslicher Krankenpflege und ihre Familien trifft. “Monatelang haben wir als beruflich Pflegende für unsere Patienten von der Substanz gelebt, aber die Reserven sind aufgebraucht und keine Besserung in Sicht. Der Kollaps der Versorgung droht.”

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Als Gründe für die Kostensteigerungen in der Pflege nennt Kösling neben der allgemeinen Inflation vor allem die gesetzliche Tariftreue, die zu durchschnittlich 30% Lohnsteigerungen für das Pflegepersonal geführt hat. “Unsere Mitarbeitenden leisten gute Arbeit und erhalten dafür eine gute Bezahlung. Die AOK und andere Pflegekassen haben für den Bereich der Altenpflege diese Personalkosten anerkannt, lehnen sie im Bereich der Krankenpflege nun aber ab, obwohl es sich um die gleichen Pflegekräfte handelt.” Es gehe nur darum, auf Kosten der Patienten zu sparen. Das Wegbrechen der Versorgungsstrukturen werde dabei in Kauf genommen.

Die Pflegeunternehmen haben in Brandbriefen an die Spitzen von AOK und vdek in Sachsen-Anhalt schnellere Ergebnisse am Verhandlungstisch und eine angemessene Refinanzierung der Kostensteigerungen gefordert.

Pressekontakt:
Sabine Kösling, Vorstandsvorsitzende bpa Sachsen-Anhalt, Tel.: 0391/24 35 86 30, www.bpa.de

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