Mehrwertsteuer auf Lebensmittel: Bundesregierung beziffert Kosten eines Nullsatzes
Der Deutsche Bundestag hat am 13.05.2026 die Meldung „Kosten von Mehrwertsteuer-Befreiung bei Lebensmitteln“ veröffentlicht. Darin nennt die Bundesregierung Milliardenbeträge, die bei einer Umsatzsteuerbefreiung oder einem Nullsatz für Lebensmittel als Mindereinnahmen anfallen würden.
Für die Debatte über Steuerentlastung bei Grundnahrungsmitteln liefert die Antwort konkrete Vergleichswerte: Sie zeigt, welche fiskalischen Größenordnungen mit Forderungen nach niedrigeren oder ganz gestrichenen Steuersätzen verbunden sind. Gleichzeitig verweist die Bundesregierung auf die soziale Seite der Frage, weil Haushalte mit niedrigem Einkommen einen größeren Teil ihres Budgets für Lebensmittel ausgeben.
Dazu passt auch Umsatzsteuer auf Lebensmittel im Bundestag: Konkrete Fragen zu Entlastung und Erhöhung.
Milliardenbeträge für einzelne Lebensmittelgruppen
Besonders hoch fallen die von der Bundesregierung genannten rechnerischen Mindereinnahmen bei Brot und Getreideprodukten sowie bei Molkereiprodukten und Eiern aus. Für Brot und Getreideprodukte nennt sie 2,7 Milliarden Euro pro Jahr, für Molkereiprodukte und Eier 2,6 Milliarden Euro pro Jahr.
Auch bei Gemüse, Kartoffeln sowie Obst liegen die Beträge deutlich im Milliardenbereich. Für Gemüse und Kartoffeln veranschlagt die Bundesregierung 2,0 Milliarden Euro pro Jahr, für Obst 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Diese Werte beziehen sich nach den Bundestagsunterlagen auf das Entstehungsjahr 2027. Für die genannten Produktgruppen gilt zudem eine inhaltliche Abgrenzung: Erfasst sind die Kategorien ohne Umsätze in der Außerhausgastronomie und im Catering.
Nullsatz für Lebensmittel: bis zu 22 Milliarden Euro
Über die einzelnen Warengruppen hinaus beziffert die Bundesregierung auch die Gesamtkosten eines breiteren Nullsatzes. Für bereits ermäßigt besteuerte Lebensmittel inklusive Leitungswasser nennt sie für 2027 rund 18 Milliarden Euro an rechnerischen Mindereinnahmen.
Wenn zusätzlich Lebensmittel einbezogen würden, die bislang nicht ermäßigt besteuert sind, könnten die Ausfälle laut Bundesregierung auf bis zu 22 Milliarden Euro steigen. Als Beispiele nennt die Antwort Milchersatzprodukte und alkoholfreie Getränke.
Damit rückt die Debatte um die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel aus dem Grundsätzlichen in eine konkrete Haushaltsdimension. Wer eine Entlastung über das Steuerrecht fordert, hat mit diesen Zahlen nun eine belastbare Datengrundlage für Positionspapiere, Gespräche und politische Argumentationen.
Bereits der ermäßigte Satz kostet den Staat Milliarden
Die Antwort der Bundesregierung stellt den möglichen Nullsatz in einen größeren Zusammenhang. Schon der bestehende ermäßigte Umsatzsteuersatz von sieben Prozent führt nach ihren Schätzungen zu erheblichen Mindereinnahmen gegenüber dem regulären Satz von 19 Prozent.
Für die Jahre 2021 bis 2025 nennt die Bundesregierung folgende rechnerische Werte: 32,6 Milliarden Euro für 2021, 36,3 Milliarden Euro für 2022, 38,5 Milliarden Euro für 2023, 39,2 Milliarden Euro für 2024 und 40,3 Milliarden Euro für 2025.
Auch diese Zahlen beruhen auf Schätzungen. Die Bundesregierung schreibt, dass keine statistischen Echtdaten zum Steueraufkommen nach Steuersätzen vorliegen.
Entlastung für einkommensschwache Haushalte im Blick
Neben den fiskalischen Kosten geht die Bundesregierung auch auf die Verteilungswirkung ein. Sie verweist darauf, dass einkommensschwache Haushalte einen deutlich höheren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben.
Zugleich verweist sie auf Studien, nach denen Überwälzungsraten von Umsatzsteuersenkungen bei Lebensmitteln relativ hoch seien. In der Antwort heißt es, ermäßigte Umsatzsteuersätze seien „isoliert betrachtet“ ein Mittel, um einkommensschwächere Haushalte zu entlasten.
Für die öffentliche Debatte verbindet die Bundesregierung damit zwei Ebenen: die Entlastungswirkung an der Ladenkasse und die Frage, welche Einnahmen dem Staat bei einer Steueränderung entgehen.
Antwort auf eine Kleine Anfrage
Ausgangspunkt der Angaben ist eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Die in der Bundestagsmeldung genannten Werte stammen aus der Bundestagsdrucksache 21/5839; die zugrunde liegende Anfrage trägt die Nummer 21/5501.
Die Berechnungen sind nach Darstellung der Bundesregierung „rein rechnerisch“. Sie beruhen auf der Annahme vollständiger Überwälzung und berücksichtigen keine Verhaltensanpassungen. Genau diese Abgrenzung ist für die Einordnung der Zahlen zentral: Sie beschreiben keine beobachteten Ist-Werte, sondern Modellrechnungen für die steuerpolitische Debatte.
Damit liegt für die Diskussion über Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, Nullsatz und Entlastung bei Grundnahrungsmitteln ein Satz an Zahlen vor, der die politischen Forderungen und Gegenrechnungen auf eine konkrete Basis stellt.
Warum das Thema wichtig bleibt
Die Debatte um Mehrwertsteuer auf Lebensmittel geht über eine reine Steuerfrage hinaus: Die Bundesregierung beziffert, wie groß die fiskalischen Spielräume wären, wenn Entlastungen über einen Nullsatz oder einen breiteren Ansatz umgesetzt würden. Gleichzeitig zeigt sie, dass schon der bestehende ermäßigte Satz gegenüber dem regulären Satz messbar zu Mindereinnahmen führt—also nicht nur über die Ausgabenseite, sondern auch über Einnahmen des Staates wirkt.
Für einkommensschwächere Haushalte steht dabei die mögliche Entlastung im Vordergrund, weil sie einen größeren Teil ihres Budgets für Lebensmittel ausgeben. Für Politik und Verwaltungen wird daraus vor allem eins wichtig: Bei Steueränderungen braucht es klare Vorstellungen, wie sich die Entlastung an der Ladenkasse und die Einnahmeausfälle im Staatshaushalt zueinander verhalten.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Was bedeuten die Milliardenbeträge konkret für eine mögliche Steueränderung?
Sie stehen für rechnerische Mindereinnahmen bei der Umsatzsteuer, je nachdem ob ein Nullsatz oder ein breiterer Ansatz für weitere Produkte gelten soll.
Sind das echte Ist-Zahlen oder Modellrechnungen?
Laut Bundesregierung handelt es sich um „rein rechnerische“ Berechnungen mit der Annahme vollständiger Überwälzung; es gibt keine statistischen Echtdaten zum Steueraufkommen nach Steuersätzen.
Warum werden einkommensschwache Haushalte in der Debatte besonders erwähnt?
Weil diese Haushalte einen größeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben und Steuerentlastungen dadurch stärker spürbar werden sollen.
Welche Lebensmittel wären bei einem Nullsatz besonders im Fokus?
Genannt werden u. a. Brot und Getreideprodukte sowie Molkereiprodukte und Eier; außerdem wird für einen breiteren Nullsatz beispielhaft Milchersatzprodukte und alkoholfreie Getränke erwähnt.
Was die Steuerdebatte für den Einkauf im Alltag wirklich bedeutet
Für Verbraucherinnen und Verbraucher steckt hinter der Debatte vor allem eine einfache Frage: Kommt eine mögliche Entlastung später wirklich an der Kasse an? Genau da lohnt sich ein nüchterner Blick. Die genannten Milliardenbeträge zeigen, wie groß der politische Hebel wäre, sie garantieren aber noch nicht automatisch spürbar niedrigere Bons im Alltag. Denn selbst wenn Steuern sinken, hängt die tatsächliche Wirkung davon ab, wie stark Händler die Senkung weitergeben und wie sich Preise parallel entwickeln.
Praktisch heißt das: Wer seine Kosten im Blick behalten will, fährt mit einer Mischung aus Preisvergleich, Wochenplanung und bewusstem Einkauf oft am sichersten. Besonders bei Grundnahrungsmitteln machen kleine Unterschiede über den Monat hinweg mehr aus, als man im Regal zunächst vermutet. Ein fester Einkaufszettel, saisonale Produkte und der Vergleich von Eigenmarken mit Markenware sind oft unspektakulär, aber wirksam.
Auch der Blick über den Supermarkt hinaus kann helfen. Wenn Lebensmittelpreise politisch umkämpft bleiben, lohnt es sich, an anderen Stellen Luft im Haushaltsbudget zu schaffen, etwa bei Verträgen, Energie oder laufenden Tarifen. Dafür kann ein gebündelter Überblick über finanzielle Vorteile im Alltag eine sinnvolle Ergänzung zur eigenen Planung sein. So entsteht Entlastung nicht nur durch mögliche Steuerentscheidungen, sondern auch durch kluge Entscheidungen im täglichen Leben.
14 Kommentare
Sachlicher Beitrag, klar und informativ, trotzdem bleibt die Frage offen wer die Lasttraegt wenn Nullsatz kommt, und ob politische Kompromisse möglich sind, also Teilbefreiung fuer Grundnahrungsmittel statt Komplett Nullsatz. Kann man nicht Progammatisch zB Brot, Milch, Eier ausnehmen und andere Produkte anders behandeln? Mehr Debatte dazu waere gut /politik/debatten/grundnahrungsmittel
Ich finde die Idee einer Teilbefreiung logisch, weniger Mindereinnahmen aber gezielter Effekt auf arme Haushalt, hat jemand Beispiele aus Bundesländern oder anderen Laendern gesehen wo das funktionierte, und wie haben die das finanziert, infos oder Links wuerden helfen /international/teilbefreiungen
Neutraler Standpunkt ist wichtig, und danke fuer die Daten, aber die Rechnung ohne Verhaltensänderung ist fraglich, Menschen kaufen anders wenn Preise anders sind, das kann die Mindereinnahmen verringern oder erhöhen, kann die Redaktion Daten zu Preiselastizität ergänzen oder Studien verlinken? /forschung/preiselastizitaet
Neutrale Darstellung, danke. Ich mochte mehr praktischen Rat haben, wie man als Verbraucher spart wenn Steuersenkung nicht kommt, die Tipps am Ende sind ok aber etwas allgemein. Konkretere Checklisten fuer Wochenplanung, Eigenmarkenvergleich oder Apps waeren nützlich, und Links zu Spartipps wären super /ratgeber/sparlisten
Stimmt, die Alltagstipps sind wichtig, ich persoenlich nutze Einkaufszettel und Saisonkalender, das hilft echt. Aber es wäre gut zu wissen wie stark der Effekt im Monat ist, zB 10 euro oder 50 euro, konkrete Rechenbeispiele waeren hilfreich für Arme Haushalt und Durchschnittshaushalt, siehe /ratgeber/budgetrechner
Danke für die Klarheit, die Debatte braucht solche Zahlen. Aber bitte mehr Info dazu wie Ueberwälzung genau berechnet wird, die Annahme ‚vollständige Überwälzung‘ klingt unrealistisch, viele Preise bleiben gleich oder steigen, Händler verhalten sich verschieden, frage: gibt es Studien zur Weitergabe der Steuersenkung? Link wuerde helfen /forschung/preisweitergabe
Gute Frage Ute, ich hab gelesen das Ueberwälzungsraten hoch sind aber nicht 100%, das heist die Mindereinnahmen könnten kleiner sein, oder Händler machen anderes, bitte mehr Quellen hier verlinken, und evtl Beispiele aus anderen Ländern zeigen wie das lief /international/steuerbeispiele
Das mit dem ermäßigten Satz schon jetzt milliarden kostet war mir nicht klar, das klingt nach grosser Subvention, aber wer profitiert wirklich, arme Haushalt oder eher mittlere Einkommensgruppen? Kann man das sozial gerechter machen, zB Zielhilfe statt Pauschalsteueränderung? siehe /politik/soziales/zielgerichtet
Die Tabelle mit Brot, Milch und Obst ist hilfreich, trotzdem fehlen mir Beispiele wie Milchersatzprodukte behandelt werden, sind das auch Null satz Kandidaten? Ich hab wenig Geld und frage mich ob das wirkli was bringt im Einkauf, oder ob Händler nur die Aufschläge lassen. Danke für die Zahlen, bitte mehr Vergleichstabellen im Artikel /politik/steuern/vergleiche
Ich find das gut das die Bundesregierung Zahlen liefert, aber warum nur 2027 als Entstehungsjahr, was ist mit 2026 oder 2028, die Entwicklung ist doch wichtig. Und ob die ermäßigt Satz schon Milliarden kostet ist erschreckend, das soll man mehr erklären, evtl mit Grafiken /politik/grafiken/steuerentwicklung
Neutraler Ton ist gut, aber mir fehlt der Blick auf einkommensschwache Haushalte konkreter, zB wie stark Prozentual das Haushaltsbudget belastet ist, und ob andere Massnahmen wie Gutscheine oder Bonus besser wären, frage an Experten, siehe /politik/soziales/lebensmittelhilfe
Gute Übersicht über die Mehrwertsteuer zahlen, danke. Aber ich versteh das nicht ganz, die Zahlen sind ja nur rechnerisch und sagen nix über wirkliche Einnahmen, oder? Wenn Null satz für Lebensmittel kommt wer zahlt das dann im Haushalt, Staat oder Händler, wie wird das finanziert, und bleibt die Entlastung an der Kasse wirklich? Siehe auch /politik/steuern/mehrwertsteuer-lebensmittel
Interessant, die 18 bis 22 milliarden euro klingt viel, aber wenn das nur modell ist, dann kann das anders werden, stimmt das? Mich würd noch interessieren ob Brot und Milch mehr betroffen sind als Getränke, und ob das für arme Haushalt besser wirkt als direkter Zuschuss, siehe /politik/soziales/armut und /ratgeber/haushalt-tipps
Danke für den Beitrag, sehr informativ, aber ich finde die Argumentation ist nicht ganz rund, weil die Ueberwälzung ja unklar ist, also ob Händler die Senkung weiter geben, und ob Preise nicht einfach steigen bleiben. Wer kontrolliert das? Mehrwertsteuer, Nullsatz, Mindereinnahmen sind wichtige Begriffe für die Debatte.