Personalversorgung in den Thüringer Schulen

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tlv zum Schuljahresauftakt: „Personalversorgung zeugt von jahrelangem Raubbau“

Erfurt, 31.08.2021 – Als das Ergebnis eines „jahrelangen Raubbaus“ bezeichnete Rolf Busch, Landesvorsitzender des tlv thüringer lehrerverband, den aus Sicht des Verbandes katastrophalen Status quo bei der Personalversorgung in den Thüringer Schulen. Busch, der gemeinsam mit dem Sprecher des Jungen tlv Tim Reukauf am Dienstagmittag im Rahmen einer Medienkonferenz die Schwerpunkte der Verbandsarbeit für das kommende Schuljahr vorstellte, wies darauf hin, dass sich die Situation seit 2014 kontinuierlich und dramatisch verschlechtert habe.

„Die offizielle Schulstatistik zeigt, dass im direkten Vergleich zwischen den Jahren 2014 und 2021 die Zahl der Schüler an den staatlichen Schulen in Thüringen um mehr als 7000 zugenommen hat. Im selben Zeitraum ist jedoch die Zahl der Lehrer um 266 geschrumpft.“ Hinzu komme, so Busch, dass es jetzt auch 166 Lehramtsanwärter weniger gebe als noch 2014. „Und – ebenfalls besorgniserregend: Die Zahl der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat im besagten Zeitraum um gut 1000 zugenommen, während die Zahl der Sonderpädagogischen Fachkräfte um 102 abgenommen hat.“

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tlv-Umfrage untermauert offizielle Statistiken des Landes

Diese dramatischen Zustände würden von den Ergebnissen der traditionellen, nicht repräsentativen tlv-Schulleiterumfrage zum Schuljahresbeginn untermauert: „Im Schnitt fehlen aktuell an jeder Schule 2,3 Lehrer – langzeiterkrankte Kolleginnen und Kollegen sowie die in Mutterschutz oder Elternzeit mit eingerechnet. Wenn man das aufs ganze Land hochrechnet, ergibt sich mittlerweile ein Defizit von fast 2000 Lehrpersonen.“ Die direkte Folge dieser „desaströsen Personalpolitik“ sei, dass nur 10 Prozent der Schulen ihre Stundentafel und nur 11 Prozent den für sie ermittelten sonderpädagogischen Förderbedarf komplett abdecken könnten.

Das eigentliche Problem ist aus Sicht des Jungen tlv der Umgang der Politik mit dieser sich seit Jahren immer mehr verschärfenden Situation. „Wir fordern nicht erst seit Kurzem konkrete Verbesserungen der Einstellungsbedingungen und des Einstellungsverfahrens“, so Reukauf. „Die Absolventen laufen uns scharenweise davon, weil sie anderswo einfach besser behandelt werden. Und was macht das Ministerium? Es beklebt Busse, um damit für den Status quo zu werben, der einfach nur miserabel ist.“

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Auch die Seiteneinsteiger-Kampagne bringe nur mäßigen Erfolg, erklärt Reukauf. „Die Qualifikationsmaßnahmen seitens der Landesregierung lassen sehr zu wünschen übrig – die Schulleiterinnen und Schulleiter bewerten sie mit der Note 4. Und wer kein Hochschulstudium vorweisen kann, hat selbst mit hervorragenden Fachkenntnissen keine Chance auf eine Nachqualifizierung und damit auf dieselbe Vergütung wie die anderen. Das ist schade, weil viele dieser Kolleginnen und Kollegen sehr engagiert sind und gern langfristig bleiben würden. Ohne gute Vorbereitung und vor allem ohne Perspektiven sind sie jedoch kaum zu halten.“

Insgesamt, so Busch abschließend, habe die Umfrage ergeben, dass die Schulleitungen mit Sorge auf das neue Schuljahr blicken – auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 1 für „total entspannt“ und 10 für „extrem besorgt“ stand, wählten 60 Prozent die Werte 8, 9 oder 10. „Und es ist bezeichnend, dass auf der Liste der Gründe für diese Sorge die zunehmende Belastung der Schulen durch schulfremde oder administrative Aufgaben auf Platz 1 steht – noch vor der Sorge um die Pandemie und ihre Folgen.“

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Die administrative Entschlackung sei deshalb eine der Forderungen, die der tlv zum Beginn des neuen Schuljahres an die Politik stellt. Außerdem müssten die massiven Personalprobleme endlich angegangen und das Einstellungsverfahren gründlich und bedarfsorientiert überarbeitet werden. Im Hinblick auf die Pandemie fordert der Verband mittel-bis langfristige, praktikable und die Schulen entlastende Konzepte.

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