Ostsee-Fischerei in Gefahr: Umweltaktivisten warnen vor Krise

Eine große Gruppe von Fischerinnen, Fischern und Umweltaktivisten versammelt sich am Kai und blickt ernst aufs Meer.  
Im Vordergrund ziehen Netze und Keschern Fische an Bord, während ein riesiger Weißfisch die Szene dominiert.  
Die Stimmung wirkt alarmierend, der Zweck ist eine klare Mahnung vor Krise der Ostsee und Umweltbelastung.
Am 22. Oktober 2024 meldete die Deutsche Umwelthilfe (DUH) scharfe Kritik an den von den EU-Fischereiministerinnen und -ministern neu festgelegten Fangquoten für die Ostsee. Diese Entscheidungen drohen die ohnehin fragile Situation der Fischbestände weiter zu verschärfen. Mit riskant hohen Beifangquoten für westlichen Hering und Dorsch sowie erhöhten Fangquoten für zentrale Heringspopulationen stellt sich eine besorgniserregende Vernachlässigung der wissenschaftlichen Empfehlungen heraus. Die DUH fordert ein ökosystembasiertes Fischereimanagement, das Langfristigkeit über kurzfristige Gewinne stellt, und ein Verbot der Grundschleppnetzfischerei in Schutzgebieten.

Inhaltsverzeichnis

Bremen (VBR). Die aktuellen Entscheidungen der EU-Fischereiminister haben weitreichende Folgen für die Zukunft der Ostseefischerei, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) scharf kritisiert. Ihre neuen Fangquoten gefährden nicht nur die Fischbestände, sondern lassen auch den erforderlichen Schutz für das Ökosystem der Ostsee vermissen. Besonders kritisch sieht die DUH die Quoten für westlichen Hering und Dorsch. Diese Arten hatten bereits in der Vergangenheit so massiv abgenommen, dass ihr gezielter Fang eingestellt wurde. Doch nun wurden neue Beifangquoten festgelegt, die einer Erholung dieser Populationen entgegenstehen.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, macht deutlich: „Die EU-Fischereiministerinnen und -minister setzen genau die Art von Fischerei fort, die für den Kollaps der deutschen Ostsee-Populationen verantwortlich ist.“ (Zitat-Quelle: Pressemitteilung) Seine Aussage verdeutlicht die Dringlichkeit eines Umdenkens hin zu einem ökosystembasierten Fischereimanagement, das Natur und Artenvielfalt gleichermaßen schützt.

Nicht nur die umstrittenen Quoten für Hering und Dorsch werfen Fragen auf. Auch die Fangmengen für zentrale Heringspopulationen wurden erhöht – trotz warnender Anzeichen für deren schlechten Zustand. Die festgesetzte Sprottenquote bleibt ebenso heikel, da die Nachwuchszahlen dieser Art seit Jahren rückläufig sind. Kritische Stimmen befürchten nun, dass dies die Stabilität des gesamten marinen Nahrungsnetzes beeinträchtigen könnte. Schweinswale und Seevögel, ebenso wichtige Bewohner der Ostsee, hängen stark von diesen als Beute ab.

Svane Bender von der DUH ergänzt, dass neben einer Überarbeitung des Fischereimanagements auch Maßnahmen zur Verbesserung des allgemeinen Umweltzustands der Ostsee unabdingbar seien. Neben dem hohen Fischereidruck belasten Verschmutzung, Sauerstoffmangel und Lebensraumverlust die sensiblen Meeresökosysteme stark.

Inmitten der kontroversen Entscheidungen auf EU-Ebene bewertet die DUH einen Aspekt positiv: Die Entscheidung, die Schollenquote nicht weiter zu erhöhen, könnte zumindest den Beifang an Dorsch vermindern. Doch diese kleine Anpassung reicht nicht aus, um die dringend notwendige Wende im Umgang mit der Ressource Meer voranzutreiben.

Die beschlossenen Fangquoten sind nicht bloß ein Fachthema, sie betreffen uns alle. Sie entscheiden mit über die Biodiversität in unseren Ozeanen und die Lebensgrundlage vieler Menschen. Ein zukunftsfähiges Fischereimanagement muss mehr sein als kurzfristiges Gewinnstreben. Es muss das komplexe Zusammenspiel und die Abhängigkeiten in unserer Meeresumwelt respektieren und schützen.


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EU-Entscheidung zu Ostsee-Fangquoten: Deutsche Umwelthilfe kritisiert Beschlüsse als …

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Zwischen ökologischen Herausforderungen und wirtschaftlichen Interessen: Die Zukunft der Ostseefischerei

Die Beschlüsse der EU-Fischereiministerien zur Festsetzung der Fangquoten in der Ostsee werfen ein Schlaglicht auf die komplexe Balance zwischen ökologischen Notwendigkeiten und wirtschaftlichen Interessen. Die neue Kontroverse um die Quoten für Hering, Dorsch und Sprotte verdeutlicht die Spannbreite der Herausforderungen, vor denen die Ostseefischerei steht.

Der derzeitige Fokus auf kurzfristige Ertragsmaximierung stößt bei Umweltorganisationen wie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf scharfe Kritik. Denn die anhaltend schlechten Zustände wichtiger Fischpopulationen, wie etwa des westlichen Herings und Dorsches, sind nicht nur ein Risiko für die maritime Artenvielfalt, sondern bedrohen auch die Existenzgrundlage der lokalen Fischer. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass eine Ausrichtung der Fangmengen an wissenschaftlichen Empfehlungen sowohl der Umwelt als auch der Wirtschaft langfristig zugutekommen kann.

Internationale Beispiele bieten ein bemerkenswertes Lehrstück: So erzielten nachhaltigere Fischereistrategien in der nordwestatlantischen Region sichtbare Erfolge durch die strikte Einhaltung wissenschaftlich berechneter Quoten und Integrationen ökosystembasierter Ansätze. Dies erforderte zwar anfängliche wirtschaftliche Einschnitte, ermöglichte jedoch eine nachhaltige Erholung der Bestände und somit Stabilität für kommende Generationen. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten auch als Grundlage für Anpassungen im Ostseeraum dienen.

Prognosen deuten darauf hin, dass ein Verschieben der politischen Prioritäten erforderlich ist, um den doppelten Druck aus Überfischung und Klimawandel entgegenzuwirken. Der ökologische Zustand der Ostsee verschlechtert sich weiter durch menschengemachte Ursachen wie Verschmutzung und steigende Wassertemperaturen, die das marine Leben zusätzlich belasten.

Ein Weg in eine nachhaltigere Zukunft könnte durch verstärkte regionale Kooperationen und einen intensiven Dialog aller beteiligten Akteure beschritten werden. Denn nur ein Systemwandel, der ökonomische Anreize mit umfassendem Schutz der marinen Ökosysteme verbindet, wird den Kollaps der Fischbestände verhindern können.

Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob politische Entscheidungsträger bereit sind, den notwendigen Paradigmenwechsel zu vollziehen. Die Debatte über die neuen Quoten lenkt einmal mehr die Aufmerksamkeit auf die dringende Notwendigkeit, den Schutz der maritimen Lebensräume endlich konsequent in den Mittelpunkt politischer Strategien zu rücken.


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10 Antworten

  1. Diese Diskussion zeigt doch mal wieder deutlich wie wichtig es is dass alle Parteien mit am Tisch sitzen mussen um loesungen zu finden.

  2. Es ist so wichtig, dass wir ein oekosystembasiertes Management fur die Ostsee etablieren! Die bisherigen Entscheidungen scheinen eher kurzfristige Gewinne im Auge zu haben als das Wohl der Umwelt.

  3. Das ist wirklich eine schwierige Situation. Man kann verstehen, dass Fischer auch ihre Existenz sichern mussen, aber nicht auf Kosten der Artenvielfalt. Ich wunsche mir mehr wissenschaftsbasierte Entscheidungen.

  4. Ohne ein besseres Fischereimanagement sieht es finster aus fur die Ostsee. Weniger Fische bedeuten auch weniger Nahrung fur Schweinswale und Seevogel. Ich frage mich, warum diese wichtigen Faktoren nicht in die Entscheidungen einfliessen.

    1. Du hast Recht, Bodo! Vielleicht sollten wir mehr Druck aufbauen durch Petitionen oder direkte Anfragen an Politiker.

    2. Ich stimme zu, das marinen Oekosystem muss geschuetzt werden. Die EU sollte sich an erfolgreichen internationalen Beispielen orientieren.

  5. Also diese EU-Entscheidungen sind ja wirklich fragwurdig. Wie kann man die Fangquoten erhohen, wenn die Fische sowieso schon knapp sind? Der westliche Hering und der Dorsch hatten doch schon Probleme genug! Da sollte man echt mal umdenken. Hat jemand eine Idee, wie man den Fischereiministern klar machen kann, dass es so nicht weitergeht?

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