Verbandsbüro

Kinderrechte & Jugendpolitik: Aktuelle Meldungen

Verbandsnachrichten

02.11.2021: Studie zu Interaktionsrisiken im Internet: Kinder zwischen Schutz und Teilhabe

Kinder und Jugendliche brauchen in Social-Media-Angeboten und Online-Games Maßnahmen, die sie vor Interaktionsrisiken wie Mobbing und Cybergrooming schützen. Damit solche Maßnahmen ihre Wirkung entfalten, müssen sie an die subjektiven Bewältigungsstrategien der Kinder und Jugendlichen angepasst sein. So wünschen sich Kinder Messenger als sichere Kommunikationswege vor allem mit Freundinnen und Freunden, Familie und Bekannten. Auf Social Media und besonders in Online-Spielen äußern sie eine größere Offenheit für Kontakte mit Unbekannten. Gleichzeitig haben sie hier ein hohes Schutzbedürfnis gegenüber aggressiven Interaktionen, unerwünschten Kontakten und negativen Kontakterfahrungen. Kinder kennen viele Möglichkeiten, um diese Risiken zu vermeiden, institutionelle Unterstützungswege wie Anlaufstellen in Schulen oder im Internet nennen sie selten. Zudem müssen sie teilweise abwägen, ob diese Unterstützungsmöglichkeiten nicht nur ihrem Schutz-, sondern auch ihrem Teilhabebedürfnis dienlich sind oder letzterem sogar entgegenstehen. Verschärft wird dies, wenn Schutzoptionen fehlen oder Handlungsbedingungen intransparent sind.

Das sind zentrale Ergebnisse der heute veröffentlichten qualitativen Studie „Online-Interaktionsrisiken aus der Perspektive von Neun- bis Dreizehnjährigen“, die das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes erstellt hat.

„Die Studie zeigt auf, wie Kinder einerseits besser bei ihren Online-Interaktionen geschützt werden können, und andererseits ihre Teilhabebedürfnisse im digitalen Raum gewahrt bleiben. Dafür sind vor allem Medienkompetenzförderung und Elternbildung sowie die Gestaltung der Medienangebote und spezielle Kindermedienangebote wichtig. Dabei muss die Medienkompetenzförderung neben medienbezogenem Wissen eine von Kinderrechten geprägte Haltung vermitteln, die auch alle Erziehungsmaßnahmen der Eltern und anderer Unterstützungsangebote in Kita, Schule oder außerschulischen Orten prägen sollte. Kindern müssen das Spektrum der Interaktionsrisiken altersgerecht vermittelt und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Gleichzeitig erfordert eine Abschirmung vor Interaktionsrisiken durch technische Schutzeinstellungen ebenfalls pädagogische Begleitung. Eltern, die technische Jugendschutzeinstellungen nutzen, stellt sich die Aufgabe, den Übergang des Kindes zu einem eigenständigeren Umgang mit Interaktionsrisiken rechtzeitig vorzubereiten und ihm dadurch auch eine von den Eltern weniger kontrollierte Nutzung des Internets zu ermöglichen“, sagt Dr. Niels Brüggen, Leiter der Abteilung Forschung am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis.

„Ein kinderrechtlich ausgewogener Kinder- und Jugendmedienschutz muss immer gleichermaßen Schutz und Teilhabe von Kindern gewährleisten und die Entwicklungsstände der Kinder berücksichtigen. Für eine gute Entwicklung brauchen Kinder ein sicheres Umfeld ebenso wie Freiräume zur persönlichen Entfaltung. Deshalb sollten alle Angebote, die von Kindern häufig genutzt werden, per Grundeinstellung ein hohes Schutzniveau bieten, auch wenn es sich nicht um ausgewiesene Kinderangebote handelt. Die Schutzniveaus von Medienangeboten sollten gleichzeitig stärker an die sich wandelnden Sicherheitsbedürfnisse anpassbar gestaltet werden, damit sie den Anforderungen unterschiedlicher Nutzerinnen und Nutzer entsprechen. Um technische Möglichkeiten im Medienerziehungshandeln in Familien zu erleichtern, sollte die nach der Novellierung des Jugendschutzgesetzes neu geschaffene Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz entsprechende Standards und Lösungen im technischen Jugendmedienschutz gezielt fördern. Das neue Jugendschutzgesetz bietet eine vielversprechende Grundlage für eine stärkere Verantwortungsübernahme seitens der Medienanbieter. Diese Grundlage im Sinne von Kindern und Jugendlichen praktisch auszugestalten, liegt in der Verantwortung aller mit Jugendschutz befassten Akteure. Dabei sollten auch Medienangebote aktiv gefördert werden, die ausschließlich auf die Zielgruppe der Kinder ausgerichtet sind und ihnen ein geschütztes Experimentierfeld für eine kindgerechte Mediennutzung ermöglichen“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Die Studie „Online-Interaktionsrisiken aus der Perspektive von Neun- bis Dreizehnjährigen“ geht der Frage nach, wie Heranwachsende, die Social-Media-Angebote oder Online-Games nutzen, mit Risiken der Online-Interaktion umgehen. Erfragt wurde, mit wem sie in welchen Online-Umgebungen in Kontakt stehen, wie sie Interaktionsrisiken wahrnehmen und einschätzen, welche Erfahrungen sie diesbezüglich machen, welche Handlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten ihnen präsent sind und wie sie diese bewerten. Die Studie bedient sich qualitativer Forschungsmethoden. Dafür wurden sowohl Einzelinterviews geführt, die durch kurze Elterngespräche ergänzt wurden, als auch Online-Erhebungsworkshops durchgeführt. Diese Workshops fokussierten auf die Bewertung von Handlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten in Bezug auf potenziell riskante Online-Kontakte mit fremden Personen.

Die Studie erfolgte im Rahmen eines Projektes der Koordinierungsstelle Kinderrechte. Die Koordinierungsstelle Kinderrechte des Deutschen Kinderhilfswerkes begleitet die Umsetzung der aktuellen Strategie des Europarates für die Rechte des Kindes (Sofia-Strategie 2016-2021) und wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie kann unter www.dkhw.de/studie-online-interaktionsrisiken heruntergeladen werden.

Herausgeber

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.


20.10.2021: Deutsches Kinderhilfswerk: Auch Kinder- und Jugendpolitik bei Koalitionsverhandlungen in den Mittelpunkt

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert mit Blick auf die morgen beginnenden Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP, einen starken Fokus auch auf die Kinder- und Jugendpolitik zu richten. Aus Sicht der Kinderrechtsorganisation muss die nächste Bundesregierung dringend die großen kinderpolitischen Baustellen angehen, die sich in den letzten Jahren aufgetan haben.

Dafür müssen die Interessen von Kindern und Jugendlichen konsequent aufgegriffen und ihre nachrangige Rolle in der bundesdeutschen Politik beendet werden. Zu den drängendsten Punkten gehören nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerkes die Absicherung eines funktionieren Kinder- und Jugendhilfesystems und die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz ebenso wie die gesellschaftliche Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen, eine wirksame Bekämpfung der Kinderarmut und die nachhaltige Absicherung von Qualität und Chancengleichheit im Bildungssystem.

Zudem gilt es, die Bedarfe der Kinder und Jugendlichen zur Bewältigung der Corona-Pandemie zu decken. Hier müssen die Auswirkungen der Pandemie auf die physische und psychische Verfassung der Kinder und Jugendlichen noch stärker als bisher in den Blick genommen werden.

„Das von SPD, Grünen und FDP vorgelegte Sondierungspapier ist ein guter Anfang, um die Interessen von Kindern und Jugendlichen konsequenter als bisher aufzugreifen. Klar ist aber auch, dass es jetzt darauf ankommt, in den Koalitionsverhandlungen Schlagwörter wie die Kindergrundsicherung mit Leben zu füllen und finanziell zu hinterlegen. Die Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland mit einer Kindergrundsicherung kann nur gelingen, wenn dieses Instrument richtig eingestellt und mit ausreichend finanziellen Mittel ausgestattet wird.

Das gilt auch für das Kinder- und Jugendhilfesystem als Ganzes. Schon vor der Corona-Pandemie war die Kinder- und Jugendhilfe vielerorts am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. Länder und Kommunen haben es bislang nicht geschafft, die notwendigen Strukturen beispielsweise der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ausreichend zu finanzieren.

In einem Koalitionsvertrag, der sich Zukunftsfähigkeit zum Ziel setzt, gehört deshalb auch die nachhaltige Stärkung des Kinder- und Jugendhilfesystems ganz nach vorne“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Ganz oben auf der Tagesordnung der nächsten Bundesregierung muss auch die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz stehen. Diese sind ein unverzichtbarer Baustein, um kindgerechtere Lebensverhältnisse und bessere Entwicklungschancen für alle Kinder zu schaffen, ihre Rechtsposition deutlich zu stärken, und Kinder an den sie betreffenden Entscheidungen zu beteiligen.

Hier erwarten wir von der nächsten Bundesregierung eine überparteiliche Initiative unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft, um mit der Aufnahme der Kinderrechte im Grundgesetz im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention langfristig eine tragfähige Grundlage für ein kinder- und familienfreundliches Land zu schaffen. Die nächste Bundesregierung sollte auch beim angestrebten Ausbau der Ganztagsbetreuung in Grundschulen nachsteuern, um diese konsequent an den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention auszurichten.

Ganztagsbetreuung muss Ganztagsbildung ermöglichen, ein rein quantitativer Ausbau von Betreuungsplätzen ohne ausreichende Qualitätssicherung widerspricht der in der UN-Kinderrechtskonvention normierten Vorrangstellung des Kindeswohls“, so Hofmann weiter.

„Und auch bei der Beteiligung der Kinder und Jugendlichen müssen wir entscheidende Schritte vorankommen. Es sollte zukünftig einen Ständigen Beirat für Kinder- und Jugendbeteiligung bei der Bundesregierung geben. Ein solcher Beirat könnte den Bundestag und die Bundesregierung in Fragen der Kinder- und Jugendbeteiligung beraten sowie mit Vorschlägen zu Zielen und Indikatoren für die Zielerreichung eine bundesweite Beteiligungsstrategie auf den Weg bringen.

Denn Kinder und Jugendliche wollen, dass ihre Stimme gehört wird, dass sie und ihre Anliegen ernst genommen werden und sie somit ein Teil der Gesellschaft sind, der nicht übergangen wird. Deswegen ist auch eine Absenkung des Wahlalters bei den Europa- und Bundestagswahlen auf 16 Jahre aus kinderrechtlicher Sicht längst überfällig“, sagt Holger Hofmann.

Herausgeber

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation.

Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern.

Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.


18.10.2021: Kinderschutzbund begrüßt Zielrichtung des Sondierungspapiers

Nachdem SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zugestimmt haben, versenden wir folgende Mitteilung:

Berlin, Der Kinderschutzbund begrüßt die Zielsetzungen für Kinder und Jugendliche im Sondierungspapier. Starke Kinderrechte ins Grundgesetz, eine Kindergrundsicherung, ein Absenken des Wahlalters und familienpolitische Reformen zählten zu den Forderungen des Kinderschutzbunds. Jetzt fordert der Kinderschutzbund eine konsequente Umsetzung.

Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbunds: „Es wird dringend Zeit, dass die Kinder wirkungsvolle Rechte im Grundgesetz festgeschrieben bekommen. Dazu zählen die vorrangige Berücksichtigung des Kindeswohls und ein umfassendes Beteiligungsrecht. Die Belange von Kindern und Jugendlichen müssen endlich mit Priorität behandelt werden. Wir freuen uns, dass die Ampel-Parteien das Signal senden, hier aktiv zu werden. Auch falls sie am Ende keine verfassungsändernde Mehrheit haben sollten, wird das Anliegen positiv aufgegriffen und die Debatte fortgesetzt.“

Prof. Dr. Sabine Andresen, Vizepräsidentin des Kinderschutzbunds: „In vielen Studien hat sich gezeigt, dass sich Jugendliche von der Politik zu wenig gehört und berücksichtigt fühlen. Ein Absenken des Wahlalters ist – neben starken Kinderrechten – ein Schritt in die richtige Richtung.“ Im Sondierungspapier wurde die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre festgelegt.

„Eine Politik für Kinder und Jugendliche muss umfassende Beteiligungsmöglichkeiten schaffen und einen Beitrag dazu leisten, dass ihre Interessen und Bedarfe vorrangig Berücksichtigung finden“, so Sabine Andresen. Die zukünftige Regierung muss sich daran messen lassen.

Die geplante Kindergrundsicherung begrüßt der Präsident des Kinderschutzbunds, Heinz Hilgers, ausdrücklich: „Die Kindergrundsicherung ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Kinderarmut.

Eine Investition in die Zukunft, die sich lohnen wird!“ Im Sondierungspapier heißt es: „In einem Neustart der Familienförderung sollen bisherige Leistungen in einem eigenen Kindergrundsicherungsmodell gebündelt und automatisiert ausgezahlt werden, so dass sie ohne bürokratische Hürden bei den Kindern ankommen.“

Herausgeber

Deutscher Kinderschutzbund – Bundesverband e.V.


20.09.2021: Volkssolidarität fordert: Kinderrechte ins Grundgesetz und Kindergrundsicherung

Zum Weltkindertag mahnt Susanna Karawanskij, die Präsidentin der Volkssolidarität, die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen konsequent in den Blick zu nehmen:

„Heute am Weltkindertag ist es uns als Volkssolidarität wichtig, erneut auf die Situation von Kindern und Jugendlichen in unserem Land aufmerksam zu machen. Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass die Umsetzung der Kinderrechte und ihre Verankerung ins Grundgesetz absolute Priorität haben müssen. Nur so kann die selbstverständliche Teilhabe aller junger Menschen in unser Gesellschaft und die Beteiligung an den sie betreffenden Entscheidungen gesichert werden.

Zugleich müssen Kinder und Jugendlichen in einem so reichen Land wie Deutschland endlich frei von Armut leben können. Die Volkssolidarität fordert deshalb nachdrücklich, dass die zukünftige Bundesregierung hier anpacken und endlich eine armutsfeste Kindergrundsicherung auf den Weg bringen und beschließen muss. Die Zeit dafür ist reif.“

Die Volkssolidarität setzt sich mit ihren über 600 Angeboten und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in Ostdeutschland mit Nachdruck für die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz ein und engagiert sich seit fast vier Jahren im Bündnis Kindergrundsicherung.


Kinder im Krankenhaus – wieviel ist uns ihre Versorgung wert?

20.09.2021: Am Weltkindertag weist die DGKJ auf die Schwierigkeiten in der Finanzierung von Kinderkliniken und -abteilungen in Deutschland hin.

Bei den politischen Entscheidungen während der letzten Pandemiemonate standen Kinder mit ihren Bedürfnissen klar im Hintergrund. Kinder und Kinderrechte haben in Deutschland noch immer nicht den Stellenwert, der ihnen zusteht. In der klinischen Versorgung hat diese Nichtbeachtung zu einem drängenden Problem geführt: Wieviel ist uns die Versorgung kranker Kinder wert? Wie – und wie lange noch – können Kinderkliniken ihre Aufgaben noch erfüllen? Welche finanziellen Strukturen können dies in Zukunft überhaupt noch leisten?

Kindermedizin ist zeit- und personalintensiv. Durch den immens gestiegenen ökonomischen Druck in der Klinikversorgung ergreifen Klinikverwaltungen immer häufiger Sparmaßnahmen auf Kosten der Kinderkliniken und -abteilungen. Dies führt z.B. zum Personalmangel, nach dem Pflegemangel jetzt zusätzlich bei Ärzt/-innen. So stehen wegen akuter Bettenschließungen de facto weniger Betten zur Verfügung als eigentlich bereitgestellt.
Schon lange setzt sich die DGKJ gemeinsam mit anderen kinder- und jugendmedizinischen Fachgesellschaften und Verbänden für die Überarbeitung des Finanzierungssystems der stationären Pädiatrie ein. Die Finanzierung allein durch das Fallzahl-abhängige DRG-System kann vor allem aufgrund der erhöhten Fix- und Vorhaltekosten die Leistungen der Pädiatrie nicht angemessen auffangen. Dies führt trotz langjähriger Bemühungen, das DRG-System anzupassen, insbesondere im Bereich der komplex und chronisch kranken Kinder zur Unterfinanzierung.

„Eine auskömmliche Finanzierung von Kliniken/Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin ist unabdingbar. Nur bei entsprechenden Anpassungen durch Bund und Länder kann eine flächendeckende stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen auf hohem Niveau und in akzeptabler Nähe zum Wohnort langfristig gesichert werden. So muss etwa der Sicherstellungszuschlag für Kliniken/Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin in strukturschwachen Gebieten ausgebaut werden. Damit hätten wir einen Vergütungsbestandteil für die Vorhaltekosten von allen versorgungsnotwendigen Fachabteilungen für Kinder und Jugendliche, von der kleinen Fachabteilung in dünn besiedelter ländlicher Region bis zum Maximalversorger für die Versorgung von komplex und chronisch kranken Kindern“, so Prof. Jörg Dötsch, Präsident der DGKJ.

Auch bedarf es der Etablierung von Institutsambulanzen (KIA) für Kinder und Jugendliche im SGB V analog den geriatrischen oder psychiatrischen Institutsambulanzen (GIA, PIA), um Kindern den Zugang zu aufwändigen diagnostischen oder therapeutischen Verfahren zu ermöglichen.

Die nötige Investitionskostenfinanzierung der Krankenhäuser muss z.B. durch eine Beteiligung des Bundes gesichert werden.
Die Kinderklinikfinanzierung hat mittlerweile auch Eingang in die verschiedenen Ebenen der politischen Beratungen gefunden. So forderte der Bundesrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause die Bundesregierung auf, noch in der 2. Jahreshälfte 2021 ein Modell für eine zukunftsfähige Finanzierung der kinder- und jugendmedizinischen Kliniken und -abteilungen vorzulegen.

Dötsch betont: „Wir begrüßen die Aufforderung durch den Bundesrat und begleiten die weiteren Schritte sehr gern mit unserer Expertise. Unsere Gesellschaft muss eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung unserer Jüngsten sichern. Denn Kinder sind unsere Zukunft – behandeln wir sie auch so!“.

Auch andere Gesundheitsthemen müssen in der kommenden Legislaturperiode angepackt werden, als Beispiele seien genannt: eine Kind-orientierte Ausbildung für alle Ärzt/-innen, die Kinder behandeln, eine sichere Arzneimittelversorgung, geordnete Strukturen für den Übergang in die Erwachsenenmedizin insbesondere von chronisch kranken Kindern, verhältnispräventive Maßnahmen, die Lebenswelten und Ernährung erreichen, und nicht zuletzt die Förderung der dringend benötigten flächendeckenden Gesundheitskompetenz.


16.09.2021: Ganzheitliche Demokratiebildung im schulischen Hort- und Ganztagsbereich besser verankern

Mit einem Appell für eine bessere Verankerung von Kinderrechten und ganzheitlicher Demokratiebildung im schulischen Hort- und Ganztagsbereich hat heute in Berlin die Online-Fachtagung „Demokratiebildung in der Grundschule – Hort und Ganztag als unterschätzte Räume“ begonnen.

Dabei wurde insbesondere betont, wie wichtig frühe Demokratiebildung gerade angesichts zunehmender Angriffe auf die Demokratie und auf das Zusammenleben in Vielfalt ist. Zudem wurde die Notwendigkeit unterstrichen, bei der Förderung demokratischer Kompetenzen frühzeitig und vor allem lebensweltbezogen anzusetzen.

Ausgerichtet wird die Fachtagung vom „Kompetenznetzwerk Demokratiebildung im Kindesalter“, bestehend aus den Trägerorganisationen Institut für den Situationsansatz (ISTA) und Deutsches Kinderhilfswerk, das im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wird.

„Der 16. Kinder- und Jugendbericht bezeichnet den Hort- und Ganztagsbereich im Hinblick auf demokratische Bildung als ,unterschätzten Raum‘. Diesen Raum gilt es im Sinne einer ganzheitlichen Demokratiebildung vor allem mit Kinderrechten zu füllen. Dabei dürfen Kinderrechte nicht nach Gutdünken zugestanden werden und vom Engagement einzelner Fachkräfte abhängig sein, sondern müssen immer und überall der Maßstab sein, wenn es um die Interessen und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen geht.

Das gilt sowohl für den schulischen als auch für den außerschulischen Bildungsbereich. Deshalb brauchen wir eine verbindliche und wirksame Festschreibung der Kinderrechte in allen gesetzlichen und programmatischen Vorgaben. Der bisherige Flickenteppich in diesem Bereich muss durch eine einheitliche Rahmengebung beendet werden. Demokratiebildung darf nicht erst dann beginnen, wenn Kinder und Jugendliche kurz vor der Teilnahme an ihren ersten Wahlen stehen. Demokratie muss im Alltag, vor allem auch in Form von aktiver Beteiligung für Kinder erlebbar sein, und zwar schon für die Kleinsten.

Wir dürfen aber auch nicht alles, was die Schulen selbst nicht schaffen, auf den Hortbereich abwälzen. Hier gilt es eine vernünftige Balance vor allem durch kooperative Zusammenarbeit der beiden Bereiche zu finden, insbesondere vor dem Hintergrund des kürzlich beschlossenen Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter“, betonte Kai Hanke, stellvertretender Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Grundschulkinder bekommen es mit, wenn Demokratieversprechen nicht eingelöst werden, egal in welcher Einrichtung. Solange dem schulischen Hort- und Ganztagsbereich nur ein pädagogisches Nischendasein zugestanden wird, wird auch sein Potential für Demokratiebildung kaum erschlossen.

Dabei sind für Grundschulkinder viele demokratierelevante Fragen unmittelbar von Bedeutung: Was macht mich aus und wie werde ich von anderen gesehen? Wie kommt Zugehörigkeit zustande, was kennzeichnet Ausschlüsse? Wer sind hier die Bestimmer*innen, wer hat Macht? Wie mit Unterschieden kompetent umgehen? Was ist Gerechtigkeit, was ist Diskriminierung? Wie sich dagegen wehren? Im Hort/Ganztag können Kinder hierzu wertvolle Lernerfahrungen machen, unter Gleichaltrigen und mit Erwachsenen.

Um eine demokratische Kultur im Hort/Ganztag zu verankern, braucht es endlich fachpolitische Aufmerksamkeit und fachliche Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte. Einen Beitrag hierzu leisten Modellprojekte im Bundesprogramm Demokratie leben! wie auch das Kompetenznetzwerk Demokratiebildung im Kindesalter“, sagte Petra Wagner, Leiterin der Fachstelle Kinderwelten im Institut für den Situationsansatz (ISTA).

Die Online-Fachtagung „Demokratiebildung in der Grundschule – Hort und Ganztag als unterschätzte Räume“ widmet sich verschiedenen Fragen: Wie kann Demokratiebildung in der Praxis konkret aussehen? Was braucht es dafür? Welche Schwierigkeiten gibt es? Wie kann man mit institutionellen Hürden umgehen? Welche Konzepte, Methoden und Materialien gibt es für die pädagogische Praxis? Wo finden Fachkräfte und Träger Information, Beratung, Fortbildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten? Wie ist es um das Thema Demokratiebildung in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte bestellt? 

Im Rahmen der Veranstaltung werden aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse sowie Konzepte, Methoden und Erfahrungen aus der Praxis vorgestellt und vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und bildungspolitischer Entwicklungen gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutiert.

Umfangreiche Informationen zur Unterstützung der Demokratiebildung in Kita, Hort und Ganztag bietet die Website www.kompetenznetzwerk-deki.de. Auf dieser Seite präsentiert das Kompetenznetzwerk „Demokratiebildung im Kindesalter“ sich und seine Arbeit im Online-Bereich. Hier finden die Besucherinnen und Besucher umfangreiche Informationen, Material- und Veranstaltungsempfehlungen und weitere praxisbezogene Tipps rund um das Thema Demokratiebildung im frühkindlichen und Primarbildungsbereich. Verantwortlich für die Website sind das Deutsche Kinderhilfswerk und das Institut für den Situationsansatz (ISTA) als Träger des Kompetenznetzwerkes. Dieses wird unter dem offiziellen Fördertitel „Kompetenznetzwerk Frühkindliche Bildung und Bildung in der Primarstufe im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Herausgeber

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.


16.09.2021: Weltkindertag 2021: Neue Bundesregierung soll AnkER-Zentren abschaffen!

Osnabrück/Frankfurt (ots) Die Bedingungen in AnkER-Zentren und Aufnahmeeinrichtungen verletzen die Rechte von Kindern und ihren Familien. AnkER-Zentren müssen deshalb abgeschafft, der Aufenthalt in Aufnahmeeinrichtungen auf maximal vier Wochen verkürzt und die Geflüchteten schnellstmöglich in Wohnungen untergebracht werden. Diese Forderung richten terre des hommes, PRO ASYL, Jugendliche ohne Grenzen, die Landesflüchtlingsräte und 100 weitere Organisationen und Initiativen anlässlich des Weltkindertags am 20. September an die neue Bundesregierung. In verschiedenen Städten finden am Wochenende Protestaktionen statt.

„Aufnahmeeinrichtungen und AnkER-Zentren sind kein Ort für Kinder und kein Ort für Erwachsene“, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf, in dem die rund 100 Unterzeichnenden zudem fordern: „Statt Isolation und Entrechtung brauchen wir faire Asylverfahren und gleiche Rechte für alle Kinder, die in Deutschland leben.“

„Die räumliche Enge in AnkER-Zenten und Aufnahmeeinrichtungen, das Miterleben von Gewalt und Abschiebungen und der Mangel an Privatsphäre und Bildungsmöglichkeiten widersprechen den in der UN-Kinderrechtskonvention niedergelegten Kinderrechten“, erklärte Birte Kötter, Vorstandssprecherin von terre des hommes. Besonders Frauen, Kinder und Familien leiden unter diesem System. Die oftmals weit abgelegenen Einrichtungen führen zur Isolation und Entrechtung der Betroffenen. Es gibt kaum Zugänge zu psychosozialer Versorgung für traumatisierte oder psychisch belastete Menschen und zu regulären Kitas und Schulen, die für die Bildung von Kindern elementar sind. Die eingeschränkten Möglichkeiten zur Vorbereitung der Asylverfahren wirken sich negativ auf die Aufenthaltschancen der Asylsuchenden aus.

„Die AnkER-Zentren entrechten und isolieren die Menschen. Das zermürbt die Schutzsuchenden, besonders Kinder. Drei Jahre nach Öffnung der ersten AnkER-Zentren fällt die Bilanz düster aus: Das Konzept ist gescheitert – die Zentren gewährleisten keine fairen Asylverfahren. Zu einem fairen Asylverfahren gehört, für die gesamte Verfahrensdauer eine behördenunabhängige Beratung zu gewähren, die die Schutzsuchenden auch bis zu den Gerichten begleitet. Nur so können behördliche Fehlentscheidungen effektiv korrigiert werden. Zeitdruck, Stress und zu wenig Beratung führen dazu, dass besonders vulnerable Gruppen wie Kinder und Frauen ihre individuellen Geschichten und Leidenswege oft verschweigen. Doch EU- und Völkerrecht garantieren gerade vulnerablen Personen besondere Verfahrensrechte und sozialrechtliche Ansprüche – die aber in den AnkER-Zentren oft nicht beachtet werden“, sagte Günter Burkhardt, Geschäftsführer von PRO ASYL.

Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie die Kinderrechte ernst nimmt und den Aufenthalt in Aufnahmeeinrichtungen auf wenige Wochen verkürzt, so dass die Familien und Kinder schnell auf die Kommunen verteilt werden können. „Die künftige Bundesregierung hat die Möglichkeit, ein Aufnahmesystem zu bilden, das die Rechte flüchtender Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Ereignisse in Afghanistan haben in den letzten Wochen nochmal deutlich gemacht, warum Menschen fliehen und dass sie sichere Orte brauchen – und nicht Isolation und Ausgrenzung“, so Birte Kötter.

„Um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, organisieren wir um den Weltkindertag am 20. September die bildstarke Aktion #keinortfuerkinder, mit der wir eine Woche vor der Bundestagswahl in zahlreichen Städten Deutschlands auf die untragbare Situation in AnkER-Zentren und Aufnahmeeinrichtungen aufmerksam machen.“

Eine 2020 von terre des hommes beauftragte Recherche zur Situation in AnkER-Zentren in Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen kam zu dem eindeutigen Ergebnis, dass Aufnahmeeinrichtungen und AnkER-Zentren für Kinder nicht geeignet sind. Die Corona-Pandemie verschärft die ohnehin prekäre Situation zusätzlich; an Orten ohne ausreichenden Platz und Raum sind Abstandhalten und erforderliche Hygienemaßnahmen kaum möglich.

Weil die Einrichtungen oft abgelegen sind und der Zugang restriktiv gehandhabt wird, ist es für unabhängige Organisationen nahezu unmöglich, die Asylsuchenden zu unterstützen. Damit wird die Art der Unterbringung auch entscheidend für die Fairness des Asylverfahrens insgesamt. Teil des AnkER-Konzeptes ist eine verkürzte Zeit zwischen Ankunft und der Anhörung im Asylverfahren. Damit Menschen über erlittene Verfolgung, Gewalt und Demütigungen sprechen können, braucht es jedoch Zeit, Vertrauensaufbau und unabhängige Beratung vor der Anhörung.

Herausgeber

Original-Content von: terre des hommes Deutschland e. V., übermittelt durch news aktuell


14.09.2021: Deutsches Kinderhilfswerk fordert umfassende Neugestaltung der Kinder- und Jugendpolitik

Aufbruch in ein kindgerechtes Deutschland: Deutsches Kinderhilfswerk fordert umfassende Neugestaltung der Kinder- und Jugendpolitik

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert eine breite überparteiliche Initiative für eine umfassende Neugestaltung der Kinder- und Jugendpolitik direkt nach der Bundestagswahl. Aus Sicht der Kinderrechtsorganisation steht die nächste Bundesregierung vor großen kinderpolitischen Baustellen.

Viel zu lange haben Kinder und ihre Familien nur eine nachrangige Rolle gespielt, obwohl sie der maßgebliche Grundstein für eine zukunftsfähige Gesellschaftspolitik sind. Die Interessen von Kindern und Jugendlichen müssen deswegen endlich konsequent aufgegriffen werden.

Dazu gehört die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz ebenso wie die gesellschaftliche Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen, eine wirksame Bekämpfung der Kinderarmut und die nachhaltige Absicherung von Qualität und Chancengleichheit im Bildungssystem.

„Eine konsequente Ausrichtung der politischen Entscheidungen an den Interessen der Kinder und Jugendlichen ist der Weg in eine nachhaltig wirksame Politik für uns alle. So gilt es das strukturelle Problem der Kinderarmut in Deutschland umfassend zu beseitigen. Das schaffen wir am besten mit der Einführung einer Kindergrundsicherung in Höhe von 695 Euro für jedes Kind.

Damit soll der bestehende Familienlastenausgleich abgelöst, bestehende kindbezogene Leistungen transparent gebündelt und das soziokulturelle Existenzminimum von Kindern bedarfsgerecht gewährleistet werden. Um Armutskreisläufe zu durchbrechen und allen Kindern ein selbstbestimmtes Aufwachsen zu ermöglichen, braucht es armutspräventive Infrastrukturangebote im direkten Lebensumfeld. Dazu gehören Spielorte und Spielräume sowie Freizeitangebote ebenso wie ein Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungssystem, das Kindern gleiche Chancen eröffnet und in enger Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe in den Sozialraum wirkt.

Hier setzt auch die Ganztagsbetreuung in Grundschulen an. Wir brauchen eine breite überparteiliche Initiative, um den angestrebten Ausbau der Ganztagsbetreuung konsequent an den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention auszurichten. Die Ganztagsbetreuung muss Ganztagsbildung ermöglichen, ein rein quantitativer Ausbau von Betreuungsplätzen ohne ausreichende Qualitätssicherung widerspricht der in der UN-Kinderrechtskonvention normierten Vorrangstellung des Kindeswohls.

Zudem muss die digitale Teilhabe, die Medienkompetenz und der Schutz von Kindern im digitalen Umfeld gezielt gefördert werden“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Ganz oben auf der Tagesordnung der nächsten Bundesregierung muss die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz stehen. Diese sind ein unverzichtbarer Baustein, um kindgerechtere Lebensverhältnisse und bessere Entwicklungschancen für alle Kinder zu schaffen, ihre Rechtsposition deutlich zu stärken, und Kinder an den sie betreffenden Entscheidungen zu beteiligen.

Mit der Aufnahme der Kinderrechte im Grundgesetz im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention besteht die große Chance, langfristig eine tragfähige Grundlage für ein kinder- und familienfreundliches Land zu schaffen. Wir müssen zudem vorankommen hin zur rechtlichen Gleichstellung von geflüchteten Kindern in Deutschland. Hier mangelt es insbesondere an der Berücksichtigung des Kindeswohls in der Flüchtlingspolitik und einem gleichberechtigten Zugang zu grundlegenden Kinderrechten wie Bildung und Gesundheit für geflüchtete Kinder.

Gravierende Probleme gibt es auch in der Frage kindgerechter Gerichts- und Asylverfahren, beim Zugang zum Kinder- und Jugendhilfesystem, in Fragen des Familiennachzugs sowie bei der Unterbringung von geflüchteten Kindern in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften. Und wir brauchen eine breite überparteiliche Initiative zur besseren Umsetzung der Kinderrechte im Justizsystem.

Denn zahlreiche Studien zeigen auf, dass die Situation von Kindern und Jugendlichen in behördlichen und gerichtlichen Verfahren in Deutschland oftmals weder den internationalen menschenrechtlichen Anforderungen noch den Leitlinien des Europarates für eine kindgerechte Justiz entspricht“, erklärt Anne Lütkes, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Kinder und Jugendliche müssen viel mehr als bisher an den wichtigen Zukunftsfragen unseres Landes beteiligt werden. Deshalb sollte es einen Ständigen Beirat für Kinder- und Jugendbeteiligung bei der Bundesregierung geben. Ein solcher Beirat könnte den Bundestag und die Bundesregierung in Fragen der Kinder- und Jugendbeteiligung beraten sowie mit Vorschlägen zu Zielen und Merkmalen für die Zielerreichung eine bundesweite Beteiligungsstrategie auf den Weg bringen. 

Denn Kinder und Jugendliche wollen, dass ihre Stimme gehört wird, dass sie und ihre Anliegen ernst genommen werden und sie somit ein Teil der Gesellschaft sind, der nicht übergangen wird. Um die Interessen von Kindern und Jugendlichen stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubinden, sollte zudem die Wahlaltersgrenze auf allen Ebenen zunächst auf 16 Jahre und in einem zweiten Schritt auf 14 Jahre abgesenkt werden. Junge Menschen würden so als Wählerinnen und Wähler für die Parteien zu einer relevanten Gruppe.

Dadurch hätten sie mehr und vor allem nachhaltiger als bisher die Möglichkeit, ihre Meinungen, Wünsche und Vorstellungen in den politischen Prozess einzuspeisen. Und konkret vor Ort brauchen wir ein Umdenken in der Stadt- und Verkehrsplanung. Wir Kinder und Jugendliche wollen an den Erneuerungsprozessen unserer Quartiere und Stadtteile beteiligt werden, gut wäre auch Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts sowie die erleichterte Möglichkeit der Einrichtung von Schulstraßen und temporären Spielstraßen“, sagt Yola-Marie Fanroth, Mitglied im Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Anlässlich der Bundestagswahlen in diesem Jahr hat das Deutsche Kinderhilfswerk einen Katalog mit zehn Forderungen für den „Aufbruch in ein kindgerechtes Deutschland“ vorgelegt.

Diese wurden sukzessive unter https://www.dkhw.de/kernforderungen veröffentlicht. Weitere Informationen zum Deutschen Kinderhilfswerk unter https://www.dkhw.de.


03.09.2021: Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte zum zehnten Mal in Berlin verliehen
Stifter Ulrich Wickert und seine Jury würdigen herausragende Medienbeiträge

Hamburg (ots) Die Sieger:innen des Ulrich Wickert Preises für Kinderrechte 2021 sind am Donnerstag in Berlin geehrt worden. Die Auszeichnung in der Sparte Deutschland/ Österreich überreichte Stifter Ulrich Wickert persönlich an Renate Meinhof. In ihrem Beitrag „An der Front“ für die Süddeutsche Zeitung ging sie der Frage nach, was gegen sexuelle Gewalt an Kindern in Deutschland getan werden kann.

Der diesjährige Peter Scholl-Latour Preis, der für die Berichterstattung über das Leid von Menschen in Krisen- und Konfliktgebieten verliehen wird, ging an Isabel Schayani für die WDRforyou-Reportage „Hoffnung, nur noch Hoffnung: Kinder in Moria“. Ihr Kameramann Salama Abdo nahm die Trophäe von dem Plan-Vorstandsvorsitzenden Werner Bauch entgegen. Abdel Aziz Nabaloum, Redakteur der Tagezeitung Les Editions Sidwaya in Burkina Faso, erhielt den Preis International für „Intern vertriebene Schülerinnen: Wenn die Hoffnung auf Bildung zerbricht“. Der Girls LEAD Award für die Medienarbeit Jugendlicher zur Gleichberechtigung wurde an das Plan-Projekt „Sichere Städte für Mädchen in Lima“ vergeben.

Ulrich Wickert, Stifter und Plan-Kuratoriumsmitglied, sagte: „Mit ihrer Reportage ‚An der Front‘ für die Süddeutsche Zeitung hat Renate Meinhof ein Analysestück über sexuelle Gewalt gegen Kinder geschrieben, dass durch Reflektion und sprachliche Feinheit besticht. Ein gezielter Einsatz von Erzählsituationen ermöglicht es den Lesern, sich ein eigenes Bild von Art und Ausmaß dieser Ungeheuerlichkeiten zu machen. Der Autorin gelingt es damit auch, Position zu beziehen. Ein hervorragender journalistischer Beitrag, der lange nachwirkt!“

Jurymitglied Susanne Amann, Managing Editor des Nachrichtenmagazins Der Spiegel: „Was die Reportage ‚Hoffnung, nur noch Hoffnung‘ über Kinder im Flüchtlingslager Moria so besonders macht, sind sowohl die Perspektive als auch die Sprache. Isabel Schayani begegnet den Kindern auf Augenhöhe, ohne je die journalistische Distanz zu verlieren. Der Film hat eine emotionale Wucht, der einen beim Anschauen umhaut.“

ZDF-Moderator und Jurymitglied Markus Lanz: „Die Reportage ‚Intern vertriebene Schülerinnen: Wenn die Hoffnung auf Bildung zerbricht‘ von Abdel Aziz Nabaloum zeigt, dass Burkina Faso mitnichten ein stabiles Land ist. Brutale Übergriffe von Dschihadisten und anderen militanten Gruppen haben 1,3 Millionen Menschen zu Heimatlosen gemacht. Am Beispiel eines Mädchens schildert der Autor eindringlich die Folgen dieser humanitären Katastrophe, die sich fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit entwickelt hat.“

88 Journalist:innen aus 11 Ländern bewarben sich für den Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte 2021, der mit insgesamt 24.000 Euro dotiert ist. Zur Jury gehören: Susanne Amann (Der Spiegel), Karl Günther Barth (Autor und Publizist), Thomas Frankenfeld (Journalist und Autor), Brigitte Huber (Brigitte), Rudi Klausnitzer (Medienmanager), Christoph Lanz (Thomson Foundation), Markus Lanz (ZDF), Charlotte Maihoff (RTL aktuell), Jürgen Merschmeier (Journalist und Politikberater), Barbara Scherle (ProSiebenSat1), Viola Wallmüller (Funke Entertain GmbH), Ulrich Wickert und Dr. Werner Bauch (Plan International Deutschland).

Ulrich Wickert unterstützt die Projekte und Kampagnen von Plan International seit 1995 und ist ehrenamtliches Mitglied des Kuratoriums der deutschen Organisation. 2011 gründete er die Ulrich Wickert Stiftung, die den Journalistenpreis vergibt. Peter Scholl-Latour war Gründungs- und Kuratoriumsmitglied von Plan International Deutschland. Der Sonderpreis mit seinem Namen wird zu Ehren seines besonderen Engagements vergeben.

Herausgeber

Plan International Deutschland e.V.

Original-Content von: Plan International Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell


02.9.2021: Weltkindertag 2021: Deutsches Kinderhilfswerk feiert einen ganzen Monat mit einem „Kinderrechte-Spezial“

Das Deutsche Kinderhilfswerk feiert den Weltkindertag am 20. September mit einem großen „Kinderrechte-Spezial“ für Kinder in ganz Deutschland. Und das für einen ganzen Monat, und das auch schon ab jetzt: Auf www.kindersache.de/weltkindertag können Kinder und Jugendliche ab sofort in vielen interessanten Artikeln und anschaulichen Videos Neues über ihre Rechte lernen oder ihr Wissen vertiefen. Das Motto des diesjährigen Weltkindertags lautet „Kinderrechte jetzt!“.

Inhaltliche Schwerpunkte dieses „Monats der Kinderrechte“ werden die Themen „Kinderrechte weltweit – Schule und Bildung” und „Kinderrechte in Deutschland – Kinderarmut“ sein. So erklären Kinder aus aller Welt in kleinen Interviews, wie ihr schulischer Alltag aussieht. Außerdem erzählen Kinder aus den mit dem Deutschen Kinderhilfswerk kooperierenden Kinderhäusern, was das Besondere an ihrem Kinderhaus ist und warum sie gerne dorthin gehen. In sechs eigens für den Weltkindertag produzierten Videos werden kinderrechtliche Fragen von Kindern von Expertinnen und Experten beantwortet („Kinder fragen – Expert*innen antworten“).

Außerdem werden die sechs für den diesjährigen Deutschen Kinder- und Jugendpreis des Deutschen Kinderhilfswerkes nominierten Projekte in ausführlichen Interviews vorgestellt. Kinder und Jugendliche können aber auch aktiv werden: Neben einem Kinderrechte-Quiz wird es eine Umfrage zu den Partizipationsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen geben.

„Auch in diesem Jahr präsentieren wir eine digitale Alternative zu unserem traditionellen Weltkindertagsfest auf dem Potsdamer Platz in Berlin: Wir feiern den Weltkindertag im Internet. Und das Gute ist: Alle Kinder und Jugendlichen können mitfeiern, egal, wo sie gerade sind, und das den ganzen September hindurch“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Mit dem Motto des diesjährigen Weltkindertags „Kinderrechte jetzt!“ unterstreichen das Deutsche Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland die große Bedeutung der Verankerung der Kinderrechte im deutschen Grundgesetz. Denn damit würde den Anliegen von Kindern auf allen Ebenen der Gesellschaft, in Politik, Verwaltungen, Kommunen oder Schulen Nachdruck verliehen.

Wenn es gelingt, bessere Bedingungen zu schaffen, unter denen alle Kinder bestmöglich geschützt und gefördert werden und sie ihre Persönlichkeit frei entfalten können, ist das im Interesse der Kinder und der gesamten Gesellschaft. Starke Kinderrechte machen Deutschland kindgerechter und zukunftsfähiger.

Der digitale Weltkindertag auf www.kindersache.de wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.


31.08.2021: Gute Bildung im Ganztag kindgerecht gestalten

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert eine breite überparteiliche Initiative direkt nach der Bundestagswahl, um den angestrebten Ausbau der Ganztagsbetreuung an Grundschulen konsequent an den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention auszurichten.

Nach Ansicht der Kinderrechtsorganisation muss die Ganztagsbetreuung Ganztagsbildung ermöglichen, ein rein quantitativer Ausbau von Betreuungsplätzen ohne ausreichende Qualitätssicherung widerspricht der in der UN-Kinderrechtskonvention normierten Vorrangstellung des Kindeswohls.

Die wichtigsten Kriterien aller Anstrengungen müssen daher das psychische und physische Wohlergehen der Kinder und eine umfassende Ausrichtung des Ganztagsangebots an demokratischen Prinzipien sein. Hier braucht es klare, deutschlandweit einheitliche Rahmenvorgaben durch den Bund, um die Qualität dieser Plätze nachhaltig sicherzustellen.

„Gute Bildung im Ganztag muss kindgerecht gestaltet und konsequent an den in der UN-Kinderrechtskonvention normierten Kinderrechten ausgerichtet sein. Dazu braucht es entsprechende gesetzliche Qualitätsstandards, um eine Umsetzung dieser Prämissen unabhängig vom Wohnort der Kinder zu garantieren.

Ganztagsbetreuung muss Ganztagsbildung ermöglichen, die sich an kindlichen Bedarfen, individuellen Entwicklungsschritten und an den vielfältigen Lebenswelten der Kinder und ihrer Familien orientiert, die über den Tag verteilt Raum für formale und non-formale Bildung und für die persönliche Entwicklung der Kinder, aber auch für Spiel, Erholung und Bewegung bietet. Bei den Investitionen in Neu- und Umbauten müssen deshalb auch Räume für freies Spiel und Außengelände sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht mitgedacht und finanziert werden.

Zudem ist die Öffnung von Schulen in den Sozialraum und die verpflichtende Zusammenarbeit mit außerschulischen Bildungspartnern voranzutreiben. Wir müssen davon wegkommen ganztägige Bildung als etwas zu begreifen, dass nur am Standort Schule stattfindet und eine Verlängerung des Unterrichts in den Nachmittag bedeutet. Was wir brauchen ist eine Bildungslandschaft für Kinder und Jugendliche an unterschiedlichen Orten, etwa auch in Vereinen oder Jugendeinrichtungen.

Das gilt es ebenso zu beachten wie die Sicherstellung eines angemessenen Personalschlüssels, und eine qualitativ gute Mittagsverpflegung nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Dafür braucht es qualifiziertes pädagogisches Personal durch eine entsprechende Ausbildung angehender pädagogischer Fachkräfte und die Fort- und Weiterbildung von bereits im Hort und Ganztag tätigen Fachkräften, die insbesondere dem Grundsatz der kinderrechtebasierten Demokratiebildung mehr Raum und Bedeutung zumisst. Um den Bedarf an zusätzlichen Erzieherinnen und Erziehern an den Grundschulen zu decken, muss bereits jetzt die Erhöhung der erforderlichen Ausbildungskapazitäten kurzfristig umgesetzt werden.

Wichtig ist zudem, bei der Erarbeitung von Ganztagskonzepten in den Schulen nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie die Eltern einzubeziehen, sondern vor allem die Rechte und Interessen der Schülerinnen und Schüler ausreichend zu berücksichtigen und diese an Entwicklungen von Ganztagskonzepten aktiv zu beteiligen. Diese Beteiligung von Kindern ist in Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention normiert und darf nicht am Schultor enden“, so Krüger weiter.

Anlässlich der Bundestagswahlen in diesem Jahr legt das Deutsche Kinderhilfswerk einen Katalog mit zehn Forderungen für den „Aufbruch in ein kindgerechtes Deutschland“ vor. Diese werden sukzessive unter www.dkhw.de/kernforderungen veröffentlicht. Ein Kernforderungspapier des Deutschen Kinderhilfswerkes zur Bildung in der Ganztagsbetreuung findet sich unter www.dkhw.de/kernforderungen/ganztag, weitere Informationen unter www.kompetenznetzwerk-deki.de/.


24.08.2021: Deutsches Kinderhilfswerk fordert Initiative für bessere digitale Teilhabe von Kindern

Aufbruch in ein kindgerechtes Deutschland: Deutsches Kinderhilfswerk fordert Initiative für bessere digitale Teilhabe von Kindern

Das Deutsche Kinderhilfswerk drängt auf eine breite überparteiliche Initiative von Bund, Ländern und Kommunen für mehr Investitionen direkt nach der Bundestagswahl, um allen Kindern die Teilhabe am digitalen Umfeld nachhaltig zu garantieren.

Aus Sicht der Kinderrechtsorganisation hat gerade die Corona-Pandemie an vielen Stellen gezeigt, dass es gleichermaßen Schutz und Teilhabe bedarf, um Kindern in digital geprägten Gesellschaften ein gesundes Aufwachsen mit Medien zu ermöglichen. Um die digitale Inklusion voranzutreiben, Chancengerechtigkeit zu gewährleisten und Ungleichheiten abzubauen, sind Bund, Länder und Kommunen hier in der Verantwortung.

Dafür sollen sichere, barrierefreie und kostenlose Zugänge in öffentlichen Räumen, wie Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen oder Bibliotheken, sowie an öffentlichen Plätzen, wie Spielplätzen, Freibädern, oder Bahnhöfen und Haltestellen bereitgestellt werden. Das wäre auch ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der Allgemeinen Bemerkung Nr. 25 (General Comment) zu Kinderrechten in der digitalen Welt des UN-Kinderrechtsausschusses. Zudem müssen infrastrukturelle Voraussetzungen für die Nutzung von Medien bundesweit und unabhängig von regionalen Gegebenheiten garantiert werden.

„Mit mehr Investitionen in technologische Infrastruktur, beispielsweise der Schulen, soll die digitale Teilhabe aller Kinder vorangebracht werden. Dies muss in den Schulen mit einem zeitgemäßen Unterrichts- und Schulkonzept einhergehen, das auch nach der Corona-Pandemie dringend benötigt wird. Mit dem reformierten Jugendschutzgesetz ist im Frühjahr ein moderner Kinder- und Jugendmedienschutz in Kraft getreten. Parallel dazu und gleichberechtigt mit der Förderung von Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen muss es ein Ziel sein, die Chancen zu nutzen, die digitale Medien mit sich bringen. Wir müssen in diesem Bereich ganzheitlicher denken als bisher. Deswegen sollen Schulen, Kitas sowie die Kinder- und Jugendarbeit dabei eine ebenso große Rolle spielen wie die Familie, die Medienanbieter oder das kommunale Wohnumfeld“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Die digitale Entwicklung geht maßgeblich auch Kinder und Jugendliche an. Deshalb sollten Bund und Länder Anbieter dazu anhalten, Kinder in die Entwicklung von onlinebasierten oder digitalen Angeboten für Kinder einzubeziehen. Die Bedürfnisse, Interessen, Erfahrungen und Rechte der Kinder sollten bereits in Entwicklungsprozessen zur Produktion und Distribution von Programmen, Spielen und Plattformen wie auch für schützende Maßnahmen und Technologien und in der Umsetzung gesetzlicher Bestimmungen zum Jugendmedienschutz Berücksichtigung finden“, so Krüger weiter.

„Staat und Medienanbieter, Eltern und Fachkräfte, sie alle tragen gemeinsam die Verantwortung, dass sich Kinder im digitalen Raum sicher bewegen können. Alle Angebote müssen deshalb mit kindgerechten Informationen und Anleitungen versehen werden, Inhaltsmoderationen sowie Hilfemechanismen sind vorzuhalten, Alters- und Inhaltskennzeichen sollen die Orientierung über Medienangebote und damit verbundene Risiken befördern. Eltern und Fachkräfte sollen Kinder medienkompetent begleiten und diese entsprechend den sich altersgemäß entwickelnden Fähigkeiten unterstützen. Der gesetzliche Kinder- und Jugendmedienschutz muss permanent weiterentwickelt, seine Einhaltung überprüft und Schutzgesetzgebungen auf Bund- und Länderebene aufeinander abgestimmt werden“, so Thomas Krüger.

Anlässlich der Bundestagswahlen in diesem Jahr legt das Deutsche Kinderhilfswerk einen Katalog mit zehn Forderungen für den „Aufbruch in ein kindgerechtes Deutschland“ vor. Diese werden sukzessive unter www.dkhw.de/kernforderungen veröffentlicht. Ein Kernforderungspapier des Deutschen Kinderhilfswerkes zu Kinderrechten im digitalen Umfeld findet sich unter www.dkhw.de/kernforderungen/kinderrechte-digitale-welt, weitere Informationen unter www.dkhw.de/schwerpunkte/medienkompetenz/.


23.08.2021: Bericht zum Verteilverfahren unbegleiteter Minderjähriger Flüchtlinge

Starre Zuständigkeiten, scheiternde Familienzusammenführungen und Mängel bei Rechtsschutz und rechtlicher Vertretung befördern Abgängigkeiten von Jugendlichen.

Im Juli hat das Bundeskabinett den „Bericht zur Evaluation des Gesetzes zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung unbegleiteter ausländischer Minderjähriger“ beschlossen. Die Bundesregierung bewertet das im Jahr 2015 mit diesem Gesetz eingeführte Verteilverfahren überwiegend positiv. Dies widerspricht den Erkenntnissen, die der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) seit Inkrafttreten des Verteilverfahrens aus den jährlichen Befragungen von Fachkräften, Einzelfallberatungen sowie Fortbildungen und Fachveranstaltungen gewonnen und in einem aktuellen Themendossier versammelt hat.

Seit November 2015 macht der BumF immer wieder darauf aufmerksam, dass

  • das quotenbasierte Verteilverfahren sein zentrales Ziel, eine kindeswohlorientierte Betreuung, Versorgung und Unterbringung zu gewährleisten, nur sehr eingeschränkt erreichen kann;
  • das Gesetz den Erhalt guter Aufnahmestrukturen nicht begünstigt und der Dynamik von Migrationsbewegungen sowie den Bedarfen der Minderjährigen nicht gerecht wird und dass
  • viele der prognostizierten negativen Folgen des Umverteilungsgesetzes eingetreten sind: So führen starre Zuständigkeiten und fehlende Regelungen von Zusammenführungen mit Verwandten beispielweise zu Abgängigkeiten von Jugendlichen. Aufgrund des verkürzten und unklar geregelten Rechtschutzes, mangelnder Beteiligung der Jugendlichen sowie des Fehlens einer unabhängigen rechtlichen Vertretung können sie ihre Rechte zudem nur schwer durchsetzen.

„Da es für umF faktisch keine Möglichkeit gibt, eine kindeswohlwahrende Verteilung an einen bestimmten Ort durchzusetzen und Zusammenführungen mit Angehörigen und Bezugspersonen viel zu oft scheitern, machen sich viele Jugendliche eigenständig auf den Weg an Orte, an denen sie leben möchten“, so Johanna Karpenstein vom BumF.

„Im schlimmsten Fall leben junge Menschen dort unter falschem Namen, um nicht wieder zurückgeschickt zu werden. Melden sie sich dort regulär an, folgt oft ein gefährliches Ping-Pong-Spiel, bei dem Jugendliche immer wieder an den Ort des zuständigen Jugendamtes zurückgeschickt und dort erneut abgängig werden.“

Die Probleme, welche sich in der Praxis hierdurch ergeben, erläutert Juliane Hoppe, Sozialarbeiterin beim Sozialwerk Nazareth e.V. und langjähriges BumF-Mitglied, anschaulich:

„In einem aktuellen Fall führte eine fehlerhafte Zuweisung dazu, dass ein Mädchen mit Vollendung des 18. Lebensjahres die Jugendhilfe nicht verlängern wollte, um sich auf eigene Faust zurück zu ihren Verwandten aufzumachen. Obwohl dem Jugendamt bei der vorläufigen Inobhutnahme bekannt gewesen war, dass sich Verwandte am selben Ort aufhielten, wurden sie nicht bei der Zuweisungsentscheidung berücksichtigt und das Mädchen wurde an einen anderen Ort verteilt.“

Dieser Fall illustriert zudem einmal mehr, dass die individuellen Anliegen der betroffenen Jugendlichen unzureichend einbezogen werden und sie nur ungenügend an den Entscheidungen, die sie betreffen, teilhaben können. Das Problem der fehlenden Beteiligung der Jugendlichen hebt auch Christian Oppl vom Flüchtlingsrat München und BumF-Landeskoordinator in Bayern hervor. Er hat sich wissenschaftlich mit dem Verteilverfahren auseinandergesetzt und erklärt:

„Die Beteiligungsrechte der Jugendlichen werden unzureichend sichergestellt, ihre Bedarfe und Wünsche werden nicht berücksichtigt. Das Fehlen einer institutionell unabhängigen rechtlichen Vertretung im Verteilverfahren ist in Hinblick auf die Einhaltung der Kinderrechte und Partizipationsmöglichkeiten ebenfalls kritisch zu sehen.“

Der BumF empfiehlt daher grundsätzliche, am Kindeswohl orientierte Änderungen am Verteilverfahren. „Wir brauchen wieder ein Verfahren, bei dem ausschließlich die Bedarfe der Minderjährigen über den Unterbringungsort entscheiden, damit Hilfen gelingen und langfristige Perspektiven geschaffen werden können“, so Johanna Karpenstein vom BumF.

Herausgeber

Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V


19.08.2021: Förderfonds: Bis zu 10.000 Euro für Kinder- und Jugendprojekte möglich

Bis zu 10.000 Euro für Kinder- und Jugendprojekte möglich – Jetzt Anträge beim Förderfonds des Deutschen Kinderhilfswerkes stellen

Für Initiativen, Vereine und Projekte der Kinder- und Jugendarbeit aus dem gesamten Bundesgebiet besteht noch bis zum 30. September 2021 die Möglichkeit, Anträge bei den Förderfonds des Deutschen Kinderhilfswerkes zu stellen und bis zu 5.000 Euro zu erhalten. Überjährige Projekte können sogar mit bis zu 10.000 Euro gefördert werden.

Ziel der Förderfonds ist die Bekanntmachung der Kinderrechte und die Verbesserung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen unter dem Aspekt der Mitbestimmung. Anträge können Vereine, freie Träger, Initiativen, Elterngruppen, Kinder- und Jugendgruppen sowie Schülerinitiativen für noch nicht begonnene Projekte stellen.

So werden zum Beispiel Projekte gefördert, die das demokratische und politische Engagement von Kindern und Jugendlichen unterstützen, deren Mitbestimmung an Prozessen in Jugendeinrichtungen, Schule und Stadtteil ermöglichen, den Zugang zu Medien verbessern bzw. den kompetenten Umgang mit diesen befördern, oder Kinder und Jugendliche bei der kreativen Auseinandersetzung mit für sie relevanten Themen fördern.

Ferner sollen Projekte Unterstützung erhalten, die bewegungsfördernde und interessante Spielorte im Wohnumfeld oder auf dem Schulgelände schaffen oder der Vernetzung, Sicherung bzw. Rückgewinnung von Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten dienen. Voraussetzung für eine Bewilligung ist auch hier, dass die Kinder und Jugendlichen an der Planung und Durchführung des Projektes aktiv beteiligt werden.

Auch bei der Spielplatz-Initiative des Deutschen Kinderhilfswerkes sind weiterhin Anträge möglich. Im Rahmen dieser Initiative werden deutschlandweit Projekte gefördert, die einen Spielraum sanieren, ergänzen oder neugestalten. Dazu zählen neben klassischen Spielplätzen auch die öffentlichen Außenanlagen von Jugendfarmen, Freizeittreffs oder Familienzentren, Abenteuerspielplätzen, Sportvereinen, Skateparks oder Jugendtreffs sowie Kitaaußenanlagen oder Schulhöfe, sofern sie frei zugänglich sind.

Antragsberechtigt sind Eltern- und Nachbarschaftsinitiativen, Kinder- und Jugendgruppen oder Vereine, privat engagierte Einzelpersonen ebenso wie Kommunen/kommunale Träger oder Wohnungsunternehmen. Bei den Projekten sollten einfache, aber sinnvolle Spielelemente und Raumkonzepte mit Erlebnischarakter im Vordergrund stehen, die die kindliche Fantasie anregen und die Kreativität fördern.

Elementar sind die möglichst aktive Beteiligung der Kinder und Jugendlichen bei der Planung und Gestaltung des Spielraumes, aber auch die Kreativität bei der Mittelakquise und der Gestaltung sowie der Wille, selbst tatkräftig mit anzupacken.

Zudem sind weiterhin Bewerbungen für Kinder-Kulturprojekte im Rahmen des Förderprogrammes „It‘s your Party-cipation“ des Deutschen Kinderhilfswerkes möglich. Als Partner im Programm „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fördert das Deutsche Kinderhilfswerk noch bis 2022 außerschulische Projekte der kulturellen Bildung mit insgesamt über fünf Millionen Euro.

Gefördert werden Workshops, Festivals und Kinderstädte, die sich an Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 17 Jahren aus finanziell oder sozial benachteiligten Familien richten. Der Fokus der Aktionen soll auf den Kinderrechten und der aktiven Beteiligung von Kindern und Jugendlichen liegen.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat in den letzten fünf Jahren durch seine Förderfonds 1.904 Projekte mit insgesamt rund 8.126.000 Euro unterstützt. Durch die Fonds erhalten Projekte, Einrichtungen und Initiativen finanzielle Unterstützung, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, zum Grundsatz ihrer Arbeit gemacht haben.

Dabei geht es vor allem um Beteiligung in Bereichen demokratischer Partizipation, um Chancengerechtigkeit und faire Bildungschancen für benachteiligte Kinder, gesunde Ernährung oder kinder- und jugendfreundliche Veränderungen in Stadt und Dorf, auf Schulhöfen, Kita-Außengeländen oder Spielplätzen. Die Schaffung sinnvoller Freizeitangebote und Möglichkeiten zur Entwicklung einer kulturellen Identität, zu kultureller Bildung und Medienkompetenz sind ebenso Förderschwerpunkte.

Weitere Informationen zu den Förderfonds des Deutschen Kinderhilfswerkes unter www.dkhw.de/foerderfonds, zur Spielplatz-Initiative unter www.dkhw.de/spielplatzinitiative, zum Förderprogramm „It‘s your Party-cipation“ unter www.kinderrechte.de/kulturmachtstark.

Herausgeber

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.


10.08.2021: Aufbruch in ein kindgerechtes Deutschland: Gleiche Rechte für alle Kinder

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert eine breite überparteiliche Initiative zur rechtlichen Gleichstellung von Flüchtlingskindern in Deutschland direkt nach der Bundestagswahl. Aus Sicht der Kinderrechtsorganisation mangelt es in der derzeitigen Flüchtlingspolitik insbesondere an der Berücksichtigung des Kindeswohls und einem gleichberechtigten Zugang zu grundlegenden Kinderrechten wie Bildung und Gesundheit für geflüchtete Kinder.

Gravierende Probleme gibt es auch in der Frage kindgerechter Gerichts- und Asylverfahren, beim Zugang zum Kinder- und Jugendhilfesystem, in Fragen des Familiennachzugs sowie bei der Unterbringung von geflüchteten Kindern in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften. Deshalb sollte die Integration von geflüchteten Kindern und ihren Familien sowie ihre Teilhabe und Partizipation an unserer Gesellschaft mehr als bisher Leitlinie der bundesdeutschen Migrations- und Integrationspolitik werden.

„Durch die gesunkenen Flüchtlingszahlen und die Corona-Krise ist die Situation der Flüchtlingskinder in Deutschland nahezu komplett aus dem Fokus der Aufmerksamkeit verschwunden. Dabei zählen gerade geflüchtete Kinder und Jugendliche zu den großen Verliererinnen und Verlierern der Pandemie. Integrationserfolge, die durch vielerorts hervorragende Arbeit in Kitas und Schulen erzielt werden konnten, sind durch die Corona-Pandemie gefährdet.
So ist für den Spracherwerb der Kontakt zu deutschsprechenden Gleichaltrigen durch nichts zu ersetzen, und auch die Integration insgesamt lebt vom Kontakt zu heimischen Kindern und Jugendlichen. Mit der zunehmenden Normalisierung des Alltags, der trotz der nach wie vor bestehenden Unsicherheiten in der Corona-Pandemie auch im Bildungsbereich wieder Einzug hält, muss einerseits noch stärker als zuvor der Blick auf einen gleichen Zugang für alle Kinder zu Unterstützungs- und Förderangeboten gelegt werden, andererseits aber auch jede Form der rechtlichen Ungleichbehandlung zulasten geflüchteter Kinder und Jugendlichen endlich ad acta gelegt werden“, betont Anne Lütkes, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Eine vor kurzem vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge veröffentlichte Umfrage zeigt auf, dass Rechtsschutzmöglichkeiten im Kontext bundesweiter Verteilung, Alterseinschätzung und Hilfegewährung nach wie vor unzureichend sind, und ein großer Teil der Jugendlichen unter der Unmöglichkeit von Familienzusammenführungen leidet.

Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichten in alarmierendem Ausmaß, dass jugendliche Geflüchtete massiv unter Gewalterfahrungen leiden und in kontinuierlich ansteigendem Ausmaß von Alltags- und institutionellem Rassismus betroffen sind.

Die Umfrage berücksichtigt auch die drastischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Lebensumstände junger Geflüchteter. Unterbrechungen laufender Asylverfahren, Sammel-Quarantäne und Isolation in Großunterkünften und damit einhergehend zusätzliche Benachteiligung im Bildungszugang, gesundheitliche Risiken sowie zusätzliche Stigmatisierungen wirken sich beträchtlich auf die Lebensumstände der jungen Menschen aus.

„Die UN-Kinderrechtskonvention gilt uneingeschränkt für jedes Kind. Das gilt auch für die darin normierte Vorrangstellung des Kindeswohls. Darauf aufbauend sollte grundsätzlich keine rechtliche Unterscheidung zwischen geflüchteten Kindern und einheimischen Kindern gemacht werden. Und bei Rechtsangelegenheiten, die sich aus dem Flüchtlingsstatus der Kinder und Jugendlichen ergeben, beispielsweise bei der Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften direkt nach der Einreise, beim Familiennachzug oder Integrationsangeboten, braucht es migrationssensible und kinderspezifische Regelungen, die das Kindeswohl an die erste Stelle stellen“, so Lütkes weiter.

Anlässlich der Bundestagswahlen in diesem Jahr legt das Deutsche Kinderhilfswerk einen Katalog mit zehn Forderungen für den „Aufbruch in ein kindgerechtes Deutschland“ vor. Diese werden sukzessive unter www.dkhw.de/kernforderungen veröffentlicht.

Ein Kernforderungspapier des Deutschen Kinderhilfswerkes zur Situation von Flüchtlingskindern in Deutschland findet sich unter www.dkhw.de/kernforderungen/gefluechtete-kinder, weitere Informationen zu diesem Thema unter www.dkhw.de/schwerpunkte/kinderrechte/integration-von-gefluechteten-kindern/.

Herausgeber

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein.

Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern.

Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.


06.07.2021: BumF: Minderjährige Opfer von Menschenhandel haben keine Lobby

Kleine Anfrage im Landtag Brandenburg legt entscheidende Defizite bei Identifizierung von möglichen minderjährigen Opfern offen

Die Antwort der brandenburgischen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE ist alarmierend. Die Abgeordneten Andrea Johlige und Isabelle Vandre erfragten, wie Kinder und Jugendliche in Brandenburg vor Menschenhandel und Ausbeutung geschützt werden.

Laut des zuständigen Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport werden keine Daten zu möglichen minderjährigen Opfern von Menschenhandel erfasst. Im Fall von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, die besonders vulnerabel sind, existieren bei den Jugendämtern keinerlei Statistiken, die über einen Verdachtsfall Auskunft geben könnten. Verschwinden diese Kinder und Jugendlichen aus einer Inobhutnahme, so endet die Zuständigkeit der Jugendämter gemäß SGB VIII nach 48 Stunden; wo der oder die Minderjährige sich befindet, wird dann nicht weiterverfolgt.

Paul Stieber, Landeskoordinator für den Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) für Brandenburg, kritisiert die fehlende Vernetzung der beteiligten Institutionen und das Desinteresse an einer Datenerhebung: „>Nicht erfasst< bedeutet nicht, dass das Phänomen nicht existiert. Mitten in Deutschland werden Kinder und Jugendliche Opfer von Menschenhandel und niemand schaut hin. Schlimmer noch: Die zuständigen Behörden haben nicht einmal das nötige Wissen und Instrumentarium, um einzugreifen. Die Landesregierung muss endlich ihrer Verantwortung nachkommen gegenüber diesen besonders verletzlichen und schutzbedürftigen Kindern und Jugendlichen. Mitarbeiter*innen in den Jugendämtern, bei Polizei, Gerichten, Staatsanwaltschaften und in den Einrichtungen der Jugendhilfe müssen kompetent geschult und sensibilisiert werden. Außerdem brauchen wir Runde Tische auf Landesebene und in den Kommunen.“

Nach erschütternden Missbrauchsfällen in Lügde und Bergisch-Gladbach in NRW wurde die Rolle der Jugendämter auch in Brandenburg intensiv diskutiert. Der Landesregierung liegen jedoch keine Erkenntnisse vor, ob daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die hiesigen Behörden erarbeitet wurden.

Es ist belegt, dass die Pandemie zu einer Zunahme von Gewalt gegen Kinder geführt hat. Barbara Eritt vom katholischen Verband IN VIA, Beraterin für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, ist alarmiert und sieht viele Anzeichen, dass Missbrauchsfälle vermehrt verdeckt ablaufen: „Das tatsächliche Ausmaß der schwersten Form der Verletzung von Kinderrechten ist schwer einzuschätzen. Die Identifizierung von betroffenen Kindern innerhalb der bestehenden Strukturen ist kaum möglich. In Brandenburg ist das Phänomen des Handels mit Kindern im öffentlichen Diskurs nicht angekommen. Auch im politischen Spektrum gibt es hierzu keine Resonanz! Dabei muss der Aufbau von adäquaten und bedarfsgerechten Beratungs- und Unterstützungsangeboten priorisiert werden. Hierzu braucht es unbedingt die Kooperation aller zuständigen Akteure und den Aufbau von nachhaltigen und institutionalisierten Strukturen.“

Herausgeber

BumF-Landeskoordination in Brandenburg


25.06.2021: Kinderschutzbund fordert Enquete-Kommission im Bundestag

Berlin. Der Stellenwert von Kindern und Jugendlichen in Politik und Gesellschaft soll nach den enttäuschenden Erfahrungen in den letzten Jahren perspektivisch verbessert werden. Deshalb fordert der Kinderschutzbund eine Enquete-Kommission im Bundestag, um die Belange der Kinder und Jugendlichen in Zukunft stärker zu berücksichtigen.

„In der Corona-Krise waren die Kinder die großen Verlierer. Sie mussten ständig die Erfahrung machen, dass die Bedürfnisse der Erwachsenen von der Politik stärker berücksichtigt wurden als ihre eigenen“, sagt Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbunds. Hilgers weiter: „Der Bedarf von Kindern nach besonderer Förderung, Schutz und Teilhabe wurde nicht nur bei den Corona-Maßnahmen zu wenig anerkannt.

Ein weiteres Beispiel sind die gescheiterten Verhandlungen um echte Kinderrechte ins Grundgesetz. Ebenso wie die lieblos geführte Diskussion um die Senkung des Wahlalters oder die Tatsache, dass Kinderarmut nicht konsequent bekämpft wird.“ Die Haltung von Politik und Gesellschaft muss sich verändern, um die Lage der Kinder und Jugendlichen zu verbessern.

Deshalb fordert der Kinderschutzbund eine Enquete-Kommission für die nächste Legislaturperiode des Bundestags. In einer solchen Kommission müssten Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis unter Einbindung von Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten. „Ziel dieser Enquete-Kommission soll es sein, die aktuelle Stellung der Kinder und ihrer Rechte in Deutschland aufzugreifen und zu bewerten. Am Ende wünschen wir uns Empfehlungen, wie die Stellung der Kinder in diesem Land gestärkt werden kann“, so Daniel Grein, Bundesgeschäftsführer des Kinderschutzbunds.

Professorin Sabine Andresen, Vizepräsidentin des Kinderschutzbundes: „Gerade weil Kinder und Jugendliche durch die Maßnahmen der Pandemiebekämpfung so lange und stark beeinträchtigt waren, ist ein starkes Signal der Politik nötig. Aus den Erfahrungen lernen und über die Corona-Zeit hinaus die Belange der Kinder und Jugendlichen stärken, ist das Gebot der Stunde.“ Andresen war als Forscherin maßgeblich an den bundesweiten „Jugend und Corona“-Studien beteiligt, in denen die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Zeit abgefragt wurde. Die Studien hatten gezeigt, dass sich junge Menschen von der Politik übergangen fühlen. Die Enquete-Kommission sollte daher auch eine stärkere Beteiligung von jungen Menschen mitdenken.


25.06.2021: Ganztagsbetreuung an Grundschulen darf nicht im Bundesrat scheitern

Das Deutsche Kinderhilfswerk appelliert an die Bundesländer, das Gesetz zur Schaffung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder im Bundesrat nicht scheitern zu lassen.

Hier muss eine Lösung gefunden werden, um die Interessen des Bundes und der Länder in Einklang und den Ausbau der Ganztagsbetreuung zügig auf den Weg zu bringen. Zugleich mahnt die Kinderrechtsorganisation die konsequente Weiterentwicklung vorhandener landesspezifischer Qualitätsrahmen und Qualitätsstandards hin zu bundesweiten Qualitätsstandards in diesem Bereich an.

Ein rein quantitativer Ausbau von Betreuungsplätzen ohne ausreichende Qualitätssicherung widerspricht der in der UN-Kinderrechtskonvention normierten Vorrangstellung des Kindeswohls.

„Der Ausbau der Ganztagsbetreuung darf nicht an finanziellen Fragen Schiffbruch erleiden. Denn ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung trägt maßgeblich zu besseren Teilhabechancen von Grundschulkindern bei. Wichtig ist zudem, dass sich der Ausbau konsequent an den Kinderrechten ausrichtet. Die wichtigsten Kriterien aller Anstrengungen müssen daher das psychische und physische Wohlergehen der Kinder und eine demokratische Verfasstheit des Ganztagsangebotes sein. Dafür braucht es qualifiziertes pädagogisches Personal durch eine entsprechende Ausbildung angehender pädagogischer Fachkräfte und die Fort- und Weiterbildung von bereits im Hort und Ganztag tätigen Fachkräften. Um den Bedarf an zusätzlichen pädagogischen Fachkräften an den Grundschulen zu decken, muss zudem bereits jetzt die Erhöhung der erforderlichen Ausbildungskapazitäten kurzfristig umgesetzt werden“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes im Vorfeld der heutigen Sitzung des Bundesrates.

„Ganztagsbetreuung muss Ganztagsbildung ermöglichen, die sich an kindlichen Bedarfen und individuellen Entwicklungsschritten orientiert, die über den Tag verteilt Raum für formale und non-formale Bildung und für die persönliche Entwicklung der Kinder, aber auch für Spiel, Erholung und Bewegung bietet. Bei den Investitionen in Neu- und Umbauten müssen deshalb auch Räume für freies Spiel und Außengelände sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht mitgedacht und finanziert werden. Zudem ist die Öffnung von Schulen in den Sozialraum und die verpflichtende Zusammenarbeit mit außerschulischen Bildungspartnern voranzutreiben. Das gilt es ebenso zu beachten wie die Sicherstellung eines angemessenen Personalschlüssels, und eine qualitativ gute Mittagsverpflegung nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Zugleich muss die Verankerung eines Rechtsanspruchs Ausgangspunkt für weitere fachliche Diskussionen zu qualitativen Anforderungen im Ganztag und ihrer verbindlichen Verankerung sein“, so Hofmann weiter.

Bei der Erarbeitung von Ganztagskonzepten in den Schulen selbst ist es nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerkes wichtig, nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie die Eltern einzubeziehen, sondern vor allem die Rechte und Interessen der Schülerinnen und Schüler ausreichend zu berücksichtigen. Die Beteiligung von Kindern ist in Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention normiert und muss auch vollumfänglich in der Schule und im Hort gelten.


20.06.2021: Weltflüchtlingstag 2021: Situation von Flüchtlingskindern in Deutschland wieder stärker in den Fokus nehmen

Das Deutsche Kinderhilfswerk appelliert zum heutigen Weltflüchtlingstag an Staat und Gesellschaft, die Situation von geflüchteten Kindern in Deutschland wieder stärker in den Fokus zu nehmen.

Nachdem die Interessen und Bedürfnisse aller Kinder im Zuge der Coronapandemie oftmals hintenanstehen mussten, mangelt es aus Sicht der Kinderrechtsorganisation in der derzeitigen Flüchtlingspolitik insbesondere an der Berücksichtigung des Kindeswohls und einem gleichberechtigten Zugang zu grundlegenden Kinderrechten wie Bildung und Gesundheit für geflüchtete Kinder. Probleme gibt es auch in der Frage kindgerechter Gerichts- und Asylverfahren, des Zugangs zum Kinder- und Jugendhilfesystem, beim Familiennachzug sowie bei der Unterbringung von geflüchteten Kindern in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften.

Die Integration von geflüchteten Kindern und ihren Familien sowie ihre Teilhabe und Partizipation an unserer Gesellschaft sollte mehr als bisher Leitlinie der bundesdeutschen Migrations- und Integrationspolitik werden. Denn die Rechte des Kindes gelten in Deutschland unabhängig von der Herkunft oder Nationalität des Kindes.

Eine vor kurzem vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge veröffentlichte Umfrage zeigt auf, dass Rechtsschutzmöglichkeiten im Kontext bundesweiter Verteilung, Alterseinschätzung und Hilfegewährung nach wie vor unzureichend seien, und ein großer Teil der Jugendlichen unter der Unmöglichkeit von Familienzusammenführungen leide. Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichten in alarmierendem Ausmaß, dass jugendliche Geflüchtete massiv unter Gewalterfahrungen leiden und in kontinuierlich ansteigendem Ausmaß von Alltags- und institutionellem Rassismus betroffen seien.

Die Umfrage berücksichtige auch die drastischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Lebensumstände junger Geflüchteter. Unterbrechungen laufender Asylverfahren, Sammel-Quarantäne und Isolation in Großunterkünften und damit einhergehend zusätzliche Benachteiligung im Bildungszugang, gesundheitliche Risiken sowie zusätzliche Stigmatisierungen wirkten sich beträchtlich auf die Lebensumstände der jungen Menschen aus.

„Zu den großen Verlierern und Verliererinnen der Corona-Pandemie zählen gerade geflüchtete Kinder und Jugendliche. Geschlossene Schulen und Kitas haben bei ihnen vielfach dazu geführt, dass sie in ihrem Spracherwerb und auch schulisch weit zurückgeworfen wurden. Homeschooling ohne Hilfe der Eltern, oftmals ohne ausreichende Hard- und Software sowie Internetzugang in einer Gemeinschaftsunterkunft funktioniert eben nicht. In den politischen Diskussionen um Schul- und Kitaöffnungen sind Flüchtlingskinder und ihre Familien aber konsequent ausgeblendet worden. Sie wurden vielfach einfach ihrem Schicksal überlassen. Mit der zunehmenden Normalisierung des Alltags, der trotz der nach wie vor bestehenden Unsicherheiten in der Corona-Pandemie auch im Bildungsbereich wieder Einzug hält, muss noch stärker als zuvor der Blick auf einen gleichen Zugang für alle Kinder zu Unterstützungs- und Förderangeboten gelegt werden“, betont Anne Lütkes, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes.


15.06.2021: Kinderhilfswerk: Jetzt nicht langfristige Maßnahmen für Krisenfestigkeit des Bildungssystems verschlafen

Das Deutsche Kinderhilfswerk appelliert an Bund, Länder und Kommunen, jetzt nicht die Initiierung langfristiger Maßnahmen für die Krisenfestigkeit des Bildungssystems zu verschlafen. Neben dem aktuellen und andauernden Krisenmanagement in unseren Kitas und Schulen gilt es dringend Mängel und Leerstellen, die in der Corona-Pandemie verstärkt sichtbar geworden sind, endlich anzugehen. Das betrifft eine notwendige Fachkräfteoffensive und eine digitale Bildungsoffensive ebenso wie eine Kinderrechtebildungsoffensive und eine Schulbauoffensive.

„Um nachhaltig und krisenfest gute Betreuung, Erziehung und Bildung zu gewährleisten, müssen mit Nachdruck zielgerichtete Fachkräfteoffensiven für Hort, Kindertagesbetreuung und Schule forciert werden. Dabei geht es sowohl um die Neugewinnung zusätzlichen Personals als auch um die qualitative Anpassung von Ausbildungsgängen. So müssen beispielsweise die Ausbildungs- und Weiterbildungscurricula so angepasst werden, dass sie den tatsächlichen Bedarfen von Fachkräften in der Praxis wieder zeitgemäß genüge tragen. Auch Medienbildung muss ein verbindlicher Bestandteil von Fachkräfteausbildung sein. Nicht zuletzt gilt es aber auch die Arbeitsbedingungen in den Blick zu nehmen, um die Attraktivität der Berufsfelder zu erhöhen“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Für eine digitale Bildungsoffensive braucht es einen umfassenden Schulentwicklungsprozess, der die digitale Weiterbildung und die Medienkompetenz bei Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern fördert und evaluiert. Das Aus- und Weiterbildungssystem für Fachkräfte muss grundlegende Digitalkompetenzen vermitteln, dafür braucht es bundesweite Standards. Eine entsprechende technische Ausstattungssituation in den Bildungseinrichtungen vorausgesetzt, müssen Fachkräfte auch in der Lage sein, Lehren und Lernen ohne Präsenzunterricht zu konzipieren und umzusetzen“, so Hofmann weiter.

„Wir brauchen zudem eine Kinderrechtebildungsoffensive in Kitas und Schulen. Kinder haben ein Recht auf Beteiligung, in allen Angelegenheiten, die sie betreffen. Um ihre Rechte einfordern zu können, müssen Kinder diese jedoch kennen. Damit Kinder ihre Mitbestimmungsrechte kennen, benötigen sie einen Rahmen und die Möglichkeit, demokratische Methoden der Mitbestimmung zu erfahren, zu erproben und umzusetzen. Das bedeutet, dass die Beteiligung bereits im Kita-Alter in den Bildungseinrichtungen implementiert ist“, so Holger Hofmann.

„Schließlich brauchen wir auch eine Schulbauoffensive in Deutschland. Die Corona-Krise hat mehr als deutlich gezeigt, dass viele Schulgebäude sanierungsbedürftig sind. Die Gebäude sind häufig marode, es gibt Risse in den Fassaden, undichte Dächer und Fenster oder Fenster, die sich nicht öffnen lassen. Zudem sind skandalös viele Toiletten und Sanitäranlagen vollkommen heruntergekommen, verfügen oft nicht einmal über funktionsfähige Seifenspender. Der massive, seit Jahrzehnten verschleppte Sanierungsstau muss von den Kommunen endlich angegangen werden, um Kindern eine gute Lernumgebung zu bieten. Bund und Länder sind dazu angehalten, die Kommunen bei der Bewältigung dieser Herausforderung stärker als bisher zu unterstützen. Nötig wäre ein entsprechend ausgestattetes Investitionspaket für Schulsanierungen. Wir brauchen Schulgebäude, die eigenständiges Lernen ermöglichen, in denen sich die Kinder flexibler als bisher frei im Raum bewegen oder sich in kleineren Lerngruppen zusammenschließen können. Zudem braucht es ein Außengelände, das auch ein Lernen und vielseitigen Aufenthalt im Freien ermöglicht.
Mit grünem Klassenzimmer, naturnah gestaltetem Schulhof mit Ruhezonen oder Schulgarten mit Biotop und Hochbeet. Wir brauchen Räumlichkeiten, die nicht einzig darauf ausgerichtet sind, ganztägig im Klassenverband auf engstem Innenraum zu verweilen. Insbesondere im Ganztagsschulbetrieb sind hier erhebliche Veränderungen nötig“, so Hofmann abschließend.

Herausgeber

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.


11.06.2021: ISUV: „Ganztagsförderungsgesetz“: Erster Schritt für Chancengleichheit aller Kinder – Digitalisierung schneller vorantreiben

Die Kinderrechte haben es nicht ins Grundgesetz geschafft. Heute verabschiedet der Bundestag auf Initiative der Regierungskoalition ein wichtiges Gesetz, das Kinder und Eltern, insbesondere Trennungseltern ganz praktisch künftig helfen wird.

Der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht begrüßt das neue Gesetz. Da alle Kinder ganztags gefördert werden, ist dies ein wichtiger Schritt für mehr Chancengleichheit. Dazu erklärt der ISUV-Vorsitzende, Rechtsanwalt Klaus Zimmer: „In der Grundschule wird die Basis für Bildung und Ausbildung gelegt. Daher ist es entscheidend allen Kindern eine gute Startchance zu ermöglichen. Gleichzeitig ist dieses Gesetz ein wichtiger Beitrag, dass insbesondere Trennungseltern Beruf und Kindererziehung besser vereinbaren können.“

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder soll allerdings erst zum 1. August 2026 in Kraft treten. Er gilt zunächst für Grundschulkinder der ersten Klassenstufe. In den Folgejahren wird der Anspruch auf Ganztagsbetreuung um je eine Klassenstufe ausgeweitet. Ab dem 1. August 2029 soll dann jedes Grundschulkind von der ersten bis zur vierten Klasse einen Anspruch auf ganztägige Betreuung haben. „Das dauert zu lang. Gerade auf Grund der Erfahrungen in der Pandemie muss jetzt massiv und schnell geklotzt werden, neue digitale Strukturen sind jetzt notwendig. Wird der angedachte zeitliche Rahmen eingehalten, ist die Digitalisierung inzwischen schon davongelaufen“, fordert ISUV-Pressesprecher Josef Linsler

Erfreulich ist, dass der Bund Geld in die Hand nimmt, Geld für notwendige Investitionen zur Verfügung stellt und nicht wie sonst oft üblich sich in der Initiative sonnt und die Länder auf den Kosten sitzen bleiben. Konkret steuert der Bund für den Ausbau von Einrichtungen 3,5 Milliarden Euro bei, er beteiligt sich zu 50 Prozent an den Investitionskosten und ab 2026 auch an den laufenden Betriebskosten.

Mit diesem Gesetz werden die Bildungschancen aller Kinder gefördert, denn gerade in der Grundschule werden die entscheidenden Strukturen für Lernen und Bildung gelegt. Insbesondere wird auch die Integration von Kindern gefördert, wenn Kinder ganztags betreut und angeleitet werden. Benachteiligungen von Kindern, deren Eltern ihnen nicht helfen können, können direkt und kompetent in der Schule kompensiert werden. Auf diese Weise können auch Lernmittel direkt den Kindern zur Verfügung gestellt und die Kinder direkt angeleitet werden. „So geht wirkliche Kindergrundsicherung, den Kindern einen Schulabschluss ermöglichen, ihnen Zukunftsaussichten unabhängig vom Elternhaus zu ermöglichen. Hilfe, die Kinder direkt und gezielt erreicht, ist auch eine Hilfe für die Eltern, die entlastet werden und verstärkt oder überhaupt berufstätig sein können“, hebt Linsler hervor.

Herausgeber

ISUV – Kompetenz im Familienrecht seit über 40 Jahren

Der ISUV vertritt als größte deutsche und überparteiliche Solidargemeinschaft die Interessen von Bürgern, die von Trennung, Scheidung und den damit zusammenhängenden Fragen und Problemen betroffen sind. ISUV ist unabhängig, bundesweit organisiert und als gemeinnützige Organisation anerkannt.


10.06.2021: Kinderarbeit nimmt zu: Plan International fordert mehr Schutz für Mädchen und Jungen vor Ausbeutung

Laut jüngster Studie sind 160 Millionen Kinder Opfer von Kinderarbeit

Hamburg (ots) Angesicht des Anstiegs von Kinderarbeit fordert Plan International Deutschland mehr Schutz von Mädchen und Jungen vor Ausbeutung. „Diese Entwicklung ist besorgniserregend und hat sich durch die Corona-Pandemie nochmal deutlich verschärft“, sagt Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung der Kinderrechtsorganisation zu den Ergebnissen des entsprechenden Berichts der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und Unicef. Danach hat die Kinderarbeit erstmals seit gut 20 Jahren wieder zugenommen. Die Zahl betroffenen Kinder ist weltweit um 8,4 Millionen auf rund 160 Millionen angestiegen. „160 Millionen Kinder verlieren ihr Recht darauf, unbeschwert aufzuwachsen, zu spielen und in die Kita oder zur Schule zu gehen. Stattdessen wird ihre körperliche und seelische Gesundheit sowie die Perspektive auf eine bessere Zukunft zerstört. Das ist ein massiver Bruch von Kinder- und Menschenrechten, den wir gemeinsam mit Regierungen und weiteren Partner:innen stoppen müssen – denn es ist unsere Verpflichtung, Kinder zu schützen und ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben.“

Die Folgen für die Kinder seien verheerend, so Kathrin Hartkopf. Ein großer Anteil von ihnen ginge nicht in die Schule. „Diese Kinder werden vermutlich auch als Erwachsene keinen Zugang zu existenzsichernder Arbeit haben, oft müssen dann auch wieder ihre eigenen Kinder arbeiten.“ Kinderarbeit ginge oft mit psychischen und physischen Belastungen einher: Viele Kinder litten unter Traumata, Perspektivlosigkeit, seien chronisch krank. Gebrochene Arme und Beine, Rückenschmerzen, Hauterkrankungen, Blindheit, Taubheit, Atemnot, Kopf- oder Magenschmerzen seien häufige Folgen von ausbeuterischer Kinderarbeit. Konkrete Beispiele seien etwa Luftmangel in Minenschächten, Staub auf Feldern oder bei Straßenarbeiten oder Baumwollfasern, die die Lungen beim Teppichknüpfen schädigen. „Viele Kinder sterben auch an mittelbaren und unmittelbaren Folgen von Kinderarbeit, zum Beispiel durch tödliche Arbeitsunfälle, Verätzungen durch Chemikalien oder HIV/Aids.“

Kathrin Hartkopf betont die Notwendigkeit von einem gleichberechtigten Zugang für Mädchen und Jungen zu qualitativ hochwertiger, inklusiver Bildung. „Das ist auch für arbeitende Kinder notwendig. Manchmal ist es nicht möglich, Kinder gleich aus der Kinderarbeit zu holen, deshalb ist es umso wichtiger, dass sie trotzdem Zugang zu Bildung haben. Aufklärung zu den Auswirkungen von Kinderarbeit, Kinderrechten und Gleichstellung im Allgemeinen in den Gemeinden gehört ebenfalls dazu. Dies tun wir von Plan International mit sogenannten Kinderschutzkomitees.“

Zudem schütze die Ausstellung von Geburtsurkunden Minderjährige und sichere ihre Identität. Denn wer eine Geburtsurkunde besitzt, kann sein Alter nachweisen. „Wir haben etwa mit unserem Patenschaftsmodell nachgewiesen, dass in den Gemeinden, in denen Plan International arbeitet, 90 Prozent der Patenkinder registriert sind. Im Vergleich dazu haben weltweit nur 71 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren eine Geburtsurkunde. In den am wenigsten entwickelten Ländern sind es sogar nur 40 Prozent.“

Wichtig sei auch, die geschlechtsspezifischen Unterschiede zu betrachten, so Kathrin Hartkopf. Mädchen etwa müssten viel mehr Arbeiten im und um den Haushalt verrichten. In anderen Sektoren seien eher die Jungen von Kinderarbeit betroffen, etwa in Minen. Auch das seien schädliche Geschlechternormen, weil es als hinnehmbar betrachtet werde, Jungen körperlich und Mädchen in der Haus- und Sorgearbeit arbeiten zu lassen.

Deutschland sei ein wichtiger Akteur, an den Stellschrauben der Ursachen für Kinderarbeit zu schrauben. Dazu gehörten neben Armut und mangelnder Schulbildung auch bewaffnete Konflikte.

Weitere Informationen: https://www.plan.de/kinderschutz/kinderarbeit.html

Herausgeber

Pressekontakt:

Plan International Deutschland e.V., Kommunikation, Bramfelder Str. 70, 22305 Hamburg
– Alexandra Tschacher, Leiterin des Presseteams, Tel. 040 607716-278
– Sascha Balasko, Referent Media Relations, Tel. 040 607716-146, presse@plan.de

Original-Content von: Plan International Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell


08.06.2021: ISUV: Kinderrechte werden nicht explizit in der Verfassung stehen

Laut Koalitionsvertrag sollten die Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden. Dies sollte mit einer „starken Formulierung“ erfolgen, in der das „Kindeswohl in den Vordergrund“ gestellt wird.

Nach den Vorstellungen der Koalition sollte Artikel 6 durch folgende Formulierung ergänzt werden: „ Die verfassungsmäßigen Rechte der Kinder einschließlich ihres Rechts auf Entwicklung zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten sind zu achten und zu schützen. Das Wohl des Kindes ist angemessen zu berücksichtigen. Der verfassungsrechtliche Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör ist zu wahren. Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt.“ Für GRÜNE, LINKE, Kinderschutzbund und andere Gruppierungen war der Koalitionskompromiss keine „starke Formulierung“. Da für eine Verfassungsänderung eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig ist, ist die Regierungsvorlage gescheitert. D er ISUV-Vorsitzende, Rechtsanwalt Klaus Zimmer stellt fest: „Der Vorschlag der Koalition ist ausgewogen. Grundsätzlich sind aber Kinderrechte in den Grundrechten enthalten. Eigentlich bedarf es keiner Aufnahme in die Verfassung, was auch namhafte Verfassungsrechtler hervorheben“

„Dank klarer Haltung der CDU/CSU-Fraktion stehen Kinderrechte nicht explizit im Grundgesetz, können nicht die Legitimation für mehr Bevormundung der Familien durch den Staat, für mehr fragwürdige Inobhutnahmen der Kinder liefern. Familie ist das Private, die Privatsphäre, die der Staat unbedingt zu achten und zu schützen hat“, stellt Pressesprecher Josef Linsler fest.

Die Parole „Kinderrechte ins Grundgesetz“ war in der Legislaturperiode zu einem Narrativ geworden, das bei jeder Gelegenheit von Justizministerin Lambrecht und den vielen „Kinderschützern“ gebetsmühlenartig wiederholt worden war.

„Letztlich handelte es sich um einen unberechenbaren identitätspolitischen Popanz, der durch den Regierungsentwurf zumindest berechenbarer wurde“, meint Pressesprecher Linsler und fordert „eine konkrete, konsequente Umsetzung der UN-Kinderrechte in Familienpolitik und Familienrecht. Es gibt aus unserer Sicht konkrete Defizite, die in der kommenden Legislaturperiode angegangen werden sollten.“

Konkrete Defizite sieht ISUV in Bezug auf:

Gleichheit aller Kinder: Gleiche Stellung und Rechte von ehelichen und nichtehelichen Kindern, was im Eckpunkte-Papier zur Reform des Sorgerechts von Experten gefordert wird, über das sich Justizministerin Lambrecht einfach hinwegsetzt.

Anspruch aller Kinder – unabhängig, ob die Eltern verheiratet sind oder geschieden – auf Pflege und Erziehung durch beide Eltern.

Anspruch aller Kinder ihre Ieiblichen Eltern zu kennen. Konkret heißt das, die Mutter muss dem Kind sagen, wenn der rechtliche Vater nicht der natürliche Vater ist.

Anspruch aller Kinder auf Erziehung und Pflege durch die leiblichen Eltern als die natürlichen Eltern, daher individuelle Förderung und Stärkung der leiblichen Eltern, um ihrer Erziehungsaufgabe gerecht zu werden.

Artikel 8 – Anspruch des Kindes auf seine Identität: „Der Anspruch jedes Kindes auf seine individuelle Identität ist eine Forderung, die im Familienrecht ausgeklammert wird. Was gehört zur Identität eines Kindes ganz besonders? Diese Diskussion ist nicht nur im Zuge technischer Zeugungsmethoden wichtig, sondern auch nach jeder Trennung und Scheidung, wenn ein Elternteil weitgehend aufs Geldverdienen festgelegt und aus der Betreuung gedrängt wird oder gar der Umgang verweigert wird.“(Linsler)


ISUV – Kompetenz im Familienrecht seit über 40 Jahren

Der ISUV vertritt als größte deutsche und überparteiliche Solidargemeinschaft die Interessen von Bürgern, die von Trennung, Scheidung und den damit zusammenhängenden Fragen und Problemen betroffen sind. ISUV ist unabhängig, bundesweit organisiert und als gemeinnützige Organisation anerkannt.


08.06.2021: Kinderrechte gehören ins Grundgesetz – Eine historische Chance wurde vertan!

Nach dem Scheitern der gestrigen Verhandlungsrunde über den Gesetzentwurf zur Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz zeigt sich die Präsidentin der Volkssolidarität, Susanna Karawanskij, ernüchtert:

„Wir sind als Volkssolidarität von diesem Ergebnis sehr enttäuscht. Nach jahrelangem Ringen der großen Koalition um diesen wichtigen Schritt, die UN-Kinderrechtskonvention endlich auch in Deutschland zu ratifizieren, zeigt sich nun kurz vor Ende der Legislaturperiode ein Versagen auf ganzer Linie. Es ist dieser Regierung wieder nicht gelungen, Kindern und Jugendlichen in diesem Land endlich das Recht auf vorrangiges Kindeswohl, Teilhabe und Gehör zu sichern.

Der vorgelegte Formulierungsvorschlag der Regierungsparteien war dennoch längst überfällig, wenngleich er nicht den vollen Forderungen entsprach. Im folgenden demokratischen Beteiligungsprozess wurden überzeugende Einwände und sinnvolle Verbesserungsvorschläge der Expert*innen vorgebracht“, erinnert die Präsidentin. „Hier ist es doch Aufgabe einer verantwortungsvollen Regierung, Gesetzentwürfe den Expertisen entsprechend anzupassen, sonst sind Beteiligungsprozesse lediglich als Placebo zu werten.

Das Misslingen dieser Gesetzesinitiative zeigt nach den zahlreichen kinder- und jugendpolitischen Verfehlungen der Corona-Krise leider ein weiteres Mal, welche Rolle die Rechte und Bedarfe junger Menschen in unserem Land spielen und wie schnell ihre Themen unter den Tisch fallen. Das ist erschreckend und hochproblematisch.“

Susanna Karawanskij richtet deshalb eine klare Forderung an die zukünftige Bundesregierung: „Dieser aufgenommene Faden darf keinesfalls verloren gehen. Die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz muss im neuen Koalitionsvertrag an vorderster Stelle stehen und so schnell wie möglich in einem erneuten erfolgreichen Anlauf umgesetzt werden! Dafür werden wir uns als Volkssolidarität weiter mit Nachdruck einsetzen.“


08.06.2021: Kinderschutzbund enttäuscht über die gescheiterten Verhandlungen zu Kinderrechten ins Grundgesetz

Berlin, 08.06.2021. Der Kinderschutzbund zeigt sich enttäuscht über die gescheiterten Verhandlungen zu der Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz.

In der Corona-Krise hatte der Kinderschutzbund oft den Eindruck, dass Kinder in der Politik keine hohe Priorität haben. Dieser Eindruck setzt sich beim Umgang mit den Kinderrechten fort. „Ein deprimierendes Signal für Kinder und Familien in Deutschland“, findet der Präsident des Kinderschutzbunds, Heinz Hilgers.

„Wir brauchen echte Kinderrechte im Grundgesetz. Zu echten Kinderrechten gehören Schutz, Förderung und Beteiligung von Kindern sowie der Vorrang des Kindeswohls“, sagt Heinz Hilgers dazu. Der Kinderschutzbund wird weiter für die Kinderrechte kämpfen. „Neben der Kindergrundsicherung ist die Aufnahme echter Kinderrechte ins Grundgesetz der wichtigste Wahlprüfstein für den Kinderschutzbund“, erklärt Bundesgeschäftsführer Daniel Grein. Der Kinderschutzbund erwartet, dass eine zukünftige Regierung im Koalitionsvertrag festhält, dass echte Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden.

Dass das möglich ist, zeigen zwei Bundesländer: „Hessen hat nach einem überragenden Ergebnis einer Volksabstimmung ein gutes Beispiel abgegeben. Und erst kürzlich hat Bremen gezeigt, dass ernstgemeinte Kinderrechte in der Landesverfassung erreichbar sind“, so Heinz Hilgers.

Herausgeber

Deutscher Kinderschutzbund – Bundesverband e.V.


08.06.2021: Kinderhilfswerk: Kinderrechte ins Grundgesetz

08.06.2021: Zum Scheitern des Koalitionsvorhabens, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern, erklärt das Aktionsbündnis Kinderrechte (Deutsches Kinderhilfswerk, der Kinderschutzbund, UNICEF Deutschland, in Kooperation mit der Deutschen Liga für das Kind):

„Das Scheitern der Verhandlungen über die Aufnahme von Kinderrechten im Grundgesetz ist ein herber Dämpfer für die Kinder, Jugendlichen und Familien unseres Landes, die in den vergangenen Monaten ohnehin schon wenig Unterstützung erfahren haben. Die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, dass Kinderrechte bisher zu häufig übergangen werden.

Dass sich die Bundestagsfraktionen nicht auf eine gemeinsame Formulierung einigen konnten, ist enttäuschend. Kinder und ihre Familien hätten mehr Kompromissbereitschaft und Rückhalt über alle Parteien hinweg verdient. Mit dem Scheitern des Vorhabens wurde eine historische Chance verpasst, die Rechte von Kindern nachhaltig zu stärken.
Das Aktionsbündnis Kinderrechte wird sich weiter für eine Verankerung der Kinderrechte in der deutschen Verfassung einsetzen.

Die im Aktionsbündnis vertretenen Kinderrechtsorganisationen rufen Bund und Länder dazu auf, weiter eine tragfähige Lösung zur Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz zu suchen. Es braucht eine starke und eindeutige Formulierung für die Kinderrechte, die unabhängig von den Elternrechten gegen den Staat gelten. Dies wäre eine wichtige Grundlage für kindgerechtere Lebensverhältnisse und bessere Entwicklungschancen für alle Kinder, für eine stärkere Rechtsposition und mehr Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.“

Herausgeber

Deutsches Kinderhilfswerk / Der Kinderschutzbund / UNICEF Deutschland / Deutsche Liga für das Kind – PRESSEMITTEILUNG


28.05.2021: Deutscher Kinderverein nach Sat1-Skandal: Zu viele Medien gefährden Kindeswohl

Essen (ots) Beim Kampf um höchste Einschaltquoten und Nutzungsraten versäumen es zu viele Medien, das Wohl von Kindern zu schützen und deren Rechte zu wahren. Diesen schweren Vorwurf erhebt der Deutsche Kinderverein e.V. Sein Geschäftsführer Rainer Rettinger verwies in Essen in diesem Zusammenhang auf den jüngsten Skandal in der Sat1-Reihe „Plötzlich arm, plötzlich reich“. In der Serie tauschen vor den Augen der TV-Kameras eine arme und eine reiche Familie für jeweils eine Woche Wohnung, Haushaltsbudget und Umfeld.

„Zwar hat sich der Privatsender soeben in sozialen Netzwerken dafür entschuldigt, dass bei Dreharbeiten eine Familie mitwirkte, deren zwei Kinder nach Eindrücken eines beteiligten Prominenten schwer traumatisiert sind. Aber wir sind skeptisch, ob – wie versprochen – ein Wiederholungsfall ausgeschlossen wird“, sagte der Essener Kindervereins-Experte. Nach seiner Beobachtung versagt in bestimmten Medien allzu häufig die moralische Selbstkontrolle der Verantwortlichen.

Partysänger Ikke Hüftgold hatte Sat1-Skandal publik gemacht

Wie der von Matthias Distel, bekannt als Partysänger Ikke Hüftgold, publik gemachte Skandal zeige, führe eine „erbarmungslose Jagd nach Einschaltquoten und Reichweiterekorden zu schlimmen Verstößen gegen die Würde von Kindern und Jugendlichen“. Gerade schutzbedürftige Minderjährige, so Rettinger, dürften durch reißerische Medienberichterstattung niemals „als Objekte vermarktet“, ihr Leid dürfe keinesfalls „missbraucht“ werden: „Sonst verspielen Redaktionen das ohnehin verminderte Vertrauen in Massenmedien und tragen sogar noch zum Leid der jungen Betroffenen bei.“

In seiner Stellungnahme unterstreicht der Deutsche Kinderverein, dass die Kinderrechte auch in der Medienwelt gelten und insbesondere das Kindeswohl vorrangig zu berücksichtigen sei. Das lege auch Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention fest, erinnert der Kinderverein.

Erinnerung an mediale Entgleisungen nach mehrfacher Kindstötung 2020 in Solingen

Sein Geschäftsführer Rettinger erinnerte in diesem Zusammenhang auch an Berichte über eine mehrfache Kindstötung im vergangenen Jahr in Solingen. Bild.de, Rheinische Post und die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung hatten dabei Passagen aus einem Messenger-Chat zwischen dem einzig überlebenden Sohn (11) und dessen Freund (12) zitiert. Der Presserat rügte die drei Medien im vergangenen Dezember. Alle drei getadelten Redaktionen löschten die WhatsApp-Nachrichten nachträglich aus ihrer Berichterstattung.

„Solche eklatanten Fälle von Missachtung des Kinderschutzes und des Kindeswohls in einigen Medien unterstreichen, dass dieses Thema dringend in die Journalistenausbildung und in Weiterbildungsseminare aufgenommen gehört“, forderte Rettinger. Er verwies zugleich aber auch auf einige „positive und mutmachende Beispiele, wie Medien Verständnis für die Bedürfnisse von Kindern fördern“. Unter anderem nannte er das am 17. Mai ausgestrahlte ZDF-Sozialdrama „Systemsprenger“ über eine laute, wilde, unberechenbare Neunjährige, die immer wieder aus ihren Bezugsgruppen herausfliegt – egal ob Pflegefamilie, Wohngruppe oder Schule.

„Es gibt aber einige auch positive, mutmachende Beispiele“

Zu den positiv hervorzuhebenden medialen Projekten gehört laut Deutschem Kinderverein auch das preisgekrönte Multimedia-Projekt „Opfer ohne Stimme – wie wir unsere Kinder vor Gewalt schützen“, mit dem der Hessische Rundfunk im Mai 2018 Kindesmisshandlung in Deutschland aus der Dunkelheit ans Licht holte. Das Team von hr-iNFO und hr-fernsehen sorgte damals mit seinem Radioschwerpunkt und dem ARD-weit ausgestrahlten Film „Wenn Eltern ihre Kinder misshandeln“ für ein großes Echo in Politik und Fachwelt sowie beim Publikum. Beispielhaft ist nach Angaben des Deutschen Kindervereins auch die Kinderschutz-Berichterstattung der Tagesspiegel-Autorin Caroline Fetscher.

Herausgeber

Pressekontakt:

Deutscher Kinderverein e.V.
Rainer Rettinger
T: 0201 47900520

Original-Content von: Deutscher Kinderverein e.V., übermittelt durch news aktuell

Lesen Sie hier die Originalmeldung auf presseportal.de


20.05.2021: Deutsches Kinderhilfswerk veröffentlicht Online-Dossier „Teilhaben! Kinderrechtliche Potenziale der Digitalisierung“

Das Deutsche Kinderhilfswerk plädiert dafür, kinderrechtliche Aspekte von Digitalisierungsprozessen mehr als bisher aus einer ganzheitlichen Perspektive in den Blick zu nehmen. Dazu hat die Kinderrechtsorganisation heute gemeinsam mit dem Institut für Medienforschung und Medienpädagogik der TH Köln ein Online-Dossier veröffentlicht, das aufzeigt, wie Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit digitalen Medien gelingt.

In diesem Dossier wird nicht nur der Stand der Kinderrechte im digitalen Raum erfasst, sondern werden auch Impulse und Perspektiven für eine Stärkung der Teilhabemöglichkeiten junger Menschen an unserer Gesellschaft gegeben. Das Dossier „Teilhaben! Kinderrechtliche Potenziale der Digitalisierung“ wird schrittweise erweitert und kann unter dossier.kinderrechte.de/ gelesen werden.

„Gerade die Corona-Pandemie hat uns an vielen Stellen gezeigt, dass es gleichermaßen Schutz und Teilhabe bedarf, um Kindern in digital geprägten Gesellschaften ein gesundes Aufwachsen mit Medien zu ermöglichen. Mit dem reformierten Jugendschutzgesetz ist jetzt ein moderner Kinder- und Jugendmedienschutz in Kraft getreten. Parallel dazu und gleichberechtigt mit der Förderung von Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen muss es ein Ziel sein, die Chancen, die digitale Medien mit sich bringen, zu nutzen.

Wir müssen in diesem Bereich wesentlich ganzheitlicher denken als bisher. Gerade Schulen, Kitas sowie die Kinder- und Jugendarbeit müssen dabei eine ebenso große Rolle spielen wie die Familie, die Peergroup oder das kommunale Wohnumfeld. Hier gilt es nachhaltig bildungs- und sozialpolitische Konsequenzen aus den Erfahrungen der letzten Monate zu ziehen“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Kindheit und Jugend sind aufgrund radikal fortschreitender Digitalisierungsprozesse in unserer Gesellschaft mehr denn je durchdrungen und geprägt von digitalen Medien. In nahezu allen Lebensbereichen und Altersgruppen spielen digitale Medien eine bedeutende Rolle. In diesem Sinne leistet das Dossier einen Beitrag zur Identifizierung von Entwicklungsbedarfen für ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in digital geprägten Gesellschaften. Es richtet die Aufmerksamkeit darauf, was ein solches gutes Aufwachsen ausmacht.

Vor allem aber betont es, an welchen Stellen die in der UN-Kinderrechtskonvention festgelegten Rechte von Kindern aktuell begünstigt oder gefährdet sein können“, sagt Prof. Dr. Friederike Siller, Leiterin des Instituts für Medienforschung und Medienpädagogik der TH Köln.

Wie selbstverständlich Kinder bereits an digitalen Welten teilhaben und dafür Medien nutzen, zeigt auch eine explorative Untersuchung, die im Rahmen des Dossiers erstmals veröffentlicht wird. In der Untersuchung sprechen Kinder zwischen 10 und 13 Jahren über ihr Medienhandeln und ihre Online-Erfahrungen mit Blick auf soziale und digitale Teilhabe. So wird auch deutlich, dass viele Angebote, die Kinder nutzen, nicht für sie entwickelt wurden. Kinder geraten dann in Interessenkonflikte zwischen Teilhabewunsch und Schutzbedürfnis.

Die Erstellung des Dossiers erfolgte im Rahmen eines Projekts der Koordinierungsstelle Kinderrechte des Deutschen Kinderhilfswerkes. Die Koordinierungsstelle Kinderrechte begleitet die Umsetzung der aktuellen Strategie des Europarates für die Rechte des Kindes (Sofia-Strategie 2016–2021) und wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Herausgeber

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.


19.05.2021: Jetzt kurzfristig um Fördermittel im „Kultur macht stark“-Sommer bewerben

Ab sofort sind Bewerbungen für zusätzliche Kinder-Kulturprojekte im Rahmen des Förderprogrammes „It‘s your Party-cipation“ des Deutschen Kinderhilfswerkes möglich. Als Partner im Programm „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fördert die Kinderrechtsorganisation mit dem Zusatzformat „Sommer der Kinderrechte“ verstärkt Ferienangebote. Gefördert werden drei-, fünf- oder siebentägige außerschulische Projekte, die sich an Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 17 Jahren richten. Der Fokus liegt auf Kindern und Jugendlichen aus sozial oder finanziell benachteiligten Familien, deren Zugang zu kultureller Bildung aufgrund der Corona-Pandemie in den letzten Monaten zusätzlich erschwert wurde.

Die Fördersumme der Workshops richtet sich nach Anzahl der Teilnehmenden (mind. 5/max. 15) sowie der Workshoptage und liegt zwischen 1.500 und 8.000 Euro. Die Bearbeitungszeit bis zum Projektstart liegt bei zwei bis drei Wochen.

Ziel des „Sommers der Kinderrechte“ ist es, dass sich Kinder und Jugendliche kulturell-künstlerisch mit ihren Rechten auseinandersetzen und sich aktiv an den Projekten beteiligen können. Die kulturellen Bildungsangebote sollen die Teilnehmenden befähigen, für ihre Interessen einzustehen und sie in ihrer Persönlichkeit stärken.

Die Workshops schließen mit einer Projektpräsentation, die sich an ein möglichst breites Publikum richtet, ab. Anders als bisher können überregionale Einrichtungen mit zwei lokalen Partnern ein Bündnis bilden. Darüber hinaus können bereits aktive Bündnisse erfolgreiche Projekte erneut umsetzen und diese einem größeren Teilnehmendenkreis zugänglich machen.

Weitere Informationen zur Antragstellung und zu den Förderbedingungen finden Sie unter www.kinderrechte.de/kinderrechtebildung/kultur-macht-stark/neues-f ormat-sommer-der-kinderrechte/ und auf der Programmwebseite von „It`s your Party-cipation“ unter www.kinderrechte.de/kulturmachtstark.


18.05.2021: ISUV: Anhörung im Rechtsausschuss: Experten bestätigen Auffassungen der Parteien

Am 17. Mai fand eine Anhörung im Rechtsausschuss statt. Als Experten waren Professoren und Doktoren der Rechtswissenschaften sowie Thomas Krüger, Präsident des Kinderhilfswerks geladen. Gegenstand der Anhörung war der Vorschlag der Bundesregierung zur Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz. Im Koalitionsvertrag hatte sich die Regierung eine derartige Initiative vorgenommen. Kurz vor Ende der Legislaturperiode soll dies noch schnell umgesetzt werden.  

Bei der Expertenanhörung wurde folgende Formulierung diskutiert, mit der Artikel 6 ergänzt werden soll: „
Die verfassungsmäßigen Rechte der Kinder einschließlich ihres Rechts auf Entwicklung zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten sind zu achten und zu schützen. Das Wohl des Kindes ist angemessen zu berücksichtigen. Der verfassungsrechtliche Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör ist zu wahren. Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt.“ Alle Experten begrüßten die Initiative der Bundesregierung, allerdings vertraten sie tendenziell die Auffassungen der Parteien, die sie berufen hatten. So geriet die Anhörung zu einem identitätspolitischen Forum mit professoraler Attitüde, die altbekannten Haltungen wurden wiederholt.

Der Verband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) bleibt bei seiner Meinung, Kinderrechte sind in den Grundrechten enthalten. Eigentlich bedarf es keiner Aufnahme in die Verfassung. ISUV stimmt Prof. Gregor Kirchhof zu, der hervorhob, das Verhältnis zwischen Kindern, Eltern und Staat werde durch die vorgeschlagene Regelung in Artikel 6 GG nicht verändert.

Die Formulierung klingt im ersten Moment unverfänglich, „die verfassungsmäßigen Rechte der Kinder“ sollen geachtet und geschützt werden, eigentlich selbstverständlich, wenn es in der Verfassung steht. „Als Jurist weiß ich, dass mit der Aufnahme einer unverfänglich erscheinenden Formulierung eine veränderte Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts folgen könnte“, gibt der ISUV-Vorsitzende, Rechtsanwalt Klaus Zimmer zu bedenken. „Kinderrechte im Grundgesetz dürfen nicht die Legitimation für mehr Bevormundung der Familien durch den Staat, für mehr fragwürdige Inobhutnahmen der Kinder liefern. Familie ist das Private, die Privatsphäre, die der Staat zu achten hat“, fordert Zimmer.

„Wir fordern eine konkrete, praktische Umsetzung der UN-Kinderrechte in Familienpolitik und Familienrecht. Dazu bedarf es keiner im Verfassungsrecht angesiedelten identitätspolitischen Agenda. Es gibt konkrete familienrechtliche Defizite in Bezug auf die UN-Kinderrechtskonvention, auf die wir im Verlauf der Legislaturperiode mehrfach hingewiesen haben“, stellt Pressesprecher Josef Linsler fest.

Konkrete Defizite sieht ISUV in Bezug auf:

Gleichheit aller Kinder: Gleiche Stellung und Rechte von ehelichen und nichtehelichen Kindern, was im Eckpunkte-Papier zur Reform des Sorgerechts von Experten gefordert wird, über das sich Justizministerin Lambrecht einfach hinwegsetzt.

Anspruch aller Kinder – unabhängig, ob die Eltern verheiratet sind oder geschieden – auf Pflege und Erziehung durch beide Eltern.

Anspruch aller Kinder ihre Ieiblichen Eltern zu kennen. Konkret heißt das, die Mutter muss dem Kind sagen, wenn der rechtliche Vater nicht der natürliche Vater ist.

Anspruch aller Kinder auf Erziehung und Pflege durch die leiblichen Eltern als die natürlichen Eltern, daher individuelle Förderung und Stärkung der leiblichen Eltern, um ihrer Erziehungsaufgabe gerecht zu werden.

Artikel 8 – Anspruch des Kindes auf seine Identität: „Der Anspruch jedes Kindes auf seine individuelle Identität ist eine Forderung, die im Familienrecht ausgeklammert wird. Was gehört zur Identität eines Kindes ganz besonders? Diese Diskussion ist nicht nur im Zuge technischer Zeugungsmethoden wichtig, sondern auch nach jeder Trennung und Scheidung.“(Linsler)

Herausgeber

ISUV – Kompetenz im Familienrecht seit über 40 Jahren

Der ISUV vertritt als größte deutsche und überparteiliche Solidargemeinschaft die Interessen von Bürgern, die von Trennung, Scheidung und den damit zusammenhängenden Fragen und Problemen betroffen sind. ISUV ist unabhängig, bundesweit organisiert und als gemeinnützige Organisation anerkannt.

Kontakt:

ISUV-Bundesgeschäftsstelle, Postfach 210107, 90119 Nürnberg, Tel. 0911/55 04 78, – info@isuv.de

ISUV-Vorsitzender RA Klaus Zimmer, Augustinerplatz 2, 79098 Freiburg, 0761/23455, k.zimmer@isuv.de

ISUV-Pressesprecher, Josef Linsler, Moltkestraße 22a, 97318 Kitzingen, Tel. 09321/9279671 – j.linsler@isuv.de

Lesen Sie hier die Originalmeldung auf presseportal.de


25.03.2021: Kinderrechte ins Grundgesetz – aber richtig!

Friedberg/Berlin, 25.03.2021. Ein breites Bündnis von mehr als 100 Organisationen fordert in einem gemeinsamen Appell die Bundestagsfraktionen und die Bundesländer auf, sich bis zur Sommerpause auf ein Gesetz zur Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz zu einigen, das den Ansprüchen der UN-Kinderrechtskonvention gerecht wird.

Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers: „Der aktuell vorliegende Gesetzentwurf der Bundesregierung ist für uns nicht akzeptabel. Kommt die Grundgesetzänderung in der vorgeschlagenen Form, bedeutet das eine Verschlechterung der Rechtsstellung der Kinder in unserem Land. Der Gesetzentwurf fällt hinter die EU-Grundrechtecharta, die UN-Kinderrechtkonvention sowie die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zurück.“

Die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes in Hessen Verone Schöninger fügt hinzu: „Mit der Änderung der Hessischen Landesverfassung haben wir in Hessen starke Formulierungen zur Stärkung der Rechte der Kinder gefunden – diese gilt es nun auch auf Bundesebene im Grundgesetz umzusetzen. Für die konkrete Kinderschutzarbeit in Hessen brauchen wir jetzt auch echte Kinderrechte im Grundgesetz. Kindern darf nicht nur rechtliches Gehör zustehen. Sie brauchen umfassende Beteiligungsrechte. Wer Kinder wirksam schützen möchte, für den muss das Kindeswohl ein vorrangig zu berücksichtigender Gesichtspunkt sein. Und für eine kinderfreundliche Gesellschaft brauchen wir eine Verpflichtung des Staates, für kindgerechte Lebensbedingungen Sorge zu tragen. Das alles wird durch den Vorschlag der Bundesregierung nicht eingelöst“

Der gemeinsame Appell „Kinderrechte ins Grundgesetz – aber richtig!“ mit einer Liste aller unterzeichnenden Organisationen kann hier heruntergeladen werden.

Herausgeber

Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Hessen e.V.


15.03.2021: Deutsches Kinderhilfswerk: Gemeinsam gegen Rassismus in Deutschland

Das Deutsche Kinderhilfswerk mahnt zum Start der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2021 eine verstärkte Menschenrechtsbildung zur Stärkung der Demokratie in Deutschland an.

Dazu gehört nach Ansicht der
Kinderrechtsorganisation sowohl ein Ausbau des antirassistischen Engagements von frühkindlichen und schulischen Bildungsinstitutionen als auch von Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Das von der Bundesregierung Ende letzten Jahres beschlossene Maßnahmenpaket für den Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus bietet dafür eine gute Grundlage, greift aber an einigen Stellen wie dem frühkindlichen Bereich zu kurz.

Gleichwohl muss das Maßnahmenpaket jetzt mit Leben gefüllt werden, wobei neben der Förderung von einzelnen Maßnahmen auch ein Fokus auf die Strukturen von Rassismus gelegt werden muss. Wichtig ist dabei vor allem, das Bildungssystem als Ganzes unter den Gesichtspunkten der Menschenrechtsbildung, der Verwirklichung der Kinderrechte und der Demokratieförderung in den Blick zu nehmen und entsprechend zu stärken.

„Die Verrohung in politischen Auseinandersetzungen hat sich durch die Corona-Pandemie weiter verstärkt. Dazu kommen Verschwörungsmythen, die an vielen Stellen menschenverachtend aufgeladen sind. Diese immer wieder vorgetragenen rassistischen Denkmuster befeuern nicht nur antidemokratisches Verhalten, sondern dienen immer wieder auch als Legitimationsgrundlage für rassistische, antisemitische und antimuslimische Straf- und Gewalttaten. Hier darf der Staat keinen Millimeter nachgeben und muss die Opfer von Rassismus und letztlich auch unsere Demokratie mit fester Entschlossenheit verteidigen. Das muss einhergehen mit einer stärkeren Unterstützung der antirassistischen Arbeit der Zivilgesellschaft und der Anerkennung und Aufarbeitung der strukturellen Aspekte von Rassismus und Antisemitismus in Deutschland“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2021 als Kooperationspartner.

„Kinder, die von rassistischer Diskriminierung betroffen sind, haben Studien zufolge weniger Vertrauen in staatliche Institutionen oder die Gesellschaft als solches. Persönlich erlebter Rassismus, Hass und Gewalt hemmen ihre Entwicklung und ihre Bildungschancen, und stehen auch der chancengerechten Teilhabe an der Gesellschaft und einer demokratischen Mitbestimmung im Weg. Rassismus gefährdet und verletzt damit nicht nur Einzelpersonen, sondern bedroht in zunehmendem Maße auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie in Deutschland“, so Krüger weiter.

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2021 finden vom 15. bis 28. März statt und stehen unter dem Motto „Solidarität. Grenzenlos.“. Gemeinsam mit zahlreichen bundesweiten Organisationen und Einrichtungen – darunter das Deutsche Kinderhilfswerk – fordert die Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus dazu auf, sich an den Aktionswochen zu beteiligen und Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Botschafter für die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2021 ist der Pianist Igor Levit.

Weitere Infos zu den Positionen des Deutschen Kinderhilfswerkes zum Thema Rassismus unter www.dkhw.de/positionspapier-gegen-rassismus.

Herausgeber

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als
Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.

Share on whatsapp
Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on linkedin
Share on print

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Share on whatsapp
Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on linkedin
Share on print

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.