Offshore-Wind-Ausbau in der Krise: Branche fordert Ausschreibungs-Verschiebung bis Ende 2026 und Reformen

Am 10. November 2025 haben führende Energieverbände eine gemeinsame Branchenerklärung veröffentlicht. Sie fordern eine Verschiebung der nächsten Offshore-Wind-Ausschreibungen auf Ende 2026. So soll Zeit für Reformen des Investitionsrahmens und des Flächenentwicklungsplans gewonnen werden, um das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Branchenverbände fordern Verschiebung der Offshore-Wind-Ausschreibungen auf Ende 2026 für notwendige Reformen.
  • Investoreninteresse sinkt stark: 2025 gab es keine Gebote bei Offshore-Ausschreibungen in Deutschland.
  • Reformbedarf besteht bei Investitionsrahmen, Flächenplanung und Einführung von Contracts-for-Difference (CfDs).
  • Rechtliche Hemmnisse und Genehmigungsverzögerungen bremsen den Ausbau und gefährden Versorgungssicherheit.
  • Andere europäische Länder erzielen durch frühzeitige Reformen bessere Offshore-Wind-Ausbauergebnisse als Deutschland.

– Branchenverbände fordern Reformen für Offshore-Windenergie bis 2026
– Nächste Ausschreibungen sollen auf Ende 2026 verschoben werden
– August 2025: Offshore-Ausschreibung blieb erstmals ohne Gebote

Offshore-Windkraft: Branche fordert Verschiebung der Ausschreibungen

Führende Energieverbände und Netzbetreiber fordern die Bundesregierung in einer gemeinsamen Erklärung zum Handeln auf. Der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Bundesverband der Windenergie Offshore (BWO), der VDMA und die Offshore-Übertragungsnetzbetreiber verlangen eine Verschiebung der nächsten Ausschreibungen auf Ende 2026. Diese zusätzliche Zeit soll für dringend notwendige Reformen des gesetzlichen Investitionsrahmens und des Flächenentwicklungsplans genutzt werden.*

Die Verbände begründen ihre Forderung mit der Entwicklung bei Offshore-Ausschreibungen in den letzten Jahren: 2023 gab es acht Gebote mit Investitionen von 5,6 Mrd. Euro, 2024 sieben Gebote mit 4,9 Mrd. Euro, 2025 lagen laut Bundesnetzagentur keine Gebote vor (Stand Juli/August 2025). Diese Entwicklung bewerten die Branchenvertreter als alarmierendes Signal für den Investitionsstandort Deutschland.*

In der gemeinsamen Erklärung appellieren die Verbände an die Politik: "Wir appellieren daher an den Gesetzgeber und die Bundesregierung, eine Verschiebung der Ausschreibungen jetzt zu ermöglichen und die notwendigen Reformen nun schnell auf den Weg zu bringen, um die Attraktivität für Investoren wiederherzustellen." Das aktuelle Gesetzgebungsverfahren zur Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie bietet die Chance, die notwendigen Anpassungen umzusetzen und so Investitionssicherheit, Kosteneffizienz und Wettbewerb im Offshore-Wind-Ausbau zu stärken.*

Reformbedarf bei Offshore-Windkraft: Warum die Rahmenbedingungen nicht mehr passen

Die Forderungen der Offshore-Wind-Branche nach umfassenden Reformen kommen nicht aus dem Nichts. Sie spiegeln strukturelle Probleme wider, die den Ausbau der Windenergie auf See in Deutschland seit Jahren hemmen. Im Jahr 2023 und mit Stand Juli 2025 besteht ein akuter Reformbedarf beim Windenergie-auf-See-Gesetz, insbesondere durch den Ersatz der Marktprämie durch zweiseitige Contracts-for-Difference (CfDs) und notwendige Reformen der Flächenplanung.*

Warum Reformen jetzt? (rechtlicher Rahmen & Investitionssicherheit)

Die aktuelle Situation zeigt deutlich, dass der bestehende rechtliche Rahmen nicht mehr den wirtschaftlichen Realitäten entspricht. Das bereits im Juni 2025 stark gesunkene Bieterinteresse bei den Offshore-Wind-Ausschreibungen ist ein alarmierendes Signal. Es deutet auf grundlegende Probleme bei der Investitionssicherheit hin.*

Nach Analyse von Agora Energiewende (Stand: Januar 2024) hemmen schleppende Flächenzuweisungen, Genehmigungsstaus, Netzanbindungsengpässe und inkonsistente rechtliche Rahmenbedingungen den Offshore-Wind-Ausbau in Deutschland. Diese strukturellen Hindernisse führen dazu, dass Projekte nicht wie geplant realisiert werden können und Investoren zunehmend verunsichert sind.*

CfD-Debatte und Flächenplanung

Im Zentrum der Reformdebatte stehen zweiseitige Contracts-for-Difference (CfDs) als Alternative zur bisherigen Marktprämie. Diese Verträge bieten Investoren eine wesentlich höhere Planungssicherheit: Sie garantieren einen festen Strompreis, wobei Unterschiede zum Marktpreis entweder ausgeglichen oder zurückgezahlt werden. Dieses Modell schützt sowohl vor zu niedrigen als auch vor zu hohen Strompreisen und macht Investitionen kalkulierbarer.

Parallel dazu bedarf die Flächenplanung einer grundlegenden Überarbeitung. Die bisherige Praxis führt zu Engpässen und Verzögerungen, die den Ausbau der Offshore-Windenergie behindern. Eine optimierte Flächenentwicklung ist essenziell, um die ambitionierten Ausbauziele der Bundesregierung tatsächlich erreichen zu können und Deutschland als Standort für Windenergie-Investitionen attraktiv zu halten.*

Entwicklung der Offshore-Wind-Ausschreibungen 2023–2025

Die Entwicklung der Offshore-Wind-Ausschreibungen in Deutschland zeigt zwischen 2023 und 2025 einen deutlichen Rückgang des Investoreninteresses. Während 2023 noch acht Gebote mit geplanten Investitionen von 5,6 Milliarden Euro eingereicht wurden (Stand: Juli/August 2025), sank die Zahl der Gebote 2024 auf sieben mit einem Investitionsvolumen von 4,9 Milliarden Euro (Stand: Juli/August 2025). Im Jahr 2025 erreichte diese Negativentwicklung einen vorläufigen Höhepunkt: Bei der Ausschreibung im August 2025 wurden für die Flächen N-10.1 und N-10.2 keine Gebote eingereicht*.

Ausschreibungsergebnisse 2023 → 2025

Die folgende Tabelle dokumentiert die Entwicklung der Ausschreibungsergebnisse im Drei-Jahres-Vergleich:

Jahr Anzahl Gebote Investitionsbetrag Quelle/Stand
2023 8 5,6 Mrd. € Bundesnetzagentur, Juli/August 2025*
2024 7 4,9 Mrd. € Bundesnetzagentur, Juli/August 2025*
2025 0 0 € Bundesnetzagentur, Juli/August 2025*

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den realisierten Projekten wider: Im ersten Halbjahr 2025 erfolgten in Deutschland keine Neueinspeisungen von Offshore-Windenergieanlagen, da genehmigte Flächen ungenutzt blieben (Stand: Juli 2025). Als Hauptgründe für den Rückgang des Investoreninteresses identifizieren Branchenexperten steigende Strommarktpreisrisiken und Projektkosten (Stand: Oktober 2025). Diese Faktoren haben die Attraktivität von Offshore-Wind-Investitionen in Deutschland spürbar verringert und unterstreichen die Dringlichkeit von Reformen im regulatorischen Rahmen.

Folgen für Versorgungssicherheit und Wirtschaftsstandort

Im ersten Halbjahr 2025 erfolgten in Deutschland keine Neueinspeisungen von Offshore-Windenergieanlagen, da genehmigte Flächen ungenutzt blieben (Stand: Juli 2025)*. Besonders Haushalte mit niedrigem Einkommen sowie energieintensive Unternehmen würden unter steigenden Stromkosten leiden.

Rechtliche Hemmnisse verschärfen diese Situation erheblich. Zentrale gesetzliche Barrieren für den Offshore-Windausbau in Deutschland umfassen Verzögerungen bei Planfeststellungsverfahren, mangelnde Koordination von Netz- und Flächenentwicklung sowie restriktive Anforderungen beim Arten- und Naturschutz (Stand: Oktober 2025). Diese regulatorischen Hürden verzögern nicht nur konkrete Projekte, sondern schrecken auch langfristig notwendige Investitionen ab. Die daraus resultierende Unsicherheit betrifft alle Marktteilnehmer – von Projektentwicklern über Finanzinvestoren bis hin zu kommunalen Energieversorgern, die auf verlässliche Stromlieferungen angewiesen sind.

Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass andere Länder erfolgreichere Wege beschreiten. Studien zu europäischen Vergleichsländern belegen, dass Dänemark, Niederlande und UK durch frühzeitige CfD-Einführungen, gezielte Flächenplanung und Flexibilisierung bei Netzanbindung und Laufzeiten robustere Offshore-Wind-Ausschreibungsergebnisse erzielen als das aktuelle deutsche Modell (Stand: 2024/2025)*. Während diese Staaten ihre Ausbauziele konsequent verfolgen, riskiert Deutschland durch anhaltende Investitionszurückhaltung nicht nur seine Klimaziele, sondern auch seine Position als Technologiestandort. Die regionale Wirtschaft in Küstenregionen, die vom Hafenbetrieb bis zur Wartungsindustrie von Offshore-Projekten lebt, steht vor erheblichen wirtschaftlichen Einbußen, falls der Ausbau weiter ins Stocken gerät.

Ausblick & Forderungen

Die Offshore-Windbranche positioniert sich klar für die notwendigen Weichenstellungen. Die Offshore-Branche fordert im Herbst 2025 ein Auktions-Moratorium mit Verschiebung der ursprünglich für Mitte 2026 geplanten Ausschreibungen auf das vierte Quartal 2026 zur Vorbereitung notwendiger Reformen.* Diese Forderung nach einer Atempause zielt darauf ab, Zeit für substanzielle Anpassungen des regulatorischen Rahmens zu gewinnen.

Als kurzfristiger politischer Hebel bietet sich die Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie an. Parallel könnten die geplanten Reformen des Windenergie-auf-See-Gesetzes und des Flächenentwicklungsplans vorangetrieben werden. Weitere diskutierte Instrumente sind die Einführung von Differenzverträgen (CfDs), die Planungs- und Investitionssicherheit erhöhen sollen, sowie eine beschleunigte Flächenbereitstellung.

Damit Deutschland für Investoren im Offshore-Windbereich wieder attraktiv wird, braucht es vor allem eines: verlässliche und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen. Die Politik muss die aktuellen Warnsignale ernst nehmen und die vorgeschlagenen Reformen zügig umsetzen. Nur so lässt sich verhindern, dass sich die negativen Erfahrungen aus den Ausschreibungen von 2025 wiederholen und der Ausbau der Offshore-Windenergie ins Stocken gerät.

Die nachfolgenden Angaben stützen sich auf eine Pressemitteilung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW).

Weiterführende Quellen:

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