– Offshore-Windenergie sicherte 2025 in Deutschland 31.530 Vollzeitstellen und erwirtschaftete 14,6 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung.
– Bei Erreichen des Ausbauziels von 70 Gigawatt bis 2045 könnte die Branche auf etwa 120.000 Beschäftigte und über 50 Milliarden Euro Wertschöpfung wachsen.
– Eine Absenkung der Ausbauziele würde bis zu 50.000 Arbeitsplätze und rund 20 Milliarden Euro Wertschöpfung gefährden.
Offshore-Windenergie in Deutschland wird zum bundesweiten Industriefaktor
Die Offshore-Windenergie hat sich nach Einschätzung des Bundesverbands Windenergie Offshore zu einem tragenden Wirtschaftszweig in Deutschland entwickelt. Grundlage ist eine am 14. April 2026 in Berlin vorgestellte Studie von wind:research im Auftrag des Verbands. Demnach sicherte die Branche im Jahr 2025 bundesweit 31.530 Vollzeitstellen, was rund 49.000 Beschäftigungsverhältnissen entspricht, und erzielte eine Bruttowertschöpfung von 14,6 Milliarden Euro.
Für den BWO zeigen die Zahlen, dass Offshore-Wind längst nicht mehr nur ein Thema für die Küstenregionen ist. Vielmehr sei die Branche über industrielle Lieferketten und Vorleistungen bundesweit verankert. Zugleich verbindet der Verband die Bestandsaufnahme mit einer klaren Forderung an die Politik: Entscheidend seien verlässliche Ausbauziele, der Ausbau der Netzanbindung und eine leistungsfähige Infrastruktur.
„Die Studie liefert belastbare Zahlen zur Bedeutung der Offshore-Windenergie für Deutschland. Offshore-Wind ist mit 14,6 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, rund 49.000 Arbeitsverhältnissen und über 31.000 Vollzeitstellen längst ein industrieller Kernbereich, weit über die Küstenregionen hinaus“, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm.
Wertschöpfung und Beschäftigung reichen weit ins Binnenland
Nach Darstellung des Verbands entsteht ein erheblicher Teil der industriellen Wertschöpfung nicht an der Küste, sondern im Binnenland. Norddeutschland bleibt zwar ein Schwerpunkt für Umsetzung, Logistik und Betrieb, besonders stark profitierten 2025 aber auch Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und das Saarland.
Der größte Beschäftigungsanteil entfiel laut Studie auf Nordrhein-Westfalen mit rund 6.300 Vollzeitstellen. Es folgten Baden-Württemberg mit über 5.300 sowie das Saarland und Niedersachsen mit jeweils mehr als 3.500 Vollzeitstellen. Aus Sicht des BWO unterstreichen diese Zahlen die breite industrielle Verankerung der Offshore-Windenergie in Deutschland.
Auch der Vergleich mit früheren Daten verweist auf diese Entwicklung. Während eine WAB-Studie für das Jahr 2015 bundesweit 20.500 Arbeitsplätze in der Offshore-Windenergie auswies, deuten die aktuellen Zahlen für 2025 auf eine deutlich breitere Aufstellung der Branche hin. Besonders in den Bundesländern, in denen Komponenten, Maschinen, Stahlprodukte oder andere Vorleistungen hergestellt werden, hat sich die industrielle Basis nach Verbandsangaben spürbar verbreitert.
Offshore-Wind als Teil des Energiesystems und der Industrie
Die Studie verweist nicht nur auf die Beschäftigung, sondern auch auf die Rolle der Offshore-Windenergie im deutschen Energiesystem. Nach Angaben des Umweltbundesamtes lieferten Anfang 2025 rund 1.600 Offshore-Windenergieanlagen etwa 26 TWh Strom und damit ungefähr 6 Prozent der deutschen Strommenge. Zum 31. Dezember 2025 waren laut Deutscher Offshore-Windenergie-Stiftung 1.680 Offshore-Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 9,7 GW in Betrieb.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die ausgewiesene Bruttowertschöpfung zusätzlich an Bedeutung. Im Jahr 2025 lag sie laut Studie bei 14,6 Milliarden Euro. Baden-Württemberg übernahm dabei mit rund fünf Milliarden Euro eine führende Rolle, gefolgt von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Nach Darstellung der Studie entsteht diese Wertschöpfung entlang aller Projektphasen von Offshore-Windparks – von der Planung über den Bau bis zum Betrieb. Der BWO sieht darin den Beleg, dass Offshore-Wind nicht nur Stromerzeugung auf See ist, sondern ein weit verzweigtes industrielles Netzwerk an Land.
Lieferkette und Netzanbindung unter Druck
Neben dem Wachstum benennt die Studie auch die Risiken für die weitere Entwicklung. Nach Angaben des BWO steht die nationale Lieferkette unter zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck. Gleichzeitig bleibt die Netzanbindung ein zentraler Engpass.
In der Untersuchung erwarten die befragten Marktteilnehmer Projektverzögerungen von durchschnittlich 3,2 Jahren. Für den Verband zeigt das, wie stark Engpässe bei Infrastruktur und Netzanschlüssen inzwischen auf die Branche wirken. Da laut Studie 893 Marktteilnehmer in Deutschland aktiv sind, davon rund ein Drittel ausschließlich in der Offshore-Windenergie, haben Verzögerungen nach BWO-Sicht Auswirkungen weit über einzelne Projekte hinaus.
Ausbauziel bis 2045 aus Sicht des BWO entscheidend
Der Verband verbindet die aktuellen Zahlen mit einem langfristigen Szenario bis 2045. Nach den Modellrechnungen der Studie könnte die Branche bei Umsetzung des Ausbauziels von 70 Gigawatt bis 2045 auf rund 120.000 Beschäftigte und auf mehr als 50 Milliarden Euro Wertschöpfung wachsen. Bei stabilen Ausbaupfaden würde sich die Beschäftigung damit nahezu vervierfachen.
Zugleich modelliert die Studie die Folgen eines langsameren Ausbaus. Sollte das gesetzlich festgelegte Ziel bis 2045 auf 60 Gigawatt sinken, würde Deutschland laut BWO auf bis zu 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze und rund 20 Milliarden Euro Wertschöpfung verzichten.
Daraus leitet der Verband seine industriepolitische Forderung ab. „Entscheidend sind jetzt verlässliche Rahmenbedingungen: stabile Ausbaupfade, Investitionen in Netzanbindung und Hafeninfrastruktur sowie eine koordinierte industriepolitische Strategie zur Stärkung der Wertschöpfung. Nur so kann die Branche ihr Potenzial entfalten und bis 2045 auf bis zu 120.000 Beschäftigte wachsen.“
Für den BWO steht damit fest: Die Debatte über Offshore-Windenergie betrifft nicht allein Klimaziele und Stromversorgung. Sie ist zugleich eine industriepolitische Frage darüber, wie viel Produktion, Beschäftigung und Wertschöpfung künftig in Deutschland gesichert und ausgebaut werden können.
Die hier veröffentlichten Informationen und Aussagen beruhen auf der Pressemitteilung des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO).
Weiterführende Quellen:
- „Im Jahr 2015 zählte die Offshore-Windenergie in Deutschland 20.500 Arbeitsplätze, mit einem Zuwachs von 10 % gegenüber 2014.“ – Quelle: https://www.wab.net/fileadmin/media/Downloads/Broschueren/OWIA_Beschaeftigungsstudie_2017.pdf
- „Baden-Württemberg hatte 2015 rund 1.150 Beschäftigte in der Offshore-Windenergie, Nordrhein-Westfalen 2.420 und Schleswig-Holstein 2.470.“ – Quelle: https://www.wab.net/fileadmin/media/Downloads/Broschueren/OWIA_Beschaeftigungsstudie_2017.pdf
- „Zum 31. Dezember 2025 sind 1.680 Offshore-Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 9,7 GW in Betrieb.“ – Quelle: https://www.offshore-stiftung.de/de/status-quo-offshore-windenergie.php
- „Anfang 2025 lieferten ca. 1.600 Offshore-Windenergieanlagen etwa 26 TWh Strom, was etwa 6 % der deutschen Strommenge entspricht.“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/windenergie-auf-see-offshore-windenergie
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Offshore-Windenergie ist längst mehr als ein Projekt an der Küste. Laut Studie sicherte die Branche 2025 über 31.000 Vollzeitstellen und erwirtschaftete 14,6 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung – mit deutlichen Effekten auch im Binnenland, unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und dem Saarland. Damit wird sichtbar: Offshore-Wind ist ein bundesweiter Industriefaktor.
Für betroffene Gruppen wie Beschäftigte in industriellen Lieferketten, Unternehmen in Vorleistung und Umsetzung, sowie regionale Wirtschaftsstandorte wird daraus vor allem eins relevant: Stabilität. Der Beitrag betont, dass Verlässlichkeit bei Ausbauzielen, Netzanbindung und Infrastruktur entscheidend ist, weil Verzögerungen und ein Absenken der Ausbaupfade bis zu 50.000 Arbeitsplätze und Milliarden an Wertschöpfung gefährden können.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum wirkt Offshore-Wind auch weit weg von der Küste?
Weil ein großer Teil der Wertschöpfung im Binnenland entsteht – etwa dort, wo Komponenten und Vorleistungen produziert werden.
Welche Engpässe nennt der Beitrag besonders?
Der Beitrag nennt vor allem zunehmenden Wettbewerb in der Lieferkette und die Netzanbindung als zentralen Engpass.
Wie hängt der Ausbau bis 2045 mit Jobs zusammen?
Bei 70 Gigawatt sind laut Studie deutlich mehr Beschäftigte möglich, bei 60 Gigawatt drohen dagegen bis zu 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze zu entfallen.
Welche politische Konsequenz zieht der Verband?
Er fordert verlässliche Ausbaupfade sowie Investitionen in Netzanbindung und Hafeninfrastruktur, damit die Branche ihr Potenzial entfalten kann. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.
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11 Kommentare
Schön zu lesen das offshore-wind jetzt ein industrie zweig ist, 14,6 milliarden Bruttowertschöpfung klingt gut. Aber wie viel davon bleibt wirklich in verschiedenen regionen? Die studie nennt Baden-Württemberg 5 milliarden aber ist das netto nach zulieferungen? Frage zu steuer und subventionen, gibt es daten in /finanzen/steuern oder weiteren quellen?
Die angaben zu 26 TWh und ca 6% vom strom sind wichtig, doch ich will wissen wie dieser strom technisch ins netz kommt, Netz an bindung und speicher sind sehr kritisch. Gibt es eine detaillierte studie zum Netzausbau und Planung auf /technik/netzplan ? Hat jemand konkreten link zu solchen reports oder projekte?
Mir gefällt die idee das jobs auch ins Binnenland gehen, aber wie ist das verhaeltnis von hoch qualifizierten arbeiten vs einfache montage jobs? Wir brauchen ausbildung und lehrlings programme, sonst fehlt langfristig fachkraft nachwuchs. Vielleicht wäre eine verlinkung zu /bildung/berufsausbildung im artikel hilfreich fuer weiter info.
Der punkt mit internationalem wettbewerb ist richtig, die deutsche lieferkette steht unter druck und das macht angst. Wir mussen investieren in maschinenbau und stahl produktion sonst wandern arbeiten weg. Gibt es konkrete förderprogramme oder schutzmechanismen? Siehe auch /wirtschaft/lieferkette oder /politik/importschutz, jemand kennt details oder beispiele?
Ich arbeite in firma die teile liefert, wir sehen preisdruck und fehlende Netz an bindung verzogern projekte immer wieder. Die studie sagt verzögerung 3,2 jahre, das passt mit unsern erfahrungen zusammen. Mehr praxiserfahrungen und fallstudien wären nützlich, bitte teilt kontakte, berichte oder forschungs papers die helfen /wirtschaft/lieferkette zu verstehen.
Ich finde die industriepolitische Forderung wichtig, stabile ausbauziele sind notwendig und sinnvoll. Aber wenn gesetz reduziert wird auf 60GW bis 2045 verliere wir laut studie 50.000 jobs, ist das realistisch oder pessimistisch gerechnet? Mehr transparenz über kosten, förderungen und regionale auswirkungen wäre hilfreich, siehe /politik/foerderung für erste infos.
Die zahlen zu 31.530 Vollzeitstellen sind beeindruckend aber ich wundere mich ob die 49.000 beschäftigungsverhältnisse doppelt gezählt werden? Modelrechnungen sind kompliziert und oft verwirrend. Brauchen wir klarere defintionen und regionale daten, zB /themen/offshore-wind/regionen hat karten? Kann jemand das bitte erd klaeren oder mit daten belegen?
Gute frage, ich glaub die 49.000 sind arbeitsverhältnise inkl teilzeit, aber das steht nicht gut erklärt im text. Netzanbindung und die 3,2 jahre verzögerung klingt beunruhigend und wird oft unterschätzt. Wer weiss mehr über hafen investitionen und konkrete projekte auf /wirtschaft/haefen oder hat link zu reports?
Für mich ist wichtig das auch Baden-Württemberg und Saarland profitieren, das überrascht mich sehr. Aber die regio werte sind schwer zu vergleichen wegen unterschiedliche zählweisen und methoden. Könnte man eine tabelle im artikel ergänzen oder link zu /daten/offshore geben damit man besser vergleichen kann?
Interessant das artikel, offshore-windenergie bringt jobs sagts das und das klingt gut. Ich finde gut den punkt mit Wertschöpfung aber frage wie genau die Netz an bindung besser werden soll? Auf /politik/energiewende oder /themen/offshore-wind steht mehr info, kann jemand link geben? Die zahlen sind groß aber etwas un klar.
Danke fur den Beitrag, ich seh auch NRW rolle, aber die studie sagt 70 Gigawatt bis 2045, ist das wirklich erreichbar oder nur modellrechnungen? Die Lieferkette ist unter druck und Hafen infra fehlt sehr, siehe /wirtschaft/industriepolitik, wer hat mehr detail oder praxis erfahrung und kann teilen bitte?