Gesundheitsreform 2024: Krankenhäuser fordern mehr Kompetenzen für Pflegeberufe und Bürokratieabbau im Krankenhaus

Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft begrüßt den Kabinettsentwurf zur Ausweitung heilkundlicher Aufgaben für Pflegefachkräfte als wichtigen Schritt zur Fachkräftesicherung und Sicherstellung der Patientenversorgung. Sie fordert eine gesetzliche Mitbestimmung bei der Festlegung dieser Kompetenzen und warnt vor zusätzlicher Bürokratie durch verpflichtende Evaluations- und Dokumentationspflichten. Angesichts hoher Vakanzquoten in Kliniken und des demografischen Wandels soll die Reform zugleich die Attraktivität des Pflegeberufs nachhaltig stärken.

Inhaltsverzeichnis

– Kabinettsentwurf erweitert pflegerische Befugnisse um eigenverantwortliche heilkundliche Tätigkeiten, begrüßt DKG.
– Hoher Fachkräftemangel: 528.000 Pflegefachpersonen, 72 % Kliniken mit unbesetzten Stellen steigern Versorgungsdruck.
– DKG kritisiert zusätzliche Rahmenvorgaben und Evaluationspflichten, fordert bürokratiearme Umsetzung.

Kabinettsentwurf zur Stärkung der Pflegeberufe: Zentrale Aussagen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG)

Der Kabinettsentwurf des Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege wird von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) als ein bedeutender Schritt zur Stärkung der Pflegeberufe begrüßt. Im Kern geht es um die Ausweitung pflegerischer Befugnisse, vor allem die Übernahme eigenverantwortlicher heilkundlicher Tätigkeiten, die entscheidend zur Sicherung der Gesundheitsversorgung beitragen sollen. Mit rund 528.000 Pflegefachpersonen bilden sie die größte Berufsgruppe im stationären Krankenhaussektor, doch die steigende Belastung durch den demografischen Wandel und den wachsenden Versorgungsbedarf setzt das Gesundheitssystem zunehmend unter Druck. Bereits heute melden 72 Prozent der Kliniken Personalengpässe in der Pflege, was die optimale Nutzung und umfassendere Einbindung der Fachkräfte in die Versorgung unumgänglich macht, um die Qualität der medizinischen und pflegerischen Leistungen langfristig zu gewährleisten.

Prof. Dr. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, betont: „Die Erweiterung der Befugnisse und der Verantwortung – sowohl in der stationären Krankenhausversorgung als auch im vertragsärztlichen Bereich – kann die Attraktivität des Pflegeberufs deutlich steigern und somit einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten.“ Die gesetzliche Klarstellung, welche heilkundlichen Leistungen Pflegefachpersonen künftig eigenverantwortlich im Krankenhaus ausüben dürfen, wird als klare Verbesserung gegenüber vorangegangenen Entwürfen der Bundesregierung gewertet. Zudem ist es für die Krankenhäuser von großer Bedeutung, dass die DKG frühzeitig in die Ausarbeitung des Katalogs an heilkundlichen Leistungen im vertragsärztlichen Bereich eingebunden wird. Das rechtliche Stellungnahmerecht der DKG soll sicherstellen, dass die Praxis im Krankenhaus durch diese Entscheidungen nicht beeinträchtigt wird.

Kritisch sieht die DKG hingegen die geplanten verbindlichen Rahmenvorgaben zur interprofessionellen Zusammenarbeit für den Krankenhausbereich. Während solche Regelungen im vertragsärztlichen Bereich sinnvoll erscheinen mögen, ist die Kooperation zwischen Pflegefachpersonen und Ärztinnen und Ärzten in Krankenhäusern bereits gelebter Alltag. Neumeyer erläutert: „Hier bedarf es keiner zusätzlichen, zentral vorgeschriebenen Regelungen auf Selbstverwaltungsebene.“ Auch die vorgesehene Evaluation der erweiterten pflegerischen Aufgaben wird skeptisch bewertet, da sie den Umfang der bereits vorhandenen Qualitätssicherungsverfahren im Krankenhaus überschreiten würde. Zusätzliche Dokumentations- und Nachweispflichten würden nur die Bürokratie erhöhen, ohne die Versorgungsqualität spürbar zu verbessern.

Die DKG fordert deshalb eine bürokratiearme Umsetzung des Gesetzes und kritisiert, dass der Kabinettsentwurf keine konkreten Vorschläge für eine Entlastung im Krankenhausbereich enthält. Neumeyer unterstreicht die Dringlichkeit mit dem Hinweis auf bestehende Vorschläge der DKG zum Bürokratieabbau, beispielsweise durch die Aussetzung der Pflegepersonaluntergrenzen kombiniert mit der Einführung der PPR 2.0: „Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf.“

Pflege im Wandel – Chancen nutzen, Herausforderungen meistern

Die Pflege steht im Zentrum des deutschen Gesundheitssystems, doch sie sieht sich mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass immer mehr Menschen Pflege benötigen, während gleichzeitig die Zahl der Pflegefachkräfte nicht im gleichen Maße wächst. Die Folge ist ein erheblicher Personalmangel – aktuell haben 72 Prozent der Kliniken unbesetzte Stellen in der Pflege. Angesichts dieses Drucks rückt die Stärkung und Ausweitung der Kompetenzen von Pflegekräften verstärkt in den Fokus der Politik und Gesundheitsversorger.

Erweiterte Pflegekompetenzen bedeuten für Patienten eine schnellere und gezieltere Versorgung, weil Pflegefachpersonen künftig eigenverantwortliche heilkundliche Tätigkeiten übernehmen können. Das entlastet nicht nur Ärzte, sondern ermöglicht auch eine bessere Nutzung der vorhandenen Fachkräfte. Länder wie Dänemark und die Niederlande haben bereits positive Erfahrungen mit vergleichbaren Reformen gesammelt, bei denen die erweiterte Rolle von Pflegekräften zu einer effizienteren Versorgung beitrug und zugleich die Attraktivität des Pflegeberufs steigerte.

Doch mit der Ausweitung der Befugnisse gehen auch Herausforderungen einher. Die Organisation der interprofessionellen Zusammenarbeit muss klar geregelt werden, damit Ärzte und Pflegekräfte effektiv und sicher zusammenarbeiten. Gleichzeitig darf die Bürokratie durch zusätzliche Dokumentationspflichten nicht weiter anwachsen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt davor, dass zusätzliche Evaluationen und Nachweispflichten die Pflege zusätzlich belasten und fordert eine „bürokratiearme Umsetzung des Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“.

Was bedeuten erweiterte Pflegekompetenzen für Patienten?

Erweiterte Pflegekompetenzen können die Behandlungsabläufe in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen beschleunigen. Pflegefachpersonen, die eigenständig bestimmte medizinische Maßnahmen durchführen dürfen, verkürzen Wartezeiten und verbessern den Zugang zu notwendigen Behandlungen. Dadurch steigt die Qualität der Versorgung – Patienten profitieren von einer individuelleren und kontinuierlicheren Betreuung. Zudem wird die Pflege so zu einem attraktiveren Berufsfeld, was langfristig hilft, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Potenziale und Risiken der Bürokratieentlastung

Die Reform bringt klare Vorteile, aber auch Risiken mit sich:

  • Vorteile:

    • Entlastung von Ärzten durch die Übertragung heilkundlicher Tätigkeiten an Pflegekräfte
    • Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs und bessere Nutzung vorhandener Fachkräfte
  • Risiken:

    • Gefahr zusätzlicher bürokratischer Belastungen durch neue Dokumentations- und Evaluationspflichten
    • Mögliche Konflikte bei der interprofessionellen Zusammenarbeit, wenn klare Regelungen fehlen

Die Herausforderung besteht darin, diese Befugnisse so umzusetzen, dass sie die Versorgung verbessern, ohne die Pflegekräfte mit Mehrarbeit zu belasten. Deutschland muss aus den Erfahrungen anderer Länder lernen, um sowohl die Patientenversorgung zu sichern als auch die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern. Ohne eine Entbürokratisierung bleibt die Umsetzung der Reform unvollständig und ihre Wirkung begrenzt.

Dieser Beitrag stützt sich auf eine Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über den Autor

Die Redaktion von Verbandsbüro besteht aus vielen unterschiedlichen Experten aus der Verbands- und Vereinswelt. Alle Beiträge beruhen auf eigene Erfahrungen. Damit wollen wir Ihnen unsere professionellen Leistungen für Ihre Organisation präsentieren. Wollen Sie mehr zu diesem Thema erfahren? Nehmen Sie doch einfach mit uns Kontakt auf.​