Drei Jahre nach dem Oder-Fischsterben: Umweltverbände fordern Kurswechsel für besseren Umweltschutz und lebendige Flusslandschaft

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Drei Jahre nach dem massiven Fischsterben an der Oder drängen BUND und EuroNatur die Regierungen in Deutschland, Polen und Tschechien zu einem entschiedenen Kurswechsel. Ihre „Vision für die Oder“ sieht ein grenzüberschreitendes Paket aus Renaturierungs- und Schutzmaßnahmen vor, um den Fluss gegen Dürre, Hitzestress sowie Nährstoff- und Schadstoffeinträge widerstandsfähig zu machen und als naturnahen, artenreichen Lebensraum zu erhalten.

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– Algenblüte durch Hitze, Dürre und hohe Salzbelastungen tötete 2022 etwa 1000 Tonnen Fisch
– BUND und EuroNatur fordern nachhaltige Oder-Vision von Deutschland, Polen und Tschechien
– Renaturierung und grenzüberschreitende Kooperation sollen Oder-Ökosystem widerstandsfähig machen

Umweltverbände fordern entschlossenen Wandel für die Oder nach dreijährigem Fischsterben

Das dramatische Fischsterben an der Oder im Sommer 2022, bei dem schätzungsweise 1000 Tonnen Fisch sowie unzählige Muscheln und Schnecken verendeten, jährt sich nun zum dritten Mal. Ursache war eine Algenblüte, ausgelöst durch eine Kombination aus Hitze, Dürre und hohen Salzeinleitungen aus polnischen Bergwerken. Trotz der enormen Schäden für die Ökologie des Flusses und den regionalen Tourismus zeigen die Umweltverbände nach wie vor große Sorge um die Zukunft dieses einzigartigen Flussökosystems. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und EuroNatur fordern deshalb von den Regierungen Deutschlands, Polens und Tschechiens ein gemeinsames Umsteuern und den Beitritt zu einer umfassenden „Vision für die Oder“.

Die Verbände betonen den dringenden Bedarf, die Oder widerstandsfähiger zu machen, speziell gegen die zunehmenden Umweltbelastungen wie Dürre, Hitzestress, Nährstoff- und Schadstoffeinträge. Dabei geht es um den Erhalt und die Wiederherstellung naturnaher Flusslandschaften durch konkrete Naturschutzmaßnahmen und eine intensivierte grenzüberschreitende Kooperation. Trotz einiger verhängter Sanktionen gegen illegale Einleitungen und einer verbesserten internationalen Kommunikation im Katastrophenfall wurde der Ausbau des Flusses bislang nicht gestoppt.

Theresa Wagner, BUND-Koordinatorin für den Oderschutz, bringt die Lage auf den Punkt: „Selbst im Angesicht der Katastrophe hat kein Umdenken stattgefunden. Noch immer wird Salz in die Oder geleitet und am Ausbau festgehalten. Das alles schadet dem Fluss. Wir müssen die Oder als naturnahen, artenreichen Ort für die Anwohnerinnen und uns alle erhalten.“* Diese klare Forderung unterstreicht die Bedeutung der Oder als Lebensraum und Erholungsort, der dringend vor weiterhin schädlichen Eingriffen geschützt werden muss.

EuroNatur legt mit seiner Programmleiterin Fließgewässer, Annette Spangenberg, weitere Schwerpunkte auf die nachhaltige Entwicklung des Flusses: „Unsere Vision ist es, die Oder als natürliches Flussökosystem zu erhalten und nachhaltig zu entwickeln. Dazu zählen beispielsweise nachhaltige Tourismusinfrastrukturen wie die Aufwertung des Oder-Neiße-Radweges. Zudem müssen wir den Fluss 'klimafit' für zukünftige Hitzesommer machen; Renaturierungsmaßnahmen wie die Wiederherstellung natürlicher Wasserrückhalteflächen tragen dazu bei. Zudem wollen wir die Menschen emotional wieder näher an den Fluss heranbringen – die Oder ist entgegen ihrem Image ein Fluss voller Leben.“

Diese Aussagen verdeutlichen den Ernst der Lage und die umfassenden Erwartungen an eine neu ausgerichtete Flusspolitik. Die Rolle der Oder als einer der letzten großen, naturnahen und frei fließenden Grenzflüsse in Europa macht den Schutz und die Renaturierung in einem internationalen Schulterschluss zu einem dringlichen Anliegen. Nur so lässt sich der Fluss dauerhaft vor weiteren Umweltschäden bewahren und als wertvolles Ökosystem erhalten.

Was das Fischsterben an der Oder für Natur und Gesellschaft bedeutet

Die Oder ist mehr als nur ein Fluss: Sie verbindet Deutschland, Polen und Tschechien, prägt Landschaften, versorgt Menschen mit Wasser und bietet Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Das Fischsterben im Sommer 2022 hat gezeigt, wie verletzlich dieses Ökosystem ist. Geschätzte 1000 Tonnen Fisch sowie unzählige Muscheln und Schnecken starben damals – ausgelöst durch eine Kombination aus Hitze, Dürre und Salzbelastungen aus Bergwerken. Diese Umweltkatastrophe macht deutlich, dass der Schutz der Oder heute von überregionaler Bedeutung ist, da sie exemplarisch für viele Flüsse in Europa steht, die unter ähnlichen Belastungen leiden.

Die Oder ist einer der letzten frei fließenden und naturnahen Flüsse Europas. Umsäumt von Weichholzauenwäldern, stellt sie einen wichtigen Rückzugsraum für bedrohte Arten dar. Dennoch setzen geplante Ausbauten wie die Vertiefung der Fahrrinne den Fluss zusätzlich unter Druck und verschärfen seine Anfälligkeit für Umweltkrisen. Die ökologische Funktion der Oder wird so beeinträchtigt, mit negativen Folgen für den regionalen Tourismus und die Wirtschaft entlang des Flusses.

Solche Flusskrisen sind kein Einzelfall: In ganz Deutschland und Europa kämpfen viele Gewässer mit den Folgen von Hitzeperioden, Nährstoffeinträgen und Eingriffen in die Natur. Typische Herausforderungen sind unter anderem:

  • Überdüngung durch Landwirtschaft
  • Verschmutzung durch industrielle Einleitungen
  • Wasserstandsverschiebungen durch Infrastrukturmaßnahmen
  • Klimabedingte Dürre- und Hitzephasen

Diese Belastungen führen zu ökologischen Ungleichgewichten, etwa durch Algenblüten, die Sauerstoffmangel verursachen und Fischsterben begünstigen.

Gesellschaftliche Folgen des Artensterbens

Das Fischsterben beeinträchtigt nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen, die an der Oder leben und arbeiten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Fischerei und Tourismus sind erheblich. Freizeitangebote wie Kanutouren, Angeln oder Wandern am Fluss verlieren an Attraktivität, wenn das ökologische Gleichgewicht gestört ist. Zugleich schwindet die Natur als Erholungsraum für die Anwohnerinnen und Anwohner – ein Verlust, der gesellschaftlich spürbar ist.

Gleichzeitig fordert das Ereignis ein Umdenken im Umgang mit Flusslandschaften heraus: Ein gesunder Fluss wird als Lebens- und Wirtschaftsraum neu bewertet. Ein naturnaher Fluss schützt gegen Extremwetter und verbessert die Lebensqualität vor Ort. Das verstärkte öffentliche Interesse und das Engagement von Bürger:innen sowie Umweltorganisationen zeigen, wie sehr der Erhalt der Oder als gemeinschaftliche Aufgabe wahrgenommen wird.

Perspektiven für nachhaltigen Flussschutz

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen gewinnen Konzepte für eine nachhaltige Flussentwicklung an Bedeutung. Das internationale Bündnis „Zeit für die Oder“ hat eine Vision formuliert, die den Fluss ökologisch widerstandsfähiger machen will. Dazu zählen die Wiederherstellung natürlicher Wasserrückhalteflächen, der Schutz vor Schadstoffeinträgen und eine klimaangepasste Gestaltung der Flusslandschaft. Angestoßen durch die Katastrophe gibt es Chancen, gängige Praktiken wie den Ausbau der Fahrrinnen zu überdenken und stattdessen auf Renaturierung und naturschonende Tourismusinfrastruktur zu setzen.

Die Erfahrungen an der Oder können als Vorbild für einen Kurswechsel dienen, der auch andere Flüsse von bundesweiter und europäischer Relevanz betrifft. Eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit, umfassendere Naturschutzmaßnahmen und eine emotionale Wiederannäherung der Menschen an ihre Flüsse könnten dazu beitragen, weitere Umweltkatastrophen zu verhindern und die biologische Vielfalt zu fördern. So könnte die Oder-Krise eines Tages auch als Wendepunkt für den Schutz unserer Flusslandschaften gelten – mit positiven Impulsen für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft gleichermaßen.

Diese Informationen und Zitate basieren auf der gemeinsamen Pressemitteilung von EuroNatur und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

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