Offshore-Windenergie in der Krise: Keine Gebote bei Bundesnetzagentur-Ausschreibungen – Herausforderungen und Reformbedarf für die Energiewende

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Zum ersten Mal blieben bei der Offshore-Wind-Ausschreibung der Bundesnetzagentur im August 2025 für die zentral voruntersuchten Flächen N-10.1 und N-10.2 alle Gebote aus. Branchenvertreter und Politik warnen, dass gestiegene Projekt- und Kapitalkosten sowie volatile Strompreise die Risiken für Entwickler massiv erhöht haben. Der BDEW fordert deshalb eine umfassende Reform des WindSeeG und eine Umstellung des Ausschreibungsdesigns auf zweiseitige Contracts for Difference, um Investitionssicherheit und die Ausbauziele zu sichern.

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– In der August-Ausschreibung für Offshore-Windenergie gingen keine Gebote für N-10.1/N-10.2 ein.
– BDEW fordert zügige WindSeeG-Reform mit zweiseitigen Contracts for Difference statt reiner PPA-Finanzierung.
– Offshore-Leistungsdichte auf unter 10 MW/km² reduzieren für höhere Volllaststunden und geringere Schatteneffekte.

Erstmals keine Gebote für Offshore-Wind in zentraler Ausschreibung – ein wichtiger Wendepunkt

Am 6. August 2025 meldete die Bundesnetzagentur (BNetzA), dass bei der diesjährigen August-Ausschreibung für Offshore-Windenergieanlagen erstmals überhaupt keine Gebote eingingen. Betroffen sind die zentral voruntersuchten Flächen N-10.1 und N-10.2 mit einem Ausschreibungsvolumen von 2.000 MW beziehungsweise 500 MW. Die geplanten Inbetriebnahmen sind für das dritte Quartal 2031 (N-10.1) und das vierte Quartal 2030 (N-10.2) vorgesehen. Die Ausschreibung fand im Rahmen eines verdeckten Auktionsverfahrens statt, das sowohl quantitative als auch qualitative Bewertungskriterien umfasste – allerdings ohne die Möglichkeit einer EEG-Förderung.

Die Bundesnetzagentur kündigte an, die Flächen N-10.1 und N-10.2 zum Gebotstermin am 1. Juni 2026 erneut auszuschreiben – diesmal nach den Vorgaben für nicht zentral voruntersuchte Flächen. Dieses erstmalige Ausbleiben von Geboten wirft ein Schlaglicht auf die aktuellen Herausforderungen beim Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland.

„Das erstmalige Ausbleiben von Geboten in einer Offshore-Wind-Ausschreibungsrunde sowie das bereits stark gesunkene Interesse an der Juni-Ausschreibung 2025 zeigen, dass die Risiken für Offshore-Windpark-Entwickler in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben. Gründe dafür sind unter anderem gestiegene Projekt- und Kapitalkosten in Folge von geopolitischen Spannungen und Lieferkettenengpässen sowie zunehmend schwer prognostizierbaren Preis- und Mengenrisiken im Strommarkt. Zudem führt die bisher geplante hohe Bebauungsdichte dazu, dass die Volllaststunden auf den nun ausgeschriebenen Flächen durch Verschattungseffekte signifikant reduziert werden.*“

Diese gestiegenen Kosten und Risiken sowie die technische Herausforderung durch Verschattungseffekte auf den Windflächen beeinträchtigen die Attraktivität von Offshore-Windprojekten. Der hohe Flächenbeleg führt dazu, dass die eigentlich wichtige Kenngröße der Volllaststunden sinkt und damit die Wirtschaftlichkeit der Anlagen abnimmt.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) weist angesichts dieser Entwicklung auf die Notwendigkeit einer umfassenden Reform hin: „*Diese Herausforderungen erfordern dringend eine umfassende Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) sowie des weiteren offshore-relevanten Rechtsrahmens. Nur so kann angemessen auf zentrale wirtschaftliche, technologische, systemische und europäische Entwicklungen reagiert werden.*“ In einem im Juli 2025 veröffentlichten Positionspapier legt der BDEW konkrete Vorschläge vor, um Investitionssicherheit, Kosteneffizienz, Akteursvielfalt und Realisierungswahrscheinlichkeit zu stärken. Dies betrifft vor allem die verlässliche Finanzierung von Offshore-Windparks, Netzanbindungssystemen, Häfen und Lieferketten. Das Positionspapier ist unter diesem Link abrufbar.

Aus Sicht des BDEW genügt das bislang marktbasierte Ausbau-Modell auf Basis von Power Purchase Agreements (PPAs) angesichts der komplexeren Risiken nicht mehr, um die ambitionierten Ausbauziele für Offshore-Wind zu erfüllen und gleichzeitig eine breite Beteiligung der Akteure sowie Investitionssicherheit zu gewährleisten. Deshalb fordert der Verband eine Umstellung auf zweiseitige Contracts for Difference (CfDs) als neues Ausschreibungsdesign – ohne die PPA-Finanzierungsoption komplett auszuschließen.

Die bevorstehende erneute Ausschreibung zum 1. Juni 2026 wird daher unter veränderten Rahmenbedingungen stattfinden müssen, um das Vertrauen der Projektentwickler zurückzugewinnen und den dringend notwendigen Aufbau der Offshore-Windkapazitäten zügig voranzutreiben. Diese Entwicklung markiert einen Wendepunkt in der deutschen Offshore-Windpolitik und unterstreicht die Dringlichkeit regulatorischer Anpassungen in einer komplexer gewordenen Investitionslandschaft.

Warum Offshore-Wind in Deutschland in der Krise steckt – Hintergründe, Chancen und Ausblick

Die jüngste Ausschreibung für Offshore-Windenergie an der deutschen Nord- und Ostseeküste sorgte für eine bislang beispiellose Entwicklung: Erstmals blieben alle Gebote aus. Diese Zäsur markiert einen Wendepunkt für die Energiewende, die auf Offshore-Wind als wichtigen Baustein zur Erreichung der Klimaschutzziele setzt. Mehrere Faktoren tragen zu dieser Situation bei und werfen Fragen hinsichtlich der zukünftigen Ausbaupfade auf.

Zentrale Ursache ist ein Zusammenspiel aus gestiegenen Projektkosten, veränderten Marktbedingungen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Die steigenden Kosten für Material und Kapital sind zu einem großen Teil Folge geopolitischer Spannungen und anhaltender Lieferengpässe, die die gesamte Branche belasten. Gleichzeitig verschärfen sich die Risiken im Strommarkt, da Preisschwankungen und Volatilität sich schwer vorhersagen lassen. Dies erschwert langfristige Investitionsentscheidungen und macht eine rein marktbasierte Umsetzung wettbewerblicher Ausschreibungen zunehmend unwirtschaftlich.

Zudem wirkt sich die starke Verdichtung der Offshore-Flächen negativ aus. In den ausgeschriebenen Bereichen führen Verschattungseffekte zwischen den Windrädern zu einem deutlichen Rückgang der Volllaststunden. Statt bisher erreichter 3.300 bis 4.500 Stunden könnten dann nur noch etwa 2.700 bis 3.000 Stunden pro Jahr erzielt werden – mit signifikanter Auswirkung auf die Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Dieser Standortnachteil unterstreicht die Notwendigkeit einer überarbeiteten Flächenstrategie.

Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung dieses Problems ist groß. Für Verbraucher könnte sich ein verlangsamter Ausbau von Offshore-Wind auf die Strompreise auswirken, da kostengünstige erneuerbare Kapazitäten verzögert zur Verfügung stehen. Die Industrie, etwa Zulieferer und Hafenbetriebe, sieht sich mit Unsicherheiten bei Investitionen und Beschäftigung konfrontiert. Gleichzeitig steht die Erreichung der Klimaziele auf dem Spiel, da Offshore-Wind maßgeblich zur Dekarbonisierung des Energiesektors beiträgt.

Zentrale Herausforderungen sind:

  • Steigende Projekt- und Kapitalkosten durch geopolitische und logistische Engpässe
  • Erhöhte Unsicherheiten im Strommarkt mit schwer prognostizierbaren Preisen und Mengen
  • Negative Effekte durch hohe Bebauungsdichte und damit reduzierte Volllaststunden
  • Fehlende Investitionssicherheit bei einem rein marktgetriebenen Ausschreibungsmodell
  • Mangelnde Anpassung regulatorischer Rahmenbedingungen an aktuelle technologische und wirtschaftliche Realität

Um dem entgegenzuwirken, diskutiert die Branche verschiedene Reformansätze. Der Bund Deutscher Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) schlägt eine Umstellung des Ausschreibungsdesigns auf zweiseitige Contracts for Difference (CfDs) vor. Diese Finanzierungsform bietet eine Kalkulationssicherheit, indem sie Erzeuger vor stark schwankenden Marktpreisen schützt, ohne die Möglichkeit alternativer Modelle wie Power Purchase Agreements (PPAs) ganz auszuschließen. Außerdem wird eine gesetzliche Begrenzung der Leistungsdichte in Offshore-Windparks auf unter 10 MW pro Quadratkilometer gefordert, um Verschattungseffekte zu reduzieren und Volllaststunden zu maximieren.

International zeigt sich ein ähnliches Bild: Weltweit rücken flexible, risikoabsichernde Finanzierungsmechanismen und eine genauere Flächenplanung stärker in den Vordergrund. Auch andere Länder setzen zunehmend auf integrierte Maßnahmen, die sowohl ökologische als auch ökonomische Faktoren besser ausbalancieren. Deutschland steht somit vor der Herausforderung, seine Offshore-Windstrategie an diese globalen Trends anzupassen, um die Ausbauziele trotz der widrigen Bedingungen zu erreichen.

Insgesamt eröffnet die Krise zugleich Chancen für Innovationen. Die Branche wird gezwungen, effizientere Technologien einzusetzen, Lieferketten resilienter zu gestalten und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Eine umfassende Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes und weiterer relevanter Rechtsrahmen erscheint notwendig, um die Weichen für eine nachhaltige Offshore-Wind-Zukunft zu stellen – sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus klimapolitischer Sicht.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW).

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