– Bundestag berät am 11.09.2025 PflFAssG und Pflege-Entbürokratisierungsgesetz in erster Lesung.
– DKG begrüßt einheitliches Pflegefachassistenzberufsprofil mit bundesweit harmonisierter Ausbildung.
– DKG kritisiert ausbleibenden Bürokratieabbau in Krankenhäusern und fordert Beteiligung an Leistungskatalogentwicklung.
Neue Pflegegesetze sollen Fachkräftemangel entgegenwirken – DKG fordert Nachbesserungen
Die Bundesregierung hat zwei zentrale Gesetzesinitiativen auf den Weg gebracht, um die Pflegeberufe zu stärken: das Pflegefachassistenzgesetz (PflFAssG) und das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege. Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen und einer steigenden Zahl von Pflegebedürftigen sieht die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) diese Vorhaben als dringend notwendig an, warnt jedoch vor wichtigen Lücken in den aktuellen Entwürfen.
Schon heute sind über 528.000 Menschen im Pflegedienst der Krankenhäuser tätig. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2035 gleichzeitig rund 1,8 Millionen Stellen unbesetzt bleiben könnten, während die Zahl der Pflegebedürftigen ebenfalls um etwa 1,8 Millionen steigt. Vor diesem Hintergrund ist es ein zentrales Ziel des PflFAssG, erstmals ein einheitliches Berufsprofil für die Pflegefachassistenz zu schaffen und die Ausbildung bundesweit zu harmonisieren. Dadurch wird neben einem eigenständigen Abschluss mit klar definierten Kompetenzen auch der Aufstieg in die drei Jahre dauernde Pflegefachpersonenausbildung erleichtert. Die DKG begrüßt den vorgesehenen niedrigschwelligen Zugang, der mehr Menschen den Einstieg in die Pflege ermöglicht. „Die neue Ausbildung stärkt die Attraktivität des Berufsfeldes und ist ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung im Krankenhaus“, erklärt Prof. Dr. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG. Die Ausweitung der Einsatzmöglichkeiten für Pflegefachassistenzkräfte soll zudem eine effektivere Nutzung der vorhandenen personellen Ressourcen sichern.
Parallel berät der Bundestag über das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege. Hier geht es vor allem darum, Pflegefachpersonen mehr Eigenständigkeit zu ermöglichen und den bürokratischen Aufwand zu reduzieren. Besonders positiv bewertet die DKG, dass künftig die eigenverantwortliche Ausübung von Heilkundetätigkeiten im vertragsärztlichen Bereich sowie in Krankenhäusern erlaubt werden soll. Dadurch werde die pflegerische Berufsausübung „deutlich aufgewertet und schafft mehr Klarheit über den eigenständigen Verantwortungsbereich der Pflegefachpersonen“, so Neumeyer.
Kritisch sieht die DKG allerdings, dass Maßnahmen zum Bürokratieabbau in den Krankenhäusern fehlen. Aktuell verbringen Pflegefachpersonen dort täglich bis zu drei Stunden mit administrativen Aufgaben. Eine Reduktion dieser Belastung um nur eine Stunde würde rechnerisch etwa 47.000 Vollzeitkräfte für die direkte Patientenversorgung freisetzen. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Bürokratieentlastung im Krankenhausbereich ausgeklammert bleibt. Angesichts des massiven Fachkräftemangels muss diese Chance dringend ergriffen werden“, fordert Neumeyer.
Ein weiterer Streitpunkt ist die geplante Erweiterung der Befugnisse nach § 112a SGB V, bei der ein Katalog ärztlicher Leistungen erstellt werden soll, die Pflegefachpersonen übernehmen können. Die DKG verlangt, dass Krankenhäuser als wichtige Einsatzorte von Pflegefachpersonen bei der Entwicklung dieses Katalogs verbindlich einbezogen werden. Zwar sieht der Entwurf ein Stellungnahmerecht und die Teilnahme an entsprechenden Sitzungen vor, doch nach Ansicht der Krankenhäuser reicht dies nicht aus. „Wenn Pflegefachpersonen künftig auch im Krankenhaus zusätzliche Aufgaben übernehmen sollen, dann müssen die Krankenhäuser als deren wichtigste Einsatzorte auch maßgeblich in die Entwicklung des Leistungskatalogs eingebunden sein“, betont Neumeyer.
Insgesamt erkennt die DKG in beiden Gesetzen wichtige Schritte zur Verbesserung der Pflegeberufe. Um die geplanten Verbesserungen jedoch vollständig zu realisieren, fordert sie insbesondere den konsequenten Bürokratieabbau im Krankenhaus und die Anwendung der Regelungen auf alle Versorgungsbereiche.
Warum die Pflegestärkung mehr als Gesetze allein erfordert
Die Pflege in Deutschland steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits steigt die Zahl der Pflegebedürftigen durch die demografische Entwicklung stark an, andererseits fehlen immer mehr Fachkräfte, die diese Versorgung sicherstellen können. Die Bundesregierung hat mit zwei neuen Gesetzesinitiativen — dem Pflegefachassistenzgesetz (PflFAssG) und dem Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege — wichtige Schritte unternommen, um die Situation zu verbessern. Doch diese gesetzlichen Maßnahmen berühren nur einen Teil der komplexen Probleme, mit denen das Pflegesystem aktuell und künftig konfrontiert ist.
Schon heute arbeiten über 528.000 Menschen im Pflegedienst der Krankenhäuser, doch Prognosen zeigen, dass bis 2035 in der Gesundheitswirtschaft bis zu 1,8 Millionen Stellen unbesetzt bleiben könnten, während gleichzeitig die Zahl der Pflegebedürftigen um etwa dieselbe Zahl steigt. Der dramatische Fachkräftemangel wirkt sich unmittelbar auf den Arbeitsalltag der Pflegekräfte aus: Sie sind häufig überlastet, die Arbeitsbedingungen sind belastend, und administrative Aufgaben nehmen oft einen unverhältnismäßig großen Teil der Arbeitszeit in Anspruch.
Braucht das Pflegesystem einen grundsätzlichen Wandel?
Die Gesetzesinitiativen setzen unter anderem auf eine bessere Ausbildung und mehr Eigenständigkeit der Pflegefachpersonen. So schafft das PflFAssG ein einheitliches Berufsbild für Pflegefachassistenz, das den Einstieg erleichtern und die Berufszugänge harmonisieren soll. Zudem werden die Kompetenzen erweitert, was die Attraktivität der Pflegeberufe stärken kann. Auch die geplante Entbürokratisierung zielt darauf ab, Pflegekräften mehr Zeit für die Versorgung zu verschaffen.
Allerdings ist fraglich, ob diese Maßnahmen ausreichen, um den strukturellen Herausforderungen gerecht zu werden. Die demografische Entwicklung bleibt ein zentraler Treiber des erhöhten Bedarfs; gleichzeitig führt die hohe Fluktuation und der vorhandene Stress im Pflegeberuf zu einem anhaltenden Personalengpass. Ein grundlegender Wandel, der auch Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen, Tarifstrukturen und Wertschätzung der Berufe umfasst, ist notwendig, um nachhaltige Veränderung zu erzielen.
Wo drohen neue Probleme trotz Reform?
Trotz dieser Fortschritte bleiben einige gravierende Baustellen bestehen, die den Erfolg der Reformen gefährden können. Ein zentrales Problem ist die ungleiche Umsetzung von Entlastungsmaßnahmen: Während das Gesetz Bürokratieabbau in der Langzeitpflege vorsieht, fehlen in den Krankenhäusern entsprechende Schritte. Pflegefachpersonen in Kliniken verbringen aktuell bis zu drei Stunden täglich mit administrativen Aufgaben — eine Reduktion auch nur um eine Stunde könnte rechnerisch 47.000 Vollzeitstellen für die direkte Pflege freimachen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft mahnt deshalb: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Bürokratieentlastung im Krankenhausbereich ausgeklammert bleibt. Angesichts des massiven Fachkräftemangels muss diese Chance dringend ergriffen werden.“
Ein weiteres ungelöstes Thema ist die Beteiligung der Krankenhäuser bei der Ausgestaltung der erweiterten Befugnisse für Pflegefachpersonen. Der Entwurf sieht vor, dass ärztliche Leistungen in einem Katalog definiert werden, die künftig auch Pflegekräfte übernehmen können. Nach Auffassung der Krankenhäuser müssen die Kliniken als wichtige Einsatzorte stärker in diese Entwicklungen eingebunden werden, da nur so eine praxisnahe und effektive Umsetzung gewährleistet werden kann.
Aktuelle Problemfelder im Überblick
- Fachkräftemangel: Steigende Nachfrage bei sinkendem Angebot an qualifiziertem Personal
- Arbeitsbelastung: Hohe Belastung durch administrative Tätigkeiten und körperlich anstrengende Aufgaben
- Demografie: Zunehmender Pflegebedarf durch wachsende Zahl älterer Menschen
- Bürokratie: Unausgewogene Entlastung zwischen Langzeitpflege und Krankenhäusern
- Strukturfragen: Fehlende Einbindung der Krankenhäuser bei Reformen zur Kompetenzausweitung
Dieser Überblick verdeutlicht, wie vielfältig und tiefgreifend die Herausforderungen sind, mit denen das Pflegesystem zu kämpfen hat. Die geplanten Gesetze sind wichtige Schritte, müssen aber durch weitere Reformen ergänzt werden. Dazu gehören neben bürokratischen Erleichterungen vor allem bessere Arbeitsbedingungen, stärkere Wertschätzung der Pflegeberufe sowie innovative Konzepte zur Personalgewinnung und -bindung. Nur so kann die Versorgung der wachsenden Zahl Pflegebedürftiger langfristig sichergestellt werden.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag stammen aus einer Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).
11 Kommentare
Die geplanten Gesetze klingen vielversprechend, aber ich befürchte es fehlt an konkreten Maßnahmen zur Umsetzung! Wo bleibt der Bürokratieabbau im Krankenhausbereich? Das wäre ein wichtiger Schritt für alle Pflegekräfte.
Ja genau! Und was kann man tun um sicherzustellen das Pflegekräfte nicht aus dem Beruf aussteigen wegen Überlastung und Stress?
Es ist ermutigend zu sehen, dass an Verbesserungen gearbeitet wird. Aber was machen wir gegen den massiven Fachkräftemangel? Sind weitere Schritte geplant? Das interessiert mich sehr.
Das sind berechtigte Fragen! Ich denke, wir müssen auch internationale Fachkräfte stärker integrieren.
Das wäre eine Möglichkeit! Aber wie stehen die Chancen für diese Integration in Deutschland?
Die Zahlen zum Fachkräftemangel sind alarmierend! Ich hoffe wirklich, dass die neuen Gesetze helfen werden. Aber ich habe Bedenken, dass ohne bessere Arbeitsbedingungen viele Pfleger einfach aufhören könnten.
Ich teile diese Bedenken. Mehr Wertschätzung und bessere Bezahlung wären wichtig! Gibt es dazu schon Vorschläge oder Modelle?
Ja, das Thema ist komplex! Vielleicht sollten wir auch über innovative Ansätze zur Personalbindung nachdenken?
Die Idee einer Entbürokratisierung ist gut, aber ich frage mich, wie genau das in den Krankenhäusern funktionieren soll. Was passiert mit den administrativen Aufgaben? Sind da wirklich Lösungen in Sicht?
Das ist eine wichtige Frage! Wenn Pflegekräfte weniger Zeit mit Bürokratie verbringen sollen, wer übernimmt dann die administrativen Aufgaben? Es wäre gut zu wissen, wie die Pläne konkret aussehen.
Ich finde es toll, dass die DKG sich für ein einheitliches Berufsprofil einsetzt. Aber wie kann sichergestellt werden, dass die Ausbildung in der Praxis wirklich umgesetzt wird? Vielleicht sollten mehr Schulungen für Pflegekräfte angeboten werden.