SoVD-Umfrage 2025: 80 Prozent für Pflege-Bürgerversicherung – nur jeder Zehnte vertraut auf gute Pflege

Eine Umfrage des Sozialverbands Deutschland zeigt: Knapp zwei Drittel der Bevölkerung rechnen im Alter mit einer eher schlechten Pflegeversorgung. Rund 80 Prozent befürworten eine Bürgerversicherung für die Pflege. Fast ebenso viele pflegende Angehörige halten die staatliche Unterstützung für unzureichend.
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Inhaltsübersicht

– Nur jeder Zehnte erwartet im Alter eine gute Pflegeversorgung.
– Rund 80 Prozent befürworten eine solidarische Pflege-Bürgerversicherung.
– Fast 80 Prozent der Pflegenden empfinden staatliche Unterstützung als unzureichend.

Pflege-Vertrauen auf historischem Tiefstand

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD) offenbart tiefgreifende Verunsicherung in der Bevölkerung: nur rund jeder Zehnte erwartet eine gute Pflege. Die zwischen dem 2. Oktober und 16. Oktober 2025 durchgeführte Erhebung zeigt besonders ausgeprägte Skepsis bei Frauen (70,6 Prozent) und der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen (79,7 Prozent)*.

SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier kommentiert diese Entwicklung mit deutlichen Worten: „Dass nur jeder Zehnte auf eine gute Versorgung im Alter vertraut, offenbart den massiven Vertrauensverlust gegenüber der Pflegepolitik. Über Jahre hinweg wurden notwendige Reformen verschleppt, während immer neue Sparvorgaben diskutiert wurden. Das hat Spuren hinterlassen“.

Parallel zum schwindenden Vertrauen in das bestehende System wächst die Zustimmung zu strukturellen Reformen. Engelmeier betont: „Wenn selbst Beamte, die bisher klare Vorteile im dualen Pflegesystem genießen, sowie viele Selbstständige, die bisher außen vor bleiben, sich in großer Zahl für eine Bürgerversicherung bei der Pflege aussprechen, ist das ein starkes Signal an die Politik“.

Die Situation pflegender Angehöriger stellt sich besonders prekär dar: Diese Einschätzung gewinnt zusätzliches Gewicht durch die Tatsache, dass Angehörige dabei enorme körperliche, emotionale und finanzielle Belastungen tragen.

Der SoVD fordert daher konkrete Maßnahmen zur Entlastung, darunter den Ausbau der Tages- und Verhinderungspflege, die Einführung von Pflegezeiten mit Entgeltersatz analog zum Elterngeld sowie eine verbesserte rentenrechtliche Absicherung pflegender Angehöriger. Engelmeier bringt es auf den Punkt: „Sonntagsreden helfen pflegenden Angehörigen nicht – sie brauchen endlich konkrete Entlastung“.

Die repräsentative Umfrage basiert auf den Antworten von 2.500 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern ab 18 Jahren sowie 500 Angehörigen, erhoben zwischen dem 2. Oktober und 16. Oktober 2025. Die Ergebnisse sind unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 3,5 Prozentpunkten für die Gesamtbevölkerung und 9,1 Prozentpunkten für pflegende Angehörige repräsentativ*.

Vertrauen in die Pflege: Umfragen zeigen widersprüchliche Bilder

Die aktuelle Debatte um die Zukunft der Pflegeversicherung wird durch verschiedene Umfragen geprägt, die teils erheblich voneinander abweichende Werte liefern. Während der Sozialverband Deutschland (SoVD) in seiner Oktober-Umfrage feststellt, dass rund 10 Prozent eine gute Pflege erwartet *, kommt der Arbeitgeberverband Pflege Ende 2025 zu einem noch drastischeren Ergebnis: Gerade einmal 3 Prozent der Deutschen bewerten die pflegerische Versorgung als gut *. Diese Diskrepanz könnte auf unterschiedliche Fragestellungen, Erhebungszeitpunkte oder Stichprobenzusammensetzungen zurückzuführen sein. Beide Werte dokumentieren jedoch einen massiven Vertrauensverlust in die Pflegepolitik.

Vergleich: Unterstützung für Pflegeversicherungsmodelle

Auch bei der Frage nach Lösungsmodellen zeigen sich interessante Unterschiede zwischen den Umfrageinstituten. Der SoVD ermittelte im Oktober 2025 eine Zustimmung von rund 80 Prozent für eine solidarische Pflegeversicherung *. Zeitgleich veröffentlichte der Tagesspiegel allerdings einen Wert von 65 Prozent für eine Pflegevollversicherung *. Diese Differenz von 15 Prozentpunkten lässt sich möglicherweise durch unterschiedliche Frageformulierungen oder methodische Herangehensweisen erklären. Beide Umfragen belegen jedoch eine klare Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung. Der Paritätische Gesamtverband bestätigte ebenfalls im Oktober 2025, dass eine Mehrheit die Pflegevollversicherung als fairen Ausweg aus der Krise ansieht.

Quelle/Umfrage Frageformulierung (Kurz) Wert Stand
SoVD/Civey Zustimmung Bürgerversicherung Pflege rund 80 % Oktober 2025
Tagesspiegel Befürwortung Pflegevollversicherung 65 % Oktober 2025
Arbeitgeberverband Pflege Bewertung pflegerische Versorgung als gut 3 % Ende 2025

Vertrauenswerte im Gesundheits- und Pflegesystem

Die unterschiedlichen Umfrageergebnisse verdeutlichen, wie sensibel die Stimmungslage in der Pflegepolitik ist. Während der SoVD seine Befragung vom 2. bis 16. Oktober 2025 durchführte, basieren die Zahlen des Arbeitgeberverbands Pflege auf einer Erhebung Ende 2025. Die zeitliche Abfolge könnte auf eine weitere Verschlechterung der Stimmung hindeuten, methodische Unterschiede müssen jedoch berücksichtigt werden. Gemeinsam ist allen Studien: Das Vertrauen in die bestehende Pflegeversorgung ist auf einem historischen Tiefpunkt angelangt. Die politische Debatte um Reformmodelle gewinnt vor diesem Hintergrund zusätzlich an Dringlichkeit.

Vertrauensverlust und Reformwille: Zahlen zur Pflegekrise

Die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Pflegeversorgung wird durch zahlreiche Studien und Umfragen untermauert, die ein klares Bild zeichnen: Das Vertrauen in die bestehenden Strukturen schwindet, während die Bereitschaft für grundlegende Reformen wächst. Ende 2025 haben 92 Prozent der Deutschen wenig oder gar kein Vertrauen mehr in die Pflegepolitik, und nur 3 Prozent bewerten die pflegerische Versorgung als gut.* Diese dramatische Einschätzung findet sich auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens wieder – 2025 geben 50 Prozent an, dass das Gesundheitssystem an Leistungsfähigkeit verliert, und 63 Prozent berichten von Vertrauensverlust aufgrund von Schwierigkeiten bei der Arztfindung.*

Direkte Zitierliste (Recherchequellen)

Die wissenschaftliche Begleitung dieser Entwicklung bestätigt den akuten Handlungsbedarf. Dieser Befund gewinnt zusätzliches Gewicht durch die Erkenntnis, dass ein Großteil der Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause versorgt wird, überwiegend durch Angehörige.*

Verlässlichkeit: Stichtage und Vergleichbarkeit

Die zeitliche Einordnung der Daten ermöglicht eine präzise Analyse der Entwicklung. Bereits im Oktober 2025 sprachen sich 65 Prozent der Bevölkerung für eine solidarische Pflegevollversicherung aus, während nur 18 Prozent eine verpflichtende private Zusatzversicherung bevorzugen.* Diese übereinstimmenden Ergebnisse verschiedener Institute zeigen einen klaren gesellschaftlichen Konsens, der politisches Handeln erfordert.

Folgen für Pflege und Gesellschaft

Die tiefe Verunsicherung der Bevölkerung gegenüber der Pflegeversorgung zeigt messbare Konsequenzen für das gesellschaftliche Gefüge und politische Handlungsräume. Aktuelle Studien belegen einen fundamentalen Vertrauensverlust, der sich direkt auf politische Forderungen und die Belastungssituation pflegender Angehöriger auswirkt.

Eine Untersuchung zeigt Ende 2025 erschütternde Werte: 92 Prozent der Befragten haben wenig oder gar kein Vertrauen in die Pflegepolitik, während lediglich knapp jeder Zehnte die Versorgungssituation als gut bewertet.* Diese Vertrauenskrise beschränkt sich nicht auf den Pflegebereich – parallel dokumentiert eine Ärztezeitung-Umfrage aus dem Jahr 2025, dass 50 Prozent der Bevölkerung einen Leistungsfähigkeitsverlust des Gesundheitssystems wahrnehmen und 63 Prozent ihr Systemvertrauen wegen Schwierigkeiten bei der Arztfindung verloren haben.*

Dieser Vertrauensschwund erzeugt politischen Handlungsdruck neuen Ausmaßes. Die Skepsis gegenüber bestehenden Lösungen führt zu einer wachsenden Zustimmung für grundlegende Systemveränderungen. Laut Untersuchungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und des Tagesspiegels vom Oktober 2025 zeigt sich eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung für die Einführung einer solidarischen Pflegevollversicherung.* Die Kombination aus Vertrauensverlust und Lösungsorientierung markiert einen Wendepunkt in der sozialpolitischen Debatte.

Die Konsequenzen treffen besonders jene, die die Pflegelücke bereits heute schließen müssen: die pflegenden Angehörigen. Während die Politik nach Lösungen sucht, tragen sie die Hauptlast des Systems – oft an der Grenze ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Dieser Zustand verschärft nicht nur individuelle Notsituationen, sondern gefährdet langfristig die Tragfähigkeit der gesamten Pflegearchitektur in Deutschland.

Bürgerversicherung als Lösung? Die politische Debatte nimmt Fahrt auf

Die aktuellen Umfragedaten zeigen nicht nur Problembewusstsein, sondern auch klare Präferenzen in der Bevölkerung. Während im Oktober 2025 sowohl der Paritätische Wohlfahrtsverband als auch der Tagesspiegel über einen deutlichen Mehrheitswunsch nach solidarischen Modellen in der Pflege berichteten, verdichten sich die politischen Optionen. Die Diskussion um eine Bürgerversicherung gewinnt an Kontur – und wirft zugleich grundsätzliche Fragen auf.

Politische Optionen und Kritikpunkte

Das Modell einer solidarischen Pflegevollversicherung, in die alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrem Berufsstatus einzahlen, findet breite Unterstützung. Die SoVD-Umfrage vom Oktober 2025 belegt: Fast 80 Prozent der Bevölkerung bewerten die Idee einer Bürgerversicherung bei der Pflege positiv.* Bemerkenswert ist dabei die Zustimmung bei Gruppen, die im aktuellen System besondere Stellungen einnehmen: Selbstständige befürworten das Modell zu über 69 Prozent, Beamte immerhin zu rund 42 Prozent.

Gleichzeitig zeigen sich die Grenzen des Status quo besonders deutlich bei der Situation pflegender Angehöriger. Fast 80 Prozent der Betroffenen halten die staatlichen Unterstützungsangebote für unzureichend – eine Zahl, die unterstreicht, dass Entlastungsinstrumente wie Tages- und Verhinderungspflege oder Pflegezeiten mit Entgeltersatz dringend ausgebaut werden müssen.*

Offene Fragen für die Debatte

Trotz der klaren Mehrheitsverhältnisse in der Bevölkerung bleiben zentrale Fragen für die politische Umsetzung offen:

  • Finanzierungsfrage: Wer trägt die zusätzlichen Kosten einer Bürgerversicherung? Müssen Beitragszahler mit höheren Sätzen rechnen, oder sind alternative Finanzierungsquellen denkbar?
  • Leistungsspektrum: Soll es sich um eine echte Vollversicherung handeln, die alle Pflegekosten abdeckt, oder bleibt Raum für private Zusatzversicherungen?
  • Konkrete Entlastung: Welche Maßnahmen bringen pflegenden Angehörigen unmittelbare Hilfe – und wie lassen sich diese schnell umsetzen?

Für Journalisten bieten sich hier konkrete Nachfragen an Ministerien und Verbände an: Nach Zeitplänen für geplante Gesetzesinitiativen, nach vorliegenden Modellrechnungen zur Finanzierung und nach konkreten Verbesserungen bei den Entlastungsangeboten. Die politische Debatte steht vor der Aufgabe, aus dem klaren Bürgerwillen auch tragfähige Lösungen zu entwickeln.


Drei Fragen an die Politik:

  1. Bis wann liegen konkrete Gesetzesentwürfe für eine Bürgerversicherung in der Pflege vor?
  2. Wie soll die Finanzierung einer solidarischen Pflegevollversicherung sichergestellt werden?
  3. Welche kurzfristigen Maßnahmen sind geplant, um pflegende Angehörige sofort zu entlasten?

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Sozialverbands Deutschland e. V. (SoVD).

Weiterführende Quellen:

12 Antworten

  1. Es ist bedenklich zu hören, dass fast 80 Prozent der pflegenden Angehörigen unzufrieden mit der Unterstützung sind! Wie können wir sicherstellen, dass ihre Stimmen gehört werden? Ich denke auch an einen besseren Schutz für sie.

    1. Wir sollten uns auch fragen: Welche konkreten Maßnahmen können schnell umgesetzt werden? Das wäre ein wichtiger Schritt!

  2. Ich finde die Umfrageergebnisse schockierend! Warum gibt es so wenig Vertrauen in das System? Glaubt ihr, dass eine Bürgerversicherung wirklich helfen kann?

    1. Eine Bürgerversicherung könnte ein Anfang sein! Aber ich mache mir Sorgen über die Finanzierung. Wer soll das alles bezahlen?

    2. Ja genau! Das Thema Finanzierung ist entscheidend. Wenn wir nicht klären können, woher das Geld kommt, wird sich nichts ändern.

  3. Die Situation der pflegenden Angehörigen ist wirklich prekär. Es ist wichtig, dass wir über ihre Belastungen sprechen und Lösungen finden. Was haltet ihr von den Vorschlägen zur Entlastung?

  4. Es ist traurig zu sehen, wie viele Menschen die Pflegepolitik nicht mehr vertrauen. Was können wir als Bürger tun, um Druck auf die Politiker auszuüben? Ich glaube, dass eine solidarische Versicherung wichtig wäre.

    1. Ich stimme zu! Wir sollten uns zusammenschließen und unsere Stimmen erheben. Vielleicht gibt es ja schon Initiativen dazu.

  5. Ich finde es erschreckend, dass nur 10 Prozent eine gute Pflege erwarten. Woher kommt diese Skepsis? Gibt es konkrete Pläne, die Pflege zu verbessern? Ich denke, wir müssen mehr darüber diskutieren.

    1. Die Zahlen sind wirklich alarmierend! Vielleicht sollte die Politik endlich handeln und nicht nur reden. Was denkt ihr über die Bürgerversicherung als Lösung?

    2. Ja, das Vertrauen ist echt weg! Die Pflegenden brauchen dringend Unterstützung. Ich hoffe, dass bald konkrete Maßnahmen kommen.

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