Offshore-Windkraft in der Krise: Warum die Ausschreibungen stocken und was die RED III-Umsetzung jetzt ändern muss

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Der Bundestag berät heute in 2. und 3. Lesung den Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Erneuerbaren-Richtlinie RED III. Der BDEW begrüßt zwar einige Erleichterungen für den Netzausbau, kritisiert jedoch die Entscheidung, die nächste Offshore-Wind-Ausschreibung nicht zu verschieben. Angesichts der zuletzt gesunkenen Investorenattraktivität fordert der Verband eine umfassende Überarbeitung der Ausschreibungsregeln.

Inhaltsverzeichnis

– Der BDEW kritisiert die Ablehnung einer Verschiebung der nächsten Offshore-Wind-Ausschreibung auf Ende 2026.
– Die Streichung pauschaler Ausgleichszahlungen für Artenschutzprüfungen vermeidet hohe Zusatzkosten.
– Erleichterte Umweltprüfungen sollen Genehmigungsverfahren für den Netzausbau beschleunigen und Rechtssicherheit schaffen.

Offshore-Wind-Ausbau in der Krise: BDEW kritisiert verpasste Reform

Anlässlich der zweiten und dritten Lesung des Gesetzesentwurfs zur Umsetzung der EU-Erneuerbaren-Richtlinie RED III im Bundestag positioniert sich die Energiewirtschaft deutlich. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht dringenden Nachbesserungsbedarf, um den stockenden Ausbau der Offshore-Windenergie wieder in Schwung zu bringen. Drei Kernpunkte stehen im Fokus: die als unverständlich kritisierte Ablehnung einer Verschiebung der nächsten Ausschreibungsrunde, die Begrüßung gestrichener pauschaler Ausgleichszahlungen und die positiven Impulse für beschleunigte Genehmigungsverfahren im Netzausbau.

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, bringt die zentrale Sorge auf den Punkt: „Angesichts des Ausbleibens von Geboten in der Offshore-Wind-Ausschreibungsrunde im August sowie des zuvor schon stark gesunkenen Interesses an der Ausschreibung im Juni müssen die Parameter des Ausschreibungsdesigns und der Flächenplanung umfassend überarbeitet werden. Nur so kann ein zeitgemäßer und international konkurrenzfähiger Investitionsrahmen für den Offshore-Wind-Ausbau in Deutschland sichergestellt werden.“ (Stand: 04.12.2025, BDEW-Presseinformation)*.

Der Verband hält die im Gesetz enthaltenen Maßnahmen wie die Verlängerung der Realisierungsfrist für Offshore-Windparks auf zwölf Monate (Stand: 04.12.2025, BDEW-Presseinformation)* für nicht ausreichend. Gemeinsam mit der gesamten Branche hatte der BDEW eine Verschiebung der nächsten Ausschreibungen auf das vierte Quartal 2026 vorgeschlagen. „Es ist wenig verständlich, warum in den Ausschussberatungen zum Gesetzesentwurf anders entschieden wurde“, so die Kritik.

Positiv bewertet der Verband hingegen, dass pauschale Ausgleichszahlungen für den Verzicht auf artenschutzrechtliche Einzelprüfungen bei Offshore-Netzanbindungen aus dem Entwurf gestrichen wurden. Diese hätten zu erheblichen Zusatzkosten von bis zu sieben Millionen Euro pro Anschluss geführt – ohne erkennbaren umweltrechtlichen Mehrwert (Stand: 04.12.2025, BDEW-Presseinformation)*.

Für den parallellaufenden Netzausbau sieht der BDEW in der RED III-Umsetzung wichtige Fortschritte. Die Erleichterungen bei Umweltprüfungen könnten das Tempo in den Genehmigungsverfahren deutlich erhöhen und schaffen mehr Rechtssicherheit, etwa durch die klare Festlegung, dass bei Ersatzneubauten die bestehende Belastung Maßstab der Umweltprüfung ist.

Was den Offshore-Ausbau ausbremst

Die jüngsten Ausschreibungen für Offshore-Windenergie in Deutschland zeigen eine zeitliche Abfolge. Im Juni 2025 erhielt eine Offshore-Wind-Fläche lediglich einen Zuschlagswert von 180 Millionen Euro (Stand: Juni 2025)*. Diese Ereignisse führten bis November 2025 zu öffentlichen Forderungen von Branchenvertretern nach grundlegenden Reformen des Systems.

Auktionsergebnisse und Marktreaktionen

Die Reaktionen des Marktes sind ein deutliches Signal. Während ein niedriger Zuschlagswert zunächst auf einen harten Wettbewerb und niedrige Kosten hindeuten könnte, zeigt das Ausbleiben von Angeboten, dass potenzielle Projektentwickler die Rahmenbedingungen als nicht mehr attraktiv oder zu riskant bewerten, um überhaupt ein Angebot abzugeben. Diese Zurückhaltung ist keine kurzfristige Schwankung, sondern das Ergebnis mehrerer Faktoren, die die Wirtschaftlichkeit von Offshore-Windparks untergraben.

Kritikpunkte am aktuellen Ausschreibungsdesign

Experten und Branchenanalysen kritisieren vor allem das aktuelle Ausschreibungsdesign – also die Regeln, nach denen die Flächen versteigert werden. Als Hauptproblem gilt die Kombination aus mangelnder Erlössicherheit und wettbewerbsgetriebenen Zahlungsmechanismen (Quelle: Taylor Wessing, Stand: November 2025)*. Erlössicherheit bedeutet, dass Investoren eine gewisse Planbarkeit für ihre zukünftigen Einnahmen aus dem Stromverkauf haben. Fehlt diese, steigt das finanzielle Risiko erheblich.

Konkret erschweren mehrere Mechanismen Investitionen. Projekt- und Kapitalkosten sind gestiegen, wobei globale Lieferkettenprobleme und geopolitische Spannungen als Einflussfaktoren gelten. Gleichzeitig sind die Risiken auf dem Strommarkt schwerer vorhersehbar geworden. Zusätzlich führt eine hohe Bebauungsdichte auf den ausgeschriebenen Flächen zu Verschattungseffekten zwischen den Windrädern, was die tatsächliche Stromproduktion und damit die Erlöse senken kann. In diesem Umfeld bietet das aktuelle Ausschreibungsmodell keine ausreichende Absicherung gegen diese volatilen Faktoren, was die notwendigen milliardenschweren Vorleistungen und die Finanzierung erschwert.

Die entscheidenden Daten im Überblick

Die Debatte um die Zukunft der Offshore-Windenergie in Deutschland wird von konkreten Ereignissen und Zahlen geprägt. Die folgende Zusammenstellung bietet einen schnellen Überblick über die zentralen Entwicklungen und Branchenpositionen. Alle Angaben basieren auf öffentlich verfügbaren Quellen und sind mit ihrem jeweiligen Veröffentlichungsstand gekennzeichnet.

Kompakte Faktenliste

Die jüngste Vergabepraxis und die Reaktionen des Marktes zeigen ein klares Bild:

  • Im Juni 2025 wurde eine Offshore-Wind-Fläche für lediglich 180 Millionen Euro bezuschlagt*.
  • Die anschließende Ausschreibungsrunde im August 2025 blieb ohne Erfolg: Es wurden keine Gebote eingereicht*.
  • Fachleute kritisieren das aktuelle Ausschreibungsdesign. Als Hauptgründe für die Investorenzurückhaltung gelten eine mangelnde Erlössicherheit und komplexe Vorleistungen (Stand: November 2025, Quelle: Taylor Wessing).

Mögliche Tabelle: Zeitstrahl der Ausschreibungsereignisse

Die folgende Übersicht veranschaulicht die chronologische Abfolge der Schlüsselereignisse und zeigt die Entwicklung von einer teuren Einzelvergabe bis zum vollständigen Ausbleiben von Geboten.

Datum Ereignis / Indikator Wert / Kurzbeschreibung Quelle / Stand
Juni 2025 Zuschlag einer Fläche 180 Millionen Euro* Stand: Juni 2025
August 2025 Ausschreibungsergebnis Keine Gebote eingereicht* Stand: August 2025
November 2025 Branchenempfehlung Kritik am Ausschreibungsdesign, Forderungen nach Reformen Taylor Wessing / Stand: November 2025

Diese Datenreihe bildet die Grundlage für die aktuelle politische und wirtschaftliche Diskussion über notwendige Reformen im Ausschreibungsverfahren.

Offshore-Windkraft im Spannungsfeld: Wer trägt die Kosten der Energiewende?

Die aktuellen Entwicklungen um den Ausbau der Offshore-Windenergie werfen grundlegende Fragen auf: Wer bezahlt den Umbau des Energiesystems, und zu welchem Preis für Natur und Versorgungssicherheit? Die gescheiterten Ausschreibungen und die Reformdebatte sind kein reines Branchenthema, sondern berühren zentrale gesellschaftliche Interessen. Sie zeigen einen Zielkonflikt zwischen dem notwendigen Tempo der Energiewende, der Sicherheit für milliardenschwere Investitionen und den Ansprüchen an eine gründliche Umweltprüfung.

Was es für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet

Für private Haushalte und Unternehmen hängen an dieser Debatte konkrete Perspektiven: die Höhe künftiger Strompreise und die langfristige Versorgungssicherheit. Ein verlangsamter Ausbau erneuerbarer Kapazitäten kann beides gefährden. Wenn Projekte nicht realisiert werden, fehlt günstiger Strom aus Windkraft, der die Großhandelspreise dämpfen kann. Gleichzeitig sind stabile Rahmenbedingungen für Investoren eine Voraussetzung, um die gewaltigen benötigten Summen überhaupt mobilisieren zu können. Die aktuelle Unsicherheit spiegelt sich in den Ausschreibungsergebnissen wider: Nach einer bereits stark gesunkenen Zuschlagssumme von nur noch 180 Millionen Euro im Juni 2025*.

Interessen von Branche, Staat und Naturschutz

Die Lage offenbart unterschiedliche, teilweise widerstreitende Prioritäten. Aus Sicht der Windbranche und potenzieller Investoren sind verlässliche, langfristige politische Vorgaben und kreditfähige Ausschreibungsmodelle existenziell. Analysen aus der Branche verweisen für das Jahr 2025 auf erhebliche Finanzierungsschwierigkeiten und mangelnde Erlössicherheit, die durch gestiegene Projektkosten und komplexe Preisrisiken am Strommarkt verstärkt werden. Die Forderung lautet: Der Staat muss als Gesetzgeber einen Rahmen schaffen, der private Milliardeninvestitionen überhaupt erst ermöglicht.

Dem gegenüber steht die gesellschaftliche und ökologische Perspektive, die auf eine solide Prüfung von Umweltauswirkungen und den Schutz mariner Ökosysteme pocht. Die geplante Streichung pauschaler Ausgleichszahlungen für den Verzicht auf artenschutzrechtliche Einzelprüfungen – die laut Branchenangaben bis zu sieben Millionen Euro pro Netzanschluss gekostet hätten – wird von Umweltseite begrüßt. Sie sieht darin einen notwendigen Schritt, um Scheinlösungen zu vermeiden und echten Naturschutz zu gewährleisten. Gleichzeitig sollen vereinfachte Verfahren und klarere Vorgaben, wie bei Ersatzneubauten, für mehr Tempo und Rechtssicherheit sorgen, ohne Schutzstandards aufzuweichen.

Die Herausforderung für die Politik besteht darin, diesen Spagat zu meistern: Wie können Genehmigungsverfahren beschleunigt und Investitionshemmnisse abgebaut werden, ohne dabei ökologische Mindeststandards zu opfern? Die Antwort auf diese Frage wird maßgeblich darüber entscheiden, ob die ambitionierten Ausbauziele für die Offshore-Windkraft erreicht werden können – und zu welchen gesamtgesellschaftlichen Kosten.

Wie die Offshore-Windkraft wieder Fahrt aufnehmen kann

Die gescheiterten Ausschreibungen im Sommer 2025 haben den Handlungsbedarf im Offshore-Windsektor offengelegt. Die Branche steht nicht still, sondern hat konkrete Vorschläge entwickelt, um den Ausbau wieder in Gang zu bringen. Diese Reformoptionen zielen auf drei zentrale Stellschrauben ab: den Zeitplan, das Ausschreibungsdesign selbst und die rechtlichen Rahmenbedingungen für Genehmigungen.

Konzepte für ein neues Ausschreibungsdesign

Kern der Kritik ist das aktuelle Ausschreibungsmodell. Experten sehen hier grundlegende Mängel. Laut einer Analyse von Taylor Wessing ist das Design Investoren nicht ausreichend erlösicherheit bietend*. Die wettbewerbsgetriebenen Zahlungsmechanismen und die hohen Vorleistungen, die Projekte vor der eigentlichen Vergabe erfordern, schrecken angesichts volatiler Märkte und gestiegener Projektkosten ab. Ein neues Design müsste diese Risiken besser adressieren, um international konkurrenzfähig zu bleiben und die notwendigen Milliardeninvestitionen zu mobilisieren.

Ein erster, konkreter Schritt zur Schaffung eines besseren Rahmens wäre eine Verschiebung der nächsten Ausschreibungsrunde. Diese zusätzliche Zeit wäre nötig, um eine umfassende Novelle des Wind-auf-See-Gesetzes und die Fortschreibung des Flächenentwicklungsplans sorgfältig vorzubereiten. Die im Dezember 2025 beschlossenen Maßnahmen, wie eine verlängerte Realisierungsfrist, werden von Branchenvertretern als alleinige Lösung als nicht ausreichend eingeschätzt.

Welche nächsten Schritte möglich sind

Neben der grundlegenden Überarbeitung des Ausschreibungsdesigns gibt es weitere Hebel für eine Beschleunigung. Die Umsetzung der EU-Erneuerbaren-Richtlinie RED III setzt hier bereits positive Impulse, insbesondere für den parallel notwendigen Netzausbau. Die Erleichterungen bei Umweltprüfungen (UVP) können Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigen. Eine klare gesetzliche Festlegung, dass bei Ersatzneubauten die bestehende Belastung der Maßstab ist, schafft zudem Rechtssicherheit für die Planungspraxis der Netzbetreiber. Diese Vereinfachungen gelten erfreulicherweise auch für Teile des Verteilnetzausbaus.

Für eine vollständige journalistische Einordnung dieses komplexen Themas wäre die Einholung von O-Tönen wertvoll. Stellungnahmen eines Vertreters der Offshore-Windbranche, eines Sprechers des BDEW sowie des zuständigen Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz könnten die unterschiedlichen Perspektiven auf die Dringlichkeit von Reformen und die praktische Umsetzbarkeit beleuchten.

Die Weichen für einen erfolgreichen Neustart der Offshore-Windenergie in Deutschland müssen jetzt gestellt werden. Zeitnahe Gesetzesänderungen, die die berechtigten Sorgen der Investoren um Planungs- und Erlössicherheit ernst nehmen, sind der Schlüssel. Nur so kann die Branche ihre zentrale Rolle für die Energiewende und die Versorgungssicherheit einnehmen – und der dringend erforderliche Netzausbau kann im notwendigen Tempo mitwachsen.

Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW).

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. Es ist verwirrend zu sehen, wie niedrig die Gebote sind! Man könnte denken, das würde uns helfen Geld zu sparen aber ich denke eher das Gegenteil! Was sagen die anderen dazu?

  2. „Es braucht Reformen“ – ja genau! Warum dauert das so lange? Die Offshore-Windenergie kann uns viel bringen und wir sollten sie nicht aufhalten durch bürokratische Hürden.

  3. Ich sehe den Punkt mit den pauschalen Ausgleichszahlungen und finde es gut, dass sie gestrichen wurden. Aber wie sieht es mit dem Naturschutz aus? Können wir sicherstellen, dass alles gut geschützt bleibt?

    1. Das ist ein guter Punkt! Der Naturschutz sollte immer Priorität haben. Aber ich denke auch, dass wir schnell handeln müssen für den Klimaschutz.

  4. Die Kritik am aktuellen Ausschreibungsdesign ist echt berechtigt! Ich frage mich, wie wir Investoren anziehen können, wenn das Risiko so hoch ist. Gibt es denn schon Ideen für neue Modelle?

  5. Ich finde es sehr wichtig, dass wir über die Offshore-Windenergie diskutieren. Es gibt so viele Punkte, die da verbessert werden müssen. Warum wird die nächste Ausschreibung nicht einfach verschoben? Das macht doch keinen Sinn.

    1. Ja, das verstehe ich auch nicht! Wenn man Zeit braucht, um alles besser zu machen, sollte man das auch tun. Was ist mit der Umwelt? Wir brauchen gute Lösungen.

    2. Ich denke auch, dass die Ausschreibungen fairer gestaltet werden sollten. Es ist schade, dass keine Angebote abgegeben wurden. Was denken Sie über die Kosten für den Netzausbau?

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